Drei frische Limousinen in Deutschland: Renault Laguna, Mazda 6, Ford Mondeo

Sie kommen, um sich ein schönes Stück aus dem deutschen Mittelklasse-Markt zu beißen: Ford Mondeo, Renault Laguna und Mazda 6. Alles Limousinen, die wir erst seit kurzem kaufen können und die preislich etwas unter den deutschen Konkurrenten Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse angesiedelt sind. Als Kraftspender wirken in allen drei Kombattanten 2,0-Liter-Benziner.

Karosserie / Innenraum

Da es ihn nur als Fünftürer gibt, tritt der Renault Laguna mit großer Heckklappe zum Vergleich an. Dahinter verbergen sich allerdings gerade mal 462 Liter Kofferraum – der niedrigste Wert im Feld. Immerhin ist der Wagen so leicht mit sperrigen Gegenständen zu beladen. Zum Öffnen des Heckdeckels gibt es keinen speziellen Griff, man muss unter die Deckelkante fassen. An der Front sieht der Spalt zwischen Stoßfänger und Motorhaube aus, als sei diese nicht richtig geschlossen. Hier ist aber alles korrekt, es handelt sich tatsächlich um den Lufteinlass für Kühlung und Motor. Ansonsten sieht der Laguna recht gefällig aus, besonders das Heck kann beinahe als schön durchgehen und wird den Massengeschmack treffen – keine Selbstverständlichkeit bei den extrovertierten Franzosen.

Er ist der Größte
Der Ford Mondeo ist optisch der präsenteste der Drei. Und das nicht umsonst: Mit einer Länge von 4,85 Meter überragt er den Mazda um zehn und den Renault sogar um 15 Zentimeter. Auch mit einer Breite von 1,89 steht er gespreizter da als seine beiden Konkurrenten. Nur in der Höhe muss sich der Mondeo um einen Zentimeter gegenüber dem Laguna geschlagen geben. 540 Liter Kofferraum werfen den Mondeo nach vorn. Wir haben ihn als Viertürer im Test, aber es gibt ihn auch als Fünftürer mit großer Klappe. Als einziger Kandidat hat er eine bequeme Griffkante zum Öffnen der Heckklappe.

Dynamische Harmonie aus Asien
Der brandneue Mazda 6 schiebt sich größenmäßig zwischen Mondeo und Laguna. Seine gesamte Außengestaltung ist die harmonischste des Feldes. Mit einem Kofferraumvolumen von 519 Liter liegt er 21 Liter hinter dem Mondeo und 57 Liter vor dem Laguna. Auch ihn haben wir in der viertürigen Version da, es gibt ihn aber ebenfalls als Fünftürer mit großer Heckklappe. Der Kofferraumdeckel lässt sich ausschließlich über die Fernbedienung entriegeln. Auf der Oberseite des Heckschwellers ist die Mitte schwach eingekerbt – an dieser Stelle muss man seine Hand unter die Kofferklappe schieben, um diese öffnen zu können. Außerdem brauchen wir beim Mazda den meisten Schwung, um die Kofferraumklappe wieder schließen zu können.

Auf dem hohen Wabbel
,Selbsttest laufend" – mit dieser falschen Grammatik begrüßt uns die Anzeige des Laguna. Aber der Innenraum des Franzosen ist gut verarbeitet – wenn die gefühlte Verarbeitungsqualität von Dauer sein sollte, wäre das schon ein Riesenschritt im Vergleich zum Vorgängermodell. Ansonsten sind da noch die Sitze. Irgendwie versucht das Gestühl die Insassen von sich weg zu drücken, als säße man auf einem Schaumstoff-Berg. Zudem ist bei einem mit vier Mann besetzten Auto weder vorne noch hinten richtig viel Beinfreiheit spürbar. Nur für den Kopf gibt es selbst im Fond Raum ohne Ende.

