Wir testen den zweifach geladenen Golf mit Doppelkupplungsgetriebe

Der kleine Zeiger leuchtet spitzbübisch in seinem euromünzgroßen Rundinstrument. Ein Tritt aufs Gas. Blitzartig schnellt der Wicht von links nach rechts. Er ist der Boostanzeiger, derjenige, der uns den Druckaufbau im doppelt bedrückten Golf GT verdeutlichen soll. Dieser Zeiger macht unheimlich Spaß – und ist vollkommen sinnlos.

Technisch innovativ
Da der Golf RGTI mit seinen avisierten 300 PS noch in den Sternen und als schwarze Studie in Kalifornien steht, geben zur Zeit der R32 mit 250 PS und der GTI Edition 30 mit 230 PS die Spitze der Golf-Modell-Palette an. Der GT ist der Dritte im Bunde. Er liegt zwar mit seinen 170 PS weit abgeschlagen, aber das Sensationelle ist der Hubraum, aus dem diese 170 PS herausgaloppieren: 1,4 Liter. Der R32 benötigt für seine 250 PS fast 3,2 Liter, der GTI kann für seine 230 PS (Edition 30) oder 200 PS auf knapp zwei Liter zurückgreifen. Die Literleistungen – R32: 78 PS pro Liter, GTI: 116 PS pro Liter (Edition 30) oder 101 PS pro Liter, GT: knackige 122 PS pro Liter. Die Effizienzkurve steigt also mit jedem Modell-Schritt nach unten rasant an. Ein Kompressor und ein Turbolader zeichnen dafür verantwortlich.

Von außen ein Golf
Der GT versteckt sich gut im Golf-Gewand. Nur minimale Hinweise verraten ihn für Fans, Eingeweihte und solche, die sich gerne Kürzel auf Autos durchlesen. Denn der ,GT"-Schriftzug klemmt klein zwischen den Rippen des Frontkühlergrills. Drei große Öffnungen zum Luftholen sind unter ihm platziert. Unterm Wagen sorgen breite 17-Zöller für den Kontakt zur Straße. Hinten bläst ein Doppelendrohr die geschundenen Verbrennungsrückstände aus. Ansonsten ist am Golf alles Golf. Das GT-Kürzel entdecken die Jugendlichen auf dem McDonalds-Parkplatz trotzdem sofort.

Von innen: auch ein Golf
Der Innenraum gibt sich so, wie man es von VW gewöhnt ist: praktisch, übersichtlich und gut verarbeitet. Die Kunststoffflächen haben eine akzeptable Narbung, die Instrumente verschweigen nichts. Und das kleine Boostmeter ist ein launiges Spielzeug. Wenn es überhaupt zu irgendetwas gut ist, dann dazu, einem zu zeigen, wann der Spritverbrauch am höchsten ist. Da es unmittelbar auf jeden Gasstoß reagiert, sieht man hier quasi noch mal, wie weit man den Gasfuß Richtung Bodenblech drückt. Das Lenkrad ist haptisch okay, könnte aber dicker in der Hand liegen. Hinten können auch große Leute sitzen, haben aber auf Grund der Enge keinen richtigen Spaß dabei.

Die Zuladung macht's
Der GT ist, wie sollte es anders sein, sportlicher abgestimmt, als ein Durchschnittsgolf. Dies gibt ihm die Möglichkeit, schneller durch enge Kurven zu heizen. Des Weiteren sollten die Fahrgäste so vor Wanken und Nicken geschützt sein. Allerdings könnte sich der Wagen bei der Autobahn-Kurvenhatz noch deutlich besser schlagen. Hier wirkt ein bisschen Zuladung Wunder, dann geht's absolut perfekt durch die Biege. Der Sportler mag es anscheinend, ein wenig Ballast mit sich herumzuschleppen. Die Lenkung ärgert nicht mit Spiel, selbst um die Mittellage herum vermittelt ihre direkte Art Sicherheit.

Feine Helfer für den Motor
Kommen wir jetzt zum Sahnestück des GT: Dem doppelt aufgeladenen Motor. Wenn sich die Kurbelwelle bis zu 2.400 Mal in der Minute dreht, sorgt ein Kompressor für zusätzlichen Druck. Dieses sogenannte Rootsgebläse beatmet den Motor so lange, bis der Turbolader eingreifen kann. Dieses Twincharger-System funktioniert ohne Ruckeln oder Knallen. Von der Übergabe der Beatmung vom Kompressor auf den Turbolader bekommen die Insassen nichts mit. Geräuschmäßig halten sich das Triebwerk und seine beiden Helfer angenehm zurück.

Reise-Kraft
Die 100-km/h-Prestigemarke schnappt sich der GT in 7,7 Sekunden. Während der Boostzeiger am rechten Anschlag zu zerbrechen droht, ziehen die Vorderräder über den Asphalt. Wer es zu heftig angehen lässt, wird mit abreißender Traktion belohnt. Ab 180 km/h bekommt der Kleine dann aber Schwierigkeiten, hier lässt sich der Hubraum anscheinend nicht mehr ersetzen. Gemächlich geht es bis zur Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h, welche sich allerdings als gute Reisegeschwindigkeit für lange Strecken entpuppt. Mit 7,3 Litern teurem Super Plus soll der Wagen im Schnitt auskommen. Dies wäre eine weitere Effizienz-Bestmarke. Aber die Realität sieht anders aus. In unserem Test genehmigte sich das gute Hightech-Stück 8,9 Liter auf 100 Kilometern, was immer noch ein guter Wert ist.

