Audi RS4 und Mercedes C55 AMG stellen sich unserem Vergleich

Die Zeiten als Familienväter mit Vorliebe für schnelle Autos zwei fahrende Untersätze brauchten, um Familie und Hobby unter einen Hut zu bringen sind längst vorbei. Die Spezies der hochmotorisierten Sportkombis findet immer mehr Fans. Wir haben die beiden bekanntesten Vertreter, den Audi RS4 und den Mercedes C55 AMG, gegeneinander antreten lassen.

Motor/Getriebe
Unsere beiden Testkandidaten gibt es in dieser Form jeweils nur mit einer Motorisierung. Der V8-Motor des RS4 leistet mit seinen knapp 4,2 Litern Hubraum enorme 420 PS. Die Leistung wird durch eine Kombination aus Benzindirekteinspritzung und Hochdrehzahlkonzept bis zu 8.250 Touren pro Minute ermöglicht. Das maximale Drehmoment beträgt 430 Newtonmeter, die bei 5.500 Umdrehungen pro Minute anliegen. Beim Mercedes C55 AMG ist das Kräfteverhältnis umgekehrt verteilt: Mehr Hubraum, weniger Leistung. Der Achtzylinder-Motor des Kombis aus Affalterbach bietet seinen Kolben 5.439 Kubikzentimeter Platz zum Arbeiten. Die daraus resultierende Leistung beläuft sich auf 367 PS. Bei 4.000 Umdrehungen entwickelt der V8 von AMG sein maximales Drehmoment von 510 Newtonmetern.

Leistungs-Vorteil von 53 PS für Audi
Die nackten Zahlen sprechen mit einem Leistungs-Vorteil von 53 PS eindeutig für den Ingolstädter. Oder kann der C55 AMG seinen größeren Hubraum und das kräftigere Drehmoment zu seinen Gunsten nutzen? Laut Mercedes-AMG sprintet der C55 in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Das AMG-Speedshift wechselt die Gänge in allen drei Modi (Manuell, Comfort und Sport) sehr sanft und die Beschleunigung fühlt sich subjektiv langsamer an. Für die flotte Autobahnfahrt sind die seidenweichen Gangwechsel ein Traum, auf der kurvigen Bergstraße hätten wir uns gerne etwas mehr Spritzigkeit vom Top-Modell der C-Klasse gewünscht. Audi vertraut beim RS4 auf ein Schaltgetriebe, für eine sportliche Fahrweise auf jeden Fall die bessere Wahl. Der 4,9 Sekunden lange 100-km/h-Sprint fühlt sich dadurch deutlich direkter und sportlicher an. Der sehr durchzugsstarke Hochdrehzahl-Motor hat einen großen Anteil an dem sportlichen Fahrgefühl. In jedem Drehzahlbereich steht genügend Kraft zur Verfügung, um den flotten Kombi derart zu beschleunigen, dass es den Fahrer ordentlich in die sehr bequemen Schalensitze drückt. Je nach sportlichem Anspruch des Fahrers, kommt der Gangwechsel einem Tritt in den Rücken gleich.

Keine Kostverächter
Spätestens an der Tankstelle fordern 367 beziehungsweise 420 PS ihren Preis. In Form von Sprit. Selbstverständlich begnügen sich die beiden V8-Aggregate nicht mit normalem Benzin, sondern laben sich ausgiebig an der Super-Plus-Zapfsäule. Laut Mercedes benötigt der C55 AMG im Schnitt 12,3 Liter, der RS4 ist mit 13,5 Litern angegeben. Bei konstantem Tempo 130 und Beschleunigungsvorgängen in Rentner-Manier entsprechen diese Angaben der Realität. Den angegebenen Durchschnittsverbrauch anzustreben grenzt allerdings beinahe schon an Selbstkasteiung. Bei beiden Fahrzeugen ist man immer und immer wieder versucht mit neuerlichen Gasstößen nach vorne zu preschen und dabei den beiden Achtzylindern ein tiefes Grollen zu entlocken.

