Seit etwas mehr als zwei Monaten begleitet uns nun das vielseitige Familienauto – von meinem Sohn wegen der Trittbretter als Geländewagen bezeichnet – Dacia Jogger mit LPG-Antrieb. Nachdem wir uns im ersten Teil des Berichts mit den grundlegenden Eigenschaften und der Ausstattung beschäftigt haben, ist es nun Zeit für eine erste Zwischenbilanz: Wie schlägt sich der Autogasantrieb, wie praktisch erweist sich der robuste Rumäne im Familienalltag und welche negativen Aspekte sind uns bisher aufgefallen?

Praxistauglichkeit und Funktionalität

Der Dacia Jogger ECO-G überzeugt durch seine hohe Praxistauglichkeit und Funktionalität. Mit seinem großzügigen Innenraum, der Platz für bis zu sieben Passagiere bietet, sowie einem variablen Laderaum, der sich flexibel an verschiedene Transportanforderungen anpassen lässt, erweist sich der Jogger als äußerst vielseitig. Und die Möglichkeit, zwischen Benzin und LPG zu wählen, spart bei häufigem Autogas-Tanken auch noch ordentlich Geld.

Der Innenraum des Joggers besticht durch sein praktisches Design und seine gute Übersichtlichkeit. Obwohl einige Oberflächen aus Hartplastik bestehen, wirkt das Cockpit keineswegs billig und erinnert nicht an die Anfänge der Marke Dacia in Deutschland (ich denke da beispielsweise an den ersten Dacia Logan Stufenheck-Testwagen von 2006).

Mesh-Stoffeinsätze in den Türen und im gesamten Cockpit, Chrom am Schalthebel und die gute Verarbeitung der Materialien gefallen einfach gut. Auch die Bedienungslösungen sind pfiffig. Generell ist alles einfach zu handhaben. Das einzige Touch-Element ist der 8-Zoll-Bildschirm auf der Mittelkonsole. Oben links daneben befindet sich ein USB-Anschluss zur Datenübertragung. Zum Laden von Endgeräten gibt es einen weiteren in der Mittelkonsole.

Die Sitze des Dacia Jogger bieten ausreichend Platz. Allerdings mangelt es insbesondere auf längeren Strecken an Seitenhalt und Beinauflage. Die Sitzheizungen der Vordersitze erwärmen die Flächen schnell und effizient. Allerdings ist eine spürbare intervallartige Funktion zu bemerken, die bei längeren Einsätzen dieser Heizungen gelegentlich störend sein kann.

Trotzdem sind die zusätzlichen 200 Euro für diese Option eine lohnende Investition. Die dritte Sitzreihe im Jogger ist ideal für Kinder oder Personen mit kleinerer Statur. Selbst ich mit über 1,90 Metern Körpergröße finde für kürzere Strecken akzeptabel Platz. Die Sitze der dritten Reihe lassen sich mühelos komplett herausnehmen und haben ein geringes Eigengewicht.

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2

Sicherheit und Konnektivität

Der Jogger bietet eine übersichtliche Auswahl an Assistenzsystemen. Ein Tot-Winkel-Warner ist ab der Serie Extreme+ serienmäßig, darunter nur gegen Aufpreis oder gar nicht erhältlich. Weitere Assistenzsysteme wie der aktive Notbremsassistent sowie Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer und Windowbags für vorne und hinten sind dagegen bereits ab der Einstiegslinie "Essential" immer an Bord.

Etwas irritierend ist die Anzahl der Sitze mit Isofix-Befestigung: Es sind zwei! Wer mehr als zwei Babys, Kleinkinder oder Kinder transportieren muss, zum Beispiel in einer Babyschale mit Stützfuß oder einem Reboarder, wird mit dem Jogger nicht glücklich. Diese sind nämlich nur auf den beiden äußeren Sitzen der zweiten Reihe möglich, der mittlere Sitz sowie die Sitze der dritten Reihe sind nur für die Befestigung von Kindersitzen oder Sitzerhöhungen der Klasse 2 und 3 freigegeben.

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2

Die LED-Scheinwerfer des Jogger verteilen das Abblendlicht gleichmäßig auf die Fahrbahn und bieten eine angenehm helle und sehr gute Reichweite. Das Fernlicht wird hingegen durch Halogentechnik bereitgestellt, dessen Licht im LED-Lichtkegel fast verschwindet.

Die integrierte Smartphone-Halterung erweist sich oft als zu instabil für größere Geräte, wodurch das Handy während der Fahrt leicht herausfallen kann. Android Auto und Apple CarPlay können problemlos genutzt werden. Im Test hat dies reibungslos funktioniert. In dieser Ausstattung ist das bordeigene TomTom-Navi bereits ab Werk verbaut. Für die anderen Ausstattungslinien (außer Essential) ist es für einen Aufpreis von 400 Euro verfügbar. Im Alltag überzeugte es mit einer guten Routenführung, Verkehrsinformationen und einer schlichten, aber funktionalen Kartendarstellung, ähnlich wie bei TomTom.

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2

Wie fährt er sich?

Wenn die LPG-Taste im Cockpit aktiviert ist, startet das Auto mit Benzin und wechselt bald auf Gas. Dies ist in der Regel nicht spürbar, außer bei extrem kalten Temperaturen unterhalb von minus 5 Grad. Der Klang des Dreizylindermotors ist typischerweise angespannter, als er tatsächlich ist, besonders auf der Autobahn. Die Geräuschdämmung ist jedoch – gemessen am Preis des Wagens – durchaus in Ordnung.

