Teuer oder günstig? Nissan Qashqai 2.0 dCi gegen BMW X3 2.0d

Wer gern etwas mehr Geld für ein SUV anlegen möchte, könnte sich beispielsweise einen BMW X3 zulegen. Das tun die meisten, wie die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes für 2007 belegt: Knapp 22.200 Käufer entschieden sich in Deutschland für einen X3. Der Grund liegt auf der Hand: BMW baut gute Autos. Aber zugleich auch teure: Das kleine SUV ist nicht unter 34.900 Euro zu haben. Doch muss es immer Kaviar sein? Wir haben uns umgeschaut und den BMW mit dem Nissan Qashqai verglichen. Ausgewählt haben wir den X3 2.0d mit 177 PS für einen Grundpreis von 37.900 Euro und den Nissan Qashqai 2.0 dCi mit 150 PS in der Ausstattung Tekna für einen Preis ab 31.440 Euro. Ist der Teurere der Bessere?

KAROSSERIE/INNENRAUM
Stellt man die beiden hohen Autos nebeneinander, sieht man zwei schicke Mobile. Beim Nissan ist die Schulterlinie höher gezogen, dadurch wirken die Fensterflächen schmaler als beim BMW. Der Münchner hat dafür noch eine kleine Dachreling obendrauf bekommen, was dem Auftritt ein wenig mehr Dynamik verleiht. Insgesamt wirkt der 25 Zentimeter längere BMW durch markantere Linien und eine klarer gestaltete Heckpartie einen Tick sportlicher als der Nissan.

Oberbayerische Wohnlandschaft
Um in den Nissan zu gelangen, müssen wir den Schlüssel nicht aus der Tasche holen. Unser Test-BMW hat die Option des schlüssellosen Zuganges nicht. Beide Autos sind innen ansprechend gestaltet, aber der BMW ist mehr der Edelmann. Eingebettet in die oberbayerische Wohnlandschaft residieren wir in hellem Leder und mit dem Blick auf edle Hölzer. In puncto Eleganz kann der Nissan nicht ganz mithalten, muss sich aber mit seiner Lederausstattung keineswegs verstecken. Uns stört ein wenig die etwas billig wirkende Instrumenten-Einfassung und der Umstand, dass man die Sitze manuell einstellen muss. Der BMW verfügt über eine elektrische Verstellung mit Memory für den Fahrersitz. Und: Wir sitzen im X3 straffer und mit mehr Seitenhalt als im Qashqai. Der X3 hat vorn etwas mehr Platz als der Nissan.

Nissan: Enger Fond
Richtig gravierend werden die Unterschiede im Fond: Der Einstieg in den Asiaten ist relativ eng und die Gäste in der zweiten Reihe sind mit wenig Kopffreiheit untergebracht. Der Platz für die Knie ist akzeptabel, trotz 16 Zentimeter kürzerem Radstand. Im bayerischen Mobil ist allerdings wesentlich mehr Luft für die Extremitäten und den Kopf vorhanden. Doch der weit vorn liegende Radkasten treibt auch wie beim Nissan die Reinigungskosten in die Höhe: Bei beiden kann es beim Aussteigen passieren, dass man sich die Kleidung an der Karosserie beschmutzt. Schauen wir in den Kofferraum: 410 Liter bietet der Nissan in einem recht zerklüftetem Stauabteil, 480 Liter passen in den X3. Beim Qashqai müssen wir zudem das Gepäck über eine hohe Ladekante hieven.

Rückenlehnen klappen
Problemlos können bei beiden Kandidaten die Rücklehnen asymmetrisch geteilt geklappt werden. So wird das Stauvolumen beim Nissan auf 1.513 Liter und auf 1.560 Liter beim BMW erhöht. In letzterem versüßt eine Besonderheit das Klappen: Mit einem Handgriff können wir die Lehnen problemlos wieder aufrecht stellen. Im Nissan müssen wir aufpassen, dass wir die Sicherheitsgurte nicht in der Verankerung einklemmen.

MOTOR/GETRIEBE
Jeweils ein Zweiliter-Dieselmotor treibt unser Test-Duo an. Der Selbstzünder im Nissan liefert 150 PS, im BMW werden 177 PS an den Start geschickt. Das Aggregat im Nissan ist nach dem Kaltstart auffällig laut und bleibt auch später hörbar im Hintergrund. Der Qashqai setzt sich ohne spürbares Turboloch in Bewegung und beschleunigt gefühlt recht druckvoll. Doch schauen wir ins Datenblatt: Glatte zwölf Sekunden dauert es, bis Tempo 100 erreicht ist. Bei 185 km/h ist Schluss.

