Schräge Nummer oder schickes SUV?

Eltern kennen das Problem: Wie soll das Neugeborene heißen? Auch Audi steckte bei seinem neuesten SUV-Modell offenbar in diesem Dilemma. Der Q3 hat ein Brüderchen bekommen, doch anders als beispielsweise BMW bei X1/X2, X3/X4 und so weiter wurde der Neuling nicht etwa zum Q4, sondern zum Q3 Sportback. Etwas irritiert das schon, schließlich stand Sportback bislang explizit für fünftürige Ableger bekannter Modelle. Doch ein Q4 e-tron kommt erst in den nächsten Jahren als Elektro-SUV. Also müssen wir uns an "Q3 Sportback" gewöhnen. Wir sind ihn bereits gefahren.

Was verbirgt sich hinter dem Audi Q3 Sportback?

Nach dem Q8 ist der Q3 Sportback das zweite Coupé-SUV (oder je nach Gusto: Crossover) von Audi. Offiziell werden der muskulöse Auftritt, die schlank gezeichnete C-Säule, den speziellen Achteck-Grill und die Blades vorne hervorgehoben. Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss solch ein Auto mögen. Mir persönlich, der dieser SUV-Kategorie skeptisch gegenübersteht, gefällt der Q3 Sportback deswegen, weil er noch halbwegs sachlich bleibt. Netterweise verzichtet Audi hier auch auf Fake-Auspuffendrohre. Aber beenden wir besser die philosophischen Diskussionen und schauen auf die harten Fakten: Exakt 4,50 Meter ist der Q3 Sportback lang, nur 1,6 Zentimeter mehr als der normale Q3. Der Radstand von 2,68 Meter ist bei beiden gleich, während die Höhe beim Q3 Sportback um rund drei Zentimeter auf 1,56 Meter sinkt. Löblich ist der weiterhin große Kofferraum: 530 bis 1.400 Liter sind, womit der Q3 seinen schicken Bruder dachformbedingt erst beim endgültigen Maximalwert überholt.   

Audi Q3 Sportback (2019) im Test

In der Praxis finde ich mit meinen 1,88 Meter im Fond gute Platzverhältnisse vor. Die Beine übereinander schlagen kann ich zwar nicht, dafür bleibt aber über dem Scheitel noch genügend Luft. Wechsel auf den Fahrersitz und Schulterblick nach hinten rechts: Ich kann noch einigermaßen gut herauschauen, diesbezüglich gibt es wesentlich negativere Beispiele. Nur der Blick direkt nach hinten ist mau, skandalöserweise verlangt Audi allein 450 Euro Aufpreis für Parkpiepser hinten. Apropos teuer. Ein Digitalcockpit ist stets serienmäßig (ebenso LED-Scheinwerfer), doch die richtig geile 12,3-Zoll-Variante summiert sich durch Zwangsextras auf saftige 3.230 Euro!

Welche Motoren gibt es?

Langfristig soll das Antriebsprogramm beim Audi Q3 Sportback so aussehen:

Audi Q3 Sportback Hubraum Leistung Drehmoment Getriebe
35 TFSI 1.498 ccm 110 kW (150 PS) 250 Newtonmeter Sechsgang manuell
45 TFSI quattro 1.984 ccm 169 kW (230 PS) 350 Nm Siebengang-S tronic
35 TDI 1.968 ccm 110 kW (150 PS) 340 Nm Siebengang-S tronic
35 TDI quattro 1.968 ccm 110 kW (150 PS) 340 Nm Sechsgang manuell
40 TDI quattro 1.968 ccm 140 kW (190 PS) 400 Nm Siebengang-S tronic

Noch unklar ist, ob auch der Q3 Sportback 35 TFSI in Zukunft mit dem "S tronic" genannten Doppelkupplungsgetriebe erhältlich sein wird. In meinem Testfahrzeug war es jedenfalls an Bord, womit ein Einsatz sehr wahrscheinlich ist. Zum Marktstart im Oktober 2019 gibt es erst einmal den 35 TDI ohne quattro, aber mit S tronic und den 45 TFSI, kurz danach den 35 TDI quattro Schalter. Im Laufe des Jahres folgen der 35 TFSI und der 40 TDI. Insgesamt alles etwas kompliziert, so wie die aktuellen Leistungsbezeichnungen bei Audi.

Und wie fährt sich der Q3 Sportback so? 

