Abarth 695 Tributo Ferrari: Der 180-PS-Kleinstwagen

Fernando Alonso besitzt einen, Felipe Massa besitzt einen und wir haben jetzt einen getestet. Gemeint ist der Abarth 695 Tributo Ferrari, eine italienische Power-Kugel auf Abarth-500-Basis mit der sagenhaften Kraft von 180 PS. Der 3,66 Meter lange Skorpion-Hengst entspringt der Zusammenarbeit zwischen der Fiat-Tochter Abarth und Ferrari, die Ziffernfolge ,695" im Modellnamen ist eine Reminiszenz an die Abarth-Rennwagen der 1960er Jahre. Damals galt der Abarth 695 Super Sport in seiner Hubraumklasse als ein nur schwer schlagbarer Gegner.

Bullige Schürzen und vier Endrohre
Bereits durch seine feurige Speziallackierung namens ,Rosso Corsa" ist unser Testwagen ebenso wenig zu übersehen wie ein richtiger Ferrari im Kleinstadtverkehr. Alternativ sind ein Gelb namens ,Giallo Modena", ein tiefes Blau mit der Bezeichnung ,Abu Dhabi Blue" und ein ,Grigio Titanio" genanntes Grau bestellbar, aber Rot passt nun mal am besten zu einem Sportboliden. Das sehen die Käufer des Abarth 695 Tributo Ferrari ganz genauso, denn von der auf 1.695 Autos limitierten Auflage wurden 1.199 in Rot ausgeliefert. Die bulligen Schürzen an Front und Heck stammen vom Abarth 500 und wurden nicht geändert. Dafür sind die wabenvergitterten Lufteinlässe vorn in Grau gefasst, die Außenspiegelkappen bestehen aus Karbon und das Diffusor-Schürzenunterteil ist dunkel gehalten. Eine Plakette am hinteren Kotflügel gibt den Wagen als ,695" zu erkennen. Noch bemerkenswerter sind die Endrohre der Abgasanlage, von denen je zwei von rechts und links grüßen. Das ist ungewöhnlich für einen Kleinstwagen.

Karbon, Leder und zupackende Sitze
Der Innenraum ist vollgepackt mit allem, was das Regal für sportliches Zubehör hergibt. Eine Besonderheit sind die Sport-Schalensitze ,Abarth by Sabelt", die Fahrer und Beifahrer nahezu einsaugen und mehr als ausreichenden Halt geben. Allerdings sitzt man hoch, sodass das Sportwagengefühl zumindest in diesem Punkt merklich leidet. Wohin der Blick auch fällt, meist trifft er auf Karbon. Das Kohlefaser-Material wurde an Armaturentafel, Mittelkonsole und den Rückenteilen der Sitze großzügig eingesetzt. Ein Hingucker ist auch das Blendschutzdach über dem großen Zentralinstrument, das mit rot vernähtem Leder bezogen ist. Schaltwipppen hinter dem Lenkrad und eine Ladedruckanzeige verraten, dass der Ausritt mit dem Kurzen wohl mächtig viel Spaß macht.

1,4-Liter-Turbo mit 180 PS
Als starkes Herz wurde dem Sondermodell ein 1,4-Liter-Vierzylinder eingepflanzt. Der Turbo-Otto stammt aus dem 135 PS starken Abarth 500, powert aber im Tributo Ferrari mit den erwähnten 180 PS. Dank der ,Record-Monza"-Sportabgasanlage hört man schon nach dem Starten, dass mangelndes Selbstbewusstsein wohl kein Kritikpunkt sein wird. Brummig und dezent brabbelnd wartet die Maschine im Leerlauf auf ihren Einsatz. Los gehts, indem man auf einer Platte anstelle des Schalthebels einen Knopf drückt und damit das Vorwärtsprogramm des automatisierten Fünfgang-Schaltgetriebes aktiviert. Mit kernig-bassigem Sound aus Richtung Auspuff dreht die Maschine hoch und zieht den Kurzen vehement nach vorn. ,Ankommen!" heißt die Devise und das in möglichst kurzer Zeit. Vollgas-Sprints vermitteln ein herrliches Gefühl, weil der Abarth heftig abzischt. Dabei kann man mit den Fingern der rechten Hand die Gänge zack-zack am Lenkradpaddle hochschalten, aus Richtung Auspuff wird dieses Tun mit einem kräftigen Knall quittiert. Im Automatikmodus erledigt das Getriebe leider etwas träge und mit einer Gedenksekunde seine Arbeit.

