Lynk & Co 08 PHEV (2026) im Test: Viel Reichweite und viel Platz, aber nicht alles glänzt
Mit schwedischem Charme versucht das chinesische SUV aus der Masse herauszustechen. Was bekommt man für knapp 60.000 Euro?
Im Reigen der unzähligen chinesischen Newcomer spielt Lynk & Co eine Sonderrolle: Einst gemeinsam von Volvo und Geely gegründet, sitzt die Marke nach wie vor in Schweden. Inzwischen gehört man allerdings vollständig zum chinesischen Geely-Konzern.
Design und Entwicklung finden aber nach wie vor in Göteburg statt. Kann diese Mischung aus alter und neuer (Auto-)Welt funktionieren? Wir haben es in einem 14-tägigen Alltagstest herausgefunden.
Bildergalerie: Lynk & Co 08 2026 Test
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
| Schnelle Daten | Lynk & Co 08 More |
| Motor | 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner plus Elektromotor |
| Leistung (System) | 257 kW (350 PS) |
| Getriebe | 3-Gang-Hybridautomatik 3DHT EVO |
| Antrieb | Frontantrieb |
| 0-100 km/h | 6,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
| Verbrauch (WLTP, kombiniert, gewichtet) | 0,9 l/100 km; elektrischer Energieverbrauch 20,8 kWh/100 km |
| Grundpreis Core | ab 55.995 Euro |
| Testwagenpreis | 59.995 Euro |
Karosserie/Design
Eines muss man dem Lynk & Co lassen. Während viele neue SUV aus China inzwischen einer recht ähnlichen Formensprache folgen, besitzt der 08 einen ausgesprochen eigenständigen Auftritt. Dass die Gestaltung in Göteborg entstand, ist dabei mehr als eine historische Randnotizspielt dabei sicherlich eine große Rolle. Dabei glänzt das große SUV weniger mit kandinavischer Zurückhaltung als in einer eigenwilligen, aber durchaus stimmigen Kombination aus klaren Flächen und ungewöhnlichen Details.
Mit 4,82 Meter Länge, 1,92 Meter Breite und 1,69 Meter Höhe ist der 08 eine stattliche Erscheinung. Besonders gelungen finden wir die Außenspiegel, die auf separaten, schwarz glänzenden Stelen thronen und sich wie kleine Designskulpturen von den Türen abheben. Hinzu kommen die weit Richtung A-Säule gezogenen Leuchtelemente und das plastisch gestaltete Lichtband am Heck. Die mächtigen 21-Zoll-Räder unterstreichen den kraftvollen Auftritt.
Etwas schade ist lediglich die Farbe unseres Testwagens. Sparkling Black wirkt elegant, verschluckt allerdings viele jener Feinheiten, die den 08 von der Masse abheben. Gerade die ungewöhnlichen Spiegelträger kommen auf einer helleren Karosserie wesentlich besser zur Geltung.
Innenraum
Noch überzeugender präsentiert sich zunächst der Innenraum. Hier haben sich die Designer offensichtlich Gedanken darüber gemacht, wie sich eine futuristische Gestaltung mit einer wohnlichen Atmosphäre verbinden lässt. Weich unterfütterte Oberflächen, fein genarbte Kunststoffe, Kunstleder und sorgfältig gesetzte Akzente in Kupfer beziehungsweise Roségold schaffen ein Ambiente, das gehobenen Ansprüchen gerecht wird.Dazu kommt eine sehenswerte Ambientebeleuchtung mit durchleuchteten Flächen.
Nicht überall hält die Materialqualität allerdings, was die Optik verspricht. Die Türablagen sind nicht ausgekleidet, im unteren Bereich findet sich Hartplastik. Auch die ungewöhnliche obere Armaturenbrettverkleidung besteht aus einfachem Kunststoff. Ursprünglich sollte hier ein Head-up-Display sitzen, das während der Entwicklung gestrichen wurde. Stattdessen spiegelt sich gelegentlich der silberne Schriftzug störend in der Windschutzscheibe.
