Zweite Generation des Kompakt-SUVs mit 1.5 TFSI und 2.0 TDI

Mehr Platz, nachgeschärftes Design, moderneres Bedienkonzept: So kann man die Verbesserungen beim neuen Q3 zusammenfassen. Die zweite Generation des Kompakt-SUVs startet im November 2018. Wir haben das Kompakt-SUV mit dem 150 PS starken 2.0 TDI und Handschaltung sowie als 1.5 TFSI mit 150 PS und S-tronic getestet.

Straffer

Vor dem Abendessen erklärt mir Exterieurdesigner Matthias Fink, wie er den Wagen gestaltet hat. Viel stammt vom Q2 her (den er ebenfalls gestaltet hat), so die dicken hinteren Dachsäulen, die bei beiden SUVs ziemlich flach liegen. Die kleinen Scheinwerfer und Rückleuchten. Und den achteckigen Grill, mit denen sich die neueren Q-Modelle stärker von den Audi-Limousinen und -Kombis absetzen sollen.

"Ich nenne die Optik mit den diagonalen Strichen in den Scheinwerfern manchmal den Clint-Eastwood-Blick."

Ich lobe die raffinierte Lichtsignatur bei den neueren Audi-Modellen. Dann frage ich Fink, wie man eigentlich die diagonalen Striche in den Scheinwerfern nennt. „Eine offizielle Bezeichnung gibt es da nicht“, sagt Fink, „aber ich nenne das manchmal den Clint-Eastwood-Blick.“ Leuchtet ein: Wenn die Western-Ikone seinen Gegner konzentriert ansieht, dann bilden sich Fältchen unter dem Auge, die ähnlich aussehen. Die Rücklichter tragen übrigens dasselbe Design.

Audi Q3 Test
Audi Q3 Test
Audi Q3 Test

Bis auf den riesigen Singleframe-Grill, der nicht so mein Fall ist, ist die neue Q3-Optik gelungen, finde ich. Aber als ich von hinten in den Kofferraum blicke, wird mir klar, dass die coupéhafte Seitenlinie auch ihre Nachteile hat: Wenn man den Wagen dachhoch beladen will, passt wegen der flach liegenden D-Säule weniger hinein.

Geräumiger

Aber ich will nicht gleich wieder alles madig machen: Im Vergleich zum Vorgänger ist der Q3 kräftig gewachsen, und das Plus von zehn Zentimeter bei der Länge kommt den Fondpassagieren zugute. Außerdem fasst der Kofferraum über 200 Liter mehr als bislang. Hat Audi die Klagen von Kunden und Journalisten erhört? Ehrlich gesagt, ich glaube eher, dass es einfach an der gewachsenen Plattform (erstmals MQB) liegt. Denn der Q3 ist im Prinzip nichts anderes als ein Tiguan mit vier Ringen. Mit 4,48 Meter Länge und einem Radstand von 2,68 Meter ist der Q3 bis auf wenige Millimeter Unterschied so groß wie der VW.

Aber ich habe "im Prinzip" geschrieben, denn es gibt durchaus Unterschiede: In den Audi-Kofferraum passen maximal 1.530 Liter Gepäck, während der VW mit seinem steileren Heck 1.655 Liter einlädt – also über hundert Liter mehr. „Audi ist die sportlichste Marke des Konzerns, wenn man Lamborghini mal außen vor lässt“, sagt Fink, als ich ihn drauf anspreche. Was er meint, ist: Tiguan-Kunden gucken auf Nutzwert und Kofferraum, Audi-Käufer mehr auf Optik und Prestige. Außerdem: Der normale Kofferraum (ohne Umlegen der Sitze) ist beim Audi ähnlich groß. Also, Schwamm drüber. Oder wann haben Sie das letzte Mal ein Kompakt-SUV gesehen, das bis unters Dach vollgeladen war? Eben. 530 bis 675 Liter passen in den neuen Q3, je nach Position der verschiebbaren Rücksitzbank. Letztere übernimmt der Audi vom VW Tiguan. Feiern wir also neben dem Plus beim Stauraum auch die größere Variabilität. Und als 1,75 Meter großer Mann kann ich den hinteren Sitz sogar in die vorderste Position schieben, ohne mit den Knien anzustoßen.

Moderner

Zu den Innovationen im neuen Q3 gehört das neue Cockpit, und hier hebt sich der Audi auch deutlich vom Tiguan ab. Zuerst fällt die mit Alcantara verkleidete Zierleiste auf, über die man automatisch mit dem Finger streichelt. Es gibt sie in verschiedenen Farben, darunter hellgrau, beige und sogar orange. Besonders angetan hat es mir aber ein kleines Goodie auf der Beifahrerseite: ein quattro-Schriftzug, der im Dunkeln leuchtet. Ein unmaßgebliches Detail? Tand? Vielleicht, aber erstens habe ich sowas noch in keinem Auto gesehen und zweitens – warum kauft man einen Audi? Unter anderem wegen schicken Details wie diesen und wegen technischer Gimmicks. Mir gefällts. Auch im Q2 gab es schon eine hinterleuchtete Zierleiste, die bei Tageslicht schimmerte wie eine Schlangenhaut – fantastisch.