Souveräner Bayer
Da bietet der BMW mit seinem erst kürzlich komplett überarbeiteten Diesel-Einstiegsmotor mehr: Das bayerische Aggregat ist leise, souverän und vor allem spurtstark. Der X3 2.0d braucht nur 9,2 Sekunden, um in den dreistelligen Tachobereich zu kommen und erreicht seine Höchstgeschwindigkeit bei 205 km/h. In puncto Verbrauch unterscheiden sich die beiden Kandidaten bei unserem Test nicht sonderlich: Der Nissan genehmigte sich im Schnitt 9,1 Liter auf 100 Kilometer, der BMW nahm sich 9,6 Liter. Die Hersteller liegen mit ihren Angaben allerdings ein wenig drunter: 7,8 Liter meint Nissan, 6,7 Liter beziffert BMW für seinen verbrauchsoptimierten Motor.

Beide mit Allradantrieb
Nur leichte Unterschiede gibt es bei den Sechsgang-Automatik-Getrieben in unseren Testautos. Die ebenfalls seit kurzem optimierte BMW-Box verfügt über ein Sportprogramm, das die einzelnen Stufen noch einmal höher ausdreht. Im Normalmodus funktioniert der Gangwechsel so weich und gleitend, wie wir uns das wünschen. Aber auch der Übersetzungswechsler im Nissan gab kaum Grund zur Kritik. Nur im Gebirge schaltet die Automatik ein wenig nervös hin und her. Sowohl beim Qashqai als auch beim X3 wird die Kraft, wenn es sein muss, auf alle vier Räder übertragen.

Drei Modi beim Nissan
Den Nissan ziehen im Normalbetrieb die Vorderräder voran. Ein Dreh an einem Knauf schaltet den ,Auto"-Modus zu. Da wird die Power bei Bedarf auch auf die Hinterräder geschickt. Im ,Lock"-Modus arbeitet der Vierradantrieb permanent 50:50 zwischen Hinter- und Vorderachse. Beim BMW kommt der xDrive zum Einsatz: Bei diesem völlig automatischen System liegen im Normalbetrieb 60 Prozent der Kraft an den Hinterrädern. Wird es rutschig, können bis zu 75 Prozent auf die Vorderräder geschickt werden.

FAHRWERK/LENKUNG
Bei der Fahrwerksabstimmung zeigt sich, dass der Qashqai der Bequemere der beiden Allradler ist. Der Unterbau bügelt Unebenheiten relativ sauber aus und verhilft zu einem bequemen Reisekomfort. Dennoch lässt sich der Qashqai auch zügig um Kurven zirkeln, ohne dass der Aufbau übermäßig wankt. Der X3 ist ebenfalls recht gut gedämpft, leitet aber Querrinnen deutlicher nach innen als der Nissan. Der Bayer ist mehr auf Dynamik ausgelegt: Er lässt sich für einen Wagen seiner Höhe überraschend rasant durch Wegbiegungen bringen. Dazu passt auch die Lenkung: Sie ist beim BMW direkter abgestimmt als beim Nissan.

AUSSTATTUNG/PREIS
Kommen wir zum wohl interessantesten Punkt unseres Vergleichs: Den Anschaffungspreisen unserer Testwagen. Der Nissan 2.0 dCi kostet mit Allradantrieb und Automatikgetriebe in der Top-Ausstattung Tekna 31.440 Euro. Dafür sind beispielsweise die Xenon-Scheinwerfer, die Zweizonen-Klimaautomatik, der CD-Wechsler, die Lederausstattung sowie ein Panorama-Glasdach mit elektrischer Sonnenblende dabei. Ordert man das ,Executive Paket" für 2.000 Euro dazu, verfügt das Auto über ein DVD-Navisystem, ein MP3-Radio und eine Rückfahrkamera. Damit erschöpft sich die Zubehör-Liste.

BMW: 55.130 Euro Testwagen-Preis
Der BMW X3 2.0d schlägt mit 37.900 Euro auf den Kontostand. Das Automatikgetriebe, die Klimaautomatik, die Einparkhilfe, das Navigationssystem, Xenon-Licht, die Sitzheizungen vorn und hinten und weitere Extras haben den Preis unseres Testwagens auf 55.130 Euro summiert.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Sowohl der BMW X3 als auch der Nissan Qashqai sehen schick aus, beide Wagen in unserem Test sind super gut ausgestattet. Beide haben einen praktischen, variablen Allradantrieb sowie vergleichbare Motorisierungen und Getriebe. Und doch ist der BMW, auch wenn wir die Ausstattung einmal außer acht lassen, viel teuer als der Nissan. Dennoch: Der Bayer hat den spritzigeren Antrieb, den eleganteren Innenraum und den geräumigeren Fond. Beide Fahrzeuge haben unserer Meinung nach in der Wertung viereinhalb Sterne verdient. Dass der Nissan den Gesamtsieg erringt, liegt am hohen Anschaffungspreis für den BMW.

  • Nissan Qashqai 2.0 dCi
    90%
    vergleichsweise günstig in der Anschaffung
    enger Fond, recht lauter Dieselantrieb
  • BMW X3 2.0d
    90%
    spritziger Motor, eleganter Innenraum
    teure Anschaffung, teure Optionen

Immer Kaviar?