Zwischengas beim Runterschalten
Beim Runterschalten wird automatisch Zwischengas gegeben, begleitet von einem freudigen Aufheulen des Motors. Kurven nimmt der Kleine dank tiefer gelegtem Koni-Sportfahrwerk rasend schnell. Der Unterbau ist richtig hart abgestimmt, Querrillen schlagen gekonnt durch, der Komfort bleibt dabei allerdings fühlbar auf der Strecke. Am Lenkrad mit dickem Kranz lässt sich der rasante Italiener zielsicher dirigieren, dennoch dürfte die Steuerung gern weniger leichtgängig sein. Kein Kompromisse gibt es bei den Stoppern: Die Brembo-Anlage krallt sich im Notfall regelrecht in den Asphalt. In puncto Preis und Verfügbarkeit steht der Tributo Ferrari seinem großen Vorbild in nichts nach: Alle Exemplare wurden laut Abarth-Sprecher Florian Büngener trotz des mehr als saftigen Komplett-Preises von 42.007 Euro verkauft, davon 140 nach Deutschland. Ein Händler aus München hat sich jedoch die allerletzten 25 Fahrzeuge gesichert – davon waren zum Redaktionsschluss noch 17 verfügbar.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Der 695 Tributo Ferrari zeigt eindrucksvoll, was Fiat-Ingenieure können, wenn sie aus dem Vollen schöpfen dürfen. Zupackende Sitze, ein straffes Fahrwerk und ein starker Motor verwandeln den Kleinstwagen in einen bissigen Boliden. Zum brachialen Vortrieb passt der bassig-kernige Sound. Auch der mit Karbon und Leder schick gemachte Innenraum weckt die Lust auf den Power-Zwerg, leider schmälert die hohe Sitzposition das Sportwagenfeeling. Aber weder das, noch der exorbitant hohe Preis haben die wahren Fans abgeschreckt, das Auflagen-Limit fast komplett leerzukaufen.

  • Antrieb
    80%
    starker Vortrieb
    Getriebe im Automatikmodus zu träge
  • Fahrwerk
    85%
    perfekt für die Kurvenhatz
    wenig Restkomfort
  • Karosserie
    90%
    zupackende Sitze
    Sitzposition zu hoch
  • Kosten
    70%
    Ausstattung komplett
    sehr hoher Anschaffungspreis

Preisliste


Abarth 695 Tributo Ferrari

Grundpreis: 42.007 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung Serie
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
elektronische Differenzialsperre Serie
USB-Anschluss Serie
Auspuff "Record Monza" Serie
Koni-Fahrwerk Serie
Leder-Sportsitze "Abarth Corse by Sabelt" Serie
Jaeger-Instrumente Serie
Karbon-Spiegelgehäuse Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.368 
Leistung in PS 180 
Leistung in kW 132 
bei U/min 3.300 
Drehmoment in Nm 230 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe automatisiertes Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.413 
Spurweite hinten in mm 1.407 
Radaufhängung vorn McPherson-Federbeine mit Stabilisator 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse mit Stabilisator 
Bremsen vorn 284-mm-Scheiben, innenbelüftet und gelocht. Vierkolben-Sättel von Brembo 
Bremsen hinten 240-mm-Scheiben, gelocht. Zweikolben-Sättel 
Wendekreis in m 9,5 
Räder, Reifen vorn 205/40 R17 
Räder, Reifen hinten 205/40 R17 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.657 
Breite in mm 1.627 
Höhe in mm 1.488 
Radstand in mm 2.300 
Leergewicht in kg 1.145 
Zuladung in kg 315 
Kofferraumvolumen in Liter 185 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 610 
Dachlast in kg 50 
Tankinhalt in Liter 40 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 225 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden unter 7,0 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,4 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,4 
CO2-Emission in g/km 151 
Schadstoffklasse Euro 5 

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