Eindrücke von der ersten Ausfahrt auf kurvigen Bergstraßen und im Gelände

Dies ist kein Test- und auch kein Fahrbericht. Eigentlich weiß ich selbst noch nicht, was dieser Artikel wird, den ich hier gerade zu schreiben beginne. Immerhin machte BMW vor der Abreise nach Mallorca klar, dass das gewählte Streckenprofil es nicht erlauben werde, einen ersten "Fahreindruck des Gesamtfahrzeuges" zu gewinnen. Außerdem handelte es sich bei den zur Verfügung gestellten Fahrzeugen noch um Prototypen.

X1-Begegnung der zweiten Art
Nun gut, sei`s drum! Schließlich wollte ich unbedingt als einer der ersten Journalisten weltweit den noch mit Tarnfolie abgeklebten X1 im Gelände und auf der Straße fahren. Zwar hatte ich bereits eine Begegnung mit dem neuen kleinen SUV von BMW (das sie übrigens SAV nennen – Sports Activity Vehicle). Doch das war im Dezember 2008 in Finnland. Dort wurden mehrere Allrad-Fahrzeuge vorgestellt und eine Viertelstunde im X1 auf einem verschneiten Rundkurs musste reichen, mehr war nicht drin.

Fahrspaß auf Schnee
Bei diesem Erstkontakt ließ sich schon ein handlicher Fahrspaß ausmachen: Der kompakte und recht leichte X1 zeigte sich äußerst handlich und bot schon damals jede Menge Fahrspaß, obwohl die Abstimmung noch nicht abgeschlossen war. Im direkten Vergleich mit dem auch schon sportlichen X3 war der flachere X1 noch agiler zu bewegen. Auf dem verschneiten Handlingparcours konnte man es auch mit halb abgeschalteter Dynamischer Stabilitäts Control (DSC) richtig krachen lassen, die Regelsysteme bremsten später ein, an den Rädern war mehr Schlupf. Das bedeutete zwar erhöhte Wachsamkeit, damit das Heck nicht herumkommt, aber auch schnellere Kurvengeschwindigkeiten. So schien der X1 schon damals recht perfekt abgestimmt und ließ sich sehr gutmütig bewegen.

Flacher als ein X3
Vom finnischen Schnee in die mallorqinische Sonne: Ich stehe dem X1 erneut gegenüber. Eine abgelegene Finca mitten auf der Insel ist der Ausgangsort unserer Testfahrten. Der kleine Allradler von BMW, dessen Serienproduktion im September 2009 in Leipzig startet, ist jetzt weniger getarnt als vor fünf Monaten. So lässt sich deutlich erkennen, dass der X1 wesentlich flacher als der X3 ist. Und das ist auch kein Wunder. BMW-Pressesprecher Andreas Lampka erklärt, dass der X1 auf dem 3er Touring mit Allradantrieb basiert, aber etwas höher gestellt ist und bei gleichem Radstand (2,76 Meter) zehn Zentimeter weniger hinteren Überhang hat. Somit errechnet sich für die Länge des X1 4,43 Meter. Die Bodenfreiheit des X1 sei neun Millimeter geringer als beim X3, beträgt also 19 Zentimeter.

Innenraum im 3er-Touring-Format
Der Innenraum des X1 zeigt sich denn auch ebenso geräumig wie der des 3er Touring. Groß gewachsene Menschen wie ich finden hinter dem Lenkrad viel Platz und auch viel Beinfreiheit vor. Hinten ist das Raumangebot nicht überwältigend, aber für zwei Mitreisende ausreichend bequem. Neu am X1: Die Rücklehnen können in drei Schrägstellungen justiert werden und lassen sich im Verhältnis 40:20:40 umklappen. Das Kofferraum-Volumen gibt Lampka mit 450 bis 1.350 Liter an, beim 3er Touring sind es nur unbedeutend mehr. Im Gegensatz zum Touring hat die Heckklappe aber keine separat zu öffnende Scheibe, sondern ist einteilig ausgeführt. Das Armaturenbrett des X1 ist im Vergleich zum mittlerweile sieben Jahre alten X3 sehr elegant. Der große Monitor wurde auch schöner integriert als im 1er und 3er. Außerdem hat der X1 den iDrive-Bediencontroller vor dem Schalthebel, auf den der ältere X3 noch verzichten muss.

17-Zoll-Alus Serie
Der X1 steht auf serienmäßigen 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit rollwiderstandsarmen Reifen der Dimension 225/50. Eine 18-Zoll-Mischbereifung wird als Option angeboten werden, so viel steht schon fest. Und die Handschalter bekommen auch das Start-/Stopp-System aus dem 3er, da sämtliche dort eingebauten Komponenten des Efficient Dynamic-Programms ihren Weg in den X1 finden.

