Wie schlägt sich das kleine SUV im Alltag?

Seit gut sechs Wochen befindet sich der Kia Stonic 1.6 CRDi bei uns im Dauertest. Inzwischen hat F-PR 1194 rund 2.200 Kilometer abgespult, viele davon mit wechselnden Fahrern. Zeit also, eine Art Halbzeitbilanz zu ziehen. Natürlich sind die Eindrücke mit dem 4,14 Meter kurzen SUV subjektiv geprägt, doch es gibt recht viele Übereinstimmungen getreu dem Motto "Zwei Dumme, ein Gedanke". Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick ins Fahrtenbuch werfen.

Dort steht unter anderem "Meine Nachbarin findet ihn sehr schick. Am liebsten hätte sie ihn als Cabrio." Nun, diesen frommen Wunsch dürften Peter Schreyer und seine koreanischen Kumpels wohl nicht erfüllen. Aber tatsächlich hebt sich der Kia Stonic angenehm aus der inzwischen großen Horde von kleinen SUVs hervor, ohne es in Sachen Design zu übertrieben. Generell bleibt festzuhalten: Einen wirklich hässlichen Kia gibt es nicht.

Weiter im Text: "Der Kofferraum ist relativ klein und an den Seiten verbaut." Relativ trifft es ganz gut. 352 bis 1.155 Liter Volumen sind angesichts des Stonic-Formats sehr ansehnlich. Nur ist die Nutzbarkeit in Tat nicht ganz optimal, auch wegen der inneren Ladekante. Ich würde sagen: Kritik auf hohem Niveau. "Die Materialanmutung innen ist ok. Nicht besonders, aber für die Klasse gut und man erwartet nicht mehr." Allerdings, Herr Kollege! Schließlich steht kein Rolls-Royce vor der Tür, sondern ein preisgünstiges kleines SUV, wie wir bereits in der letzten Folge gesehen haben. Hartplastik regiert deshalb innen, aber es springt einen nicht so direkt an wie etwa bei gleichwertigen Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern. Anders formuliert: Solider Eintopf, aber nett angerichtet.

Kia Stonic (2019) mit Uplift Kit im Dauertest

Ein echter Pluspunkt des Kia Stonic ist die einfache Bedienung. Statt digitaler Welten funktioniert das Meiste ganz klassisch per Schalter oder Knopf. So entdeckt man schnell die dreistufige Sitzheizung und die Lenkradheizung. Beide sprechen schnell an und sind im Winter ein wahrer Segen. Stichwort Sitze: Sie dürften vorne gerne etwas straffer sein.

"Der Motor ist top" spricht der Kollegenmund. Nun, ich persönlich empfinde ihn im kalten Zustand als nicht gerade diskret, das hörbare Nageln legt sich aber später. Wenn ich weiter zitieren darf: "Der Stonic ist lustig zum Hertreten, hat aber untenrum eine kleine Anfahrschwäche." Hertreten? Ich muss doch bitten! Wobei in der Tat beim Stonic Diesel satte 280 Newtonmeter Drehmoment auf gut 1,3 Tonnen Leergewicht treffen. In Verbindung mit der erwähnten Anfahrschwäche passierte es auch mir, dass bei falscher Dosierung des Gaspedals das Drehmoment wie wild über die Vorderräder herfällt. Hier wäre ein Automatikgetriebe schön, aber das gibt es für den selbstzündenden Stonic nicht. Nur für den 120 PS starken Turbobenziner ist ein Doppelkupplungsgetriebe namens DCT im Programm.

Apropos Getriebe: "Die Schaltung hat lange Wege und ist vor allem beim Einlegen des Rückwärtsgangs hakelig. Ich brauche manchmal 2 bis 3 Anläufe, bis der Rückwärtsgang drin ist." Dem kann nur beigepflichtet werden, hinzu kommt eine nicht unbedingt präzise Führung. Nicht ganz auf der Kollegenlinie liege ich bei der Beurteilung der Lenkung: "Synthetisch und gibt kaum Rückmeldung" würde ich so hart nicht sagen, eher "solider Durchschnitt".

Kia Stonic (2019) mit Uplift Kit im Dauertest

Was überrascht, ist die Meinung zum Fahrwerk trotz der Höherlegung um rund drei Zentimeter durch das optionale Uplift-Kit: "Gut, bei kleinen Unebenheiten ein bisschen hart." Tatsächlich verkommt der Stonic nicht zur fiesen Rumpelkammer, sondern bleibt in diesem Punkt positiv unauffällig.

Zu welchem Fazit kommen wir zum jetzigen Zeitpunkt? Speziell mit dem Uplift-Kit empfiehlt sich der Kia Stonic für grobe Straßenbeläge oder Feldwege. Wie hat es ein Kollege treffend formuliert: "Dank des Uplift-Kit und der umlaufenden Plastikbeplankung ein gutes Zweitauto für die Gattin, die ihr Pferd im Stall besucht." Aber denken wir an Bud Spencer: Ohne Heu kann das beste Pferd nicht furzen. Wie viel Heu respektive Sprit der Diesel-Stonic futtert, klären wir in der nächsten Folge.        

Kia Stonic

Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 1.598 ccm
Leistung 100 KW / 136 PS bei 4.000 U/min
Max. Drehmoment 280 Nm bei 1.500 - 3.000 U/min
Antrieb Frontantrieb
Getriebeart Sechsgang-Schaltgetriebe
Beschleunigung 0-100 km/h 10,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Länge 4.140 mm
Breite 1.760 mm
Höhe 1.520 mm (ohne Uplift Kit)
Kofferraumvolumen 352 - 1.155 Liter
Leergewicht 1.363 kg
Zuladung 450 kg
Anhängelast 1.110 kg
Verbrauch 4,1 Liter/100 km (NEFZ)
Emission 108 g CO2/km, Euro 6d-TEMP
Basispreis 26.890 Euro
Preis des Testwagens 27.190 Euro

Bildergalerie: Kia Stonic (2019) mit Uplift Kit im Dauertest, Teil 2

Bild von: Fabian Grass