Die Amerikaner bringen eine kraftvoll wirkende Macho-Limousine nach Europa

Schon jetzt haben wir ihn in den Händen, den echten Dodge Avenger. Bereits sein bisheriger Werdegang lässt sich an geradliniger Knackigkeit kaum überbieten. Im Herbst 2006 stand das neue D-Segment-Mobil noch als Studie auf dem Pariser Autosalon. Ohne nicht enden wollendes Generve mit immer noch einer Studie hier und einem Mini-Filmauftritt da ist der Avenger nun ruck zuck da.

Eigene Welt
Der Auftritt des Avenger ist, wie es sich für einen Rächer (englisch: Avenger) gehört, einfach nur stark. Bei wem sich der charismatische Wagen rächen muss, bleibt zwar Geheimnis umwoben, aber seine kantige Form ist auf Anhieb sympathisch. Hier haben wir einen Wagen, der sich wohltuend von der breiten Masse da draußen abhebt. Dodge zitiert mit Genuss aus der reichhaltigen US-Musclecar-Tradition und leiht sich jede Menge Stilelemente vom in den USA seit den 60ern erfolgreichen Dodge Charger. Dies haut die Familienlimousine umgehend aus der gefürchteten Biedermannecke. Aggressives Styling, drohender Blick rechts und links vom markanten Fadenkreuz-Grill, kräftige Schultern und ein auffälliger Hüftschwung an den Hecktüren verleihen dem Wagen die nötige Coolness.

Kalte Welt
Das Interieur des Avenger passt zum Äußeren. Alles wirkt markant und aufgeräumt. Die Mittelkonsole erinnert in ihrer Sachlichkeit ein wenig an die Modelle von Subaru, wobei die Dodge-Kabine insgesamt eine vollkommen eigenständige Erscheinung ist. Die klassischen Rundinstrumente gefallen dem Auge und sind klar ablesbar. Ebenfalls auffällig rund ist die Mulde um die Türöffner. Auch eine Besonderheit: Die Pins der Hecktür befinden sich auf Höhe der C-Säule. Da Rache ein Gericht ist, welches laut Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise immer kalt serviert werden sollte, hat Dodge gleich zwei Kühlfächer im Avenger verbaut. Im Handschuhfach finden vier Dosen Platz, über deren Außenhaut permanent kühle Luft streicht (Chill Zone). Zudem klafft in der Mittelkonsole ein Becherhalter, der sich je nach Bedarf kühlen oder beheizen lässt. Des Weiteren ist der Avenger nicht zum privaten Gefangenentransport im Kofferraum geeignet: Mithilfe einer kleinen Lasche, innen am Kofferraumschloss angebracht, lässt er sich von innen öffnen.

Abwaschbare Welt
So martialisch der Avenger sich nach außen auch gibt, innen gibt er bereitwillig den Familienfreund. Dies trifft vor allen Dingen auf die Sitze zu. Diese stecken unter einem speziellen Kunststoff, welcher flüssigkeitsresistent ist und sich gut reinigen lässt. Außerdem soll er keine Gerüche annehmen. Die Polster sind so bequem, dass sie locker für lange Strecken taugen. Dabei ist der Seitenhalt des Gestühls optisch wie auch tatsächlich eher dezent. Das wirklich Schöne: Hinten haben auch große Leute ordentlich Platz für ihre Beine – und dies auch dann, wenn die Vordersitze weit nach hinten verschoben werden. Ansonsten sind alle Bedienelemente ergonomisch gut erreichbar. Nur der Blinkhebel hakelt beim Nach-Rechts-Blinken manchmal ein wenig.

Ausbalancierte Welt
Dem Fahrwerk wollte Dodge einen sportlichen Touch verleihen. Dies ist auch angebracht, bei dem Aussehen – alles andere wäre peinlich. Allerdings dürfen wir hier nicht mit europäischen Maßstäben messen. Bei uns gilt schließlich nur als sportlich, was beinahe die Bezeichnung ,knüppelhart" verdient. Der Avenger befedert seinen Untergrund wie ein richtig guter Durchschnittseuropäer. Die amerikanische Fahrwerksweichheit findet nicht statt. Kurven nimmt er gerne und stabil, verunsicherndes Wanken ist dabei kaum auszumachen, auch wenn man mal Lust auf eine aggressivere Kurvenfahrt hat. Genau das Gleiche gilt fürs Nicken: auch hier bleibt der Avenger gerne in der Waagerechten.

Mittel-Welt
Klar lässt sich ein wilder Rächer nicht ganz so leicht steuern. So ist die Lenkung des Avenger etwas schwergängig und um die Mittellage herum mit einer Portion schwammigen Spiels versehen. Aber bekanntermaßen ist so was Gewöhnungssache. Die Bremsen machen ihre Sache vorne wie hinten gut, ESP liegt serienmäßig an.

