Mazda verjüngt den legendären Initiator der Roadster-Bewegung

Die Kurve der Autobahnauffahrt wird immer enger. Wir fühlen uns, als würden wir in ein Schneckenhaus fahren. Kein Grund, vom Gas zu gehen. Unser Hinterteil ist längst eins geworden mit dem Heck unseres Mazda MX-5. Wir steuern den Wagen mit dem Gesäß. Wir sind das Auto.

Mut zum Glück
Der Startschuss fiel ganz unverhofft. Am 9. Februar 1989 macht Mazda die Autowelt im Alleingang ein Stück besser. Der MX-5 wird enthüllt. Damit geschieht etwas, wofür viele Abhängige bis heute dankbar sind: Die Wiederbelebung des leichtgewichtig puristischen Roadsters. Leichter Körper, zwei Sitze, Cabrio mit einfachem Verdeck. Fertig ist das süße Autoleben. Modelle anderer Hersteller folgten. So sind Porsche Boxster, Lotus Elise, Honda S2000, Mercedes SLK und Nissan 350Z Roadster nur einige Vertreter, die dem Vorbild MX-5 nacheiferten.

Noch schicker
Der neue MX-5 sieht nicht nur breiter aus als seine mittlerweile zwei Vorgänger. Er steht tatsächlich auf breiterer Spur. Das wird durch deutlich markanter ausgeformte Kotflügelausschnitte unterstrichen. Die sehr leichte Keilform sowie die sich nach vorn und hinten verjüngende Karosserie wurden beibehalten. Am hinteren Anschlag des Stoffdachs befindet sich rechts und links eine edel wirkende Chrom-Schraubenleiste. Insgesamt wirkt der MX-5 schon allein durch die ausgestellten Radhäuser dynamisch, markant und modern.

Wie angegossen
Die breitere Spur zieht ein breiteres Cockpit nach sich. Der Zuwachs im Innenraum steht aber auch dem Kopf zur Verfügung. 1,88 Meter großen Fahrern passt der Wagen einfach perfekt. Nur sein Knie sollte man beim Türzuschlagen nicht zwischen Selbiger und dem Lenkrad parken. Dies führt nämlich zu einem schmerzhaften Schlag. Der Wagen ist so tief und klein, dass man andere Fahrzeuge maßlos überschätzt. Im Parkhaus stellt man sich unversehens neben einen vermeintlichen Maybach und beim Aussteigen stellt man nach kurzem Blick fest, dass der Skoda Octavia ziemlich groß gewirkt hat.

Blitz-Mütze
Natürlich fährt man seinen Roadster so oft wir irgend möglich offen. Und das Stoffverdeck hat nicht nur den Vorteil, dass es leicht und cool ist, sondern es lässt sich auch mit einem Drei-Sekunden-Ruck öffnen. Klappdach-Cabrios brauchen das Zehnfache und müssen an der Ampel zittern, ob ihnen denn die Rotphase genug Zeit zum Hutabnehmen lässt. Ist das Dach in seiner Kuhle hinter Fahrer und Beifahrer verschwunden, die ganz nebenbei dem Kofferraum keinen Platz raubt, sollte man das winzige Windschott hochstellen. Dieses bringt trotz seiner unscheinbaren Größe etwas Ruhe in die Frisur. Da die Lüftung bis zu 30 Grad heiße Luft ausstößt, und die Sitzheizungen nicht faul sind, kann man bei jeder Temperatur offen fahren. Könnte man. Mazda behauptet, dass man das Verdeck ab Temperaturen von unter fünf Grad plus nicht mehr falten sollte, um Beschädigungen zu vermeiden. Hmmm. Ob wir uns an einem Tag mit sonnendurchfluteter Schneelandschaft wirklich zurückhalten können?

