Neuer Biturbo macht M2 zum Mini-Muscle-Car. Nicht ganz ohne, aber seeehr unterhaltsam

Was ist das?

Dieser wütende, breite und sehr graue Kerl hier ist der neue BMW M2 Competition. M2 2.0 sozusagen. Weil der gerade ausgelaufene „normale“ M2 unter enormem Leistungsmangel litt und auch sonst ein ziemlich fades Gefährt war *Ironie aus*, hat die M GmbH beschlossen, ein deutlich wettbewerbsfähigeres („Competition“ eben) Auto zu bauen *nochmal Ironie aus*. Mit vielen Detailänderungen. Vor allem aber mit einem absoluten Monster von einem Motor. Es ist die gute alte Weisheit, dass es nie verkehrt ist, beängstigend viel Leistung in ein Auto zu stopfen, das dafür eigentlich viel zu klein ist. Wie wunderbar.

 

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Was ist neu?

Wie gesagt, geht es – neben diversen Detailoptimierungen – vor allem um den neuen Dampfhammer zwischen den vorderen Radkästen. Jap, der M2 Competition verfügt jetzt über den S55-Dreiliter-Biturbo seiner großen Brüder M3/M4. Ich meine – nicht, dass er das wirklich gebraucht hätte, aber würden Sie sich beschweren, wenn man Ihnen statt dem Premium-Doppelzimmer die Executive-Suite anbietet? Eben! Im Competition macht der Motor 410 PS und 550 Newtonmeter. Das sind 40 PS und 50 Newtonmeter mehr als bisher. Pures BMW-Stammtisch-Gold: Damit ist er wieder stärker als AMG A 45 und Audi RS 3. Auch ein Audi TT RS und ein Porsche Cayman GTS schauen leistungsmäßig in die Röhre.

Das neue Aggregat dreht wesentlich höher als das alte. Erst bei 7.600 Touren fährt die Nadel an die Wand. Natürlich bleibt es bei Heckantrieb und einem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe (heutzutage weiß man ja nie). Optional ist weiterhin ein Siebengang-DKG zu haben. Die 0-100 km/h gehen jetzt in 4,2 (DKG) beziehungsweise 4,4 Sekunden. Jeweils 0,1 Sekunden schneller als bisher, aber darum geht es nicht. Dazu gleich mehr.

Mehr Motor bedeutet auch: Mehr Bedarf an frischer Luft. Der „Compi“ (ich befürchte dieser Begriff wird sich nicht durchsetzen) löst das mit einer größeren Niere und einer neuen Frontschürze mit deutlich ernsthafteren Lufteinlässen. Alles, was irgendwie mit Ölkühlung zu tun hat, ist nun ebenfalls seriöser gehandhabt und kommt aus dem M4.

Und damit zur Fahrdynamik: Die Entwickler erzählten mir, dass man verschiedene neue Feder-Dämpfer-Setups ausprobiert habe, „weil es bei einem Competition normal einfach dazugehört“. Dann aber habe man bemerkt, dass es am besten ist, wie es war. Praktisch. Allerdings hat man den Vorderwagen mit einer neuen Stirnwand-Domstrebe und einer zusätzlichen CFK-Strebe (wie im M4) versteift, was mehr Direktheit in die Front bringen soll. Dazu hat man die Lenkung, das DSC und das aktive M-Differenzial auf mehr Feingefühl und Fahrer-Freundlichkeit hin optimiert.

Liebhaber großer Anker dürfen sich zudem auf die neue (optionale) Performance-Bremse freuen. Sie klotzt mit Sechskolben-Sätteln und 400-Millimeter-Scheiben vorne. Hinten kommen Vierkolben-Sättel und 380-Millimeter-Scheiben zum Einsatz.

Wie sieht es innen aus?

