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Eleganter Edel-Laster
Der neue Jaguar XF Sportbrake im Test

Matthias Naumann 
Von: Matthias Naumann
7. Nov. 2012 um 12:12 Uhr
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Es gibt Dinge, die brauchen Zeit, um richtig gut zu werden: Whiskey lagert oft Jahrzehnte, bis er seinen geschmacklichen Höhepunkt erreicht. Auch manche Käsesorte reift jahrelang, bevor sie in den Verkauf geht. In der Autoindustrie scheint es hingegen meist Schlag auf Schlag zu gehen. Die Abstände, in denen neue Karosserievarianten auf den Markt geworfen werden, fallen immer kürzer aus. Bei Jaguar hat man sich hingegen vier Jahre Zeit gelassen, um eine Kombivariante vom XF aufzulegen. Das geschah zwar nicht ganz aus freien Stücken. Aber der XF Sportbrake ist dennoch ein gutes Beispiel dafür, dass sich bei manch neuem Modell langes Warten lohnen kann – wie bei edlem Whiskey oder Käse eben auch.
Erst der zweite Kombi-Versuch
Das Angriffsziel ist klar: Für wen bisher nur Audi A6 Avant, BMW 5er Touring oder Mercedes E-Klasse T-Modell in Frage kamen, der soll künftig auch einen Blick auf die englische Edelmarke werfen. Jaguars bisherige Erfahrungen mit einem Kombi sind gemischt: Der erste und bislang einzige Versuch war der zwischen 2004 und 2009 gebaute X-Type Estate. Der verkaufte sich zwar gut, galt vielen traditionsbewussten Liebhabern aber lediglich als umgelabelter Ford Mondeo. Obwohl bei der Entwicklung des XF von vornherein auch ein Kombimodell vorgesehen war, scheiterte die Umsetzung zunächst an den Kosten. Erst als nach dem Besitzerwechsel der Raubkatzenmarke von Ford zum indischen Tata-Konzern 2008 wieder mehr Geld nach England floss, konnte die Realisierung des XF Sportbrake angegangen werden. Dabei ist für den europäischen Markt der Kombi von großer Bedeutung. Etwa jeder zweite XF soll hier künftig ein Sportbrake sein.
Schön, aber auch vielseitig
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wie die Limousine wartet der mit 4,97 Meter genauso lange Kombi mit einem sehr schicken Design auf. ,Schön und vielseitig" soll der XF Sportbrake sein, so beschreibt James Towle, Global Brand Manager bei Jaguar, das Anforderungsprofil an den Edel-Laster. Der sportlich elegante Auftritt wird durch eine nach hinten ansteigende Gürtellinie und kleine Fensterflächen betont. Letzteres macht das Auto nach hinten allerdings unübersichtlich. Das Dach fällt sanft nach hinten ab und mündet in ein elegantes Heck. Dieses ist von großen Scheinwerfern und einer breiten Chromleiste geprägt. Der Vorderwagen bis zur B-Säule ist identisch mit der Limousine.
Auf Augenhöhe mit Audi und BMW?
Auch der Nutzwert kommt beim XF Sportbrake nicht zu kurz: Hinter der großen Heckklappe befindet sich ein geräumiges Ladeabteil, das dank breiter Öffnung und niedriger Ladekante gut zugänglich ist. Mit einem Kofferraumvolumen von 550 Liter liegt der XF Sportbrake nur geringfügig unterhalb von 5er Touring (560 Liter) und A6 Avant (565 Liter). Mittels im Laderaum angebrachter Hebel lassen sich die Rücklehnen des Jaguar mit zwei einfachen Handgriffen im Verhältnis 60 zu 40 umlegen. So erhält man einen nahezu ebenen Ladeboden und ein Stauvolumen von maximal 1.675 Liter. Auch damit befindet sich der XF Sportbrake auf Augenhöhe mit Audi und BMW. Ein System mit Schienen, Netzen und längs verschiebbaren Halteleisten ist serienmäßig an Bord und hilft beim sicheren Verstauen von Gepäck.
Immer mit Leder und Holz
Kaum Anlass zur Kritik bietet das Platzangebot für die Passagiere. Hinten genießen Insassen viel Beinfreiheit und im Vergleich zur Limousine fast fünf Zentimeter mehr Kopffreiheit. Auch der Mittelplatz kann genutzt werden, sieht man vom relativ breiten Mitteltunnel ab. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer bieten guten Seitenhalt, optional stehen vielfältige Verstellmöglichkeiten zur Verfügung, die jeden die optimale Position finden lassen sollten. Für das Interieur wird eine Vielzahl an Lederfarben, Kontrastnähten und Holzsorten angeboten. Seit dem XF-Facelift Mitte 2011 präsentiert sich die Armaturentafel hochwertiger, an die deutsche Premiumkonkurrenz reichen Materialwahl und Verarbeitung aber noch nicht ganz heran. Auch die Bedienung von Audioanlage, Navigationssystem, Klimaautomatik und Sitzheizung über den Siebenzoll-Touchscreen erweist sich nicht immer als ganz intuitiv.
