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Der Brit-Sportler Jaguar F-Type im Test

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Theresa Juranek Theresa Juranek

Von: Theresa Juranek

16. Apr. 2013 um 12:41 Uhr

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Russ Varney kam 1973 zu Jaguar. Ein Jahr später wurde die Produktion des legendären E-Type eingestellt. Damals war Varney 16 Jahre alt, heute ist er ,Chief Programme Engineer" des neuen Jaguar F-Type. "Vierzig Jahre habe ich auf dieses Auto gewartet", sagt der freundliche Brite mit Blick auf den jüngsten Zuwachs der Jaguar-Modellfamilie, und man glaubt ihm das, denn der Stolz steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Zurück zu den Wurzeln
Mit dem F-Type will Jaguar zum Kern seiner Markenidentität zurückkehren, die maßgeblich vom zweisitzigen Roadster E-Type geprägt wurde. Im Gegensatz zum schlanken Klassiker hat der Neuling deutlich an Muskelmasse zulegt, doch damals wie heute standen Wendigkeit und Leistung an oberster Stelle im Lastenheft. Anlocken soll der F-Type damit vor allem Neukunden, angreifen den Audi R8 Spyder, den Aston Martin V8 Vantage und die übermächtige Sportwagen-Ikone Porsche 911.

Zulassungsplus
Dass der F-Type äußerlich nur noch wenig mit dem Vorbild gemein hat, überrascht nicht. Schließlich warf man im englischen Coventry schon 2007 jegliche Design-Traditionen über Bord und führte mit der Mittelklasse-Limousine XF eine neue Formensprache ein. Der Mut zur Veränderung wurde mit wachsenden Verkaufszahlen belohnt. Auch im ersten Quartal 2013 gehört Jaguar mit einer Steigerung um knapp acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zu den lediglich vier Marken, die in Deutschland ein Zulassungsplus verzeichnen konnten.

Selbstbewusster Auftritt
Einige Stilelemente der Legende finden sich dann aber doch im F-Type wieder: Die Formen sind klar, die Schnauze lang, die in den Kühlergrill greifende Motorhaube öffnet gegenläufig nach vorne. Der Grill ist von den Limousinen XF und XJ bekannt, seine Neigung soll Selbstbewusstsein und Angriffslust demonstrieren. Von hinten betrachtet, duckt sich das Stoffdach zwischen die ausgeprägten Schultermuskeln. Die schmalen Rückleuchten wurden von den Designern bis in die Radkästen gezogen und lassen die ohnehin schon kräftigen Hüften des Sportlers noch breiter wirken. Um die ausgeklügelte Ästhetik möglichst wenig zu stören, fährt der Heckspoiler erst ab knapp 100 km/h aus, die Türgriffe verschwinden bei Nichtbenutzung im Aluminiumkleid.

Motorwahl
Drei Herzen schlagen zum Markstart wahlweise in der Brust des jungen Briten. Zwei per Kompressor beatmete 3,0-Liter-Sechszylinder mit 340 und 380 PS sowie ein ebenfalls aufgeladener 5,0-Liter-V8 mit 495 PS. Alle Motoren leiten ihre Kraft über eine Achtgang-Quickschift-Automatik an die Räder weiter, serienmäßig versucht das Stop/Start-System den Spritdurst der Aggregate unter Kontrolle zu halten. Die durchschnittlichen Normwerte liegen zwischen 9,0 und 11,1 Liter pro hundert Kilometer.

Einstiegskraft
Schon die Einstiegsversion erweist sich auf ersten Testfahrten als kraftvoller Antreiber. Der F-Type prescht los, kaum, dass der Fuß das Gaspedal streichelt. Dann fliegt er über die Bergstraßen im Hinterland von Pamplona und brummt, röhrt und kreischt dabei so klangvoll vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist. Den Null-auf-hundert-Sprint absolviert er in 5,3 Sekunden, dem Geschwindigkeitsrausch wird elektronisch abgeregelt bei 260 km/h ein Ende gesetzt.

Eine Frage des Preises
Wer mehr PS will muss, draufzahlen – und das ganz ordentlich. 73.400 Euro ist der Einstiegspreis für den F-Type, 11.500 Euro mehr müssen für den 380 PS starken F-Type S auf den Tisch gelegt werden. Wirklich empfehlenswert ist das nicht, denn der Unterschied im Fahrgefühl ist marginal. Deutlich mehr Power gibt's dann mit dem F-Type V8 S. Der schrammt mit einem Preis von 99.900 Euro zwar nur knapp an der Hunderttausend-Euro-Grenze vorbei, bietet aber auch am meisten Auto fürs (viele) Geld. 495 PS, ein Beschleunigungswert von 4,3 Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 300 PS, dazu ein Klang, wie man ihn sich brachialer nicht wünschen kann.

Straff, nicht hart
Die Lenkung ist leichtgängig – fast zu leichtgängig für einen Supersportler. Russ Varney empfiehlt deshalb, den Dynamic-Modus selbst zu konfigurieren. Das ist bei den beiden größeren Motorisierungen möglich. Parameter wie Lenkung, Getriebe, Gaspedal und Dämpfer lassen sich so noch sportlicher trimmen. Der Lenkung tut das gut. Sie leistet dynamisch eingestellt ein Quäntchen mehr Widerstand und gibt dem Fahrer das Gefühl von mehr Kontrolle.