Serienmäßig verfügt der Q3 Sportback über die Progressivlenkung, deren Übersetzung mit zunehmenden Lenkeinschlag immer direkter wird, ein Sportfahrwerk und das "Drive Select"-System mit verschiedenen Fahrmodi. In der Tat habe ich den Effekt der Lenkung gemerkt, zumal im Dynamic-Modus. Aber selbst hier vermittelt sie aus meiner Sicht zu wenig Feedback, mehr Präzision wäre wünschenwert. Überraschend ausgewogen ist das Fahrwerk, selbst mit optionalen 20-Zöllern geht der Abrollkomfort in Ordnung. 

Zu den Motoren: Der 40 TDI besticht mit kraftvollem Antritt und vorzüglicher Geräuschdämmung, allerdings agiert die S tronic hier bisweilen hektisch. Zudem passt meines Erachtens nach ein Diesel nicht so richtig zum Q3 Sportback, der ob seiner Formgebung oft ein "Lustkauf" privater Kunden werden dürfte. Kuriosum am Rande: In die USA soll der Q3 Sportback nicht kommen.

Audi Q3 Sportback (2019) im Test

Also besser ein Benziner: Der 35 TFSI sticht durch einige technische Maßnahmen hervor, mit deren Hilfe der Verbrauch um bis zu 0,4 Liter sinken soll. An Bord ist ein 48-Volt-Mildhybridsystem, welches beim Anfahren kurzfristig zusätzliche 9 Kilowatt Leistung und 50 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt. Das Start-Stopp-System funktioniert unterhalb von 22 km/h, von 40 bis 160 km/h ist das sogenannte "Segeln" im Leerlauf möglich. Letzteres funktioniert in der Praxis sehr gut, den Elektro-Boost merkt man hingegen nicht signifikant. Unter Last beim Beschleunigen klingt der 1,5-Liter-Benziner etwas rauh und auch angestrengter, als er eigentlich ist. Für den Alltagsgebrauch erweist sich der 35 TFSI aber als absolut ausreichend, entspanntes Gleiten ist seine Domäne. 

Meine erste Wahl (die natürlich in der Realität vom Geldbeutel abhängt) wäre jedoch der 45 TFSI: Kräftig und souverän in allen Lebenslagen, dazu besonders laufruhig. Mit dieser Maschine macht der Q3 Sportback den rundesten Eindruck und fährt so flott, wie er aussieht.

Audi Q3 Sportback (2019) im Test

Kommen wir zu den Kosten ...

Ich erwähnte eben bereits das Thema "Geldbeutel": Das Konto des Q3-Sportback-Kunden sollte gut gefüllt sein. Los geht es bei glatt 36.000 Euro für den handgeschalteten 35 TFSI, der 45 TFSI quattro kostet 46.200 Euro, jedoch mit Allradantrieb und S tronic inklusive. Hier muss die Zukunft zeigen, wie der 35 TFSI in gleicher Konfiguration gelistet ist. Der Aufpreis gegenüber dem normalen Q3 beträgt beim Q3 Sportback 1.600 Euro. Apropos Konfiguration: Audi lässt sich vieles (aus meiner Sicht zu viel) zusätzlich entlöhnen. Alcantara-Applikationen innen (390 Euro) braucht vielleicht nicht jeder, aber warum eine Klimaautomatik (590 Euro) und eine Mittelarmlehne vorne (155 Euro) Aufpreis kosten, bleibt in der Liga des Q3 Sportback schwer verständlich. 

Fazit: 7/10

Beim Audi Q3 Sportback ordnet sich die Funktion nicht im Übermaß der Form unter. Das ist löblich, auch die Motoren machen einen guten Eindruck. Insgesamt eine nette Ergänzung im Q3-Portfolio, Abzüge gibt es aber für die Lenkung sowie die Antriebs- und Aufpreispolitik.

Audi Q3 Sportback 45 TFSI quattro

Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1.984 ccm
Leistung 169 kW (230 PS) bei 5.000 - 6.200 U/min
Max. Drehmoment 350 Nm bei 1.500 - 4.300 U/min
Getriebeart Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb permanenter Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 6,5 Sek.
Verbrauch 7,7 Liter/100 km
Emission 174 Gramm CO2 pro km
Länge 4.500 mm
Breite 1.840 mm
Höhe 1.560 mm
Kofferraumvolumen 530 - 1.400 Liter
Basispreis 46.200 Euro

Bildergalerie: Audi Q3 Sportback (2019) im Test