Über 50.000 Menschen wollen offenbar Jaguars radikales E-Auto
Etwa 80 Prozent der Interessenten haben noch nie ein Auto der britischen Marke besessen
Der Type 01 und seine Optik haben für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Jaguars umstrittene Neuausrichtung zieht aber bereits die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden auf sich. Und die meisten von ihnen haben bislang noch nie einen Jaguar besessen.
Weltweit haben mehr als 50.000 Menschen ihr Interesse am elektrischen Neustart der Marke registriert, rund vier von fünf kommen dabei von außerhalb der bisherigen Stammkundschaft. Im Gespräch mit dem australischen Magazin Drive äußerte sich Jaguar-Geschäftsführer Rawdon Glover zu den ersten Reaktionen:
"Mehr als 50.000 Menschen haben uns gesagt, dass sie sehr interessiert daran sind, was wir tun. Wir nennen das KMIs – keep me informed –, also halten wir regelmäßig Kontakt zu ihnen. Und das Interessante an diesen Personen ist, dass rund 80 Prozent von ihnen neu für die Marke sind."
Bildergalerie: Jaguar Type 01 (2026) Serienversion
Die Zahlen deuten darauf hin, dass Jaguars radikaler Kurswechsel genau das bewirken könnte, was das Unternehmen beabsichtigt. Nachdem die gesamte Modellpalette eingestellt wurde, um konsequent (und nicht ohne Risiko) in eine rein elektrische Zukunft zu gehen, zielt die zu Tata Motors gehörende britische Marke auf eine andere Art von Luxuskäufer ab, statt lediglich treue Kunden vom Umstieg auf Elektroautos überzeugen zu wollen.
Type 01 soll den neuen Jaguar-Kurs anführen
Das neue Kapitel beginnt mit dem Type 01, einem sehr auffälligen viertürigen Elektro-GT, der Jaguars Wiederbelebung anführen soll. Das Anfang des Monats als Serienmodell vorgestellte Flaggschiff markiert sowohl beim Design als auch bei der Positionierung einen deutlichen Bruch mit jenen Autos, auf denen der Ruf der Marke aufgebaut wurde.
2027 Jaguar Type 01
Jaguar tut nicht so, als würde die neue Richtung jedem gefallen. Im Gegenteil: Das Unternehmen scheint damit leben zu können, dass die nächste Fahrzeuggeneration polarisiert. Ziel ist es nicht, jeden Kritiker zu überzeugen, sondern Fahrzeuge zu entwickeln, die bei einer exklusiveren Zielgruppe besonders stark ankommen.
Glover hat deutlich gemacht, dass die Marke Käufer ansprechen muss, die frühere Modelle gar nicht erst in Betracht gezogen hätten. Die neue Kundschaft soll jünger, wohlhabender und stärker an Design, Technologie und Individualität interessiert sein.
2027 Jaguar Type 01
Die meisten bisherigen Jaguar-Käufer dürften nicht zurückkehren
Im vergangenen Jahr schätzte Glover, dass bis zu 85 Prozent der aktuellen Käufer sich anderweitig umsehen würden, sobald die Marke auf eine Palette teurer Elektrofahrzeuge umstellt. Statt jeden bisherigen Kunden halten zu wollen, will Jaguar mit einem exklusiveren, designorientierten Luxusansatz eine wohlhabendere Klientel gewinnen.
Diese Strategie ist ein Wagnis, zumal sich die Marke sehr deutlich von ihrer traditionellen Identität entfernt. Dennoch ist Jaguar überzeugt, eine neue Kundenbasis zu brauchen, um wirtschaftlich tragfähig zu werden. Der elektrische GT wird der erste große Test dafür sein, ob diese Wette aufgeht.
Jaguar Type 01 (2026) Serienversion
Das bedeutet nicht, dass Jaguar bestehenden Besitzern den Rücken kehren will. Das Unternehmen erkennt jedoch an, dass die neue Positionierung einen erheblichen Zustrom neuer Kunden erfordert – insbesondere, da man sich vom Wettbewerb im klassischen Premiumsegment entfernt und stärker in Richtung eines exklusiveren Luxusmarktes geht.
Die mehr als 50.000 Interessenbekundungen sind ein ermutigendes frühes Signal, auch wenn Online-Interesse noch weit von der Bestellung eines teuren Elektroautos entfernt ist. Dass die meisten Interessenten neu für die Marke sind, gibt Jaguar dennoch Anlass zu der Annahme, dass die Strategie über die etablierte Fangemeinde hinaus Aufmerksamkeit erzeugt.
Am Ende zählt der Verkaufserfolg
Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Neugier in tatsächliche Verkäufe umzuwandeln. Da der Type 01 voraussichtlich in einem deutlich teureren Marktbereich antreten wird als eingestellte Modelle wie XE, XF oder sogar XJ, braucht Jaguar Kunden, die bereit sind, für die neue Interpretation britischen Luxus einen erheblichen Aufpreis zu zahlen. Die Marke orientiert sich nun eher an Herstellern wie Bentley als am deutschen Dreigestirn aus BMW, Mercedes und Audi.
Trotz Gerüchten über eine mögliche Rückkehr zum Verbrennungsmotor hat Jaguar keine Pläne, von seiner reinen Elektrostrategie abzurücken – ungeachtet der Risiken, Verbrenner und Plug-in-Hybride vollständig aufzugeben. Das Unternehmen hält daran fest, sich als vollelektrische Luxusmarke neu zu erfinden, statt mit einem Bein in der Vergangenheit zu bleiben, um Kunden zufriedenzustellen, die noch nicht zum Umstieg bereit sind.
Eine Rückkehr von Verbrennern oder PHEVs würde diese Positionierung untergraben. Deshalb setzt Jaguar alles auf den neuen Kurs. Ob sich diese Wette auszahlt, bleibt abzuwarten – doch man sollte nicht erwarten, dass die springende Raubkatze in absehbarer Zeit in vertrautes Terrain zurückkehrt.
Angesichts der starken Interessenbekundungen sagt Glover, das Feedback habe "ihre Entscheidung bestätigt", sich auf der Luxusleiter weiter nach oben zu bewegen. Am Ende des Tages zählt jedoch vor allem, wie viele Menschen tatsächlich bereit sind, ihre Unterschrift unter einen Kaufvertrag zu setzen.
Quelle: Drive
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