Ansonsten überzeugt die Verarbeitung. Trotz stolzen 35.000 Kilometern Laufleistung wirkt unser Testwagen solide zusammengefügt, störende Knarzgeräusche sind praktisch nicht auszumachen. Beim Raumangebot kann der Lynk & Co auf ganzer Linie punkten. Vorne sitzen selbst groß gewachsene Menschen ausgesprochen bequem, ohne dass die breite Mittelkonsole die Bewegungsfreiheit einschränkt. Die großzügig dimensionierten Sitze bieten viel Komfort, in der More-Version zusätzlich Heizung, Belüftung und eine überzeugende Massagefunktion.
Fast noch eindrucksvoller fällt das Platzangebot im Fond aus. Mit 1,87 Metern Körpergröße können wir problemlos hinter unserer eigenen Sitzposition Platz nehmen und haben noch mehrere Fingerbreit Luft zwischen Knien und Vordersitz. Die angenehm hohe Rückbank, großzügige Kopffreiheit und das riesige Panoramadach sorgen für ein luftiges Raumgefühl. Dazu kommen Belüftungsdüsen, USB-Anschlüsse und eine breite Mittelarmlehne.
Auch der Kofferraum überzeugt mit 540 Litern Volumen, gut nutzbarem Zuschnitt, einem Unterflurfach fürs Ladekabel und zwei stabilen Taschenhaken.
So angenehm das Ambiente auch ist, bei der Bedienung verliert der 08 einige Sympathiepunkte. Besonders schade ist, dass sich seit unserer ersten Begegnung in Göteborg offenbar wenig an den grundsätzlichen Schwächen geändert hat.
Zentrales Bedienelement ist der 15,4 Zoll große Touchscreen. Die Grafik gefällt, doch die Menüstruktur erschließt sich nicht immer auf Anhieb. Selbst das Handschuhfach und das Panoramadach lassen sich ausschließlich über den Bildschirm oder die grundsätzlich gute Sprachsteuerung ("Hey Frank") bedienen. Ärgerlich wird das auf der Autobahn, wenn die Windgeräusche bei geöffnetem Dach die Sprachbedienung erschweren und man zwangsläufig auf dem Touchscreen herumtippen muss.
Immerhin gibt es praktische Shortcuts, die allerdings bei aktivem Apple CarPlay nicht erreichbar sind. Ganz auf klassische Bedienelemente verzichtet Lynk & Co glücklicherweise nicht. Blinker und Scheibenwischer besitzen konventionelle Hebel, die Außenspiegel werden über einen Joystick eingestellt.
Das 10,2 Zoll große Fahrerdisplay ist übersichtlich, lässt sich allerdings kaum individualisieren. Besonders unpraktisch ist die nur kurzzeitige Einblendung des Bordcomputers. Dafür kann Google Maps über Apple CarPlay auch im Fahrerdisplay dargestellt werden.
| Abmessungen | Lynk & Co 08 More |
| Länge x Breite x Höhe | 4.820 x 1.915 x 1.685 mm (Breite ohne Spiegel) |
| Breite inklusive Außenspiegel | 2.135 mm (ausgeklappt); 2.088 mm (eingeklappt) |
| Radstand | 2.848 mm |
| Bodenfreiheit | 186 mm (minimal, unbelastet) |
| Kofferraum | 540 Liter (VDA, Boden bis Dach) |
| Kofferraum maximal | 1.254 Liter bei umgeklappten Rücksitzen (VDA) |
| Tankinhalt | 60 Liter |
| Wendekreis | 12,0 m (Bordstein zu Bordstein) |
Antrieb/Fahreindrücke
Das technische Herzstück des Lynk & Co 08 ist sein aufwendiger Plug-in-Hybridantrieb. Ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung leistet 102 kW (139 PS) und arbeitet mit einem 155 kW (211 PS) starken Elektromotor zusammen. Die Systemleistung beträgt 257 kW (350 PS). Ein dreistufiges Hybridautomatikgetriebe überträgt die Kraft ausschließlich auf die Vorderräder.
Noch interessanter ist die Batterie. Mit 39,6 kWh besitzt sie eine Kapazität, die vor wenigen Jahren für ein vollwertiges Elektroauto gereicht hätte. Lynk & Co verspricht bis zu 200 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP, im Alltag sind unter gemischten Bedingungen locker 160 Kilometer realistisch.
Auch beim Laden zeigt sich der 08 ambitioniert. Neben 11 kW Wechselstrom sind bis zu 85 kW Gleichstrom möglich. Für einen Plug-in-Hybrid ist das bemerkenswert. Laut Hersteller dauert der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent rund 33 Minuten.