Audi Q3 Test
Audi Q3 Test
Audi Q3 Test

Wesentlicher ist wohl, dass der Q3 nun in allen Versionen ein Instrumentendisplay hat, also keine klassischen Instrumente mehr mit physischen Zeigern, sondern eben einen Monitor. Das hat Vorteile für den Kunden, er darf sich über das farbige, sehr brillante Display freuen, aber auch für Audi: Bisher mussten für Diesel und Benziner verschiedene Drehzahlmesser, für US-Autos und deutsche andere Verbrauchsanzeigen und so weiter eingebaut werden. Bei der Displaylösung wird all das per Software gelöst.

Für das famose Instrumentendisplay sagt man bei Audi übrigens nicht mehr einfach „Virtual Cockpit“, denn es gibt nun drei verschiedene Lösungen. Die serienmäßige Grundversion heißt „digital cockpit“ und misst 10,25 Zoll. Nur 10,25 Zoll, muss man sagen, denn das ist die Größe, die beim VW Polo eingebaut wird, sogar der VW Golf hat ein 12,3-Zoll-Display. Aber gut, dafür ist es beim Q3 Serie. Genauso groß ist Version zwei namens MMI Radio plus. Hier erscheinen auch bestimmte Zusatzfunktionen wie Albentitel und dergleichen. Bestellt man eine „Navigationsvorbereitung“ dazu, kann später der Händler eine Navi-Funktion nachrüsten, und die Karte kann zwischen Drehzahlmesser und Tacho gelegt werden. Die Topversion, das Virtual Cockpit Plus, misst 12,3 Zoll. Als Infotainmentdisplay in der Mitte gibt es zwei Lösungen: 8,8 Zoll oder 10,1 Zoll. Die Testwagen sind mit dem 12,3 Zoll großen Virtual Cockpit Plus und dem 10,2-Zoll-Infotainment-Monitor ausgerüstet. Die Brillanz der beiden Displays ist unglaublich, hinzu kommt die dreidimensionale Satellitenbild-Darstellung (übernommen von Google Earth), die besonders in der bergigen Umgebung der Teststrecken durch die Dolomiten ein wahrer Augenschmaus sind.

Außerdem hat der neue Q3 nun serienmäßig LED-Scheinwerfer. Was die Assistenten angeht, so bietet der Q3 wenig Neues gegenüber dem Feature-König Q7. Immerhin: Es gibt ein 360-Grad-Rundumsichtsystem, mit dem man beim Einparken auch die Felgen sieht, so dass man sie leichter vor Einparkschäden bewahren kann.

Wie fährt er?

Sie gehören zu der seltener werdenden Sorte Autokäufer, bei denen der Fahrspaß im Vordergrund steht und Elektronik höchstens schmückendes Beiwerk (wenn nicht gar überflüssiges Teufelszeug) ist? Nun denn, gehen wir über zu den öligen Teilen des Q3. Zum Start werden drei Benziner (1.5 TFSI mit 150 PS und 2.0 TFSI mit 190 oder mit 230 PS) sowie ein Diesel (2.0 TDI mit 150 PS) angeboten, ein 190-PS-Diesel kommt etwas später nach. Wir vermuten, dass auch noch der 240-PS-Diesel aus dem Tiguan sowie eine RS-Version mit Fünfzylinder folgen.

"Beim 150-PS-Diesel mit Handschaltung geht unter 2.000 Touren nichts."

Erster Testkandidat ist der Q3 2.0 TDI mit 150 PS, Allradantrieb und Handschaltung. Ein längst bekannter Motor, ich erwarte keine Überraschungen. Doch bald entpuppt sich die Kombination als ziemlich ärgerlich: Im unteren Drehzahlbereich geht fast nichts voran. Laut Datenblatt soll schon bei 1.750 U/min das Maximaldrehmoment von bulligen 340 Newtonmeter anliegen. Doch in Wirklichkeit befindet man sich unter 2.000 Touren im Drehzahl-Nirwana und der Druck aufs Gaspedal bleibt weitgehend folgenlos. Auf den spektakulären Bergauf-Serpentinen rund um Fassa-Tal und Sella-Joch erweisen sich die bulligen 340 Newtonmeter als Papiertiger. Der technische Projektleiter Daniel Byner meint, das käme von der Optimierung auf Effizienz und die neuen Abgasvorschriften. Hm, sollte die Stickoxid-Abgasreinigung (eigentlich löblich, mit 18 Liter großem Adblue-Tank, SCR-System und NOx-Speicherkat) schuld sein? Nein, sagt Motorenexperte Helge Woloschin und meint, es läge eher an der Abgasrückführung.

