Der neue Renault Latitude im Test

Wenn es um Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse geht, kann man Renault einen gewissen Mut nicht absprechen. Bereits der im Jahr 1975 vorgestellte Renault 30 erhitzte mit seinem Fließheck die Gemüter, es folgten Modelle wie der 25 oder der Safrane. Richtig avantgardistisch war der Vel Satis, beim Nachfolger namens Latitude schlägt das Pendel aber in eine komplett andere Richtung. Wir konnten den neuen großen Renault bereits testen.

Koreanischer Biedermann
Unser erster Eindruck von der 4,90 Meter langen Limousine: Wer hat den da den Fluence aufgeblasen? Der Latitude präsentiert sich äußerst unscheinbar, unterstrichen wird dies durch die einzigen hierzulande erhältlichen Farben, ein Schwarz- und ein Grau-Metallic. Nach dem leider gefloppten Design-Statement Vel Satis scheint die Designer nun jeglicher Mut verlassen zu haben, anders sind die großen Karosserieüberhänge nicht zu erklären. Entstanden ist der Latitude in Südkorea bei Samsung, wo er auch als Samsung SM5 vom Band läuft. Am Unternehmen Renault Samsung Motors sind die Franzosen nämlich mit 80 Prozent beteiligt. Die optischen Unterschiede beschränken sich auf mehr Chrom beim Renault. Das spart Entwicklungskosten, zumal der Latitude als Weltauto angelegt ist, der auch in den USA oder Russland Freunde finden soll.

Auf der Suche nach Bequemlichkeit
Über Äußerlichkeiten lässt sich streiten, doch wie steht es mit den inneren Werten? Nach dem Schließen der blechern klingenden Tür versuchen wir, uns auf dem Fahrerplatz einzurichten. Leichter gesagt als getan: Dem Autor dieser Zeilen war es mit einer Körpergröße von 1,87 Meter nicht möglich, eine bequeme Sitzposition zu finden. Schuld daran ist das nicht hoch genug verstellbare Lenkrad, zudem ist die Beinauflage des Sitzes viel zu kurz. Als kleinen Trost bietet der lederbezogene Fahrersessel neben der elektrischen Verstellung mit Memoryfunktion auch eine Massageoption. Im Fond gibt es ausreichend Platz für Kopf und Beine, jedoch bietet die Polsterung zu wenig Seitenhalt. Interessant ist der Vergleich mit dem Facelift-Laguna, der gleichzeitig zur Verfügung stand: Hier genießen die Rückbänkler trotz 20 Zentimeter weniger Länge mehr Beinfreiheit. Ins Gepäckabteil des Latitude passen übrigens 511 Liter. Ein respektabler Wert, der durch das Umklappen der Rücklehnen noch erweitert werden kann.

Der Duft der Großserie
Latitude-Kunden kommen stets in den Genuss einer Vollausstattung, da die Limousine hierzulande ausschließlich in der Version ,Initiale" angeboten wird. Inklusive sind hier Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, ein Tempomat, Ledersitze, eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera, ein Bose-Soundsystem sowie ein Navigationssystem. Bei Letzterem handelt es sich leider nicht um das neuere TomTom, sondern um ein älteres Carminat. Zwar betont Renault, dass es keine aufpreispflichtigen Extras gibt, doch das bedeutet im Umkehrschluss die Abwesenheit moderner Assistenzsysteme. Auch die Serienausstattung mit nur sechs Airbags verwundert bei der Marke, die ansonsten viel mit Sicherheit wirbt. Stark verbesserungsbedürftig ist die Qualitätsanmutung im Cockpit: Harte Kunststoffe penetrieren die Nase mit unangenehmem Duft, was aussieht wie Chrom ist nur Plastik. Auch hier zeigt der kleine Bruder Laguna, wie man es besser macht. Apropos Duft: Als lustiges Gimmick verfügt die Latitude-Klimaautomatik über einen Ionisator zur Luftreinigung und einen Parfümzerstäuber mit zwei wählbaren Düften.

Drei Motoren im Angebot
Wenn der Renault Latitude im Januar 2011 nach Deutschland kommt, hat der Kunde die Wahl zwischen drei vom Laguina bekannten Antrieben: einem handgeschalteten Benziner mit 140 PS sowie zwei Automatik-Dieseln mit 175 und 204 PS. Wir konnten die Selbstzünder bereits testen.Der kleinere Diesel ist mit einer brummigen Note stets präsent. Woran das liegt, entdecken wir nach dem Öffnen der Motorhaube: Hier wurde an Dämmmaterial gespart. Das Aggregat selbst entpuppt sich als ideal zum kommoden Gleiten, ein rasanter Reißer ist es aber nicht, zumal es untenrum an Biss fehlt. Ein Blick in die Daten klärt auf: Das maximale Drehmoment von 360 Newtonmeter liegt erst bei 2.000 Umdrehungen an. Die Verteilung übernimmt eine Sechs-Stufen-Automatik, sie arbeitet beim 175-PS-Motor diskret. Das Aggregat mit 204 PS bietet zwar spürbar mehr Biss, doch dafür ist hier die Motor-Getriebe-Abstimmung schlechter, man spürt es an abrupten und späten Gangwechseln.

