Zweimal über 300 PS: BMW 135i Cabrio und Porsche Boxster S im Vergleich

Sie fahren gerne offen? Wenn Sie es außerdem noch betont hart mögen, dann träumen Sie vielleicht von einem Roadster à la Lotus Elise oder Porsche Boxster. Wenn Sie es etwas komfortabler mögen, käme eher ein BMW 1er Cabrio oder ein Audi A3 Cabrio in Frage. So oder so: In jedem Fall ist es angenehm, wenn man genug Power hat. Wir haben zwei starke offene Autos getestet: Das viersitzige BMW 1er Cabrio in der neuen Version 135i mit Sport-Automatic und den sportlich-harten zweisitzigen Porsche Boxster S mit Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK).

MOTOR / GETRIEBE
Beide Testwagen besitzen Sechszylinder um die 300 PS, aber die Konzepte sind unterschiedlich: Im Boxster S sitzt der Motor hinten, und es ist ein Boxer ohne Aufladung. Dagegen hat der 135i seinen Antrieb vorn, und es handelt sich um einen Reihenmotor mit Turbo. Die unterschiedliche Auslegung passt zu den Fahrzeugen: Der Porsche-Sauger will eher sportlich und hochtourig gefahren werden, der BMW-Turbo spurt bereits aus dem Drehzahlkeller heraus. Der größere Hubraum des Boxster S – 3,4 Liter statt 3,0 Liter wie beim BMW – kann das Drehmoment-Plus durch den Turbo nicht wettmachen: Der BMW stemmt 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, und zwar bereits bei 1.200 U/min. Der Kollege aus Stuttgart hat nur 360 Newtonmeter und will dafür bis auf 4.400 Touren hochgedreht werden.

Schöner Sound und prima Vortrieb
Ansonsten ähneln sich die beiden Motoren: Beide sind Direkteinspritzer und bieten eine variable Ventilsteuerung. Und noch etwas ist gleich oder zumindest ähnlich: der schöne Sound. Unser 1er Cabrio produziert einen wunderbaren Klang, und der Boxster steht ihm nicht im Geringsten nach – er hat etwas vom Sound der luftgekühlten Motoren in die wassergekühlte Moderne herübergerettet. Im Normalbetrieb schon schnurrig und leicht rau, wird der Sound naturgemäß umso markiger, je höher man dreht.

Porsche hat beim Sprint die Nase vorn
Im oberen Tourenbereich ist dann auch der Vortrieb bei beiden Autos exzellent. Beim Tempo-100-Sprint hat sogar der Porsche mit 5,2 Sekunden die Nase um 0,3 Sekunden vorne. Mit dem optionalen Chrono-Paket Plus, das in unserem Boxster an Bord war, werden daraus glatte 5,0 Sekunden. Die zum Paket gehörende Launch Control realisiert automatisch die bestmögliche Anfahrbeschleunigung, wenn die Sport-Plus-Taste in der Mittelkonsole gedrückt ist. Ob man das schon frühmorgens tut, sollte man sich allerdings überlegen, denn es führt mitunter dazu, dass es einem beim Antippen des Gaspedals gleich einen Beschleunigungsstoß in den Rücken versetzt.

Mehr Einstellungen beim Porsche
Auch beim BMW hat man Einfluss auf das Ansprechverhalten des Gaspedals: Die Sport-Taste neben dem Getriebewahlhebel lässt die Reaktion auf einen Pedaltritt schneller erfolgen. Doch beim Porsche gibt es noch deutlich mehr Einstellmöglichkeiten: Die Sport-Plus- und die danebenliegende Sport-Taste haben nicht nur Einfluss auf die Gaspedalkennlinie, sondern auch auf das bei Porsche als PSM bezeichnete ESP, die Lenkung, die Dämpfungssteuerung PASM und das PDK.

Eine Automatik in einem Roadster?
Damit sind wir beim Getriebe angelangt.Eine manuelle Schaltung hätte für unseren Geschmack gut zu dem Porsche-Roadster gepasst. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wählten wir aber das PDK. Unser 1er Cabrio besitzt nämlich trotz der etwas irreführenden Bezeichnung Sport-Automatic auch ein Doppelkupplungsgetriebe (DKG), das ebenfalls sieben Gänge aufweist. Ein Schnäppchen sind die Hightech-Getriebe beide nicht: Das DKG kostet bei BMW 2.260 Euro Aufpreis, während Porsche sogar 2.945 Euro verlangt. Beide Getriebe machen jedoch einen guten Job. Anders als die berüchtigten automatisierten Schaltgetriebe wechseln sie die Gänge ohne jede Unterbrechung der Zugkraft. Und wenn man keine Lust zu schalten hat, lassen sie sich benutzen wie eine Automatik. Alternativ kann man aber immer auch manuell in die Gangwahl eingreifen. Bei BMW sind die hierfür praktischen Schaltpaddles am Lenkrad allerdings aufpreispflichtig.