Offenbar ist das Problem jedoch ein dieselspezifisches. Denn mein zweiter Testkandidat, der Q3 1.5 TFSI mit 150 PS und S-Tronic, spurt deutlich besser. Auch im manuellen Modus geht es hier schon unter 2.000 Touren zur Sache, wenn auch der Maximalschub durch das geringere Drehmoment (250 Newtonmeter) nicht ganz so groß ist. Dennoch würde ich den Benziner vorziehen. Auch, weil er serienmäßig mit Ottopartikelfilter ausgeliefert wird und damit (genauso wie der Diesel) die scharfe Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllt.

An Fahrwerk und Lenkung habe ich nichts zu kritisieren. Aufgefallen ist mir aber der zu lange Schalthebel des manuellen Getriebes. Er führt dazu, dass die Griffposition zu hoch ist. Auch bieten mir die Sportsitze zu wenig Seitenhalt am Rücken, vor allem auf Serpentinenstrecken und in der Beifahrerposition – als Fahrer stemmt man sich ja durch den Griff ans Lenkrad ja ohnehin ein wenig ins Polster. Etwas enttäuscht bin ich auch von den Tasten, die nun den Drehschalter fürs Fahrlicht (links vom Lenkrad) ersetzen. Ihr mattes dunkelgraues Plastik passt nicht uin die glänzend schwarze Umgebung.

Noch ein Wort zum Allradantrieb: Audi spricht von einem permanenten Allradantrieb, doch diese Schublade passt nur bedingt: Das System verteilt die Kraft nicht (wie bei Subaru) stets im gleichen Verhältnis auf die Achsen, sondern es basiert auf einer elektronisch geregelten Lamellenkupplung. Diese schiebt die Antriebskraft situationsgerecht dahin, wo sie gebraucht wird. Audi meint mit dem Adjektiv permanent offenbar, dass das Sprit sparende ultra-System, bei dem die Welle nach hinten abgeschaltet und die hintere Achse nicht mitgeschleppt wird, hier nicht zum Einsatz kommt.

Preise: Ab 33.500 Euro

Eine Preisliste zum Q3 liegt noch nicht vor. Ob Audi vermeiden möchte, dass sich die Journaille wieder über die hohen Zahlen (auch bei den Extras) ereifert? Ich weiß es nicht. Zum Trost teilen die Ingolstädter zumindest den Basispreis mit: Bei 33.500 Euro geht es los. Dieser Preis dürfte zum 150-PS-Benziner mit Frontantrieb und Handschaltung gehören. Den Vergleich mit dem Tiguan kann ich Audi nicht ersparen: Eine vergleichbare Motorisierung gibt es bei den Wolfsburgern schon für etwa 5.000 Euro weniger. Natürlich ist da noch kein LED-Licht oder ein Instrumentendisplay drin. Außerdem: Der Audi gehört halt ins Premiumsegment, einen BMW X1 oder Volvo XC40  gibt es auch nicht wesentlich billiger. Und für einen Jaguar E-Pace zahlt man mindestens 35.550 Euro ...

Fazit: 8 von 10

Der neue Audi Q3 ist ohne Zweifel ein feines Stück Blech. Die neue Karosseriesilhouette mit ihrem coupéhaften Abschluss gefällt mir, auch innen ist der Wagen fein geworden, auch wenn die runden Luftausströmer aus dem A3 mit ihren satt einrastenden Drehreglern hier fehlen. Die großen, brillanten Displays sind ein dickes Plus. Das Platzangebot wurde deutlich verbessert. Nur wer das Auto bis auf den letzten Liter volladen will, fährt mit einem weniger coupéhaften Heck (wie beim VW Tiguan) besser. Fahrwerk und Lenkung sind tadellos, bei den Motoren fällt jedoch der 150-PS-Diesel mit Handschaltung durch Temperamentlosigkeit im unteren Tourenbereich auf. Der Basispreis ist deutlich höher als bei einem vergleichbar motorisierten VW Tiguan, dafür bekommt man bei Audi mehr Ausstattung (wie LED-Licht und Instrumentendisplay).

+ verbesserte Optik außen und innen, tolle Displays, deutlich mehr Innenraum als bisher

- 150-PS-Diesel mit wenig Kraft im unteren Tourenbereich, hoher Basispreis, maximales Kofferraumvolumen kleiner als beim Tiguan

Mehr zu Q3 & Co.:

Audi Q3 35 TFSI S-tronic

Motor Turbobenziner, 4 Zylinder, 1.498 ccm
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Frontantrieb
Leistung 110 kW / 150 PS
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500-3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 9,2 s
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
Verbrauch keine Angabe
Emission keine Angabe
Länge 4.484 mm
Breite 1.856 mm
Höhe 1.616 mm
Kofferraumvolumen 530 - 1.525 l (675 - 1.525 l bei nach hinten geschobener Fondbank)
Leergewicht 1.570 kg
Zuladung 500 kg
Anhängelast 1.800 kg (12%, gebremst)
Marktstart November 2018
Basispreis keine Angabe

Bildergalerie: Audi Q3 Test