Im Elektrobetrieb fährt sich der Lynk & Co angenehm leise und souverän, ohne allerdings jene unmittelbare Spritzigkeit zu vermitteln, die man angesichts der Leistungsdaten erwarten könnte. Im Hybridmodus hält sich der Verbrenner möglichst im Hintergrund und lässt den Elektromotor einen großen Teil der Arbeit übernehmen.
Erst bei kräftigem Kickdown gerät das Zusammenspiel gelegentlich aus dem Takt. Dann entsteht eine spürbare Verzögerung, begleitet von einem nicht immer harmonischen Schaltvorgang. Mit etwas weniger Gaspedaldruck beschleunigt der 08 häufig gleichmäßiger und subjektiv sogar überzeugender.
Eine andere Seite zeigt der Sportmodus. Hier hält sich der Benziner permanent bereit und reagiert entsprechend spontan auf Leistungsanforderungen. Der Antrieb wirkt plötzlich wacher und entwickelt eine bemerkenswerte Geschmeidigkeit, die eher an einen deutlich größeren Motor erinnert. Dabei bleibt die Geräuschkulisse erfreulich kultiviert.
Allerdings fühlt sich das alles trotzdem nicht nach 350 PS an. Weiterer Minuspunkt: Bei kräftigem Beschleunigen können die Vorderräder trotz breiter Pirelli-Scorpion-Bereifung schnell durchdrehen.
Komfortabel, aber nicht perfekt abgestimmt
Beim Fahrwerk hinterlässt der Lynk & Co einen zwiespältigen Eindruck. Die Federung spricht relativ weich an, während die Dämpfung stellenweise überraschend straff wirkt. Dadurch gelangen kurze Unebenheiten deutlich zu den Insassen, ohne dass sich im Gegenzug ein besonders präzises Fahrgefühl einstellen würde. Die großen 21-Zoll-Räder tragen ihren Teil dazu bei.
In schnell gefahrenen Kurven zeigt der 08 eine erträgliche Seitenneigung. Die Lenkung ist vergleichsweise indirekt übersetzt und setzt Richtungsänderungen nicht besonders spontan um. Drei Unterstützungsstufen verändern vor allem die Lenkkraft, während die Rückmeldung begrenzt bleibt.
Auf der Autobahn überzeugt dagegen das angenehme Geräuschniveau. Trotz rahmenloser Seitenscheiben bleiben Windgeräusche gut im Hintergrund, deutlicher hörbar sind die Abrollgeräusche der Reifen.
Die Bremsanlage präsentiert sich kräftig und standfest. Weniger gelungen ist der Übergang zwischen elektrischer Rekuperation und mechanischer Bremswirkung, bei dem das Pedalgefühl nicht immer konstant bleibt. Auch die insgesamt schwache Rekuperation enttäuscht. Einen positiven Eindruck hinterlassen die Assistenzsysteme. Adaptiver Tempomat und aktive Spurführung arbeiten unauffällig, allerdings nur bis 150 km/h. Zudem fehlt eine kapazitive Handerkennung am Lenkrad.