Topdiesel 23d mit 204 PS
Für unsere Testfahrten auf Mallorca stand der X1 xDrive23d zur Verfügung. Der Vierzylinder-Doppelturbo-Diesel zieht den Wagen mit 204 PS und 400 Newtonmeter kraftvoll aus den engen Kehren der kurvigen Bergstraße, die wir in Begleitung der BMW-Entwicklungsingenieure befahren. Für ein SUV ist das Auto äußerst flink. Bei der ersten Fahrt zeigte sich die Sechsgang-Automatik als sehr gut abgestimmt. Mit griffigen Schaltpaddles am Lenkrad kann jederzeit manuell in das Schaltgeschehen eingegriffen werden.

Komfort ohne Wanken
Die Ingenieure hatten das Ziel, die Federung komfortabler als beim X3 hinzubekommen, ohne dass der Wagen aber zum Beispiel durch Wanken an Dynamik verliert. Das haben sie mit der bisherigen Abstimmungsarbeit schon mal gut hinbekommen. Der X1 liegt in Kurven satt, bei Querrillen federt er länger ein als der X3, schwingt aber nicht lange nach. So zeigt sich bei unseren Prototypen ein erhebliches Maß an Fahrdynamik, die eine große Portion Fahrspaß aufkommen läßt. Es ist zu erwarten, dass der X1 in seiner Klasse (Hauptgegner dürfte der VW Tiguan werden) in diesem Segment Maßstäbe setzt.

Behende im Gelände
Nach der Straße ging es auf eine leichte Geländestrecke, die der X1 genauso bravourös meisterte wie ein vorausfahrender X3, matschige Schlammlöcher durchquerten wir problemlos. Eine rutschige Piste mit lockerem Sand befuhren wir nach Druck auf die DTC-Taste (das sorgt für abgemilderte Regeleingriffe) mit elegantem Drift und eindrucksvoller Sandfontäne – das ist heckbetonter und sportlicher Allradantrieb in Reinkultur. Die BMW-Ingenieure berichteten stolz von ihren Abstimmungsfahrten auf dem Nürburgring. Nein, die Zeiten hätten sie sich nicht notiert, das sei bei SUVs nicht üblich. Einer konnte sich dann doch erinnern: neun Minuten bis neun dreißig, je nach Motorisierung, keine schlechten Werte!

Drei Motoren zum Start, Preise ab 30.000 Euro
Der preiswerteste X1 wird der 18i mit xDrive. Er wird knapp 30.000 Euro kosten, aber wie der xDrive 18d nicht von Oktober 2009 an zur Verfügung stehen, sondern erst ein halbes Jahr später. Zum Auslieferungsstart wird BMW die Motorisierungen 20d, 23d und 28i anbieten. Der 20d leistet 177 PS und beschleunigt den X1 in 8,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 213 km/h, der Durchschnittsverbrauch 5,8 Liter Diesel und der CO2-Ausstoss 153 Gramm. Der von uns gefahrene 23d ist in 7,3 Sekunden auf Tempo 100, 223 km/h schnell und verbraucht 6,3 Liter bei einem CO2-Ausstoss von 167 Gramm. Der 28i läuft in 6,7 Sekunden von null auf 100 km/h, seine Höchstgeschwindigkeit beläuft sich auf 230 km/h. Der Verbrauch steht noch nicht fest.

Reiner Heckantrieb ist möglich
Während bei den Benzinern der Einsatz von Sechszylinder-Motoren vorgesehen ist, sollen bei den Diesel-Aggregaten ausschließlich Vierzylinder Verwendung finden. An einem Doppelkupplungsgetriebe werde gearbeitet, über den Einsatzzeitpunkt konnte aber noch nichts gesagt werden. Technisch ist übrigens eine preiswertete Auslegung mit reinem Heckantrieb vorgesehen, die es ja beim 3er als Normalausführung gibt. Ob und wann ein solches Fahrzeug jedoch angeboten wird, ist nicht definiert.

Alternative zum Allrad-Kombi
Mit dem X1 will BMW Kunden ansprechen, die eine Alternative zum Beispiel zum 3er Touring suchen, denen bisherige SUVs aber nicht sozial verträglich erscheinen und die sparsamer, aber dennoch variabler unterwegs sein wollen. Nach der kurzen Ausfahrt mit den Prototypen auf Mallorca lässt sich schon mal konstatieren: Das dürfte klappen. In seinem jetzigen Entwicklungsstand ist der X1 bereits sehr gelungen und darüber hinaus – soweit es sich trotz Tarnung sagen lässt – innen und außen recht schick.

Bildergalerie: Erste Eindrücke