Eigentlich kann der Name nur ironisch gemeint sein: Sportage nennt Kia seit 1993 sein Kompakt-SUV. Kann ein Fahrzeug dieser Klasse wirklich etwas mit Sportlichkeit am Hut haben? Fest steht: Die inzwischen fünfte Generation rollt bald mit auffälligem Design zu den Händlern. Ist der neue Sportage eine heiße Alternative zum VW Tiguan? Eventuell sogar mit sportlicher Note?

Was ist das?

Doch zunächst einmal gibt es bei Nummer Fünf viel zu gucken. Langweilig ist das Design des nun 4,51 Meter langen Sportage definitiv nicht. "Weiße Ware", wie ein Kollege noch beim bisherigen Modell titelte, ist der Kia jetzt nicht mehr. Besonders ins Auge springt die Frontpartie, an der man die regulären Scheinwerfer erst einmal entdecken muss. Am Heck beruhigt hingegen viel Blech das Auge. Ist die Form zu krass? Oder richtig geil? Urteilen Sie selbst ...

Kia Sportage (2022) im Test

Wenden wir uns lieber den unstrittigen inneren Werten zu. Mit 1,86 Meter ist der neue Sportage ziemlich breit geworden, was sich nach dem Einstieg aber nicht unbedingt in massiver Luftigkeit auszahlt. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Geräumig ist der Sportage schon, aber keine Lagerhalle wie ein (längerer) Skoda Kodiaq. Platz für Ellenbogen oder Beine gibt es zur Genüge, allerdings fällt der Fond eben knapper aus als bei vergleichbaren Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns.

Im Gegenzug punktet der Kia mit üppigen 526 bis 1.715 Liter Kofferraumvolumen beim 1.6 CRDi mit Allrad. Beim Basisbenziner sind es sogar 591 bis 1.780 Liter. Erfreulich sind die netten Details nach Skoda-Simply-Clever-Art: Eine in die vordere Kopfstütze integrierte Halterung für Kleiderbügel etwa, die Sie hier im Foto sehen (Serie ab Vision). Oder auch ein Haken in der Lehne.

Kia Sportage (2022) im Test

Mit vielen Ablagen und einfacher Bedienung erweist sich auch das Cockpit als clever. Zwei 12,3-Zoll-Displays sind fast immer im Sportage an Bord, analoge Instrumente gibt es gar nicht mehr.  Aber das ist nicht schlimm, denn Kia lässt nicht wie VW die ganz große Touch-Sau raus.

Man hat sich nämlich einen pfiffigen Trick einfallen lassen: Drücke ich auf eine bestimmte Taste unterhalb des Touchscreens, wechseln die Bedienfelder in der dortigen Leiste vom Infotainment zur Klimatisierung. Auch die klassischen Drehregler links und rechts ändern dann ihre Funktion und regulieren die Temperatur. Zwar reagieren die großen Touchfelder nicht ganz so präzise wie klassische Knöpfe, aber es ist keine Wurschtelei auf Verdacht wie in einem VW Golf.

Kia Sportage (2022) im Test
Kia Sportage (2022) im Test
Kia Sportage (2022) im Test

Schön ist auch der Umstand, dass man über die zwar breiten, aber flachen Displays hervorragend über das Armaturenbrett auf die Straße blicken kann. Oh, und klassische Tacho-Ansichten gibt es natürlich trotzdem, eine sogar mit digitalen Ziffern im 80er-Casio-Look. Eine große Kartenansicht ist nicht möglich, braucht es aber angesichts des Displays daneben auch nicht. Insgesamt wirkt der Innenraum modern, aber nicht abgehoben-unruhig, zudem ansprechend gestaltet und bestens verarbeitet. Viele Grüße nach Wolfsburg ...

Wie fährt er sich?

Zugegeben, außen durften sich die Designer am Sportage austoben. Aber bei allen anderen Bereichen bekommt man den Eindruck, dass Kia an seine Kunden denkt. Eberhard statt Avantgarde. Dazu passt, dass der Diesel weiterleben darf. Bei rund 20 Prozent sieht Kia Deutschland auch zukünftig den Selbstzünder-Anteil.

Allerdings wird das Diesel-Angebot ausgedünnt, es gibt fortan nur noch den 1.6 CRDi mit 48V-Mildhybrid und 136 PS Leistung. Die Rolle des früheren Zweiliters soll ab April 2022 der Sportage Plug-in-Hybrid mit 230 PS kombinierter Leistung übernehmen.

