Welchen Stromverbrauch und welche Reichweite hat das Elektro-SUV im normalen Verkehr?

Auch ein Elektroauto kann starke Emotionen bringen. Ein schneller Sprint, durchdrehende Räder und ein berauschender Motorsound sind nicht alles. Der neue Mercedes EQC, das erste Elektro-SUV der Stern-Marke, hat es geschafft, mir auf meiner wöchentlichen Verbrauchstest-Fahrt das beste Reiseerlebnis aller Zeiten zu vermitteln: entspannend, geräuschlos und komfortabel. Hier war der EQC sogar angenehmer als die Champions der Branche wie Tesla Model S, Porsche Panamera, Audi Q7 e-tron oder Lexus LS.

Für ein SUV war auch die Sparsamkeit überraschend: 16,6 kWh/100 km waren es auf den 360 Kilometer der Strecke von Rom nach Forlì. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Preis für Haushaltsstrom von 30 Cent pro Kilowattstunde Stromkosten von 4,98 Euro/100 km. Aus dem Durchschnittsverbrauch und der Speicherkapazität der Batterie (80 kWh) errechnet sich eine Reichweite von fast 480 Kilometer.

Mit diesen guten Ergebnissen gehört der Mercedes EQC 400 4Matic zu den sparsamsten Elektro-SUVs in unseren Verbrauchstest-Annalen. Vor ihm rangieren der kleinere Hyundai Kona Elektro (12,0 kWh/100 km) und das Tesla Model S 100D (16,4 kWh/100 km), während der Jaguar I-Pace EV 400 mehr Strom brauchte (18,8 kWh/100), genauso der Audi e-tron 55 quattro (19,0 kWh/100 km).

2020 Mercedes-Benz EQC Edition 1886

Zum Aufladen habe ich alle in Italien verfügbaren Möglichkeiten genutzt, von der klassischen Schuko-Steckdose in der Garage (2,2 kW) bis zur ultraschnellen Ladung an der Ionity-Gleichstromsäule (350 kW). Die Zeiten für das Aufladen auf 80% reichten dabei von 40 Minuten bis zu über 30 Stunden.

Mercedes EQC, prima prova su strada

Wie ist der Verbrauch und die daraus berechnete Reichweite in verschiedenen Fahrsituationen? Bei gemischter städtischen/außerstädtischen Nutzung kamen wir auf 19 kWh/100 km (421 km), im starken Verkehr Roms auf durchschnittlich 25 kWh (320 km) und auf der (italienischen) Autobahn pendelte sich der Verbrauch bei 30 kWh (266 km) ein.

Bei konstanter Geschwindigkeit in der Ebene gefahren, kam der EQC auf einen sehr guten Wert von 13,6 kWh (588 km). Ein Negativrekord stellt allerdings der Maximalverbrauch (mit viel Gas bergauf) dar: Da brauchte der EQC nicht weniger als 91,8 kWh (87 km). Über die gesamte Testdauer fuhren wir 1.200 Kilometer. Danach hatte sich der Durchschnittsverbrauch auf 19,9 kWh (402 km) eingependelt.

Daten

Fahrzeug: Mercedes EQC 400 4Matic
Testdatum: 2. August 2019
Wetter: heiter/regnerisch, 34 Grad
Insgesamt gefahren: 1.257 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 78 km/h
Reifen: Pirelli Scorpion Verde - 235/50 R20 vorne, 255/45 R20 hinten

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 16,6 kWh/100 km
An der Ladesäule ermittelter Verbrauch: k.A.
Mittel aus diesen Zahlen: 16,60 kWh/100 km
Strompreis: 0,30 Euro/kWh
Stromkosten: 4,98 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und den durchschnittlichen Strompreis von deutschen Haushalten, wie von www.stromauskunft.de angegeben. Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

Bildergalerie: Mercedes EQC 400 4Matic (2020) im Test