Das Äußere trügt nicht
Der Mondeo ist nicht nur von außen groß. Der Innenraum macht auf Grund seiner Größe sofort einen entspannten Eindruck. In Sachen Verarbeitungsqualität muss sich der Ford nicht hinter dem Laguna verstecken, wobei das in einigen Ausstattungsvarianten verfügbare Holzimitat ausgesprochen gewöhnungsbedürftig ist. Die Sitze tendieren mit ihrem weichen Komfort ein wenig Richtung amerikanische Fahrzeuge, sind aber auch auf Grund ihrer üppigen Beinauflagefläche ausgesprochen Langstrecken tauglich. Die aufsteigende Seitenlinie führt allerdings in Zusammenarbeit mit den breiten C-Säulen zu einem unübersichtlichen Heckbereich.

Sportlich dünn
Beim Mazda passt innen alles, die Spaltmaße wirken noch präziser als die der beiden Konkurrenten. Aber alles ist auch dünner, härter und karger. Die Oberflächen wurden im Vergleich zum Vorgängermodell zwar etwas weicher, trotzdem bleibt ein kleiner Hartplastik-Nachgeschmack. Die Sitze des Japaners sind was für Freunde des Sports: Eine tiefe Sitzposition harmoniert mit richtig festem Seitenhalt. Nur die Beinauflagefläche könnte ein wenig großzügiger ausfallen.

Fahrwerk / Lenkung

Der schwingt nach. Lastwechselreaktionen sind dem Laguna nicht fremd – und das, obwohl er eher hart abgestimmt ist. Querfugen und Schlaglöcher landen mit nur geringer Filterung im Rücken der Insassen. Gerade bei engen schnellen Kurven wirkt das Fahrwerk des Franzosen unausgegoren, das Heck will schnell nach außen und muss vom ESP abgefangen werden. Hinzukommt die in der Mittellage schwammige und insgesamt unpräzise Lenkung, die uns den Spaß an der Kurve verleidet.

Verstellbarkeit zählt
Der Mondeo hält in der Mittelkonsole drei Tasten bereit: Sport, Normal und Komfort. Mit diesen Knöpfen soll sich das Fahrwerk individuell einstellen lassen. Also drücken wir auf der von Straßenbahnschienen und früheren Wintern zerfurchten Stadtstraße ,Komfort". Tatsächlich: Der Wagen bügelt sanft über Unebenheiten hinweg, schaukelt ein wenig, verströmt insgesamt aber viel Sanftheit. Auf der Landstraße muss es dann ,Normal" sein. Der Unterschied zur Einstellung ,Komfort" ist kaum zu spüren, folglich entschließen wir uns zu einer Runde ,Sport". Damit wird der Wagen nicht zum knallharten Bügelbrett, er hält eifersüchtig an einem Stückchen Rest-Weichheit fest. Trotzdem neigt der Kölner jetzt deutlich weniger zum Wanken, was wir am deutlichsten in der schnellen Autobahnkurve spüren. Dazu passt die direkte Lenkung, die besonders in den Außenbereichen sehr präzise steuert. In der Mittellage hat sie ein ganz kleines bisschen Spiel zu bieten. Die Bremsen des Ford reagieren am schnellsten im Test, brauchen dann aber auch den größten Druck um eine angemessene Verzögerung zu liefern.

Leicht und dynamisch
Die sportlichen Sitze des Mazda 6 trügen nicht: Auch das Fahrwerk ist konsequent auf Dynamik ausgelegt. So konsequent, dass es für nicht sportlich orientierte Zeitgenossen sicher einiger Gewöhnung bedarf – und trotzdem werden sie wohl nie richtig Freundschaft mit dem Japaner schließen. Der leichteste Wagen im Testfeld, der Mazda wiegt mit 1.410 Kilogramm 67 Kilogramm weniger als der Mondeo, ist richtig hart. In der Stadt wird deshalb gerumpelt, was das Zeug hält, auf der Autobahn liegt der Wagen straffer als seine beiden Kontrahenten. Allerdings neigen die Vorderräder bei schnell gefahrenen Kurven zum Flattern. Dabei macht die Lenkung Spaß: Sie ist die direkteste und präziseste der drei Kandidaten und macht beinahe einen renntauglichen Eindruck. Die Bremsen des Mazda reagieren beim Tritt aufs Pedal deutlich später als bei Ford und Renault, packen dann aber mit gierigem Biss zu.