Kia Sportage (2022) im Test

Doch im Fahrerlebnis zeigt sich schnell, dass der vermeintlich kleine Diesel ein ganz Großer ist. 320 Newtonmeter liegen zwar erst ab 2.000 Umdrehungen an, doch der Mildhybrid gleicht eine Anfahrschwäche untenrum fast perfekt aus. Dazu passt die sehr schön agierende Doppelkupplung mit sieben Gängen ebenso wie der optionale Allradantrieb.

Wer wie wir dienstlich immer häufiger Elektroautos fährt, wird die akustische Präsenz des Diesels sensibler wahrnehmen. Aber das Ohr fühlt sich zu keinem Zeitpunkt belästigt, selbst bei Tempo 150 bleibt die Lautstärke im angenehmen Rahmen. Ist der Sportage nun sportlich? Jein. Die Lenkung begeistert zwar mit feinfühligem Ansprechverhalten, hinzu kommt das feine Handling. 

Aber 11,6 Sekunden auf 100 km/h und 180 Spitze sind wenig dynamisch. Doch das will der Sportage auch nicht primär sein. Er verwöhnt mit viel Komfort, trotz 18-Zoll-Winterbereifung federte das Fahrwerk in unserem Test viel weg. Ausgewogenheit ist Trumpf, eben ein SUV für Otto Normalautofahrer. Der sich über gut 6,5 Liter Verbrauch im Schnitt freuen kann, offiziell nach WLTP sind es 5,9. Und 1.650 Kilogramm Anhängelast, beim 1.6 CRDi 48V 2WD mit manuellem Getriebe sogar 1.950 Kilogramm.

Kia Sportage (2022) im Test

Was kostet er?

Otto, Eberhard, Daniela oder wie auch immer die künftigen Sportage-Kunden heißen mögen: Sie werden sich nicht nur an den Kia-typischen sieben Jahren Garantie erfreuen, sondern auch an einer fairen Preisgestaltung. Bei 27.790 Euro startet der Basis-Benziner mit 150 PS, der günstigste Diesel notiert bei 30.440 Euro. Kein totaler Schnapper, aber bereits ab Werk gut ausgestattet.

Wo liegt unser 1,6er mit 48V und DCT? 36.940 Euro sind es, allerdings ist dann schon die bessere "Vision"-Ausstattung dabei. Inklusive sind hier zusätzlich das 12,3-Zoll-Navi, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, ein beheizbares Lenkrad, Sitzheizung vorne UND hinten, ebenso Parkpiepser rundum. Allrad kostet exakt 2.000 Euro zusätzlich.

Empfehlenswert ist die Ergänzung um das Komfort-Paket für 990 Euro mit elektrisch einstellbaren Vordersitzen, doch selbst das muss man nicht zwingend haben. Ergo: 620 Euro für Metallic oder noch 300 mehr für ein farblich anderes Dach, fertig ist die Laube. Der Griff zur nächsthöheren "Sprit-Ausstattung lohnt sich für diejenigen, die viele Helferlein möchten. Denn nur hier gibt es ein umfangreiches Assistenz-Paket für 1.390 Euro. 

Im Vergleich dazu ein entsprechender VW Tiguan: Als 2.0 TDI mit 150 PS, DSG und Frontantrieb sind es hier mindestens 38.680 Euro, ausstattungsbereinigt wird die 40.000er-Marke locker geknackt. Wenn Sie noch zwischen ihm und dem Kia schwanken: Der neue Sportage kommt Ende Januar 2022 auf den Markt.

Fazit: 9/10

Wir legen uns fest: Der neue Kia Sportage ist derzeit das beste SUV seiner Klasse. Viel Platz, durchdachte Bedienung und ein schön austariertes Fahrverhalten stehen auf der Habenseite, ebenso das faire Preis-Ausstattungsverhältnis. Manch ein Kunde mag sich vielleicht einen noch stärkeren Diesel wünschen. Fest steht: Kia ist das neue VW. Nicht nur beim Design sieht der Tiguan jetzt alt aus.    

Bildergalerie: Kia Sportage (2022) im Test

Kia Sportage 1.6 CRDi 48V DCT AWD (2022)

Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 1.598 ccm plus 48V-Mildhybrid
Leistung 100 kW (136 PS) bei 4.000 U/min
Max. Drehmoment 320 Nm bei 2.000 - 2.250 U/min
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung 0-100 km/h 11,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Länge 4.515 mm
Breite 1.865 mm
Höhe 1.645 mm
Kofferraumvolumen 526 - 1.175 Liter
Leergewicht 1.676 - 1.811 kg (je nach Ausstattung)
Zuladung 549 kg
Anhängelast 1.650 kg
Verbrauch 5,9 Liter/100 km (kombiniert, WLTP)
Emission 154 g CO2/km (kombiniert, WLTP), Euro 6d
Basispreis 38.940 Euro