Liebesgrüße aus Amerika: Der neue BMW X6 im Test

Er ist eine Kampfansage an alle Kleinwagenfahrer. Für Umweltapostel und Gutmenschen wurde er zum Sinnbild des automobilen Öko-Schweins und protzigen Größenwahns. Und gleichzeitig ist er unglaublich erfolgreich: Die Rede ist vom BMW X6. Über 250.000 Exemplare wurden seit 2008 weltweit verkauft. Nun bringen die Bayern den extravaganten Bruder des X5 in zweiter Generation auf den Markt.

Die zweite Heimat
Der amerikanische Geburtsort des BMW X6 ist nicht ohne Bedacht gewählt: In Spartanburg (South Carolina) werden alle SUVs der Marke vom X3 aufwärts gebaut, ein richtig fetter X7 für den US-Markt ist bereits fest eingeplant. Womit wir beim Thema wären: Besonders bei den Chinesen ist der X6 heiß begehrt, erst danach folgen Amis und Europäer, getreu dem alten 911-Werbeslogan: Keiner braucht ihn, jeder will ihn. Sehr verwunderlich ist diese Reihenfolge nicht: Zum einen zeigt man mit dem X6 sehr offensiv, was man hat, zum anderen polarisieren Form und Abmessungen noch immer.

Schlankere Optik
Dabei hat sich BMW bei der Neuauflage alle Mühe gegeben, um das Dickschiff zu entschärfen. Während die Frontpartie jetzt durch einen massiven Grill und große Lufteinlässe betont wird, wurde beim Hinterteil einiges an Fett abgesaugt. Tatsächlich wirkt der künftige X6 in hellen Farben nicht mehr so wuchtig wie bislang, obwohl die Abmessungen leicht zugelegt haben. Die Länge wächst um drei Zentimeter auf 4,91 Meter, in der Breite und Höhe gibt es je einen Zentimeter dazu. Selbst auf US-Straßen bleibt dem X6 damit aber nicht mehr viel Platz in der Spur übrig.

Praktisch ist woanders
Im Innenraum sorgt die (je nach Sichtweise) eigen- oder einzigartige Form für nicht allzu üppige Verhältnisse. Eine erste Überraschung ist die ziemlich schmale Türöffnung zum Fond. Auf den hinteren Plätzen wird es ab 1,90 Meter Körpergröße über dem Scheitel bedenklich eng. Dafür sorgt die fließheckähnliche Kofferraumklappe. Ins Heck des BMW X6 passen ordentliche 580 bis 1.525 Liter Gepäck. Die Sicht nach hinten ist nach wie vor bescheiden. Oder um es wohlwollend zu formulieren: Besser als bei einer Mercedes A-Klasse. Trotzdem sind die 450 Euro Aufpreis für eine Rückfahrkamera unbedingt Pflicht.

Breite Palette
Für meine Testfahrt greife ich mir den X6 M50d. Er ist mit 381 PS der stärkste Diesel im Angebot. Deutlich darunter rangiert der X6 xDrive30d mit 258 PS, ab Frühjahr 2015 kommt ein 40d mit 313 PS hinzu. Zeitgleich ergänzt der X6 xDrive35i mit 306 PS das Benziner-Programm um den 50i mit 450 PS. Wer noch mehr auf den Putz hauen will, muss sich gedulden: Im Laufe des Jahres 2015 folgt der X6 M. Doch schon der X6 M50d wirkt äußerlich wie Bud Spencer im Trainingsanzug am Start des olympischen 100-Meter-Laufs. Durchaus sehnig spannt sich die sportliche Hülle über den massigen Körper.

Dicker Dynamiker
Ähnlich brummelig wie Bud nach einem Salatbüffet nimmt der Dreiliter-Sechszylinder-Diesel seine Arbeit auf. Aber erst beim beherzten Tritt aufs Gaspedal bekomme ich die berühmte Doppel-Schelle verpasst. Oder genauer gesagt, die Dreifach-Schelle, denn insgesamt drei Turbolader treiben die Maschine auf 740 Newtonmeter maximales Drehmoment. Im Gegensatz zu manch gepflegter Buddy-Klopperei klingelt es aber mit Verzögerung, erst zwischen 2.000 und 3.000 Touren bleibt kein Auge trocken.

