VW Golf Variant 2.0 Bifuel (2004) mit Erdgas-Motor im Test
Kombi mit 115-PS-Aggregat für Benzin- und Erdgasbetrieb im Test
Benzin wird immer teurer, und auch Diesel ist nicht länger wirklich günstig. So interessieren sich immer mehr Autofahrer aus finanziellen Gründen für das günstige Erdgas. Aber spart man im laufenden Betrieb so viel, dass sich die Anschaffung lohnt? Wir sind dieser Frage anhand des VW Golf Variant 2.0 Bifuel nachgegangen und haben den Erdgaskombi für Sie getestet.
Flotter Motor
Das Wolfsburger Erdgasfahrzeug besitzt ein 2,0-Liter-Aggregat, das 115 PS leistet. Dieser Wert gilt für den Benzinbetrieb, im Erdgasmodus sind es nur 102 PS. Denn wie der Name Bifuel schon sagt, kann das Auto mit beiden Kraftstoffen betrieben werden. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der 2.0 Bifuel 11,7 Sekunden im Benzinmodus und 12,7 Sekunden im Erdgasbetrieb. Den Unterschied bemerkt man im Alltag kaum. Unabhängig vom gerade verwendeten Treibstoff macht der Motor einen flotten Eindruck. Die Höchstgeschwindigkeit von 185 beziehungsweise 195 km/h erreicht das Auto ohne Probleme. Das eher harte Fahrwerk macht hohe Geschwindigkeiten gerne mit. Beim Schalten mit dem serienmäßigen Fünfgang-Getriebe stört allerdings die spät kommende Kupplung. Und wenn man auf nassem oder glattem Untergrund anfährt, lässt der Grip zu wünschen übrig: Die Vorderräder drehen öfter durch. Ein Grund dafür mögen die schweren Gastanks in der hinteren Fahrzeughälfte sein; sie verschlechtern die Gewichtsverteilung bei dem Fronttriebler.
Eine anrüchige Sache
Während bei den Erdgasvarianten des Opel Zafira oder Fiat Multipla die Erdgastanks unter dem Fahrzeugboden untergebracht sind, liegen sie beim Golf innen. Sie sind im Kofferraumboden in einem etwa zehn Zentimeter hohen Sockel integriert. Der Kofferraum wird dadurch um schätzungsweise hundert Liter verringert, sodass etwa 350 bis 1.400 Liter übrig bleiben. Die Tanks bestehen nicht wie bei anderen Modellen aus Stahl, sondern aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Vorteil: Sie sind leichter und weniger wartungsintensiv. In unserem fast neuen Testwagen allerdings roch es deutlich nach Gas, wenn der Tank nicht leer war. Diese Tatsache flößt einem nicht gerade Vertrauen in die Erdgastechnik ein. Wir jedenfalls hätten Bedenken gehabt, uns im Auto eine Zigarette anzuzünden.
Wie man Gas tankt
Getankt wird das so genannte CNG, also Compressed Natural Gas, das im Volksmund Erdgas heißt. Derzeit gibt es deutschlandweit 534 Tankstellen für diesen Treibstoff. Die Tankmöglichkeiten im eigenen Umkreis kann man allerdings meist an einer Hand abzählen – in München gibt es gerade mal fünf Tankstellen. Hat man aber eine Erdgasquelle gefunden, so ist der Tankvorgang nicht viel schwieriger als bei flüssigem Kraftstoff. Man lässt den Tankrüssel am Stutzen einrasten, legt einen Hebel um, drückt einen Knopf an der Tanksäule, und das Erdgas strömt in den Tank.
55 Liter großer Benzintank
Neben den Erdgastanks hat der Bifuel einen Benzintank; er fasst 55 Liter wie beim normalen Modell. Den Kraftstoffverbrauch des 2.0 Bifuel gibt VW mit 8,1 bis 8,2 Liter Super auf 100 Kilometer an. Im Erdgasbetrieb liegt der Verbrauch bei 6,0 Kilogramm auf 100 Kilometer.
Nur 300 Erdgas-Kilometer
Die Gesamtreichweite liegt laut Hersteller bei etwa 900 Kilometern. Auf unseren Testfahrten schafften wir rund 750 Kilometer. Davon entfallen nur etwa 300 Kilometer auf das Erdgas, der Rest auf Benzin. Aufgrund der kleinen Gas-Reichweite und der geringen Tankstellendichte ist der Erdgaseinsatz also bei Langstreckenfahrten etwas unpraktisch. Aber auch wenn es bequemer ist, mit Benzin zu fahren: Der Druck auf die Umschalttaste unter dem Lenkrad lohnt sich. Bei den derzeitigen Kraftstoffpreisen ist Erdgas etwa nur halb so teuer wie Super. Und zumindest der Steueranteil am Gaspreis ist bis Ende 2020 festgeschrieben. Nebenbei tut man als Erdgasfahrer etwas für die Umwelt. Denn die Kohlendioxidemission pro gefahrenen Kilometer ist im Erdgasbetrieb um ein rundes Viertel niedriger als mit Benzin.
