Der 300 PS starke Abt AS7: Absolut Sensationell hoch 7

Es gibt zwei Arten von Tunern: Erstens die Hobbybastler, die jede freie Minute und jeden Cent in die Veredlung oder auch Verunstaltung ihrer Fahrzeuge stecken. Meistens sind es junge Männer mit Bartflaum und der obligatorischen wasserstoffblonden Freundin als Beifahrerin. Und zweitens die professionellen Tuner, die luxuriöse Autos noch edler, hochpreisige Karossen noch teurer und flotte Fahrzeuge noch schneller machen. Zur zweiten Gattung gehört die Kemptener Tuningschmiede Abt. Die Allgäuer VW- und Audi-Spezialisten legten Innen und Außen Hand an den Audi Q7 und nennen ihn nun AS7. Wir sind den veredelten Offroader gefahren.

Reine Geschmacksache
An der Optik des Ingolstädter, scheiden sich die Geister. Die einen finden den Q7 zu kombihaft und dackelähnlich in die Länge gezogen, die anderen sehen in ihm den elegantesten und formschönsten unter den Offroadern. Egal zu welcher Fraktion man gehört, der Riese ist mit den gigantischen Ausmaßen von 5,09 Meter Länge und einer Breite von 2 Meter eine imposante Erscheinung.

Basistriebwerk: Der 3,0-Liter-V6-TDI
Ab Werk gibt es den Q7 mit fünf verschiedenen Motorisierungen: Drei Benzin- und zwei Dieselaggregate. Als Triebwerk-Basis unseres veredelten Testwagens dient der Einstiegs-Diesel, der 3,0-Liter-V6-TDI für 50.200 Euro. Laut Audi tragen mehr als 80 Prozent der verkauften Offroader diesen Motor unter der Haube. Ab Werk bringt der Selbstzünder 233 PS an die Räder und generiert ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmeter.

In die Breite gegangen
Die Tuning-Spezialisten modifizieren den Q7 Innen und Außen. An der Front unseres Testwagens fallen die Veränderungen sofort auf. Der ohnehin schon wuchtige Ingolstädter gewinnt durch die Kotflügelverbreiterungen und die Seitenschweller noch mehr an Aufmerksamkeit. Auch eine modifizierte Frontspoilerlippe lässt den Riesen bulliger und leicht nach unten geneigt wirken. Und auch das Hinterteil, mit veränderter Heckschürze und vier Endrohren statt der serienmäßigen zwei, kündigt ein kraftvolles Triebwerk an. Mit Spurverbreiterungen an der Vorderachse um 50 und an der Hinterachse um 80 Millimeter runden die Allgäuer den äußerlichen Feinschliff ab.

Verblüffend attraktiv
Der optische Gesamteindruck überrascht positiv, denn bis auf einen überdimensionierten und unpassenden Dachflügel macht der getunte Audi einen ausgewogenen und wohl proportionierten Eindruck. Besonders edel wirken die in Wagenfarbe lackierten Aerodynamik-Elemente. Im Vergleich zu den serienmäßig verbauten grauen Kunststoffteilen integrieren sie sich optimal in das Gesamtbild und machen den massigen Ingolstädter zu einer noblen Erscheinung. Auch am Schuhwerk erkennt man den besonderen Charakter unseres Testfahrzeugs. Denn anstatt der üblichen 18-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 235er-Pneus steht der Kemptener Offroader auf stolzen 22-Zoll-Alus mit 305er-Gummis. Unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet könnte der AS7 auch als Akronym für Absolut Sensationell hoch 7 stehen.

Bulliges Drehmoment
Kommen wir nun zum Herzstück des Allrad-Giganten: dem Motor. Die Allgäuer verpassen dem 233 PS starken 3,0-Liter-TDI eine ansehnliche Leistungskur, die für 3.939 Euro auch einzeln erhältlich ist. Nach dem Chiptuning und dem Einbau eines Turboladers mit Strömungsgleichrichter scharren 300 ungeduldige Pferde mit den Hufen. Das ohnehin schon bullige Drehmoment von 500 Newtonmeter treiben die Tuner um 100 Newtonmeter weiter nach oben. Das sind Zahlen, die eine sagenhafte Performance versprechen. Doch weit gefehlt, der Antritt des AS7 ist beim Ampelsprint auf den ersten Metern weit aus weniger explosiv, als wir erwartet hatten: Wir werden von einem 1er BMW abgehängt. Erst wenn der Motor auf Touren ist, kann er seine Extra-PS ausspielen.

In die Sessel gepresst
Also auf zur Autobahn, den Blinker raus und auf die linke Spur. Wir drücken den Fuss kraftvoll aufs Gaspedal und da sind sie endlich, die wilden 300. Mit Vehemenz werden wir in den Ledersessel gepresst und stellen mit Genugtuung fest, dass ein Bruder unseres Ampelkontrahenten auf die rechte Seite wechselt, als er uns im Rückspiegel entdeckt. Ja, so ist es recht. Im Sportmodus, der von Hand über den Ganghebel eingelegt werden muss, ist sogar noch mehr drin. Das getunte Triebwerk heult und faucht in den höchsten Tönen und verleitet uns dazu, mit dem Gasfuß zu spielen. Der Endschalldämpfer aus dem Hause Abt tut sein übriges für einen satten Sound.

