Wie hoch ist der reale Verbrauch der Plug-in-Hybrid-Version?

Wenn ein Auto wie der Range Rover Sport PHEV schwierigste Geländepassagen meistert, Flüsse durchquert, Sie mit maximalem Komfort von A nach B bringt und wie ein Sportwagen beschleunigt -- ist es dann nicht zu viel verlangt auch noch einen niedrigen Verbrauch zu erwarten? Nach meiner Testfahrt von Rom nach Forlì würde ich das bejahen. Der Verbrauch im realen Straßenverkehr der neuen Plug-in-Hybridversion des Range Rover Sport lag bei 7,0 Liter/100 km, was bei aktuellen Spritpreisen (laut ADAC 1,491 Euro pro Liter Super) Kosten von 10,43 Euro pro 100 Kilometer entspricht. Die Zahl scheint etwas hoch, ist aber für ein großes SUV eher durchschnittlich. Dazu kommen allerdings noch die Stromkosten. Wir brauchten 84 Prozent der 13 kWh großen Batterie auf der 360-Kilometer-Strecke. Das ergibt 3,03 kWh/100 km, für die man 0,89 Euro zahlt. Zusammen ergeben sich Kosten von 11,32 Euro pro 100 km.

Ein Plug-in-Modell dieser Größe braucht nun mal Energie

Ich muss sagen, dass ich solche Werte nicht erwartet hatte. Schließlich geht es hier um ein 2,5 Tonnen schweres SUV mit 21-Zoll-Rädern, Allradantrieb und einer beeindruckenden Front. Dass der Range Rover Sport P400e der bisher schlechteste Plug-in-Hybrid in unserer Verbrauchsliste ist, fällt nicht so ins Gewicht, da ich bisher keine vergleichbaren Autos getestet habe. Am nächsten kommt noch der Volvo V90 T8 AWD Geartronic mit zwei Motoren (6,00 Liter/100 km). Ähnlich große, aber traditionell angetriebene SUV sind der alte Land Rover Discovery 3.0 SDV6 (7,20 Liter/100 km), der Jeep Grand Cherokee 3.0 V6 Multijet II (7,30 Liter/100 km) und der Mercedes GL 350 BlueTec (7,65 Liter/100 km). Interessanterweise hat der große Bruder Range Rover als nicht wiederaufladbarer Hybrid (der in Deutschland nicht angeboten wird) etwas weniger verbraucht (6,85 Liter/100 km). So dürfte der Range Rover Sport mehr Sprit schlucken, wenn er nur einen Benzinmotor hätte.

Range Rover Sport P400e von 2018
Range Rover Sport P400e von 2018

Um den Akku an einer normalen Haushaltssteckdose vollständig aufzuladen, müssen Sie etwa 9 Stunden rechnen.

Bei geladenem Akku ist dann der elektrische Modus ("EV") wählbar. Außerhalb von Rom habe ich in diesem Modus mit 84 Prozent Ladung 32 Kilometer geschafft. Bei vollem Akku hätte ich etwa 38 km fahren können. In Stadt- und Vorortgebieten pendelt sich die durchschnittliche Reichweite auf 35 km ein. Im Großstadtverkehr (Rom) hätte ich dagegen nicht mehr als 27 km elektrisch fahren können, und auf der Autobahn ist es schwierig, mehr als 25 Kilometer zu schaffen. Bei konstanter Geschwindigkeit und besonders sparsamer Fahrweise sind 50 Kilometer möglich. Auf der anderen Seite habe ich bei niedriger Batterieladung 10 Liter/100 km in der Stadt und in Vororten gebraucht, in Rom durchschnittlich 13,5 Liter und auf der Autobahn 9,3 Liter. Im extrem sparsamen Betrieb wurden 6,4 Liter erreicht.

Daten

Fahrzeug: Range Rover Sport P400e
Testdatum: 7. September 2018
Wetter: veränderlich, Regen, 22 Grad
Durchschnittsgeschwindigkeit: 81 km/h
Reifen: Pirelli Scorpion Verde All Season M+S - 275/45 R21

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 6,80 Liter/100 km und 2,99 kWh/100 km
An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: 7,20 Liter/100 km
Mittel aus diesen Zahlen: 7,00 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,491 Euro/l (Super) bzw. 0,2918 Euro/kWh (Strom)
Sprit- und Stromkosten: 10,43 Euro/100 km + 0,89 Euro/100 km = 11,32 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keine Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat für eine gewisse Zeit seine Tankrechnungen aufbewahrt und zusammengerechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Der Wert ergibt sich aus dem Mittel aus Bordcomputer-Wert und dieser beiden Zahlen. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (in Italien auf der Autobahn 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet er den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und den durchschnittlichen Strompreis von deutschen Haushalten, wie von www.stromauskunft.de angegeben.