VW Cross Caddy im Test

Ein Nutzfahrzeug im Offroad-Look? Das klingt im ersten Moment zumindest fragwürdig. Doch die Zeiten, als der VW Caddy ausschließlich als Lastesel für Hand- und Heimwerker diente, sind längst vorbei. In der Pkw-Ausführung kommt der Hochdachkombi mittlerweile bei Familien oder Freizeitsportlern ebenso gut an und ist hierzulande Marktführer in seinem Segment. Mit dem Cross Caddy kommt jetzt eine zusätzliche Modellvariante auf den Markt, die durchaus sinnvoll erscheint.

Cross-bewährte Zutaten
Praktisch, robust, geräumig – aber auch ein bisschen langweilig: Diese Attribute zeichnen den herkömmlichen Caddy aus. Es ist deshalb keine schlechte Idee, der Allzweckwaffe ein paar Anleihen an die beliebte Gattung der SUVs zu verpassen. Den sportlicheren Auftritt gewährleisten die bewährten Zutaten der drei Geschwister Cross Polo, Cross Golf und Cross Touran: robuste Kunststoffbeplankungen für die Radhäuser, die Seitenschweller und die Unterkanten der Stoßfänger. Hinzu kommen 17-Zoll-Aluräder und – jeweils in Silber ausgeführt – ein Unterfahrschutz, Seitenschutzleisten und eine Dachreling. Exklusiv dem Cross Caddy vorbehalten ist die vom Scirocco bekannte Lackierung ,Viperngrün". Sie fällt mit 595 Euro aber 60 Euro teurer aus als alle anderen Metallicfarben. Abgedunkelte Rückleuchten und getönte hintere Fensterscheiben sind weitere Erkennungsmerkmale.

Aufgehübschter Innenraum
Schicker geworden ist im Vergleich zum normalen Caddy auch der Innenraum. Die ansonsten doch sehr nüchtern und zweckmäßig eingerichtete Kabine ist beim Cross-Modell durch zweifarbige Sitzbezüge, farblich abgesetzte Türinnenverkleidungen sowie Lederapplikationen mit grauen Ziernähten aufgepeppt. Auf Softtouch-Oberflächen an der Armaturentafel wird aber weiterhin verzichtet, es dominiert Hartplastik. Ganz verleugnen lässt sich die Nutzfahrzeug-Herkunft also nicht. Und während ein Tempomat und eine Sitzheizung für vorne serienmäßig dabei sind, kostet eine Klimaanlage stolze 1.400 Euro Aufpreis. Abgesehen davon punktet die Cross-Ausführung wie jeder Caddy mit seinem sehr großzügigen Platzangebot und seiner hohen Variabilität. In der zweiten Sitzreihe lassen sich die Rücklehnen und anschließend die komplette Rückbank zweigeteilt nach vorne klappen. Mit zwei einfachen Handgriffen kann sie auch vollständig ausgebaut werden. So verwandelt sich der fünfsitzige Familienvan in einen zweisitzigen Kleintransporter, der bis unters Dach beladen bis zu 3.030 Liter Gepäck fasst. Der Zugang zum Fond wird über zwei Schiebetüren gewährleistet. Das hohe Dach ermöglicht selbst großen Personen auf allen Plätzen immer aufrechtes und entspanntes Sitzen. Auch an der Beinfreiheit gibt es nichts zu meckern. Optional ist eine dritte Sitzreihe erhältlich.

Souveräner 140-PS-Diesel
Für den Antrieb stehen zwei Benziner und fünf Diesel mit einem Leistungsspektrum von 75 bis 170 PS zur Verfügung. Auch eine Erdgas- und eine Autogas-Variante sind erhältlich. Sehr souverän ist der Cross Caddy mit dem mittleren der drei 2.0 TDI unterwegs. 140 PS und 320 Newtonmeter sorgen stets für guten Vorwärtsdrang und erwiesen sich während unserer Testfahrten in den französischen Alpen als absolut ausreichend. Angenehm überrascht waren wir von der guten Dämmung, denn in anderen Modellen des Konzerns präsentiert sich der Vierzylinder-Turbodiesel deutlich lauter und dröhnender. Statt dem tadellos funktionierenden Sechsgang-Schaltgetriebe kann für 2.000 Euro ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe geordert werden. Es arbeitet sanft und zügig, hält manchmal jedoch die Gänge zu lange im hohen Drehzahlbereich. In der BlueMotion-Technology-Ausführung (umfasst Spritsparmaßnahmen wie ein Start-Stopp-System) soll ein Durchschnittsverbrauch von 5,9 Liter möglich sein.