Auf langer Strecke
Um die Langstreckentauglichkeit des Sportwagens zu prüfen, fuhr Russ Varney von Coventry in den Norden Spaniens. Vierzehneinhalb Stunden brauchte er dafür, Rückschmerzen hatte er nach seiner Ankunft nicht. Dies dürfte vor allem dem überraschend komfortablen Fahrwerk geschuldet sein, das trotz straffer Abstimmung Unebenheiten gut wegbügelt. Anders als bei der Lenkung empfiehlt sich hier der Verzicht auf die Dynamic-Konfiguration. Sportlich eingestellt gehen die Dämpfer zu hart zu Werke.

Sportlerherz
Am Ende aber ist der F-Type kein Grand Turismo sondern ein Vollblutsportler. Er klebt am Asphalt wie trockener Toast am Gaumen und lässt sich weder in Serpentinen noch auf dem Circuito de Navarra wirklich zum Unter- oder Übersteuern verleiten. Mit knapp unter 1.600 Kilo ist er kein absolutes Leichtgewicht, auch wenn ihm extra eine Vollaluminium-Karosserie gegönnt wurde, gebärdet sich aber dennoch äußert wendig und temperamentvoll.

Feinkost für die Ohren
Für die richtige Rennsportstimmung sorgt neben der Geschwindigkeit vor allem der Klang des aktiven Auspuffsystems mit Klappensteuerung – Standard im F-Type S und V8 S – der durch den Druck auf den Sound-Knopf noch verstärkt werden kann. Dann bollert und klappert und schreit, röhrt und schnalzt es aus den Endrohren, dass man sich gar nicht satt hören kann. Motorgesang in seiner schönsten Form, der fehlt, wenn man der Verstärkung am Ortseingangsschild vorerst den Mund verbietet.

In 12 Sekunden oben ohne
Darum wurde vor Beginn der Testfahrten dringend gebeten, da die Kollegen am Vortag mit ihrer Geräuschkulisse die Polizei auf den Plan riefen, welche die Siesta in den Bilderbuchdörfchen des Baskenlands gefährdet sah. Doch kaum sind die malerischen Steinhäusschen im Rückspiegel verschwunden, wird wieder der Knopf für die akustische Feinkost gedrückt. Besonders schön ist diese zu hören, wenn das Stofffaltdach zwischen den Sitzen und dem Gepäckraum verschwunden ist. Das geschieht innerhalb von 12 Sekunden und ist bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h auch während der Fahrt möglich.

Im Innenraum
Dann dringt das dumpfe Grollen ungefiltert an die Ohren, während der Wind durch den stylischen Innenraum braust. Auf Design-Schnickschnack à la XJ wurde im F-Type verzichtet, das Interieur präsentiert sich sportlich, edel und geradlinig. Einziges Manko ist nach wie vor das Jaguar Infotainment-System mit komplizierter Bedienung und wenig hochwertiger Grafik. Die Sitze mit gutem Seitenhalt sind so tief montiert, dass das Einsteigen eher einem Reinfallen gleicht, aber so soll das bei einem Sportwagen auch sein. Mit größeren Koffern tut sich der 196-Liter-Gepäckraum schwer, hier sind faltbare Taschen von Vorteil. Ein Golfbag lässt sich laut Hersteller trotzdem unterbringen – alles andere käme für einen echten Briten auch nicht in Frage.

Wertung

Preisliste

Jaguar F-Type

Grundpreis: 73.400 Euro

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation 2.960 CD-Radio Serie MP3 Serie Leichtmetallfelgen Serie Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat 365 Lederausstattung Serie Xenonlicht Serie Kurvenlicht 2.270 (im Sicht-Paket)

Sport-Abgasanlage Serie Wintermodus Serie Notfall-Bremsassistent Serie 8-Zoll-Touchscreen mit Farbdisplay Serie Einparkhilfe vorn 460 Einparkhilfe hinten 460 Rückfahrkamera 320 Toter-Winkel-Warner 555 Windschott 210

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Sechszylinder-Kompressormotor  Zylinder 6  Ventile 4  Hubraum in ccm 2.995  Leistung in PS 340  Leistung in kW 250  bei U/min 3.500 - 5.000  Drehmoment in Nm 450  Antrieb Hinterradantrieb  Gänge 8  Getriebe Automatik  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.597  Spurweite hinten in mm 1.649  Radaufhängung vorn Doppelquerlenker  Radaufhängung hinten Doppelquerlenker  Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet  Bremsen hinten Scheiben, innenbelüftet  Wendekreis in m 10,66  Räder, Reifen vorn 245/45 R18  Räder, Reifen hinten 275/40 R18  Lenkung Zahnstangenlenkung, servounterstützt  Maße und Gewichte Länge in mm 4.470  Breite in mm 1.923  Höhe in mm 1.308  Radstand in mm 2.622  Leergewicht in kg 1.597  Zuladung in kg 428  Kofferraumvolumen in Liter 196  Tankinhalt in Liter 72  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 260 (elektronisch abgeregelt)  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,3  Elastizität von 80-120 km/h in Sekunden 3,3  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,0  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 12,6  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,9  CO2-Emission in g/km 209 

Bildergalerie: Fun-Type

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