Die dicke Bertha

Gustl ist glücklich. Mit einer Hand am Lenkrad bringt BMW-Werksfahrer Augusto Farfus, intern liebevoll ,Gustl" genannt, den neuen X6 M zum Driften. Er lächelt diebisch und ist trotzdem nicht ganz zufrieden. Vielleicht geht da noch mehr, murmelt der Brasilianer und sucht im Menü des Wagens nach der Kraftverteilung auf die einzelnen Räder. Nur gut, dass wir jetzt in die Boxengasse abbiegen. Mein Blut pumpt spürbar durch die Adern. Danke, Gustl, mir ist bereits klar, wozu das monströse 575-PS-SUV in der Lage ist.

Fett, aber flott
Zugegeben, der BMW X6 M ist so ziemlich das letzte Auto, was einem beim Thema Drift in den Sinn kommt. Schließlich wiegt das Teil über 2,3 Tonnen. Also eher ,Dicke Bertha" statt leichtes Florett. Andererseits steht nun einmal der Buchstabe M am Heck und so bekommt der Sport-Panzer einen panzergleichen Motor unter die Haube gepflanzt. Dessen Eckdaten: Doppelt aufgeladener V8, 4,4 Liter Hubraum, 575 PS, 750 Newtonmeter maximales Drehmoment. Wer wirklich will, kann im fast zwei Meter breiten X6 M mit bis zu 280 km/h über die Bahn brettern. Nur gut, dass Gustl und ich auf dem ,Circuit of the Americas" nahe dem texanischen Austin die Kuh fliegen lassen. ,Trocken geht auf der Gerade 250 km/h", meint Farfus lässig zu mir. Nur blöd, dass es wie aus Eimern regnet und ich schon bei 190 Sachen nur noch erahnen kann, wo der BMW-Pilot im Pace-Car vor mir entlangfährt.

Quer sieht mehr
Immerhin: Einen Vorteil hat die glitschige Piste, nämlich den einfacheren Drift. ...