Auf Wunsch mit Allradantrieb
Als einziges Cross-Modell ist der Caddy auch mit Allradantrieb zu haben – in Kombination mit dem 110-PS- und dem 140-PS-Diesel. Zum reinrassigen Offroader mutiert der Hochdachkombi damit zwar nicht, matschige Feldwege oder verschneite Straßen sollten aber zu meistern sein. Unverändert bleibt das Fahrwerk: Der Cross Caddy bietet im Vergleich zu seinen Geschwistern weder mehr Bodenfreiheit noch Abweichungen beim Komfort. Der ist vor allem hinten, wo eine Starrachse mit Blattfedern verbaut ist, nur bedingt gegeben. Schlechte Straßen mit vielen Unebenheiten sollte man Kindern im Fond deshalb nicht allzu lange zumuten. Die gut ausgebauten Autobahnen in Frankreich stellten bezüglich des Abrollkomforts hingegen keine Probleme dar. Die elektrohydraulische Lenkung indes könnte etwas direkter agieren.

Preislich zwischen Trendline und Comfortline
Der VW Cross Caddy kommt Mitte Juni 2013 zu den Händlern, ausschließlich in der 4,43 Meter langen Kurzversion. Los geht's bei 22.360 Euro für den 1.2 TSI mit 86 PS. Preislich rangiert die Cross-Variante damit zwischen den Ausstattungslinien Trendline und Comfortline. Der von uns gefahrene 2.0 TDI BlueMotion Technology mit DSG startet bei 31.130 Euro. Mit ein paar Extras wie Klimaautomatik, Xenonscheinwerfern und dem großen Navi geht es dann aber schnell in Richtung 40.000-Euro-Marke. Als preiswertes Raumwunder geht der Cross Caddy damit nicht mehr durch.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Wie bei den drei schon erhältlichen Cross-Modellen gilt auch für den VW Cross Caddy: Wichtiger als wirkliche Offroad-Fähigkeiten ist ein stylischer Auftritt. Damit dürfte der Geschmack der Kunden getroffen werden, die nicht nur ein praktisches, vielseitiges Auto haben wollen, sondern eines, das auch gut aussieht. Mit angemessener Motorisierung und ein paar Extras ist der Cross Caddy kein Schnäppchen mehr, kostet aber immer noch rund 2.000 Euro weniger als der Cross Touran.

    + deutlich aufgewertete Optik, erweiterte Serienausstattung, sehr viel Stauraum, hohe Variabilität

    – rumpelige Starrachse hinten, indirekte Lenkung, Klimaanlage kostet extra

  • Antrieb
    85%
  • Fahrwerk
    75%
  • Karosserie
    90%
  • Kosten
    80%

Preisliste


VW Cross Caddy 2.0 TDI BlueMotion Technology

Grundpreis: 29.131 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage 1.404
Klimaautomatik 1.690
Bildschirmnavigation ab 744
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung ab 535
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Tempomat Serie
Xenonlicht 1.404
Kurvenlicht Serie bei Xenonlicht
Nebelscheinwerfer Serie
Anhängevorrichtung ab 583
Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe 2.000
Schiebetüren auf beiden Seiten Serie
getönte Fensterscheiben hinten Serie
Bergabfahrassistent Serie
Sitzheizung vorn Serie
Start-Stopp-System Serie
Einparkhilfe hinten 393
Einparkassistent 726
Multifunktionslenkrad 298
dritte Sitzreihe 625

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbodiesel 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.968 
Leistung in PS 140 
Leistung in kW 103 
bei U/min 1.750 bis 2.500 
Drehmoment in Nm 320 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.428 
Breite in mm 1.794 
Höhe in mm 1.856 
Leergewicht in kg 1.561 
Zuladung in kg 719 
Kofferraumvolumen in Liter 750 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 3.030 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 186 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,6 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,5 
CO2-Emission in g/km 155 
Schadstoffklasse Euro 5 

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