Selbstzünder-Welt
Dodge ist klug genug, den Avenger in Europa auch mit einem Diesel anzubieten. Der 2,0-Liter-Turbo-Selbstzünder erweckt 140 PS zum Leben. Angenehme 310 Newtonmeter Drehmoment rucken an der Kurbelwelle. Beim Tritt aufs Gas wird eins unmittelbar deutlich: Hier nagelt ein Diesel. Er hämmert sich in 10,5 Sekunden auf Tempo 100. Ab diesem Wert löst sich das Rumgediesel erstaunlicherweise praktisch auf. Nur noch der Wind umspielt vernehmlich die Außenspiegel, was aber keineswegs störende Dimensionen annimmt. Insgesamt bringt es der Diesel-Avenger auf 200 km/h, wobei er durchschnittlich 6,2 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer auf der Strecke lässt.

Handgemachte Welt
Als Verteilwerkzeug für die 140 PS dient uns eine manuelle Sechsgangschaltung. Diese sorgt im Allgemeinen für flüssiges Gängesortieren, nur beim Hochschalten in den dritten Gang versucht sich manchmal ein Hakler aufzubauen. Wer einen eher zurückhaltenden Gasfuß sein eigen nennt, könnte mit einem etwas nörgeligen Anzug belohnt werden. Deshalb: Den Rächer ruhig ordentlich treten, dann sind Schaltung und Triebwerk in ihrem Element.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Dodge Avenger ist wegen seines markanten amerikanischen Designs ein exzellenter Hingucker. Nie sah eine Familienlimousine so cool aus. Und der Avenger ist eine Familienlimousine: die pflegeleichten Sitze geben Bequemlichkeit, im Fond gibt es jede Menge Platz und der Kofferraum lässt sich dank asymmetrisch umlegbarer Sitze auf verschiedene Bedürfnisse anpassen.

    Der Dodge Avenger kommt zuerst als SE ab dem dritten Quartal 2007 für 21.990 Euro auf den deutschen Markt. Die teureren SXT-Versionen folgen später. Der Diesel wird 23.990 Euro kosten, wobei die Serienausstattung, wie bei den Amerikanern üblich, sehr umfangreich sein wird. Die direkten Konkurrenten Mazda 6 (21.851 Euro), Peugeot 407 (22.500 Euro) und Toyota Avensis (22.672 Euro) können dem Avenger in Sachen Charisma nicht annähernd das Wasser reichen.

  • Antrieb
    75%
    gut, dass ein Diesel angeboten wird
    könnte noch mehr Spritzigkeit vertragen
  • Fahrwerk
    85%
    auch bei Bumpern und Schlaglöchern souverän
    Lenkung könnte mit weniger Spiel auskommen
  • Karosserie
    100%
    eine der bestaussehendsten Mittelklasse-Limousinen
    reichlich Beinfreiheit vorne und hinten
  • Kosten
    90%
    günstiger Einstieg
    reichhaltige Serienausstattung

Preisliste


Dodge Avenger SXT 2.0 Diesel

Grundpreis:  Euro
Modell Preis in Euro
Dodge Avenger SE 2.0 CRD 23.990
Dodge Avenger SE 2.0 21.990
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio optional
MP3 optional
elektr. Schiebedach optional
Leichtmetallfelgen Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie (Lenkrad)
Diesel-Partikelfilter optional
gekühltes Handschuhfach Serie
wärmedämmendes Glas Serie
Aussentemperaturanzeige/Kompass Serie
Alarmanlage Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbo-Dieselmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.968 
Leistung in PS 140 
Leistung in kW 103 
bei U/min 1.750 
Drehmoment in Nm 310 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe manuelles Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.570 
Spurweite hinten in mm 1.570 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung mit MacPherson-Federbeinen, Schraubenfedern über Gasdruck-Stoßdämpfern, Stabilisator mit entkoppeltem Rahmenträger 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung an Mehrlenker-Achse mit Schraubenfedern und Stabilisator, Gasdruck-Stoßdämpfern und entkoppeltem hinteren Rahmenträger 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innenbelüftet, 294 x 26 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 262 x 10 mm 
Wendekreis in m 11,13 
Räder, Reifen vorn 215/60R17 auf 17 x 6,5 
Räder, Reifen hinten 215/60R17 auf 17 x 6,5 
Lenkung geschwindigkeitsabhängig arbeitende, servounterstützte Zahnstangenlenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.850 
Breite in mm 1.843 
Höhe in mm 1.497 
Radstand in mm 2.765 
Leergewicht in kg 1.635 
Zuladung in kg 405 
Kofferraumvolumen in Liter 438 
Anhängelast, gebremst in kg 1.500 
Tankinhalt in Liter 64 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 200 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,2 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,1 
CO2-Emission in g/km 170 
Schadstoffklasse Euro 4 

Bildergalerie: Dodge Avenger im Test