Großer Schluckspecht
Laut aufheulen an der Tankstelle werden aber auch die Besitzer des veredelten SUVs, denn der Spritkonsum ist nicht zu verachten. Audi gibt einen kombinierten Verbrauch von 9,8 Liter auf 100 Kilometer an. Bei unserem Testfahrzeug entschwinden durchschnittlich 14,8 Liter Diesel aus dem Tank. Aber wer Spaß haben will, muss eben auch leiden.

Komfortabel wie eine Limousine
Serienmäßig wird der Q7 3.0 TDI mit einem Stahlfeder-Fahrwerk ausgeliefert. Unser Testwagen ist mit der optional erhältlichen Luftfederung und elektronischer Dämpfung ausgestattet, mit der man auf Knopfdruck zwischen komfortabler und dynamischer Fahrwerksabstimmung wählen kann. Dadurch werden Asphaltunebenheiten und kurze Stöße nur minimal an die Passagiere weitergeleitet und das SUV lässt sich so angenehm fahren wie eine Limousine. Wer möchte, kann sich den AS7 noch zusätzlich tieferlegen lassen. Von Abt gibt es dafür die 2.196 Euro teure so genannte Level Controll, mit der sich das Fahrwerk um 30 bis 60 Millimeter je nach Modus tiefer oder höher verstellen lässt. Trotz seiner enormen Ausmaße gleitet das Dickschiff sportlich in die Kurven und bleibt jederzeit stabil auf allen vier Rädern.

Wer braucht denn sowas?
Unser Testwagen mit der Leistungssteigerung und den optischen Komponenten schlägt mit 87.500 Euro zu Buche. Nun zur Frage, wer bereit dazu ist, 20.206 Euro zusätzlich hinzublättern, um ein luxuriöses Auto noch edler zu machen: Laut Abt-Pressesprecher Florian Büngener findet der AS7 vor allem bei deutschen Langstreckenfahrern Gefallen, die ihr Fahrzeug individualisieren wollen. Hauptsächlich werde die Leistungssteigerung und nicht so sehr das Aerodynamik-Paket nachgefragt. Aber auch bei solventen Russen sei der getunte Diesel beliebt, wobei diese auch sehr gerne die Kemptener Karosserie-Komponenten samt Heckflügel für 8.127 Euro in Anspruch nehmen würden. Wegen der maroden Straßen bevorzugen die Audi-Liebhaber aus dem Osten allerdings die 18-Zoll-Alus mit prall gefüllten Ballonreifen, so Büngener.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der AS7 besticht durch seine ausgewogene Optik. Die Aerodynamik-Anbauteile fügen sich optimal in das Gesamtbild ein und machen aus einem attraktiven Gefährt ein stilvolles Vehikel. Die Leistungssteigerung beim 3,0-Liter-TDI lohnt sich erst auf den zweiten Blick, denn bei niedriger Drehzahl kann sie nicht überzeugen. Erst auf der Autobahn zeigt sie ihr wahres Gesicht. Für Langstreckenfahrer, die hauptsächlich auf Autobahnen und eben nicht in der Stadt unterwegs sind, ist das leistungsgesteigerte Triebwerk aber eine günstige Alternative zum 70.500 Euro teuren und 326 PS starken Q7 4.2 TDI.

  • Antrieb
    80%
    kraftvoller Motor bei mittleren und hohen Touren
    für die PS-Zahl enttäuschend beim Ampelstart
  • Fahrwerk
    90%
    hoher Komfort dank Luftfederung
    sportliches Kurvenfahren möglich
  • Karosserie
    90%
    imposante und auffällige Optik
    alltagstaugliches Tuning
  • Kosten
    80%
    gutes Preis-/Leistungsverhältnis
    sehr hoher Diesel-Verbrauch

Preisliste


Abt AS7

Grundpreis:  Euro
Modell Preis in Euro
Abt AS7 (Gesamtpreis) 87.500
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
elektronische Luftfederung (adaptive air suspension) 2.575
Abt Fahrwerksfedern (Vorder- und Hinterachse) 761
Abt Komplettradsatz BR22", mit Bereifung 305/30 R22 10 x 22, ET52 7.378
Abt Heckflügel 774
Abt Karosserie Komplettpaket 7.354
Abt Modifikation Motorenmanagement (Turbolader mit Strömungsgleichrichter) 3.939

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart V-Dieselmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.967 
Leistung in PS 300 
Leistung in kW 221 
bei U/min 2.400 
Drehmoment in Nm 600 
Antrieb permanenter Allradantrieb 
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, Aluminium-Querlenker 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, Aluminium-Querlenker 
Bremsen vorn Zweikreis-Bremsanlage mit diagonaler Aufteilung 
Bremsen hinten Zweikreis-Bremsanlage mit diagonaler Aufteilung 
Wendekreis in m 12 
Räder, Reifen vorn 305/30 R22 10 x 22, ET52 
Räder, Reifen hinten 305/30 R22 10 x 22, ET52 
Lenkung Zahnstangenhydrolenkung mit variabler Lenkübersetzung 
Geländekompetenz
Bodenfreiheit in mm 240,0 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.086 
Breite in mm 1.983 
Höhe in mm 1.737 
Radstand in mm 3.002 
Leergewicht in kg 2.295 
Zuladung in kg 695 
Kofferraumvolumen in Liter 775 
Anhängelast, gebremst in kg 3.500 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 100 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 222 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,5 
Elastizität von 80-120 km/h in Sekunden 10,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,1 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 12,9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 9,8 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 14,8 
CO2-Emission in g/km 260 
Schadstoffklasse Euro 4 III 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 463 
Haftpflicht-Klasse 23 
Teilkasko-Klasse 27 
Vollkasko-Klasse 28 

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