Zwischen zwei Kupplungen
Zum innovativen Antrieb gesellt sich weiterer technischer Fortschritt: das Direktschaltgetriebe (DSG). Dieses bereits 1940 erfundene Getriebe wurde von VW zuerst so zurechtentwickelt, dass es fürs Golf-Topmodell R32 passte. Die Kraft wird über zwei Wellen ins Getriebe geleitet. Eine äußere Hohlwelle ist für die Gänge eins, drei, fünf und für den Rückwärtsgang zuständig. Die in der äußeren Welle laufende innere Hohlwelle besorgt die restlichen Gänge. Der Clou an der Sache: Beide Wellen haben eine eigene Kupplung, weshalb sich landläufig die Bezeichnung ,Doppelkupplungsgetriebe" eingebürgert hat. Hydraulisch gesteuert ist beim DSG ein Gang eingekuppelt, während ein weiterer Gang bereits vorgewählt ist. Bei einem Schaltvorgang öffnet sich eine Kupplung, während sich die des vorgewählten Ganges gleichzeitig schließt. Dadurch verringert sich die Schaltzeit auf Null.

Permanenter Vortrieb
Schaltzeit Null bedeutet, dass der Vortrieb zu keinem Zeitpunkt abreißt, das Getriebe ist immer in Aufbruchstimmung. Und genauso ist es beim GT: Energisch zieht er nach vorn, wobei sich ein gleichmäßiger Kraftbogen aufbaut. Nickbewegungen, wie sie manche Wandler-Automatiken erzwingen, gibt es hier nicht. Die Schaltvorgänge laufen unmerklich ab. Dabei hilft das DSG auch noch im Vergleich zu einer herkömmlichen Automatik ein wenig Sprit zu sparen. Somit ist das DSG die perfekte Ergänzung zum TFSI-Motor mit Kompressor und Turbolader.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Golf GT ist der Kleinste in der Golf-Führungsriege – und er ist der Schlauste. Aus mickrigen 1,4 Litern Hubraum sprengt er unter der bisher nie dagewesenen gemeinsamen Zuhilfenahme von Kompressor und Turbolader 170 PS. 25.005 Euro werden von VW für den technischen Leckerbissen aufgerufen.

    Der Audi A3 2.0 TDI 125 kW Attraction S tronic RPF hat ebenfalls 170 PS und kostet 27.450 Euro. Dabei braucht der Diesel für den Spurt auf 100 km/h 0,1 Sekunden länger als der Golf. Genauso schnell wie der GT erreicht der BMW 120i mit seinen ebenfalls 170 PS die Hunderter-Schallmauer. Aber auch er ist im Basispreis noch etwas teuerer als der Konkurrent aus Wolfsburg: 25.100 Euro. Dabei hat er den etwas kleineren Innenraum, aber das bessere Fahrwerk.

    Wer also mit KFZ-Steuer-sparendem kleinen Hubraum zackig unterwegs sein möchte und zudem technische Raffinessen zu schätzen weiß, der liegt mit dem Golf GT genau richtig.

  • Antrieb
    95%
    extrem gute Literleistung
    teures Super Plus nötig
  • Fahrwerk
    85%
    sportliche Auslegung
    Abstriche im Komfort, ist auf Zuladung ausgelegt
  • Karosserie
    80%
    funktional perfekt, wie bei jedem Golf
    Platz im Fond nicht üppig, wie bei jedem Golf
  • Kosten
    85%
    viel PS fürs Geld
    hohe Wartungskosten für komplizierte Technik

Preisliste


VW Golf 1.4 TSI GT DSG

Grundpreis: 25.944 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten 297
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 313
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 1.190
CD-Radio 544
elektr. Schiebedach 846
Metalliclackierung 472
Leichtmetallfelgen 17 Zoll Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat 195
Xenonlicht 1.072
Nebelscheinwerfer 152
Anhängevorrichtung 692
Berganfahrassistent 104
Garagentoröffner 200
Sonderfarbe Tornadorot 126
Sonderfarbe Schwarz 215
Lederausstattung 1.990
Tagfahrlicht 49
Mittelarmlehne vorn 131
iPod-Vorbereitung 331
USB-Schnittstelle 331
ParkPilot Heck 365
Standheizung 1.241
Mobiltelefonvorbereitung 400

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbomotor mit Kompressoraufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.390 
Leistung in PS 170 
Leistung in kW 125 
bei U/min 1.500 - 4.750 
Drehmoment in Nm 240 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe DSG 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.540 
Spurweite hinten in mm 1.518 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, Sportfahrwerk, 15 mm tiefer als Golf-Standardfahrwerk 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, Sportfahrwerk, 15 mm tiefer als Golf-Standardfahrwerk 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innenbelüftet, 312 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 286 mm 
Wendekreis in m 10,9 
Räder, Reifen vorn 225/45 R 17 auf 7 J x 17 
Räder, Reifen hinten 225/45 R 17 auf 7 J x 17 
Lenkung elektromechanische Servolenkung, per Software sportlich ausgelegt 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.204 
Breite in mm 1.759 
Höhe in mm 1.513 
Radstand in mm 2.578 
Leergewicht in kg 1.320 
Zuladung in kg 570 
Kofferraumvolumen in Liter 350 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.305 
Anhängelast, gebremst in kg 1.400 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 55 
Kraftstoffart Super Plus 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 218 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 10,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,9 
CO2-Emission in g/km 174 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 16 
Teilkasko-Klasse 22 
Vollkasko-Klasse 19 
Service-Intervalle 30.000 km oder alle zwei Jahre 

Bildergalerie: Ein Effizienzkünstler