Trumm-Trab
Nun werden Sie vielleicht sagen: Mit fast 400 PS ist es ja auch keine große Kunst, dieses 2,2-Tonnen-Trumm auf Trab zu bringen. Stimmt. Trotzdem beeindrucken die fahrdynamischen Qualitäten des ,Bombers", um bei Bud Spencer zu bleiben. Mit nur geringer Wankneigung durcheilt der X6 die Kurven, in denen er naturgemäß früher als ein M3 zum äußeren Rand drängt. Speziell im einstellbaren Sport-Modus gibt die Lenkung eine präzise Rückmeldung, während die Federung trotz der bei uns montierten 20-Zöller nicht unkomfortabel wirkt. Auf Dauer störend ist nur der durch höhere Drehzahlen verursachte kernige Sound, dessen V8-Imitation recht schnell nervt. Falls Sie übrigens etwas für ihren örtlichen Reifenhändler tun wollen: Der X6 lässt sich sogar zum gepflegten Drift überreden. Wirkt von außen wie Bud Spencer beim Eiskunstlauf.

Gang ins Gelände
Sofern der Weg zur Jagdhütte des X6-Eigentümers einmal von Wasser umspült wird: Kein Problem, immerhin 50 Zentimeter Wattiefe und eine Bodenfreiheit von 21 Zentimeter hauchen dem Fullsize-BMW etwas Geländegängigkeit ein, Allrad natürlich inklusive.

Mehr für mehr
,Inklusive" liefert ein gutes Stichwort für die Preisgestaltung des neuen X6. BMW verweist stolz darauf, dass die Serienausstattung erweitert wurde. Los geht es ab dem 6. Dezember 2014 bei 65.650 Euro für den X6 xDrive30d, der von uns getestete M50d steht mit 87.300 Euro in der Liste. Damit liegt er rund 2.000 Euro über dem gleich motorisierten X5. Im Preis inbegriffen sind bei allen X6 eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Sitzheizung vorne, 19-Zoll-Alus, ein Tempomat mit Bremsfunktion, ein Spurverlassenswarner und Xenon-Scheinwerfer. Beim M50d kommen noch ein adaptives Fahrwerk, Sportsitze und ein M-Lenkrad mit Schaltwippen hinzu.

Das Imperium schlägt zurück
Die obligatorische Frage nach der Konkurrenz ist beim X6 relativ schwer zu beantworten. Noch ist er nämlich ein ziemlich einzigartiges Konzept. Halbwegs vergleichbar ist der Range Rover Sport, der mit 339 PS starkem Diesel 85.310 Euro kostet. Doch im nächsten Jahr bekommt BMW-Buddy eine harte Nuss vom schwäbischen Erzrivalen vorgesetzt: 2015 startet die Serienversion des Mercedes ,Concept Coupé SUV".

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Über die Sinnhaftigkeit eines Autos wie den BMW X6 lässt sich trefflich diskutieren. Aber der Hersteller handelt nach dem Motto ,Der Kunde ist König. Erst recht, wenn er gut zahlt." Gewiss, Größe und Optik des X6 polarisieren auch in der Neuauflage, allerdings nicht mehr so sehr, weil die Form inzwischen bekannt ist. Ungeachtet aller geschmacklichen Fragen beeindruckt aber die Agilität, die BMW dem X6 antrainiert hat. Ein Elefant auf Ballerinas gewissermaßen.

    + präzise Lenkung, durchzugsstarker Motor, gutes Handling
    - schlechte Sicht nach hinten, mäßiges Platzangebot im Fond

  • Antrieb
    85%
  • Fahrwerk
    85%
  • Karosserie
    70%
  • Kosten
    75%

Preisliste


X6

Grundpreis: 87.300 Euro
Modell Preis in Euro
xDrive30d 65.650
xDrive50i 82.500
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung)
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 3.300
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.250
Metalliclackierung 980
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (elektrisch, Fahrer und Beifahrer)
Tempomat Serie (mit Bremsfunktion)
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Anhängevorrichtung 1.200
LED-Scheinwerfer 1.990
Head-up-Display 1.390
Sitzheizung vorne Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Triturbo-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.993 
Leistung in PS 381 
Leistung in kW 280 
bei U/min 2.000 - 3.000 
Drehmoment in Nm 740 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.640 
Spurweite hinten in mm 1.700 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet 
Wendekreis in m 12,8 
Räder, Reifen vorn 255/50 R19 
Räder, Reifen hinten 285/45 R19 
Lenkung elektromechanische Servolenkung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 25 
Böschungswinkel hinten in Grad 22,5 
Rampenwinkel in Grad 20 
Wattiefe in mm 500 
Bodenfreiheit in mm 212 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.909 
Breite in mm 1.989 
Höhe in mm 1.702 
Radstand in mm 2.933 
Leergewicht in kg 2.260 
Kofferraumvolumen in Liter 580 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1525 
Anhängelast, gebremst in kg 2.700 
Tankinhalt in Liter 85 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,2 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,6 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,3 
CO2-Emission in g/km 174 
Schadstoffklasse Euro 6 


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