Gangwechsel nach Gusto
Außer durch manuellen Eingriff lassen sich die Schaltpunkte auch im Automatikmodus beeinflussen. Zum Umschalten dient beim BMW die erwähnte Sport-Taste neben dem Getriebewahlhebel, im Porsche die beiden bereits beschriebenen Tasten in der Mittelkonsole. Je nach Einstellung schalten die Getriebe eher sportlich oder sanft. Doch bei sportlichen Fahrzeugen darf man ein wenig mehr verlangen als das. So könnten beide Fahrzeuge für unseren Geschmack beim Ausrollen und Bremsen aktiver und damit hörbar zurückschalten – das hat zwar nichts mit flottem Fahren zu tun, aber es wäre ein netter Showeffekt. Nissan zum Beispiel baut in den 370Z Roadster eine Sporttaste ein, die Zwischengas simuliert.

Mehr Spürsinn
Schön wäre es auch, wenn das Getriebe stärker die vom Fahrer gewünschte Dynamik erspüren würde. Wenn man einen starken Motor im Auto hat, möchte man ihn auch von Zeit zu Zeit hören und spüren – aber nicht bei konstantem Tempo. Wir wünschten uns deshalb oft höhere Drehzahlen beim Beschleunigen, aber niedrigere bei Konstantfahrt. Mit den eingebauten Getrieben muss man dazu entweder den Modus wechseln oder per Hand eingreifen.

Beim Verbrauch etwa gleichauf
Neben dem Fahrspaß sind bei heutigen Spritpreisen auch die Verbrauchsdaten für Sportwagenfahrer relevant. Die gute Nachricht: Doppelkupplungsgetriebe schalten nicht nur schnell, sie schrauben auch den Verbrauch nicht mehr so in die Höhe wie viele konventionelle Automatiken. Beim BMW ist der Verbrauch in Schalt- und DKG-Version der gleiche, beim Porsche-Roadster verbraucht der Schalter sogar etwas mehr. Unter dem Strich benötigt unser BMW 1er Cabrio mit 8,6 Liter etwas weniger als der Porsche, der laut Hersteller 9,4 Liter auf 100 Kilometer schluckt. Das ist nicht zuviel für Autos mit Sprintzeiten unter sechs Sekunden: Ein Mercedes SLK 350 mit Automatik braucht ebenfalls neun Liter und sogar der nur zwei Liter große Turbo-Vierzylinder im Audi S3 oder VW Golf R ist kaum sparsamer.

In der Praxis natürlich mehr
Wie man sich denken kann, verbraucht man allerdings in der Praxis mit unseren sportlichen Testkandidaten meist mehr – in diesem Fall genehmigten sich die Autos etwa anderthalbmal soviel wie machbar: Beim BMW waren es 14,5 Liter, beim Porsche 13,8. Wir fuhren die Autos ihrem dynamischen Charakter entsprechend, das heißt: durchaus auch mal mit Vollgas. Besonders kräftig schlagen unsere beiden Prüflinge in der Stadt zu: Innerorts genehmigt sich der Porsche über 14 Liter, der BMW immerhin noch fast zwölf – wohlgemerkt nach Herstellerangabe. Hier könnte ein Start-Stopp-System helfen, das Porsche ja bereits in den Panamera einbaut und BMW in die Schaltversionen des 1er Cabrio.

FAHRWERK / LENKUNG
Das Fahrwerk des Porsche ist so hart, wie es sich für einen sportlichen Roadster gehört. Schon im Standardmodus ist das Auto nichts für Warmduscher oder Rückenkranke. Da unser Testwagen mit dem optionalen Stoßdämpferverstellsystem PASM (Porsche Active Suspension Management) zum Aufpreis von 1.666 Euro ausgestattet ist, gibt es aber noch eine Verschärfungsmöglichkeit: Eine Taste mit stilisiertem Stoßdämpfer stellt die Dämpfer hart – und dann muss man Angst um jeden einzelnen Wirbel im Skelett haben. Aber Spaß macht der Porsche mit seinem charaktervollen Untersatz ohne Ende.