Auf der weichen Welle
Schon nach den ersten Kilometern fühlt man sich in eine US-Limousine versetzt. Die Lenkung bietet kaum Rückmeldung und fühlt sich synthetisch an. Hinzu kommt ein weiches Fahrwerk, welches den Renault durch scharf gefahrene Kurven schwanken lässt. Im krassen Gegensatz dazu steht die poltrige Federung. Wie es besser geht, zeigt erneut der Facelift-Laguna: Sein Fahrwerk ist zwar sehr straff, dafür wieselt er speziell mit Vierradlenkung sehr präzise ums Eck.

Viele Fragen offen
Unter dem Strich lässt der Renault Latitude mehr Fragen offen, als er beantwortet. Laut Aussage des Unternehmens steht er weniger in der Tradition des Vel Satis, sondern eher in der des Safrane. Man wolle gar nicht mit Audi A6 und Co. konkurrieren, schließlich sei der Latitude im oberen Bereich des D-Segments positioniert. Dass die Limousine als Aushängeschild gedacht ist, zeigt der Blick auf den Preis: Es gibt nämlich keinen. Man kann den Latitude nur leasen. Bekannt ist bislang nur die Monatsrate für den 140-PS-Benziner: Diese beträgt über vier Jahre und 40.000 Kilometer 399 Euro ohne Anzahlung. Inklusive sind die Wartung und eine Garantie von vier Jahren.
Doch wer Leasingangebote anderer Hersteller vergleicht, wird merken: Ein Superschnäppchen ist das nicht.

Exklusivität beim Händler
Warum Renault den Latitude in Deutschland nur verleast, wird beim Blick auf die französischen Preise schnell klar: Der dCi 175 Initiale kostet dort 40.200 Euro, sein großer Bruder gar 45.000 Euro, echte Killerargumente also. Zum Vergleich: Den Skoda Superb 2.0 TDI mit 170 PS und DSG gibt es hierzulande in der Elegance-Version für 36.050 Euro. Ab Frühjahr 2011 können Frankophile zum neuen Peugeot 508 greifen. Die Limousine kostet als GT mit 204-PS-Diesel und Sechsstufen-Automatik 37.650 Euro. Immerhin ist sich Renault im Klaren darüber, dass keine Massen begeisterter Latitude-Fans die Türen der Verkaufsräume einrennen werden. Die Limousine wird es nur bei rund 50 von insgesamt 1.300 deutschen Händlern geben. Der Raritätenstatus ist da schon vorprogrammiert.

Wertung

  • ★★★★★★★☆☆☆
  • Nichts gegen den Renault Vel Satis oder den Safrane: Es waren interessante Versuche der Marke, sich im gehobenen Segment zu positionieren. Doch eben jenes Attribut des Interessanten geht dem neuen Latitude völlig ab. Das Äußere ist reizarm, der Innenraum eher fad, die Sitzposition für den Fahrer mangelhaft, zudem gibt es unübersehbare Schwächen bei Fahrwerk und Lenkung. Unabhängig davon stellt sich die Frage nach der Zielgruppe des Latitude. Selbst wer sich für den großen Franzosen erwärmen könnte, dürfte von der Leasingrate abgeschreckt werden, zumal es bei der Rhombus-Marke gute Alternativen gibt. Der geliftete Laguna kostet als GT mit Vierradlenkung, Automatik und 175-PS-Diesel 32.900 Euro. Wer unbedingt eine Limousine sucht, könnte beim Fluence fündig werden: Dieser kostet mit 110-PS-Selbstzünder plus Doppelkupplungsgetriebe gerade einmal 23.350 Euro und bietet sogar einen größeren Kofferraum als der Latitude.

  • Antrieb
    75%
    unauffällige Automatik
    brummiger Diesel
  • Fahrwerk
    65%
    weiches Fahrwerk
    Lenkung mit wenig Rückmeldung
  • Karosserie
    80%
    gutes Platzangebot hinten
    unbequeme Sitzposition für den Fahrer
  • Kosten
    75%
    gute Serienausstattung
    relativ hohe Leasingrate; kein Barkauf möglich

Preisliste


Renault Latitude dCi 175 FAP Automatik Initiale

Grundpreis:  Euro
Modell Preis in Euro
Latitude 2.0 16V 140 Initiale 399 Euro (monatliche Rate)
Latitude V6 dCi 240 FAP Initiale
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaautomatik Serie (Drei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung Serie
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer, elektrisch)
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Kurvenlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.995 
Leistung in PS 175 
Leistung in kW 129 
bei U/min 2.000 
Drehmoment in Nm 360 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.565 
Spurweite hinten in mm 1.562 
Radaufhängung vorn McPherson-Vorderachse 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 11,2 
Räder, Reifen vorn 225/45 R18 
Räder, Reifen hinten 225/45 R18 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.897 
Breite in mm 1.832 
Höhe in mm 1.483 
Radstand in mm 2.762 
Leergewicht in kg 1.695 
Zuladung in kg 485 
Kofferraumvolumen in Liter 511 
Anhängelast, gebremst in kg 1.500 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 70 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 205 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,4 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,5 
CO2-Emission in g/km 170 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Garantie 4 Jahre 

Bildergalerie: Großer Unbekannter