Wie viel Strom verbraucht das Elektroauto im realen Straßenverkehr?

Das Tesla Model 3 ist ein echtes Marktphänomen: Der Wagen wurde auf Anhieb zum  meistverkauften Elektroauto Europas, in Deutschland landete es 2019 knapp hinter dem Renault Zoe auf Platz zwei, in Italien auf Platz drei. Auch aus diesem Grund entschied sich die Redaktion von Motor1.com Italien zum Kauf eines Model 3. Es handelt sich um die Version Standard Reichweite Plus mit einem 340 PS starken Elektromotor und einer 50-kWh-Batterie. Die Redakteurinnen und Redakteure wollen das Elektroauto auf Herz und Nieren testen. Begonnen wurde mit unserem Verbrauchstest auf der Strecke von Rom nach Forlì

Auf unserer 360 Kilometer langen Standardstrecke von Rom in die Emilia Romagna verbrauchte die Mittelklasse-Limousine durchschnittlich 14,7 kWh/100 km, was bei den durchschnittlichen deutschen Kosten für Haushaltsstrom etwa 4,41 Euro/100 km entspricht.

Tesla Model 3

Vor der Abfahrt wurde die Batterie vollständig aufgeladen. Für die Fahrt von Rom nach Forlì reichte das nicht aus. Wir mussten einen kurzen Halt in Cesena machen, und füllten Elektronen an einer schnellen Gleichstromsäule auf.

Zu beachten ist, dass der Test im Winter stattfand -- mit Winterreifen, aktivierter Heizung und eingeschaltetem Licht. Da uns das Auto länger zur Verfügung steht, werden wir den gleichen Test im Sommer wiederholen und sind gespannt, wie stark sich der Stromverbrauch verringert.

Im Ranking unserer Verbrauchstest-Ergebnisse liegt unser Tesla Modell 3 mit seinen 14,7 kWh/100 km genau in der Mitte der Elektroautos: Elektro-Kleinwagen waren sparsamer, die großen batteriebetriebenen Autos weniger sparsam. Besser als das Modell 3 schnitten die kompakteren Modelle Nissan Leaf (13,1 kWh/100 km), Renault Zoe (12,7 kWh/100 km) und Hyundai Kona Electric (12,0 kWh/100 km) ab.

La nostra elettrica, Tesla Model 3

Mehr elektrische Energie verbrauchten der Kia e-Soul mit (15,9 kWh), das Tesla Model S (16,4 kWh) und das Trio der großen SUVs: Mercedes EQC (16,6 kWh), Jaguar I-Pace (18,8 kWh) und Audi e-tron 55 (19,0 kWh/100 km).

La nostra elettrica, Tesla Model 3

Ein Hinweis zur Rekuperation: Wie bei allen Tests von Elektroautos habe ich auch beim Tesla Model 3 die kleinste Stufe (hier Low genannt) gewählt. Das ermöglicht mir eine ruhigere Fahrt und eine bessere Ausnutzung der Trägheit des Autos.

Wie immer bei unseren Verbrauchstests wurde auch der Verbrauch in verschiedenen Fahrsituationen aufgezeichnet. Das Model 3 brachte durchgängig gute Ergebnisse. Unter denkbar schwierigen Bedingungen, nämlich dem Einsatz im römischen Stadtverkehr, kamen wir auf einen Durchschnitt von 27,0 kWh/100 km und eine theoretische Reichweite von 185 km. Bei gemischter Nutzung innerorts und außerorts kam der Viertürer auf 17,4 kWh/100 und eine berechnete Reichweite von 285 km.

La nostra elettrica, Tesla Model 3

Auf der Autobahn verschlechtert sich der Durchschnitt, bleibt aber im Vergleich zu einigen Konkurrenten gut: 22,8 kWh/100 km, was einer Reichweite von 215 km entspricht. Bei unserer Sparfahrt kamen wir mit 13,9 kWh/100 km (und 355 km Reichweite) weg, im Maximalverbrauchs-Test bergauf dagegen waren es 70 kWh/100 km (70 km Reichweite).

Daten

Fahrzeug: Tesla Model 3 Standard Range Plus
Testdatum: 24. Januar 2020
Wetter (Abfahrtszeit/Ankunftszeit): neblig, 15 Grad/neblig, 6 Grad
Insgesamt gefahren: 1.062 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 78 km/h
Reifen: Michelin Pilot Alpin 5 - 235/45 R18 M+S

Verbrauch

Bordcomputer-Anzeige: 14,7 kWh/100 km
An der Ladesäule ermittelter Verbrauch: k.A.
Mittel aus diesen Zahlen: 14,70 kWh/100 km
Strompreis: 0,30 Euro/kWh
Stromkosten: 4,41 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh (gerundeter Durchschnittspreis für 1 kWh Haushaltsstrom in Deutschland laut BDEW, Stand 7/2019). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

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