Antrieb top, Handling nicht immer

Was ist das?

Das ist der neue König unter den kompakten Performance-Crossovern, dem modischsten Segment, seit es Automobile gibt. Eiserne Enthusiasten meiden diese Gattung wie Bildungsbürger RTL2. Aber Enthusiasten sind ziemlich egal, wenn es um Stückzahl geht und die ist im Land von VW T-Roc R, Cupra Ateca, BMW X2 M35i, Mercedes-AMG GLA 45 und Co. gerade ein ziemlicher Selbstläufer. Von den fetten Margen, die die kleinen SUVs (Steroid Utility Vehicle) bringen, mal ganz zu schweigen.

Audi Sport, die Herrschaften hinter allem mit RS-Logo und dem R8, hat sehr ambitionierte Wachstumsziele und der neue RS Q3 sowie sein noch trendigerer Coupé-Bruder RS Q3 Sportback dürften zu den treibenden Kräften in diesen Überlegungen gehören. Als Primär-Lockstoff dient einmal mehr der famose 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo mit ungezogenen 400 PS. Außerdem kriegen die beiden RS Q3s Unmengen an Grill und Lufteinlässen, zwei Oval-Endrohre von monumentaler Größe, 10 mm breitere Kotflügel und ein Sportfahrwerk mit 10 mm Tieferlegung.

Zu den Optionen auf der erschreckend umfangreichen Aufpreisliste gehören unter anderem ein Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern, eine Keramikbremse (für die Vorderachse) und 21-Zoll-Räder mit sehr wenig Gummi an den Flanken. Eines dieser Extras ist überaus sinnvoll, die anderen eher nicht. 

Wetten, es hat mit dem Fahrkomfort zu tun?

Exakt. Warum genau man wollen würde, dass der eigene Familienwagen - und nichts anderes ist ein Kompakt-SUV, auch wenn es drölfhundert PS hat - federt wie ein Skateboard auf einer Steintreppe, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Dennoch stimmen viele Hersteller ihre Sport-Crossover genau so ab. Sollten Sie Ihren RS Q3 mit Standard-Fahrwerk und "Schau-wie-groß-meine-Felgen-sind"-Felgen ordern, wird Ihnen ähnliches blühen: Eine Federung, die Sportlichkeit suggerieren soll, die aber hauptsächlich damit beschäftigt ist, aus Ihren Bandscheiben Mehl zu machen.

Unser Testwagen hingegen war mit dem 980 Euro teuren, adaptiven Sportfahrwerk Plus ausgestattet und stand auf 20-Zoll-Rädern. Ich kann beides nur empfehlen, denn in dieser Konfiguration rollt das Auto so handzahm ab, dass es keinerlei Grund zur Beschwerde gibt. Diese Aussage verliert ihre Gültigkeit, sobald Sie die Dämpfer auf die "sportlichste" Stufe stellen, allerdings gibt es wirklich keinen plausiblen Grund, warum man das tun sollte. Außer man findet es cool, wenn ein Auto auf Knopfdruck härter austeilt, mehr hoppelt und weniger gut zu kontrollieren ist. 

Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test
Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test

Glücklicherweise bietet Ihnen auch der RS Q3 die Freiheit, komplett selbst zu bestimmen, wie Sie fahren möchten. Sie können sich nämlich zwei komplette Setups (Motor+Getriebe, Allrad, Fahrwerk, Lenkung, Klang) konfigurieren und Sie auf der neuen RS-Taste auf der rechten Lenkradspeiche abspeichern. Wie fast immer empfiehlt es sich, alles maximal aufzudrehen, aber Lenkung und Fahrwerk auf "Comfort" zu lassen.  

Und dann macht das Auto richtig Laune?

Nun, das kommt ganz darauf an, in welche Relation man das Ganze setzt. Mit der Fahrdynamik und Kontrolle eines - sorry - richtigen Kompaktsportlers kann auch der RS Q3 konzeptbedingt nicht mithalten. Das liegt schlichtweg an der Fahrhöhe. Ganz grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Er hat durchaus einige lichte Momente, aber auch Eigenschaften, die weniger anturnen.

Wie schon beim Vorgänger (von 2013 bis 2016), der ganz nebenbei ein überraschend wilder und charmanter Hund war, kann dieses Auto erstaunlich lebendig und rotzfrech, wenn man es richtig piesackt. Allerdings muss man dafür schon Dinge tun, die man eigentlich keinem erzählen sollte. Daher nur fürs Protokoll: Viel Überschwang in engeren Kurven kann durchaus zum Austritt des Hecks führen, ehe sich die Fuhre kurz schüttelt, den Scheitel wieder gerade zieht und die (sehr druckvolle) Flucht nach vorne antritt. Dass der Allradantrieb bis zu 85 Prozent der Kraft nach hinten schicken kann, scheint also nicht nur Prospekt-Geschwafel zu sein.

Dieses Schauspiel kann durchaus sehr erheiternd sein, spielt aber in 99 Prozent der Fälle keine Rolle. Denn selbst wenn "quattro" auf ihrem Crossover-Coupé steht, werden Sie (hoffentlich) nicht jede einzelne Fahrt zu Ihrer persönlichen Rallye-Wertungsprüfung machen. 

Und wenn ich ihn ganz normal fahre?