| Technische Daten | Lynk & Co 08 More |
| Motor | 1,5-Liter-Reihenvierzylinder mit Turbolader plus Elektromotor |
| Hubraum | 1.499 cm³ |
| Leistung Benzinmotor | 102 kW (139 PS, aus kW umgerechnet) |
| Drehmoment Benzinmotor | 230 Nm |
| Leistung Elektromotor | 155 kW (211 PS) |
| Drehmoment Elektromotor | 350 Nm |
| Leistung (System) | 257 kW (350 PS) |
| Getriebe | 3-Gang-Hybridautomatik 3DHT EVO |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Felgen Testwagen | 21-Zoll-Leichtmetallräder; Felgenbreite More laut Datenblatt 8,5 Zoll |
| Reifen More laut Datenblatt | 255/40 R21; Pirelli Scorpion |
| 0-100 km/h | 6,8 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
| Batterie | Lithium-Ionen (NCM), 39,6 kWh |
| Elektrische Reichweite WLTP, kombiniert | 200 km |
| AC-Ladeleistung / Ladezeit | 11 kW / 4,5 Stunden (0-100 %) |
| DC-Ladeleistung / Ladezeit | 85 kW / 33 Minuten (10-80 %) |
| Stromverbrauch WLTP, kombiniert, gewichtet | 20,8 kWh/100 km (208 Wh/km) |
| Leergewicht laut Datenblatt | 2.112 kg; individuelles Testwagengewicht nicht belegt |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 2.612 kg |
| Anhängelast gebremst / ungebremst | 1.600 / 750 kg (gebremst bei 12 % Steigung) |
| Tankinhalt | 60 Liter |
Verbrauch/Preis
Wie effizient der Lynk & Co unterwegs ist, hängt stark vom Einsatzprofil ab. Im rein elektrischen Betrieb pendelte sich unser Verbrauch bei gemischter Fahrweise um 20 kWh je 100 Kilometer ein. Bei ruhiger Fahrweise mit hohem Stadt- und Überlandanteil waren rund 6,5 Liter je 100 Kilometer möglich, rein hybridisch gefahren, also mit gehaltenem Batteriestand. Leider merkt sich das System diese Einstellung nicht, weshalb dies auf die umfangreiche Todo-Liste bei jedem Fahrtantritt hinzukommt. Unsere italienischen Kollegen haben das Ganze mal ausführlich ermittelt.
Weniger erfreulich fällt die Verbrauchs-Bilanz bei höherem Autobahntempo aus. Ab 130 km/h wird es deutlich zweistellig. Angesichts von Größe und Gewicht nicht völlig überraschend, einige moderne Hybridantriebe können das allerdings besser. Mit seinem 60 Liter großen Benzintank und der üppigen Batterie bietet der Lynk & Co dennoch eine beeindruckende Gesamtreichweite. Mehr als 1.000 Kilometer zwischen zwei Tank- beziehungsweise Ladestopps sind unter günstigen Bedingungen vorstellbar.
Unser Testwagen in der Ausstattungslinie More kostet 59.995 Euro, die einfachere Core-Version beginnt bei 55.995 Euro. Dafür gibt es unter anderem Matrix-LED-Scheinwerfer, Panoramadach, Harman-Kardon-Anlage, Massagesitze und zahlreiche Assistenzsysteme.
Allerdings fehlen einige Ausstattungsmerkmale, die man bei einem fast 60.000 Euro teuren SUV erwarten könnte. Dazu gehören ein Head-up-Display, ein automatischer Einparkassistent und die sensorgesteuerte Heckklappe. Laut Ausstattungsliste besitzt die More-Version außerdem beheizbare Rücksitze und eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, beide Funktionen ließen sich in unserem Testwagen allerdings nicht auffinden.
Und die Konkurrenz? Der BYD Seal U DM-i startet bei 44.990 Euro, der etwas kompaktere MG HS Plug-in-Hybrid bei 39.990 Euro. Noch günstiger ist der ebenfalls kleinere Jaecoo 7 SHS ab 36.900 Euro. Auch die europäische und japanische Konkurrenz hat interessante Alternativen zu bieten. Der 272 PS starke Cupra Terramar VZ e-Hybrid beginnt bei 57.530 Euro, während Mazda für den CX-60 Plug-in-Hybrid mit 327 PS und Allradantrieb mindestens 50.950 Euro verlangt. Deutlich günstiger ist der Opel Grandland Plug-in-Hybrid mit 225 PS ab 43.950 Euro.
Fazit
Der Lynk & Co 08 hat auch nach zwei Wochen Alltagstest nichts von seiner Faszination verloren. Er sieht ungewöhnlich aus, bietet viel Luxus und Platz und verbindet eine beeindruckende elektrische Reichweite mit einem kultivierten Hybridantrieb. Allerdings zeigt sich heute deutlicher, wo noch Nachholbedarf besteht. Bedienung, Fahrwerksabstimmung und Antriebsharmonie sind nicht überall auf dem Niveau der inzwischen erheblich stärkeren Konkurrenz.
Der 08 bleibt ein sympathischer Individualist mit europäischem Einfluss, für knapp 60.000 Euro dürfte die Feinabstimmung allerdings gerne noch etwas ausgereifter sein. Dann könnten auch die bislang überschaubaren Verkaufszahlen in Deutschland steigen.
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