Urbaner Offroader geht mit guten Manieren und tollen Motoren ins Modelljahr 2004

Mehr ist mehr. Und weniger ist auch mehr. Klingt komisch, ist aber so. Zumindest im Fall des neuen Nissan X-Trail ist diese Paradoxie zutreffend. Das Adjektiv ,neu" mag im Zusammenhang mit dem X-Trail widersprüchlich klingen, ist der kompakte Offroader doch gerade mal seit zwei Jahren auf dem Markt. Nein, wirklich neu ist er damit nicht. Aber für das Modelljahr 2004 wurde er zumindest in einigen Details überarbeitet. Wir waren aus diesem Anlass mit Nissans schicker Freizeit-Wühlmaus auf Schotter, Schlamm und asphaltierten Straßen unterwegs und haben uns von seiner Vielseitigkeit überzeugt.

Kürze mit Würze
Die Änderungen zum Modelljahr 2004 lassen sich kurz umschreiben: Der Kühlergrill, die Stoßfänger und die Rückleuchten wurden optisch dezent überarbeitet. Dank der neuen Stoßfänger verkürzte sich das Fahrzeug von 4,51 auf 4,46 Meter. In dieser Kürze liegt auch ein wenig Würze: Immerhin wuchs der Böschungswinkel von 28 auf 29 Grad und damit auch die Geländegängigkeit des X-Trail. Optional gibt es außerdem Zusatzscheinwerfer auf dem Dach. Neu gestaltete 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und chromüberzogene Türgriffe runden die äußeren Maßnahmen ab.

Innenraum aufgewertet
Der Innenraum wurde ebenfalls angehübscht und zudem funktionaler. Die neu geordnete Mittelkonsole bietet jetzt Platz für den Bildschirm des Navigationssystems. Die Klimaanlage wird nun über drei Drehknöpfe bedient. Die leicht konfuse Kombination aus Tasten, Drehknopf und kleinem Display hat damit ausgedient. Außerdem gibt es jetzt eine fünfte Luftaustrittdüse oberhalb der Lenksäule. Das Getränke-Staufach mit Kühlfunktion wanderte in die Mittelkonsole, aktive Kopfstützen sollen besser vor einem Schleudertrauma schützen und für die Top-Version Elegance gibt es jetzt elektrisch einstellbare Ledersitze. Außerdem wurden einige Oberflächen im Innenraum aufgewertet und die Lärmdämmung verbessert.

Erstarkter Diesel
Eine weitere wichtige Änderung betrifft den Dieselmotor. Die Leistung des 2.2 dCi konnte dank kleiner technischer Änderungen auf 136 PS gesteigert werden. Bisher waren 114 PS das Maß der Diesel-Dinge beim X-Trail. Parallel wuchs das bereits bei 2.000 Umdrehungen anliegende Drehmoment von 270 auf 314 Newtonmeter. Die Fahrleistungen haben sich entsprechend verbessert: Statt der bisherigen 13,7 Sekunden braucht der erstarkte Selbstzünder nur noch 11,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wuchs von 165 auf 180 km/h. Der Verbrauch bleibt nach Angabe von Nissan mit 7,2 Litern hingegen unverändert. Nicht durch seine Sparsamkeit sondern auch durch seine zugleich kraftvolle, sehr kultivierte und gleichmäßige Art der Beschleunigung begeistert der Selbstzünder. Zusammen mit dem sehr gut abgestimmten Sechsgang-Schaltgetriebe ist er eine wirklich hervorragende Wahl.

Potente Benziner
Alternativ gibt es für den X-Trail weiterhin die beiden unverändert gebliebenen Vierzylinder-Benziner mit 2,0 und 2,5 Litern Hubraum. Beide Otto-Motoren arbeiten seidenweich und ruhig. Bereits die Zwei-Liter-Maschine ist mit 140 PS ein recht kraftvoller Motor. Die hubraumstärkere Version leistet sogar 165 PS. Damit sprintet der 1,5-Tonner in nur 9,9 Sekunden von null auf 100 km/h, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 187 km/h. Der Zweiliter-Benziner braucht 11,3 Sekunden, die Top-Speed beträgt 177 km/h.

Vor allem der große Benziner beeindruckt mit Laufruhe und gleichzeitig hohem Leistungsniveau. Beide Benziner können mit ihren Durchschnittsverbräuchen von 9,3 und 9,4 Litern auf 100 Kilometern keine Glanzpunkte setzen. Ähnliche Motorisierungen des vergleichbaren Toyota RAV4 sind etwas sparsamer, die vergleichbaren Konkurrenten des Land Rover Freelander sind hingegen durstiger.