Lackiert
Das Interieur wirkt noch hochwertiger als bei den Vorgängern. Blickfang ist eine zirka fünf Zentimeter breite, in schwarzem Klavierlack glänzende Dekorleiste, die sich über das gesamte Armaturenbrett zieht. Das Lenkrad ist schön klein, fasst sich super an und sieht mit seinen spangenförmigen Aluminiumeinlagen einfach gut aus. Der Kofferraum hat sich dem europäischen Trinker angepasst: Eine komplette Getränkekiste lässt sich verstauen. Auch ein Kabinentrolley findet auf dem Weg zum Flughafen zusammen mit ein paar Kleinigkeiten hinten noch Platz.

Showtreppe
Eine Sache ist noch erwähnenswert: Die Tankdeckelentriegelung sitzt in Form eines unscheinbaren Plastikrings im hinteren Staufach der Mittelkonsole. Von außen weißt nichts darauf hin. Das muss man wissen und beim Verleihen weiter sagen. Und noch was: Der Fußraum des Beifahrers ist uneben. Der linke Fuß steht ungefähr zehn Zentimeter höher als der Rechte. Wenn eine Frau den Wagen fährt, fragt der Beifahrer instinktiv: ,Zu Dir oder zu mir und darf ich auch mal fahren?". Sitzt der Herr am Steuer, sieht die Sache schon anders aus. Da könnte es zu Protesten kommen, wenn die Manolo-Blahnik-Schuhe auf verschiedenen Ebenen verweilen müssen.

Direkte Er-Fahrung
Auf Unebenheiten reagiert der MX-5 recht souverän. Wanken und nicken sind ihm fremd. Kleinere Unebenheiten werden nur als Geräusch zum Fahrer übertragen. Größere Schläge spürt man zwar, aber es ist nicht lästig und erhöht nur den puristisch direkten Eindruck. Einzig kurze Querwellen auf der Autobahn bringen die Karosse zur Resonanz und zwingen zum Gasgeben oder Spurwechsel.

Kurven-Pirat
Wer Kurven bis jetzt lästig fand, der braucht Medizin. Medizin in Form eines Mazda MX-5. Das Lächeln des Fahrers stellt sich schon am Kurveneingang ein und wird mit jedem krummen Meter immer breiter. Allein das geringe Gewicht von 1.155 Kilogramm sorgt schon für geringe Fliehkräfte. Und diese Masse verteilt sich ideal 50 zu 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse. Außerdem ist der kleine Japaner irre steif. Nur feste und hochfeste Stähle durchziehen den MX-5. So ist das Monocoque 47 Prozent verwindungs- und 22 Prozent biegesteifer als beim Vorgängermodell. Die Straßen-Biege ist perfekt im Rücken zu spüren. Die sportlichen aber bequemen Sitze verhindern, dass der eigene Wanst zu sehr den Gesetzen der Physik folgt und halten ihn auf Position.

Kleiner neuer Kraftzwerg
Der MX-5 kann zwischen zwei Motoren wählen. Das größere Triebwerk umschließt zwei Liter Hubraum, das kleinere muss mit 1,8 Litern auskommen. Unser Wagen wurde vom 1,8-Liter-Benziner angetrieben. 126 PS müssen reichen, um etwas Spaß ins Fahrzeug zu bringen. Und sie reichen. Auf jeden Fall auch für mehr als nur ,etwas" Spaß. Auch hier spielt wieder das geringe Gewicht des Wagens eine Rolle. In 9,4 Sekunden geht es von null auf 100. Bei 196 km/h ist Schluss. Der Motor klingt dabei knurrig kernig, hängt eifrig am Gas und dreht mit Leichtigkeit gleichmäßig hoch. Das dringt besonders gut zum Ohr durch, da das Stoffdach keinen erwähnenswerten Schallschutz bereitstellt. Der von uns bereits geteste 2,0-Liter-Motor wartet mit 160 PS und 210 km/h High Speed auf. Dabei zeigt er sich in Drehzahlbereichen unter 2.500 Umdrehungen recht träge. Da drüber geht es zwar ohne Fehl und Tadel ab, aber der kleinere Motor reicht halt vollkommen aus, um mit dem MX-5 Spaß zu haben.