Weicherer BMW
Ungleich weicher im Vergleich ist das Fahrwerk des BMW. Und das, obwohl der 135i ein M-Sportfahrwerk mit strafferen Federn und Dämpfern als bei den anderen 1er Cabrios besitzt. Doch schon bei Stadttempo, wenn man das Lenkrad kurz hin- und herbewegt, ist der Unterschied zwischen den Fahrwerksabstimmungen unserer Testwagen deutlich spürbar: Während der Porsche nur eine Links-rechts-Bewegung macht und parallel zum Asphalt bleibt, wackelt beim BMW auch der Aufbau. Der Vorteil: Im Cabrio aus München fährt man komfortabler als im Porsche. Der Boxster ist nichts für lange Autobahnstrecken, während dergleichen im BMW kein so großes Problem darstellt. Eine Verstellmöglichkeit für das Fahrwerk gibt es beim 1er Cabrio nicht. Die Sport-Taste beeinflusst aber die Lenkung – sie wird im Sportmodus minimal direkter. In diesem Punkt ist allerdings der Porsche überlegen: Unabhängig von der Einstellung hat man hier ein unmittelbareres Lenkgefühl.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Beide Testkandidaten sind offene Autos, beide haben ein Stoffverdeck, doch damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft. Der Boxster ist ein klassischer Roadster, also ein Zweisitzer, der fürs Kurvenfahren gebaut ist, weniger für alltägliche Versorgungsfahrten. Unser BMW bietet als viersitziges Cabrio mehr Platz im Innenraum. Das Cockpit im Porsche mit den weißen Zifferblättern finden wir schicker als das eher schlichte Ambiente im BMW. Auch die Sitze sind für unser Gefühl im Boxster besser, sie geben vor allem an den Beinen mehr Seitenhalt.

Kofferraum: Geteilt oder am Stück
Die Rücksitze des BMW empfehlen sich vor allem als Mantelablage, doch auch Erwachsene kann man mitnehmen. Wenn wir uns den Fahrersitz passend einstellen und uns dann auf den Platz dahinter setzen, reicht der Sitzkomfort gerade noch aus, wobei wir aber bei geschlossenen Verdeck als bekennende Sitzriesen mit dem Kopf schon den Dachstoff berühren. In den Boxster passen maximal zwei Personen, was Vorteile haben mag, wenn die Schwiegermutter anfragt, ob sie auf den Wochenendausflug mitkommen kann. Für einen solchen Kurztrip reicht das Kofferraumvolumen bei beiden Autos. Wer aber glaubt, dass der BMW ungleich mehr Stauraum bietet, hat sich getäuscht: Das Cabrio packt im offenen Zustand bis zu 260 Liter ein, der Roadster aber 280 Liter. Mit geschlossenem Dach passen allerdings 305 Liter in den BMW. Und beim Boxster verteilt sich die Staukapazität etwa zu gleichen Teilen auf Vorderwagen und Heck, was das Ein- und Auspacken komplizierter macht. Ebenfalls etwas unpraktisch beim Boxster: Motoröl wird bei Bedarf über eine Öffnung im hinteren Kofferraum eingefüllt.

Auch offen rasen möglich
Das Verdeck lässt sich bei BMW und Porsche auch im Fahren öffnen und schließen – beim BMW bis 40 km/h, beim Porsche bis 50 km/h. Mit beiden Autos kann man ohne Bedenken offen auf die Autobahn fahren: Sowohl im Boxster als auch im 1er Cabrio sind Geschwindigkeiten über 200 kein Problem. Im BMW weht es dabei stärker – es sei denn, man installiert das Windschott. Das Hauptproblem aber sind bei hohem Tempo die Blinker: Beim Versuch sie zurückzusetzen, wechselt oft nur die Blinkrichtung. Wer einen BMW kauft, wird die Hebel aber irgendwann richtig bedienen können.

AUSSTATTUNG / PREIS
Beim Preis liegt eine kleine Welt zwischen unseren Testwagen. Das 135i Cabrio mit Sport-Automatic kostet 47.110 Euro, während der Porsche mit PDK erst für 59.328 Euro zu haben ist. Die Serienausstattung beider Autos ist dabei ähnlich. Alufelgen, Klimaanlage, CD-Radio, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung sind bei beiden Serie. Das gilt auch für ESP und vier Airbags – der Boxster hat sogar sechs Luftsäcke. Zu den sinnvollen Extras gehören eine Sitzheizung vorne, eine elektronische Einparkhilfe und Metallic-Lack sowie beim BMW die Schaltwippen und das Windschott. Das in unserem Porsche installierte Sport-Chrono-Paket Plus kostet 797 Euro, und wenn man dazu noch das PASM für 1.666 Euro bestellt, wird der Porsche sündteuer: Für die Preisdifferenz von fast 15.000 Euro könnte man sich glatt einen Kleinwagen leisten.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Unsere Testwagen sind beide vom Feinsten, so dass sie sich für die gleiche Gesamtnote qualifizieren. Die Motoren liefern beide einen super Sound, der Schub aus niedrigen Drehzahlen und der Verbrauch sind beim BMW besser.

    Dafür präferieren wir beim Fahrwerk den knallharten Porsche – wer Komfort sucht, wird sich aber wohl für den eher bürgerlichen BMW entscheiden. Durch seine vier Sitze und den praktischeren Kofferraum ist der Münchner alltagstauglicher, und last not least auch deutlich günstiger. Als Roadsterfans würden wir uns dennoch für den Boxster entscheiden.

  • BMW 135i Cabrio Sport-Automatic
    90%
    deutlich günstiger als der Porsche
    alltagstauglicher als der Boxster
  • Porsche Boxster S PDK
    90%
    extrem viel Fahrspaß durch hartes Fahrwerk
    mehr Sportfeeling

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