Die Sechsgang-Schaltung ist etwas knochig und erfordert häufiges Schalten. Sie hat lange Wege und eine lange Übersetzung. Daher sollte der Gas-Jogger nicht zu untertourig bewegt werden. Trotzdem ist er keineswegs eine lahme Krücke, auch wenn sportliche Ambitionen nicht wirklich zum Vorschein kommen. Die Werte im Datenblatt bestätigen diesen Eindruck: 'Reicht für den Alltag, mehr aber auch nicht!'.

Mit 170 Nm Drehmoment, beschleunigt er in 13 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h. Auf der Autobahn muss man bei starkem Seitenwind aufgrund der Dachbox aufpassen, da das Fahrzeug ins Schlingern geraten kann. Verantwortlich dafür ist nicht der Jogger selbst, sondern die durch die Dachbox vergrößerte seitliche Angriffsfläche. An eine solche Windanfälligkeit kann ich mich beim letzten Jogger Testwagen nicht erinnern.

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2
Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2

Wie läuft’s mit dem Flüssiggas?

Beim Tanken an einer LPG-Säule kann es vorkommen, dass sich der Flüssiggasstutzen mit dem Adapter verkeilt. Das Problem, das wir von anderen LPG-Fahrzeugen kennen, ist also keineswegs nur typisch Jogger. Dennoch kann es nerven, wenn man fertig mit dem Tanken ist – was sich übrigens auch "anders" darstellt als normales Benzin- oder Dieseltanken – und dann erstmal zur Rohrzange im Handschuhfach greifen muss, um den Adapter vom Tankstutzen zu lösen. In unserem Langzeittest war dies bei etwa jedem zweiten Tankvorgang erforderlich.

Apropos anders: Wer schon einmal Flüssiggas tanken musste, kennt ihn: den Totmannschalter. Nur wenn er gedrückt wird, kann das Autogas durch die Leitungen in den Tank des Fahrzeugs strömen. Lässt man ihn los, stoppt der Tankvorgang abrupt. Zusätzlich ist an Autogas-Zapfsäulen ein Not-Aus-Schalter vorgeschrieben, mit dem der Benutzer im Notfall den Tankvorgang schnell und konsequent stoppen kann.

Was sagt der Verbrauch?

Als letzter Punkt bleibt noch der Verbrauch unseres Flüssiggas-Dauertesters. Laut Datenblatt verbraucht der Jogger TCe 100 ECO-G im Autogas-Betrieb knapp 7,8 Liter (bei Benzin 6,1 Liter). Im Alltag haben wir jedoch im Schnitt knapp einen Liter mehr Flüssiggas verbraucht. Trotzdem ist das Fahren mit Autogas bei den derzeitigen Preisen von knapp einem Euro pro Liter immer noch sehr günstig.

Die Strecke München-Hamburg beträgt rund 800 Kilometer. Mit unserem Autogas-Jogger kostet die Fahrt knapp 63 Euro (bei einem LPG-Preis von 0,969 Euro/Liter), mit dem 110-PS-Benziner-Jogger gut 20 Euro mehr (1,819 Euro/Liter bei einem Verbrauch von 5,7 Litern/100 km). Es lohnt sich also, möglichst immer mit Autogas zu fahren, auch wenn das Tanken manchmal seine Tücken hat – und dann kostet der Autogas-Jogger in der Anschaffung sogar 400 Euro weniger als der vergleichbare 110-PS-Benziner – quasi eine eierlegende Wollmilchsau, oder?

Bildergalerie: Dacia Jogger TCe 100 ECO-G Extreme+ (2024) im Dauertest, Teil 2

Bild von: Fabian Grass

Dacia Jogger TCe 100 ECO-G 7-Sitzer Extreme+ (2024)

Motor Dreizylinder-Turbobenziner, 999 ccm
Leistung 74 kW (101 PS) mit Autogas, 67 kW (91 PS) mit Benzin
Max. Drehmoment 170 Nm bei 2.000-3.500 U/min (Autogas), 160 Nm bei 2.000-3.750 U/min (Benzin)
Antrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang-Getriebe
Beschleunigung 0-100 km/h 13,0 Sek. (Autogas), 13,2 Sek. (Benzin)
Höchstgeschwindigkeit 174 km/h (Autogas), 172 km/h (Benzin)
Länge 4.547 mm
Breite 1.784 mm
Höhe 1.691 mm (mit Dachreling, ohne Dachbox)
Bodenfreiheit 200 mm
Kofferraumvolumen 160 Liter (alle Sitzreihen aufrecht) / 506 Liter (3. Sitzreihe umgeklappt) / 595 Liter (3. Sitzreihe ausgebaut) / 1.807 Liter (3. Sitzreihe ausgebaut + 2. Sitzreihe umgeklappt)
Leergewicht 1.327 kg
Zuladung 562 kg
Anhängelast 1.200 kg
Verbrauch 7,8 - 7,7 Liter (Autogas), 6,1 - 6,0 Liter (Benzin)
Emission 121-119 g CO2/km (Autogas), 138-136 g CO2/km (Benzin), Euro 6d-Full
Basispreis 16.900 Euro (5-Sitzer) / 17.900 Euro (7-Sitzer)
Preis des Testwagens 23.239 Euro