Geländegänger
Der X-Trail ist kein extremer Klettermax. Bei seiner Offroad-Kompetenz stößt man bei beinharter Schlamm-Akrobatik an Grenzen. Hierfür eignen sich robuste Wühlmäuse à la Mercedes G-Modell oder Landrover Defender besser. Je nach Getriebeübersetzung und Drehmoment der Motoren schwankt die Steigfähigkeit des X-Trail zwischen 22 und 38 Grad. Den Spitzenwert schafft die Dieselversion mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Man kann zwischen Allrad- und Zweiradantrieb wählen. Eine Geländeuntersetzung gibt es nicht. Die Bodenfreiheit beträgt 200 und die Wattiefe 350 Millimeter. Gegenüber seinen direkten Konkurrenten Toyota RAV4 und Landrover Freelander braucht sich der X-Trail in keinem Fall zu verstecken.

Entsprechend haben wir uns mit dem X-Trail auf einen etwas anspruchsvolleren Offroadparcour gewagt. Dort wühlte der Nippon-Allradler sich durch Schlamm und kletterte behände Steigungen hinauf, verwinkelte und verschränkte sich. Auf Schotterpisten kann man mit ihm sicher und schnell den Staub aufwirbeln. Dabei bleibt der Komfort selbst bei einer Geschwindigkeit nahe der 100 km/h immer noch bemerkenswert hoch. Klar, dass tiefe Schlaglöcher die Passagiere ordentlich durchschütteln können.

Gute Asphalt-Performance
Auf der Straße macht der X-Trail als bequemes Reisefahrzeug eine gute Figur. Viel Platz für die Passagiere, ein angenehmes Geräuschniveau und eine für Offroader gute Straßenlage sorgen für eine respektable Asphalt-Performance. Seine geringe Seitenneigung und die leichtgängige und exakte Lenkung sorgen im Zusammenspiel mit zahlreichen elektronischen Helfern für ein gleichermaßen sicheres und dynamisches Vorankommen.

ESP, ABS, EBD (elektronische Bremskraftverteilung) und die Traktionskontrolle TCS bügeln mögliche Fahrfehler souverän aus. Wie ein Pkw verhält sich der X-Trail nicht. Doch für einen Offroader kann sich sein Fahrverhalten auf Straßen sehen lassen.

Praktisch und komfortabel
Auch bei Ausstattung und Komfort befindet sich der X-Trail auf hohem Niveau. Die Annehmlichkeiten lassen kaum etwas vermissen, was nicht auch in Nissan-Limousinen zu finden ist. Dazu zählt auch die hochwertige Birdview-Navigation mit Europa-DVD und Sieben-Zoll-Farbbildschirm.

Die Innenraumvariabilität und das gute Platzangebot machen den X-Trail zu einem respektablen Transporttalent. Der Kofferraum fasst immerhin 410 Liter. Mit umgelegter Rückbank entsteht eine fast 1,90 Meter lange Ladefläche mit bis zu 1.841 Liter Ladevolumen. Dem Wochenendausflug mit zwei Mountainbikes steht eigentlich nichts im Weg.

Preisliste


Nissan X-Trail

Grundpreis: 23.620 Euro
X-Trail 2.0 Comfort 5-Gang 23.620
X-Trail 2.2 dCi Comfort 5-Gang 25.320
X-Trail 2.5 Sport 5-Gang 28.520
X-Trail 2.2 dCi Sport 6-Gang 28.720
X-Trail 2.5 Elegance 5-Gang 31.120
X-Trail 2.2 dCi Elegance 6-Gang 31.320
Sonderausstattungen
Plus-Paket für Comfort mit 16-Zoll-Alus und Klimaautomatik 1.230
el. Glasschiebedach (nur Sport; Serie bei Elegance) 900
Vierstufenautomatik (nur 2.5) 1.290
ESP (nur Sport und Elegance) 610
Birdview-DVD-Navi inkl. Farbmonitor (nur Sport und Elegance) 2.200
Dachträger mit integrierten Scheinwerfern (nur Sport und Elegance) 650
Metallic- oder Mineraleffekt-Lack 440

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel-Reihenmotor, DOHC, 16 Ventile 
Hubraum in ccm 2.184 
Leistung in PS 136 
Leistung in kW 100 
bei U/min 2.000 
Drehmoment in Nm 314 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.455 
Breite in mm 1.765 
Höhe in mm 1.675 
Radstand in mm 2.625 
Leergewicht in kg 1.520 - 1.629 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 180 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,2 

Nissan X-Trail im Test