Innen ist der M2 Competition jetzt mehr wie die anderen Ms. Er kriegt die üblichen Fahrmodus-Tasten neben dem Schalthebel. In diesem Fall für Antrieb und Lenkung. Die Dämpfer bleiben ja alte Schule, sprich: komplett unadaptiv. Und er kriegt die M1- und M2-Tasten am Lenkrad, mit denen Sie sich ihre Lieblingseinstellungen vorkonfigurieren können. Außerdem gibt es gegen Aufpreis neue Performance-Sitze. Sie sind wunderbar. Ihr größter Vorteil ist aber: Sie sehen endlich nach professionellem Sportgestühl aus und nicht mehr wie Bürosessel-Schlussverkauf bei Poco.

"Welche „Experten“ und ewigen Nörgler haben eigentlich jemals behauptet, dass dieses Aggregat „eine Enttäuschung“ sei? Im M2 Competition explodiert es förmlich vor Lust." 

Wie fährt er?

Absolut brillant. Das klingt nach einer etwas einfachen Wahrheit, ich weiß, aber so ist es nun mal. Bis hierhin war der M2 ein sehr gutes, sehr unterhaltsames Auto mit einem sehr guten, aber keinesfalls überragenden Motor. Naja, das ist auch nicht ganz richtig, also anders: Der alte Dreiliter-Turbo hat nicht unbedingt herausgestochen. Der neue Dreiliter-Biturbo tut das. Auch mit Otto-Partikelfilter. Den M2 Competition jetzt als reines Motorauto zu bezeichnen, wäre aber Quatsch, dafür ist der ganze Rest viel zu gut. Trotzdem ist der N55 zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass dieser neue M2 deutlich aufregender ist als bisher.

Welche „Experten“ und ewigen Nörgler haben eigentlich jemals behauptet, dass dieses Aggregat „eine Enttäuschung“ sei? Im M2 Competition explodiert es förmlich vor Lust. Gerade oben raus wirkt der Neue so viel wuchtiger und zorniger. Gefühlt haben die Herren aber auch nochmal am Ansprechverhalten gearbeitet. Es ist schon beeindruckend, wie weit die Turbo-Technologie mittlerweile fortgeschritten ist (zumindest, wenn die Entwickler wissen, was sie tun). Kraft ist so viel vorhanden, dass es meistens echt schwierig ist mit dem Laufen. Und wem diese 7.600 U/min nicht reichen, der hat sie wirklich nicht mehr alle.

Ach ja, nur zur Einordnung: Das Kleines-Auto-brachialer-Antrieb-Märchen klingt zwar sehr herzerwärmend, in der Realität ist der Competition aber ein ganz schönes Fass, wiegt nahezu unfassbare 1.625 Kilo. Dass der Biturbo hier so glänzt, liegt also definitiv nicht daran, dass er nichts zu bewegen hat. Noch ein Wort zum Klang: Er ist im M4 kein Highlight und das ist auch im M2 Competition nicht anders. Trotz serienmäßiger Performance-Abgasanlage. Innen tönt er recht renitent, schreit eher hoch, aber mit wenig Körper. Von außen klingt er trotz ständiger Rülpser (das gute alte Schub-Blubbern) eher so, dass man es sich nicht all zu lange merkt.

 

BMW M2 Competition Test
BMW M2 Competition Test

Und in der Kurve?

Da sind es Kleinigkeiten. Die allerdings schon ihren Anteil daran haben, dass der M2 Competition insgesamt als stimmigeres, freundlicheres, aber gleichzeitig noch theatralischeres Fahrerlebnis daherkommt. Sehen Sie: Weil der Biturbo die Hinterachse des Competition noch ein gutes Stück heftiger überrumpelt als bisher schon, ist seine ausgeprägte Neigung, mit dem Hintern zu wackeln, nicht eben kleiner geworden. Für den rechten Fuß bedeutet das eine ständige Lektion in Selbstbeherrschung. Euphemistisch ausgedrückt könnte man auch sagen: Es gibt M2-Gegner die kommen … ähem … ein bisschen mehr über die Traktion. Etwas hallodrig und schmutzig gefahren, mutiert der Competition zum wohl kleinsten Muscle Car der Welt. Freunde des Heckantriebs müssen und werden das lieben und feiern. Alle anderen können ja Audi fahren. Dann aber werden sie einiges verpassen und ich sage Ihnen auch warum:

Denn durch die Neukalibrierung von ESP und elektronischem Hinterachs-Differenzial ist der M2 bei allem Heck-Imponiergehabe besser beherrschbar geworden. Seine Bewegungen umgibt eine spielerische Leichtigkeit, er kommuniziert besser, schmeichelt dem Fahrer mehr, Hände und Hintern haben gefühlt eine bessere Ahnung von dem, was da auf dem Asphalt gerade passiert. Dieses Auto fährt unglaublich aufregend, intensiv, aber nie so, dass man sich nicht gut aufgehoben fühlt.

Zur Klarstellung sei noch erwähnt: Die rutschige Flamboyanz des neuen M2 zeigte sich vor allem auf einer südspanischen Rennstrecke bei Außentemperaturen von 35 Grad. Wie heiß der Asphalt war, will ich gar nicht wissen. Später auf der Straße offenbarte sich noch eine weitere, ganz andere Seite des Autos. Schnell, sauber und auf Teer gefahren, der nicht gerade verglüht, kann der Competition nämlich auch atemberaubend präzise. Hier merkst du dann auch, dass die steifere Front den ganzen Karren wirklich direkter und akkurater im Einlenken macht. Noch direkter und akkurater. Der M2 fliegt hier nur so durch die Ecken. Extrem zackig, extrem kompakt (trotz seines immensen Hüftgolds), fokussierter als ich es in Erinnerung hatte. Trotzdem ist der nächste eher quere Moment immer nur einen kurzen, beherzten Gasstoß entfernt. Wenn man das denn will. Es ist wirklich sehr sehr gut und unterhaltsam.

Soll ich ihn kaufen?

Ganz ehrlich: Es spricht wenig dagegen. Trotz des Mega-Motor-Upgrades (glauben Sie mir, es verändert das Auto komplett) und einiger weiterer Neu-Schmankerl ist der M2 Competition nämlich nur 2.400 Euro teurer geworden. Klar, 61.900 Euro sind kein Pappenstiel. Und ja, dieses Auto federt kernig. Und ja, es hat mit all seiner Leistung schon ordentlich zu tun. Nicht jeder wird das mögen. Es gibt sicher Konkurrenten, die auf der Rennstrecke effektiver fahren und weniger Bändigung brauchen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es in diesem Umfeld irgendetwas gibt, dass mitreißender und kurzweiliger fährt als der neue M2.

Fazit: 9 von 10

Die kleinen Detailänderungen in der Abstimmung und vor allem der gloriose Biturbo-Sechszylinder machen den M2 Competition deutlich schneller und noch fesselnder. Ein wahres Biest im Kompaktformat. Er ist ein bisschen hart und die Hinterachse hat schon manchmal Probleme mit der ganzen Power. Aber hey, was für ein großer, großer Spaß.

+ neuer Sechszylinder im M2 eine absolute Wucht; noch agiler und zackiger; extrem heckbetontes, sehr fesselndes Fahrverhalten; moderater Aufpreis

- ziemlich straff; ausbaufähiger Klang; Heck für manche vielleicht ein bisschen zu leicht

BMW M2 Competition DKG

Motor Sechszylinder-Reihenmotor; 2.979 ccm
Leistung 302 kW/410 PS bei 5.250 - 7.000 U/min
Max. Drehmoment 550 Nm bei 2.350 - 5.200 U/min
Getriebeart Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb Hinterradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 4,2 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt)
Verbrauch 9,0 l/100 km
Emission 206 g/km
Länge 4.461 mm
Breite 1.854 mm
Höhe 1.410 mm
Kofferraumvolumen 390 Liter
Leergewicht 1.650 kg
Zuladung 435 kg
Basispreis 61.900 Euro (mit Handschalter)

Bildergalerie: BMW M2 Competition Test