Dann ist er wenig überraschend ein sehr angenehmes Alltagsfahrzeug mit einem absoluten Berserker von einem Motor. Es ist sehr wohltuend, dass Audi der möglichen Versuchung widerstanden hat, den ewigen Zweiliter-Konzern-Vierzylinder auch hier zu verbauen. Klar, ein T-Roc R oder ein Cupra Ateca mit 300 PS sind bis 100 km/h kaum langsamer, aber danach fährt der RS Q3 Kreise um die beiden. Er ist wirklich so verdammt schnell! Von ganz unten heraus gönnt er sich eine kleine 80er-Jahre-Turbo-Gedächtnis-Gedenksekunde, aber ab etwa 2.600, 2.700 Touren stellt er den Nachbrenner scharf und dann heißt es "Gut festhalten, Freunde!"

Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test

Und natürlich verfügt der Fünfzylinder noch immer über eine Ausstrahlung, von der jeder Vierpötter nur träumen kann. Dank Partikelfilter ist er akustisch sicher nicht mehr so ungestüm und laut wie zu seinen besten Zeiten und die Menge an Lärm aus dem Labor hat definitiv zugenommen, aber er klingt auch jetzt noch herzerwärmender als 90 Prozent der anderen Motoren mit weniger als acht Zylindern. 

Die Siebengang-S Tronic arbeitet schnell genug, kann aber beizeiten etwas frustrieren. Will man flott unterwegs sein, ist es sicher am besten, die - leider arg kunststoffigen - Schaltpaddles selbst in die Hand zu nehmen. Gangwechsel aufwärts funktionieren einwandfrei, die nach unten aber nicht immer gleich beim ersten Versuch.

Kann das Fahrwerk mit dem Motor mithalten?

Was die Traktion und die erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten angeht, herrscht absolut kein Mangel. Allerdings fehlt auch bei diesem Performance-SUV diese innige Verbindung zwischen Fahrer, Auto und Straße. Die Lenkung meldet nicht besonders ausgiebig, was unter einem gerade passiert und in Kurven verhält sich das Auto eher stacksig und ein wenig indifferent. 

Entsprechend generiert der RS Q3 Sportback seine Anziehungskraft weitgehend durch sein großartiges Aggregat, weniger durch ein fesselndes Fahrverhalten.

Ein Wort noch zur Keramikbremse: Sie reagiert initial ziemlich giftig und ist ein wenig knifflig zu dosieren. In einem RS Q8 mit 2,4 Tonnen und 600 PS leuchtet mir der Sinn eines solchen Edel-Ankers durchaus ein, hier denke ich, kann man gut und gerne darauf verzichten. 

Wie ist er innen?

Wie ein normaler Q3 mit besseren Sitzen, einem herrlich anzufassenden Alcantara-Lenkrad und ein wenig Carbon hier und da. Das sieht alles sehr schick aus, ist in puncto Materialien aber beim Blick auf manche Plastikoberfläche nicht überall dem gewaltigen Preisschild angemessen. 

Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test
Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test
Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test

Großartig hingegen: Die Bedienung von Infotainment und den hervorragenden digitalen Instrumenten. Der Platz im Fond ist auch im Sportback großzügiger als man vielleicht denken würde. Bein- und Kopffreiheit gehen absolut in Ordnung, zusätzlich lässt sich die Rückbank um bis zu 130 mm verschieben. Der Kofferraum ist mit 530 bis 1.400 Liter ebenfalls lobenswert.

Soll ich ihn kaufen?

Ich will die Frage nicht wieder stellen, aber es lässt sich kaum vermeiden: Wer braucht ein kleines Familien-SUV-Coupé mit 400 PS und 280 km/h Höchstgeschwindigkeit, das im Falle unseres vollausgestatteten Testwagens unfassbare 90.000 Euro kostet? Niemand natürlich. Dafür kriegen Sie auch einen ziemlich guten Porsche Macan oder einen Alfa Stelvio Quadrifoglio. 

Aber erstens müssen Sie natürlich nicht alle Extras bestellen um glücklich zu werden (nur das DCC-Fahrwerk ist Pflicht) und zweitens hatte es schon immer seinen Charme, Dinge zu tun, die eigentlich kaum Sinn ergeben. 

In seinem Segment ist der RS Q3 - ob mit oder ohne Sportback - derzeit sicher der charakterstärkste und launigste Vertreter. Das liegt hauptsächlich an seinem wunderbaren Motor und der knalligen Optik. Dieses Auto ist bei weitem nicht perfekt und wirklich teuer, aber eine gewisse Ausstrahlung kann man ihm nicht absprechen.

Fazit: 6/10

Bildergalerie: Audi RS Q3 Sportback (2020) im Test

Bild von: Fabian Grass

Technische Daten und Preise Audi RS Q3 Sportback

Motor Fünfzylinder-Turbo; 2.480 ccm
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung 294 kW (400 PS) bei 5.850-7.000 U/min
Max. Drehmoment 480 Nm bei 1.950-5.850 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 4,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (optional 280 km/h)
Leergewicht 1.775 Kg
Zuladung 550 Kg
Kofferraumvolumen 530-1.400 Liter
Anhängelast 1.900 Kg
Verbrauch Normverbrauch: 8,9 Liter; Testverbrauch: x,x Liter
Emission 204 g/km CO2
Basispreis 65.000 Euro
Preis des Testwagens 89.650 Euro