Motor / Getriebe

Der Motor des Laguna muss mit zwei Kubikzentimeter weniger Hubraum auskommen als die Konkurrenz. 1.997 Kubikzentimeter sind für 140 PS und ein maximales Drehmoment von 195 Newtonmeter gut. Das damit höchste Drehmoment im Feld liegt bei der vergleichsweise niedrigsten Umdrehungszahl an: 3.750 U/min reichen. So schafft der Franzose den Spurt auf 100 km/h in 9,1 Sekunden – der beste Wert im Feld. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Renault 210 km/h an. Wer diese erreichen will, muss aber viel Geduld und eine abschüssige Strecke mitbringen, ab 190 km/h welkt das Aggregat nur noch vor sich hin. Laut Werk wandern pro 100 Kilometer 7,9 Liter Super aus dem Tank, in unserem Test waren es 10,6 Liter. Sein CO2-Wert von 185 Gramm pro Kilometer sortiert sich zwischen seinen Vergleichsgegnern ein.

Sechs Gänge müssen es sein
Aufgeteilt werden die Antriebsmomente beim Renault von einer manuellen Sechsgangschaltung. Die Stufen rasten präzise in ihre Position, wobei der hässliche, unangenehm in der Hand liegende Wahlhebel manchmal etwas Kraft braucht. Aber auch die Schaltung kann nicht verhindern, dass es im Wagen ab 150 km/h richtig laut wird. Und bei 215 km/h, nur erreichbar auf stark abschüssiger Strecke, meldet sich der Begrenzer rüde zu Wort.

Könnte frischer wirken Das 2,0-Liter-Triebwerk des Ford ist schon mit 145 PS dabei. Allerdings greifen sich im Kölner nur 185 Newtonmeter Drehmoment die Kurbelwelle, 10 Newtonmeter weniger als im Renault. Auch liegt das Drehmomenten-Maximum erst bei 4.500 U/min an. So braucht der zudem mit 1.477 Kilogramm recht schwere Ford 9,9 Sekunden, bis die Tempo-Hundert-Marke fällt. Schluss mit Vortrieb ist bei 210 km/h. Laut Werk schluckt der Mondeo genauso viel wie der Renault weg: 7,9 Liter auf 100 Kilometer. In unserem Test vergriff sich das Aggregat an 9,2 Liter pro hundert Kilometer und rangiert damit auf dem ersten Platz in unserem Test. Trotzdem: Mit 189 Gramm CO2 stößt der Ford das größte Quantum an Treibhausgas pro Kilometer in die Atmosphäre.

Fünf sind zu wenig
Beim Ford Mondeo greift unsere Hand nach einer manuellen Fünfgangschaltung – einen sechsten Gang gibt es nicht mal gegen Aufpreis. Zum Beschleunigen in der Stadt reicht das, obwohl auch hier schon die laute Arbeitsweise des Aggregats zu vernehmen ist. Bei schnellen Fahrten auf der Autobahn wird es dann umgehend nervig, schließlich muss der fünfte Gang herhalten, wo bei den Kontrahenten noch ein Sechster in der Reserve lauert. Die Vorwärtsgänge flutschen präzise aber ein bisschen zäh in ihre Position, der Rückwärtsgang hakelt gerne mal.

Der Leistungsfähigste
Im Mazda werkelt mit 147 PS das Herz mit der meisten Leistung – auf Kosten des mit 184 Newtonmetern schwächsten Drehmoments. Dieses liegt aber immerhin schon bei 4.000 U/min an, also 500 U/min früher als beim Ford aber 250 U/min später als beim Laguna. Beim Sprint auf 100 km/h gilt nach wie vor: Alles unter zehn Sekunden ist gut – der Mazda lässt sich 9,9 Sekunden Zeit, ehe er die Prestigemarke erreicht hat. Als Höchstgeschwindigkeit geben die Japaner mit 214 km/h den höchsten Wert im Testfeld an. Laut Werk vergreift sich der Japaner an 7,0 Liter Super, um 100 Kilometer vorwärts zu kommen. Ein ambitionierter Wert, den wir nicht bestätigen können: In unserem Test waren es 10,4 Liter, womit der Mazda 6 in Sachen Verbrauch knapp vor dem Renault den zweiten Platz belegt.