Ausschließlich mit Dieselmotoren
Anders als die Limousine gibt es den XF Sportbrake ausschließlich als Diesel. Der kräftige und leise vor sich hinschnurrende Dreiliter-V6-Selbstzünder ist in Leistungsstufen mit 240 und 275 PS erhältlich. Den Einstieg markiert ein Vierzylinderaggregat mit 2,2 Liter Hubraum. Nach der jüngsten Überarbeitung leistet das Triebwerk 200 PS – das sind zehn Pferdestärken mehr als bislang. Zudem wurde der Normverbrauch von 5,4 auf 5,1 Liter gesenkt – damit avanciert der Jaguar zu einem der sparsamsten Kombis seiner Klasse. Der dezente, laufruhige Basisdiesel ist mehr als eine träge Einstiegsmotorisierung. Er bietet stets guten Durchzug, das maximale Drehmoment von unverändert 450 Newtonmeter steht bereits bei 2.000 Umdrehungen zur Verfügung. Bei unseren Testfahrten durch den Süden Schottlands mit vielen Kurven und gemäßigten Steigungen präsentierte sich der Vierzylinder als absolut ausreichend. Alle XF-Modelle sind an eine Achtgang-Automatik gekoppelt, die über einen ausfahrbahren Drehknopf gesteuert wird. Die Gänge wechseln sanft, zügig und immer zum richtigen Zeitpunkt. Wer es etwas sportlicher angehen will, kann in den S-Modus wechseln, dann werden die einzelnen Gänge länger aufgereizt. Paddels am Lenkrad erlauben außerdem manuelles Schalten.
Ein Schuss Sportlichkeit
Mit dem neuen Premium-Kombi ist man komfortabel unterwegs, doch das souveräne Kurvenhandling und die direkte Lenkung sorgen nebenbei für einen Schuss Sportlichkeit. Querrillen könnten hingegen etwas souveräner ausgebügelt werden, dadurch wird der Fahrkomfort auf schlechten Straßen etwas geschmälert. Für die beiden Sechszylinder-Varianten kann ein adaptives Fahrwerk geordert werden. Hier passen sich die elektronisch geregelten Dämpfer permanent der aktuellen Fahrsituation an. Marktstart für den XF Sportbrake ist am 24. November 2012. Los geht's bei 48.550 Euro für den 2,2-Liter-Diesel. Dafür gibt's bereits ab Werk Xenonscheinwerfer, Ledersitze und ein Automatikgetriebe. Als Extras sind unter anderem ein Totwinkelwarner und ein Abstandstempomat mit Notbremsfunktion erhältlich. Einen Spurhalteassistenten, eine Verkehrszeichenerkennung oder einen Einparkassistenten sucht man hingegen vergeblich in der Preisliste. Auch hier sind die deutschen Autobauer noch einen kleinen Schritt voraus.
Wertung
-
★★★★★★★★★☆
Mit dem XF Sportbrake bereichert Jaguar das Angebot an Premium-Kombis. Der sportlich-elegante Brite ist – wie bereits der Stufenheck-Bruder – optisch ein echter Hingucker geworden. Platzangebot und Nutzwert überzeugen, der Wohlfühlfaktor ist hoch. Die Motorenpalette bietet trotz des Verzichts auf Benziner eine gute Bandbreite. Nicht nur wegen ein paar kleinen Schwächen müssen Audi, BMW und Mercedes allerdings nicht zu große Angst vor dem Jaguar-Kombi haben. Mehr als 2.000 XF Sportbrake jährlich werden in Deutschland wohl nicht an den Mann zu bringen sein. Doch damit ist ein weiterer Pluspunkt garantiert: Und der heißt Individualität und Exklusivität.
-
Antrieb
90%
mehr als ausreichender, zudem sparsamer Vierzylinder-Diesel harmonischer Achtgang-Automat
-
Fahrwerk
80%
komfortabel, mit einem Schuss Sportlichkeit Querrillen könnten besser weggebügelt werden
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Karosserie
90%
auch als Kombi sehr elegant, gutes Platzangebot kleine Schwächen bei Interieurgestaltung und Bedienung
-
Kosten
80%
preislich auf dem Niveau der deutschen Konkurrenz nur wenige Assistenzsysteme erhältlich
Preisliste
Jaguar XF Sportbrake 2.2 D
Grundpreis: 48.550 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie (8 Gänge) Bildschirmnavigation 2.490 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.310 Metalliclackierung 1.080 Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung Serie Xenonlicht Serie Kurvenlicht 625 Anhängevorrichtung 1.150
adaptives Fahrwerk 1.200 Einparkhilfe hinten 440 Rückfahrkamera 1.100 elektrische Heckklappe 520 Fernlichtassistent 310 Totwinkelwarner 540 Abstandstempomat mit Notbremsfunktion 1.550 Sitzheizung vorn 400 Lenkradheizung 400 elektrisch einstellbare Sitze 300 schlüsselloses Zugangssystem 590 Bluetooth-Freisprecheinrichtung 520 Regensensor Serie Multifunktionslederlenkard Serie
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Reihen-Dieselmotor mit Turboaufladung Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 2.179 Leistung in PS 200 Leistung in kW 147 bei U/min 2.000 Drehmoment in Nm 450 Antrieb Heckantrieb Gänge 8 Getriebe Automatik Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.559 Spurweite hinten in mm 1.605 Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker und Federbein Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker und Federbein Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben, 355 mm Bremsen hinten Scheiben, 326 mm Wendekreis in m 11,5 Räder, Reifen vorn 235/55 R17 Räder, Reifen hinten 235/55 R17 Lenkung geschwindigkeitsabhängige Lenkung mit Servounterstützung Maße und Gewichte Länge in mm 4.966 Breite in mm 1.939 Höhe in mm 1.480 Radstand in mm 2.909 Leergewicht in kg 1.824 Zuladung in kg 566 Kofferraumvolumen in Liter 550 Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.675 Anhängelast, gebremst in kg 1.850 Dachlast in kg 75 Tankinhalt in Liter 70 Kraftstoffart Diesel Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 214 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,8 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,1 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,1 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,3 CO2-Emission in g/km 135 Schadstoffklasse Euro 5
Bildergalerie: Eleganter Edel-Laster
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- Make: Jaguar
- Model:
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