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Aufbruch oder endgültiges Aus? Das ist die Serienversion des Jaguar Type 01

Das Shitstorm-Auto kommt quasi unverändert auf den Markt. Das ist mindestens mutig. Oder liegen wir alle falsch?

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion
Bild von: Jaguar
Stefan Wagner Stefan Wagner

Alles auf Null. Das alte, sexy, immer leicht verrucht-aufregende Jaguar ist Geschichte. Die neue Raubkatze ist androgyn, technoid, maximal kontrovers - und sie verzichtet sogar auf sich selbst im Logo. Ein simpler Schriftzug muss es fortan richten. Selten wurde im Vorfeld so viel über ein Auto diskutiert, geschimpft, politisiert. Jetzt ist die Serienversion des Jaguar Type 01 da und es wird nicht leiser werden, wetten?

Eins vorneweg: Das bisherige Jaguar hat offensichtlich nicht funktioniert. Da können die Traditionalisten und Fans (zu denen ich mich auch zählen würde) maulen, wie sie wollen. Hätte man mit dem wunderbaren XJ, feinen Sportlimousinen wie XE und XF oder Sexbomben wie dem F-Type genügend Geld gemacht, bräuchten wir nicht über woke-lächerliche Werbefilmchen und einen elektrischen 5-Meter-Klotz ohne Heckscheibe streiten.

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Bild von: Jaguar

Ich will ehrlich sein: Mir fehlt die Fantasie, um zu erkennen, wer dieses Auto kaufen soll. Allerdings dachte ich das beim Ferrari Luce auch und kurz nach dessen Vorstellungsmassakrierung im Netz kommt heraus, dass er sich - wohl vor allem in China - blendend verkauft.

Ob das Jaguar mit seinem radikalen Neuanfang auch gelingen kann, muss sich zeigen. Die Briten nennen ihren (für viele Freunde der Marke doch ein wenig seelenlosen) Wagen eine "Copy of nothing" und einen "luxuriösen viertürigen GT wie kein anderer".

Abmessungen/Design

Obwohl, oder gerade weil, die Eleganz vergangener Jaguar-Kreationen hier komplett fehlt, wird der Type 01 extrem auffallen. Allein schon aufgrund der Ausmaße. Gut 5,20 Meter Länge und über zwei Meter Breite lassen sich schwer übersehen. Was man dem Design-Team lassen muss - egal, wo man die Studie in den letzten Monaten präsentierte, sammelten sich wahre Menschenmassen an. Und auch hier Respekt für die Leistung: Die Serienversion ist der selbst für Concept Cars ungewöhnlich überdrehten Studie wie aus dem Gesicht geschnitten. Links sehen sie das Konzept, rechts das fertige Auto.

Jaguar Type 00
Bilder von: Jaguar
Jaguar Type 01 (2026) Serienversion
Bilder von: Jaguar

Das beinhaltet auch einen für ein E-Auto so wichtigen, guten cW-Wert von 0,23. Jaguar nennt hier exemplarisch aktive Luftklappen, einen dreistufig ausfahrbaren Spoiler sowie eine optimierte Luftführung. Eher ungewöhnlich für einen Stromer ist die ellenlange Motorhaube. Der Type 01 steht auf 23-Zöllern, hat zudem digitale LED-Scheinwerfer, die 84 mm hoch und damit die schmalsten sind, die je in einem Jag Platz fanden. Pro Scheinwerfer sind 20.000 LEDs verbaut.

Bildergalerie: Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Auffällig ist das große Panorama-Glasdach, das sich auf Knopfdruck dimmen lassen wird. Ladeklappen gibt es an beiden Seiten des Autos. An die beiden Tanks eines klassischen Jaguar XJ hat man dabei wohl eher nicht gedacht.