Fahrwerk/Lenkung
Besondere Anforderungen werden bei den Sportkombis an das Fahrwerk gestellt. Zum einen sollte es möglichst straff abgestimmt sein, um auch eine flotte Fahrweise zu ermöglichen, zum anderen sollte die Federung ausreichend komfortabel sein, um auch für lange Strecken genügend Komfort zu bieten.

Der RS4 fährt wie auf Schienen
Der Testkandidat aus Stuttgart-Affalterbach schafft diesen Spagat nur bedingt. Im direkten Vergleich mit dem RS4 ist der C55 AMG eher etwas komfortbetonter unterwegs. Querrillen auf der Autobahn und kleinere Fahrbahnunebenheiten steckt er gelassen weg. Ganz anders dagegen das Bild, wenn das Tempo höher und der Kurvenradius immer kleiner wird. Hier muss der Kleinste der AMG-Palette Federn lassen. In lang gezogenen Kurven neigt er sich spürbar zur Seite. Trotz Sportfahrwerk schaukelt sich der Mercedes in kurz hintereinander folgenden Kurven auf. Hier wird dem sportlichen T-Modell sein Antriebskonzept zum Verhängnis: Motor vorne, Kraftübertragung hinten. Und die fällt mit 367 PS und 510 Newtonmeter Drehmoment nicht gerade gering aus. So kann es schon mal vorkommen, dass das Heck des C55 recht unvermittelt ausbricht. Einen Wimpernschlag später ist das Fahrzeug dank ESP zwar wieder in der Spur, aber der Schreck sitzt tief. Der RS4 kann diese Aufgaben besser erfüllen. Passend zum Motor, eignet sich auch das Fahrwerk eher für den sportlichen Fahrstil. Die deutlich härtere Federung und der Allradantrieb des Audi sorgen, egal ob in engen oder weiten Kurven, für ein Fahrgefühl wie auf Schienen. Bevor das Heck des Ingolstädters ausbricht, erinnert einen das Quietschen der Reifen daran, doch schleunigst den Gasfuß wieder etwas anzuheben.

Leichtgängige Lenkung bei beiden Kandidaten
Bei gemäßigter Fahrweise sind sich die Lenkungen der beiden Probanden recht ähnlich. Beide sind ein gelungener Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Vermittlung eines direkten Fahrgefühles. Lediglich bei höherem Kurventempo erfordert der Allradantrieb des RS4 eine etwas kräftigere Hand. Allerdings ist der Mercedes dann längst im Rückspiegel verschwunden, weil er dem Audi nicht mehr folgen kann. Dennoch gibt es beim RS4 Avant auch Grund zur Klage. Wie auch bei der Limousine und der Cabrio-Version stört uns das abgeflachte Plastikteil des Lenkrades. In engen Spitzkehren lässt sich ein Übergreifen der Hände nicht vermeiden, hier kann die rutschige Unterseite des Sportlenkrads gefährlich werden.

Innenraum/Platz
Rein PS-mäßig können die beiden Sportkombis den meisten Porsche-Modellen durchaus Paroli bieten. Geht es allerdings um den Transport des Reisegepäcks der fünfköpfigen Familie, sehen die Zuffenhausener, mal abgesehen vom Cayenne, recht alt aus. Der 4,59 Meter lange RS4 und der 4,62 Meter lange C55 AMG beweisen, auf eindrucksvolle Art und Weise, dass sich Sportlichkeit und Geräumigkeit nicht ausschließen müssen. Selbst für fünf Personen ist in beiden Modellen ausreichend Platz. Lediglich im Audi sollte der mittlere Fond-Passagier etwas kleiner sein. Hier ist der Mittelteil der Rückbank leicht erhöht und größere Insassen stoßen mit dem Kopf fast an die Decke. Im Kofferraum des RS4 sind 442 Liter Platz, der C55 AMG bietet mit 470 Litern unwesentlich mehr Platz. Bei beiden Testfahrzeugen lässt sich die Rückbank im Verhältnis 40 zu 60 umklappen. Im Audi stehen dann 1.354 Liter Stauraum zur Verfügung, 1.384 Liter sind es im Mercedes.