4.000 Euro mehr als für das Benzinmodell
Der Einstiegspreis für den Golf Variant 2.0 Bifuel liegt bei 24.150 Euro. Das reine Benzinmodell ist mit 20.050 Euro runde 4.000 Euro günstiger. Um diesen Nachteil zumindest teilweise auszugleichen, fördern regionale Erdgasversorger die Anschaffung von Erdgasautos. In Südbayern beispielsweise bekommt man 400 Euro in Form von Tankgutscheinen.
Rentabel oder nicht?
Um herauszufinden, ob sich die Mehraufwendung rentiert, haben wir die jährlichen Gesamtkosten für das Benzinmodell mit denen für die Bifuel-Version verglichen. Dabei verwendeten wir die CD-ROM ADAC Autokosten 2004/2005. Ergebnis: Bei 20.000 Kilometern pro Jahr und fünf Jahren Haltedauer spart man beim Bifuel nicht weniger als 600 Euro pro Jahr. Versicherung und Steuer sind bei beiden Varianten gleich hoch, und die Wartungskosten unterscheiden sich kaum – diese Faktoren können also vernachlässigt werden. Bei überdurchschnittlichen Laufleistungen lohnt sich Erdgas also. Aber wie sieht es bei Fahrern aus, die nicht so viele Kilometer fressen? Die Antwort klingt fast unglaublich: Laut ADAC-Programm rentiert sich der Erdgaseinsatz bereits ab 7.000 Kilometern jährlich. Ob die Rechnung im Einzelfall aufgeht, hängt allerdings davon ab, ob man – wie vom ADAC prognostziert – einen deutlich besseren Wiederverkaufserlös als beim Benziner erzielt.
Die einfach Rechnung
Wer das Auto für die gesamte Lebensdauer behalten möchte, kann einfach die Differenz der Anschaffungspreise gegen die Differenz der Kilometerkosten rechnen. Hiernach rentiert sich die Bifuel-Anschaffung erst nach etwa 90.000 Kilometern. Aber auch so dürfte sich das Auto in den meisten Fällen amortisieren.
(sl)
Preisliste
VW Golf Variant 2.0 Bifuel |
|
| Grundpreis: | Euro |
| Golf Variant Bifuel 2.0 Basis | 24.150 |
| Golf Variant Bifuel 2.0 Trendline | 25.325 |
| Golf Variant Bifuel 2.0 Comfortline | 25.650 |
| Golf Variant Bifuel 2.0 Highline | 27.600 |
| Golf Variant Bifuel 2.0 Sondermodell "Ocean" | 25.025 |
| Metallic-Lackierung | 405 |
| Elektronische Einparkhilfe hinten | 345 |
| Nebelscheinwerfer | 148 |
| Regensensor | 134 |
| Glasschiebedach | 820 |
| Xenon-Licht | 900 |
| Klimaanlage | 1.170 |
| Radio-Navigationssystem | 1.815 |
| Radio Alpha | 405 |
| 15-Zoll-Aluräder | 770 |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Otto-Reihenmotor |
| Zylinder | 4 |
| Ventile | 2 |
| Hubraum in ccm | 1.984 |
| Leistung in PS | 115 |
| Leistung in kW | 85 |
| bei U/min | 3.500 |
| Drehmoment in Nm | 172 |
| Antrieb | Front |
| Gänge | 5 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 4.397 |
| Breite in mm | 1.735 |
| Höhe in mm | 1.485 |
| Radstand in mm | 2.515 |
| Leergewicht in kg | 1.366 |
| Zuladung in kg | 514 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 275 |
| Kofferraumvolumen, variabel in Liter | 1.285 |
| Dachlast in kg | 75 |
| Tankinhalt in Liter | 55 |
| Kraftstoffart | Super |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 195 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 11,7 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 8,1 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 11,3 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 6,2 |
| Schadstoffklasse | Euro 4 |
| Weitere Informationen | |
| 1/moreName | 75 kW (102 PS) bei 5.400 U/min |
| 2/moreName | 152 Nm bei 3.200 U/min |
| 3/moreName | 185 km/h |
| 4/moreName | 12,7 sec. |
| 5/moreName | 6,0 kg auf 100 km |
Bildergalerie: Erdgasauto mit Notbenzin
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