Antrieb

Technisch gesehen kann man dem Auto natürlich wenig vorwerfen. Mehr als 360 Patentanmeldungen machen es "zum technisch fortschrittlichsten Jaguar, der je entwickelt wurde". Die brutale technische Rafinesse im Antriebsbereich eines Mercedes-AMG GT 4-Türers scheint jedoch zu fehlen.

Unter anderem dank einer Gewichtsverteilung von 50:50 und sehr versierten Menschen, die an der Abstimmung des adaptiven Luftfahrwerks mit Zweiventil-Dämpfern gearbeitet haben, soll der Type 01 fahren, wie man das von einem Jag gewohnt ist. Liest man erste Tests von Kollegen, die das Auto im Prototypen-Stadium bereits fahren konnten, ist das wohl äußerst gut gelungen.

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Bild von: Jaguar

Auch an Schub dürfte es dem monolithischen Neubeginn nicht mangeln. Drei Elektromotoren - eine 250-kW-Maschine an der Vorderachse und zwei 310-kW-Motoren an der Hinterachse - bringen es auf bis zu 1.030 PS und 1.365 Nm Drehmoment. Jaguar nennt eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 3,2 Sekunden. Der Wendekreis des riesigen GT liegt bei 11,5 Meter, woran auch die Allradlenkung ihren Anteil hat.

Nun wissen wir: die Batteriegröße beträgt 118 kWh. Dank 850-Volt-Architektur lädt das Auto mit bis zu 350 kW und soll in 13 Minuten bis zu 322 Kilometer Reichweite nachladen können. Der Hersteller nennt fürs Laden von 10 auf 80 Prozent einen Zeitraum von rund 22 Minuten. Maximale Reichweite: 724 Kilometer.

Innenraum

Hat der klassische Jaguar-Enthusiast bereits beim Exterieur des Type 01 arge Bauchschmerzen, wird das beim Blick ins Innere kaum besser werden. Was man hier sieht, ist nicht besonders viel. Es ist ein zweifelhafter Spleen vieler aktueller Designer, Kabinen derart zu reduzieren, dass von Wohnlichkeit kaum noch eine Rede sein kann. Bugatti-Chef Mate Rimac hat zu diesem Thema eine ziemlich treffende Meinung, wie wir finden.

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

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Bilder von: Jaguar
Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

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Bilder von: Jaguar
Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Jaguar Type 01 (2026) Serienversion

Bild von: Jaguar

Jaguar sieht im Type 01-Interieur eine Aufteilung in vier individuelle Bereiche - mit einer durchgehenden Mittelkonsole, die auch als Armlehne dient und ladende Smartphones unterbingt. Wir sehen obendrein ein riesiges 24-Zoll-OLED-Display und darunter einen weiteren 7-Zoll-Touchscreen.

Einen klassischen Rückspiegel gibt es nicht (würde mangels Heckscheibe auch eher wenig nützen), dafür hält ein Rückspiegel-Display Einzug, das in die sogenannte Panoramic Soundbar unter der Windschutzscheibe integriert ist und mit einer 3D-Surround-Kamera zusammenarbeitet. Das Sound-System hat man auch in die Sitze integriert.

Das Kofferraumvolumen beträgt 450 Liter - etwas mehr als bei vergleichbaren GTs wie dem bereits angesprochenen AMG.

Marktstart/Preise 

Klar war bereits: Der Type 01 wird deutlich teurer sein als bisherige Jaguars. Das neue Credo des Autobauers ist ganz klar Marge vor Stückzahl. Der Einstiegspreis liegt wohl bei 165.000 Euro. Der Marktstart erfolgt Anfang 2027.

Ob die Harakiri-Strategie der Briten aufgeht, wird sich zeigen. Gelingt es, mit dem sehr ungewöhnlichen, maximal kontroversen Style und einer starken Kampagne einen Hype in einer ganz neuen Zielgruppe zu kreieren, könnte das gewagte Experiment gelingen. Womöglich erleben wir jedoch auch einen der größten Flops der jüngeren Automobilgeschichte. Spannend wird es auf jeden Fall.