Kurze Wege für mehr Lockerheit
Im Mazda dürfen wieder sechs Gänge ran. Und auch hier haben die Ingenieure ihr anscheinend oberstes Ziel nicht aus den Augen verloren: mehr Dynamik. Dementsprechend rasten die Stufen über kurze Wege knackig in ihre Position. Das Schalten macht im Mazda unter Mitarbeit des drehfreudigen Motors am meisten Spaß. Aber auch hier wird es ab 150 km/h laut, woran der sechste Gang nichts ändern kann.

Ausstattung / Preis
Was kosten nun unsere Kandidaten? Der Renault kommt mit dem günstigsten Einstiegspreis daher: Bereits für 22.900 Euro bekommt man einen Laguna. Für 3.100 Euro mehr, also insgesamt 26.000 Euro, ist der Ford Mondeo zu haben. 300 Euro weniger, also 25.700 Euro, werden für den Mazda 6 fällig. Hier ist der Laguna also deutlich billiger als die anderen beiden Kandidaten. Verschiebt sich dieses Bild beim Blick in die Ausstattungsliste?

Verschiedene Grundausstattungen
Der Renault kommt in der Basisversion ,Expression" recht spartanisch daher. Weder die Klimaautomatik noch Leichtmetallfelgen sind Serie. Für diese beiden Optionen sowie Metallic-Lackierung, Sitzheizung, Einparkhilfe vorne und hinten plus Navigationssystem werden insgesamt 4.410 Euro fällig. Den Ford gibt es in der viertürigen Version erst ab der gehobenen Aussattungslinie ,Giha". Begehrte Ausstattungsmerkmale wie Klimaautomatik und Leichtmetallfelgen sind hier Serie. Für Metallic-Lackierung, Sitzheizung, Einparkhilfe vorn und hinten sowie ein Naviagationssystem werden insgesamt 2.955 Euro aufgerufen. Beim Mazda sind wie beim Ford Klimaautomatik und Alufelgen Serie, Metallic-Lackierung und Einparkhilfe für vorne und hinten schlagen zusammen mit 980 Euro zu Buche. Sitzheizung und Navi gibt es bei den Japanern erst ab der Aussattung ,Top", welches sich aber nicht mit dem 2,0-Liter-Benziner kombinieren lässt. So kommen in unserem Beispiel für den Laguna 27.310 Euro, für den Mondeo 28.970 und für den Mazda 6 26.680 Euro zusammen, wobei beim Japaner halt weder Sitzheizung noch Navi verfügbar sind.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Der Ford Mondeo hat es geschafft. Zwar kommt er mit dem zurückhaltendsten Motor in Kombination mit einer leicht angestaubten Fünfgangschaltung daher, aber das ist nicht so dramatisch und wird vom Fahr- und Innenraumkomfort locker aufgewogen. Dafür geht auch das mittig einzuordnende Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung.

    Der Mazda erkämpft sich den zweiten Platz. Die dynamischen Ambitionen kommen etwas zu hart bei den Insassen an und das lassen sich die Japaner auch noch gut bezahlen. Wer aber auf sportliches Feeling steht, für den ist der Mazda 6 klarer Sieger.

    Der Renault kann vor allen Dingen mit seinem günstigen Preis und dem schick gestalteten Armaturenbrett punkten – wer auf die Kosten schaut, kann den Laguna zu seinem persönlichen Sieger küren. Außerdem präsentiert der Wagen einen enormen Fortschritt zu seinem Vorgänger. Der Motor kommt an den des Ford heran, aber das Fahrverhalten wirkt insgesamt zu unausgereift. Außerdem könnten die Platzverhältnisse im Innenraum ruhig noch eine Ecke üppiger ausfallen.

  • Renault Laguna 2.0
    80%
    gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
    insgesamt unausgewogen
  • Ford Mondeo 2.0
    85%
    gutes Fahrverhalten, geräumiger Innenraum
    nur mit Fünfgang-Schaltung verfügbar
  • Mazda 6 2.0
    80%
    sportlichster Wagen im Test
    recht teuer und sehr hart

Zwei-Liter-Vergleichstest