Äußerst bequeme Schalensitze
Die Sitze des Affalterbacher Sprösslings sind äußerst bequem, dürften für unseren Geschmack aber noch etwas mehr Seitenhalt bieten. Der komplette Innenraum wirkt, wie von Mercedes gewohnt, durch die Lederausstattung sehr hochwertig. In unserem Test-Audi saßen wir auf äußerst bequemen und fest zupackenden Schalensitzen von Recaro. Über zwei kleine Knöpfe an der Seite der Sitzflächen lassen sich die Seitenwangen am Rücken- und Sitzteil per Luftpolster individuell anpassen. Bei Betätigung der S-Taste blasen sich die Polster automatisch auf. Außerdem verändert sich die Gaspedalkennlinie, wodurch der Motor subjektiv früher anspricht. In der Abgasanlage öffnet sich eine Klappe und der Endrohr-Sound wird noch dumpfer. Der Innenraum bietet trotz der zahlreichen Alu-Applikationen ein nicht ganz so edles Ambiente wie das des Mercedes. Wie es sich für einen Sportler gehört, wird der Motor des Audi per Start/Stopp-Knopf zum Leben erweckt.

Ausstattung/Preis
Schnäppchen sind die beiden Sportler freilich keine. Aber wer flott unterwegs sein will braucht eine angemessene Motorisierung und die drückt naturgemäß auf den Geldbeutel. Die Stuttgarter verlangen für ihren C55 AMG 67.414 Euro, die Mitbewerber aus Ingolstadt wollen für den RS4 73.350 Euro haben.

AMG-Sportfahrwerk serienmäßig
Die Grundausstattung des C55 AMG basiert auf der Design- und Ausstattungslinie Avantgarde. Darin sind unter anderem eine Klimaautomatik, ein Tempomat, Nebelscheinwerfer und diverse Chromteile enthalten. Speziell im C55 kommen ein Sportlenkrad, Leder-Sportsitze mit Sitzheizung, eine von AMG optimierte Bremsanlage mit gelochten Bremsscheiben, die AMG-Speedshift Fünfgang-Automatik, eine Sportauspuffanlage mit zwei verchromten Endrohren, ein Sportfahrwerk, ein AMG-Styling-Paket und 18-Zoll-Leichtmetallräder mit 225er- beziehungsweise 245er-Reifen zum Einsatz.

18-Zöller mit 255er-Reifen
Die Ausstattungsliste des Audi RS4 umfasst serienmäßig beispielsweise Schalensitze mit Lederbezug, Xenon-Scheinwerfer, Front- und Heckkantenspoiler in Wagenfarbe, ein Sportlenkrad, 18-Zoll-Leichtmetallräder mit 255er-Reifen, Allradantrieb, ein Sportfahrwerk mit variabler Dämpfung und eine Klimaautomatik. Unser Testwagen besaß außerdem vorne Keramikbremsscheiben zu einem Preis von 5.950 Euro, 19-Zoll-Felgen für 1.640 Euro, ein Tempomat für 250 Euro und das Navigationssystem plus für 2.180 Euro.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Beide Testfahrzeuge sind faszinierende Autos. Die kleinen, aber feinen optischen Veränderungen lassen auf den ersten Blick nicht vermuten, was sie zu leisten fähig sind. Der Mercedes C55 AMG empfiehlt sich für den Autobahn-Einsatz bei hohem Tempo. Die seidenweiche AMG-Speedshift-Schaltung und das, im Vergleich zum RS4, etwas weichere Fahrwerk können hier ihre Stärken ausspielen. Der Audi RS4 ist durch den leistungsstärkeren Motor und den Allradantrieb der Sportlichere der beiden Kombis. Vor allem flotte Kurvenfahrten und Zwischensprints sind mit dem Ingolstädter ein echtes Vergnügen.

  • Audi RS4 Avant
    90%
    Motor und Fahrwerk sind sehr sportlich
    durchdachtes Gesamtkonzept
  • Mercedes C55 AMG T-Modell
    80%
    flotter und komfortabler Reisekombi
    Fahrwerk mit Schwächen im Grenzbereich

Bildergalerie: Von wegen behäbig