Sauber getroffen
Beim 1,8er-Motor müssen fünf Gänge reichen, um die Kraft zu sortieren. Die nur im 2,0-Liter-Modell erhältliche manuelle Sechsgangschaltung verhielt sich in unserem früheren Test etwas ungenau. Anders bei der Fünf-Gang-Schaltung: Sauber knacken die Stufen in ihre Position. Sowohl im Leerlauf als auch bei eingelegten Gängen vibriert der Schalthebel nach Kräften. Die Hand umschließt ihn fest und meldet ans Gehirn: Good Vibrations – absolutes Roadster-Feeling.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der neue Mazda MX-5 setzt die Legende ungeniert fort. Der kleinere, mit fünf Gängen beschaltete Motor reicht vollkommen aus und sorgt für einen günstigen Einstiegspreis von 21.200 Euro. Man freut sich auf jeden einzelnen Meter Fahrt. Das geringe Gewicht, die steife Karosserie, der kernige Motor und die präzise Schaltung sind füreinander gemacht. Befreit von unnötigem Komfort, umgibt einen eine gefühlsechte Maschine. Das Um-die-Kurven-Fahren ist ein Erlebnis wie ein Geschenk.

  • Antrieb
    85%
    die 1,8-Liter-Motorisierung reicht vollkommen
    den Sound gibt es nur bei einem Roadster
  • Fahrwerk
    95%
    schneidet sich direkt in jede Kurve
    man verschmilzt mit dem Wagen
  • Karosserie
    95%
    übertrifft in Sachen Aussehen noch seine Vorgänger
    leider nur für Leute bis 1,88 Metern Größe
  • Kosten
    90%
    preislich vertretbarer Einstieg in die Welt der Roadster
    umfangreiche Serienausstattung

Preisliste


Mazda MX-5 Energy 1.8 l MZR

Grundpreis: 24.416 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio Serie
Metalliclackierung 503
Leichtmetallfelgen Serie
Bose-Sound-System mit Sechsfach-CD-Wechsler 841
schlüsselloses Zugangssystem plus Alarmanlage 503
Lederausstattung mit Sitzheizung 985
Sonderlackierung Brillantschwarz 226

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.798 
Leistung in PS 126 
Leistung in kW 93 
bei U/min 4.500 
Drehmoment in Nm 167 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.490 
Spurweite hinten in mm 1.495 
Radaufhängung vorn untere Dreieck-Querlenker, obere Dreieck-Querlenker, Federbeine, Querstabilisator (Durchmesser: 21 mm) 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung an Hilfsrahmen, Typ Multi-Lenker, Federbeine, Querstabilisator (Durchmesser: 11 mm) 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheibenbremsen, 290 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 280 mm 
Wendekreis in m 10,0 
Räder, Reifen vorn 205/50 R16 87V auf 6,5J x 16 
Räder, Reifen hinten 205/50 R16 87V auf 6,5J x 16 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit drehzahlabhängiger hydraulischer Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.995 
Breite in mm 1.720 
Höhe in mm 1.245 
Radstand in mm 2.330 
Leergewicht in kg 1.155 
Zuladung in kg 210 
Kofferraumvolumen in Liter 150 
Anhängelast, gebremst in kg
Dachlast in kg
Tankinhalt in Liter 50 
Kraftstoffart Superbenzin nach DIN EN 228 ROZ 95 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 196 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,8 
Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 7,9 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 8,6 
CO2-Emission in g/km 174 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Haftpflicht-Klasse 13 
Teilkasko-Klasse 23 
Vollkasko-Klasse 18 
Service-Intervalle alle 20.000 km oder alle 12 Monate 
Garantie 3 Jahre oder maximal 100.000 km 

Gefühlsecht: Der MX-5