Drift-Spielzeug Razor Crazy Cart im Test

Zugegeben, in der Regel testen wir Sachen mit Straßenzulassung. Oder zumindest Sachen, die man auf einer normalen Straße fahren kann, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. Oder Sachen, auf denen man auch halbwegs würdig sitzen kann, wenn man größer ist als 1,30 Meter. Aber das hier ist das Razor Crazy Cart und hier ist alles etwas anders. Im Prinzip wurde diese seltsame Mischung aus einem Elektro-Gokart und einem Möbelhund (ich weiß, es klingt absurd) entworfen, um ihre mindestens neunjährigen Kinder ruhigzustellen. Gleichzeitig ist es in der Lage, den Nachwuchs möglichst früh in die wunderbare Welt des Driftsports einzuführen.

Trotz 64 Kilo Zuladung kein Malheur
Irgendwann im letzten Jahr kam Razor jedoch auf die glorreiche Idee, Ken Blocks berühmte Gymkhana-Videoreihe mit einem Crazy Cart und dem fiktiven Drifthelden Ken Box (dargestellt von Crazy-Cart-Erfinder Ali Kermani) auf die Schippe zu nehmen. Und weil das wirklich grandios gelang, ist dieses kleine rote Dreirad nun in aller Munde. Das hat zur Folge, dass sich vermehrt auch Menschen über 1,30 Meter Körpergröße auf das Crazy Cart wagen. Wie Sie in unserer Galerie sehen werden, muss man sich dafür fürchterlich verbiegen. Ach ja, und laut Bedienungsanleitung verträgt der Driftling nur Piloten bis maximal 64 Kilo. In unserer Redaktion wiegt niemand auch nur annähernd unter 64 Kilo, das Cart verweigerte dennoch heldenhaft den Zusammenbruch.

Direkt bis zum Umfallen
Hat man das mit den eigenen Ausmaßen halbwegs in den Griff bekommen, steht einer durchaus üppigen Portion Fahrspaß aber nichts mehr im Wege. Das liegt zum einen an dem E-Motor mit Kettenantrieb, der das 25 Kilo schwere ,Freizeitmobil" gerade in geschlossenen Räumen fast schon beängstigend schnell nach vorne peitscht. Und um das hier zu einem seriösen Test zu machen: Das Cart gönnt sich eine kleine Gedenksekunde (die je nach Ladezustand immer größer wird), aber die Dosierung über das kleine Gaspedal ist vorbildlich. Razor gibt die Höchstgeschwindigkeit mit vogelwilden 19 km/h an. Auf einer Bundesstraße vor unserem Büro (bitte nicht weitersagen) schafften wir immerhin GPS-gemessene 17. Zum anderen kommt die Fahrfreude durch ein fast schon abenteuerliches Handling. Die Befehle über das winzige Stahl-Lenkrad (das man vor Benutzung wie im Rennsport noch schnell selbst anbringen muss) werden ultradirekt umgesetzt. Wer es mit dem Lenkwinkel übertreibt, bringt die Fuhre im Handumdrehen zum Aufschaukeln und muss anschließend mit geschickter Gewichtsverlagerung oder dem Einsatz eines seiner Beine ein zeit- und schrammenintensives Umkippen vermeiden. Ein Fallschirm in Form zweier Stützstreben links und rechts neben dem Vorderrad ist aber ebenfalls vorhanden.

Hebel ziehen – driften!
Der Umgang mit dem Crazy Cart will vor Highspeed-Outdoor-Einsätzen aber auch deswegen geübt werden, da das kleine rote Teil eine richtige Bremse für komplett vernachlässigbar hält. Und damit wären wir auch schon bei der Spezialität des Crazy Carts angelangt. Der Hebel rechts neben dem Sitz ist nämlich kein Handbremshebel, sondern der Stock ins Glück. Wer ihn zieht, wuchtet die ganze Fuhre nach oben, stellt die beiden hinteren Rollen quer und bugsiert sich sowie das Cart in einen astreinen Drift (oder bei Unvermögen in eine schwindelerregende 360-1.080-Grad-Drehung). Je stärker man zieht, desto querer wird die ganze Angelegenheit. Ein Heidenspaß, der den Fahrer obendrein in meisterlicher Eleganz erstrahlen lässt. Schade nur, dass die Gaudi in der Regel nach 25 bis 30 Minuten schon wieder ein jähes Ende findet (Razor gibt bis zu 40 Minuten Einsatzzeit an). Dann muss die 24-Volt-Bleibatterie des Carts für gut sechs Stunden zurück an die Steckdose.

Spaßmaschine und Party-Spielzeug
Nichtsdestotrotz taugt das Razor Crazy Cart als extrem einfach zu bedienende Spaßmaschine für Zwischendurch. Und als astreiner Party-Gag geht es sowieso immer durch. Nachdem das kleine E-Biest ankam, war zumindest in unserer Redaktion an Arbeit nicht mehr zu denken. Sofort wurden waghalsige Kurse abgesteckt und knallharte Bestzeiten in den Teppich (beziehungsweise in den Küchenboden) gefräst. Negativ fallen lediglich die lange Ladezeit und der relativ hohe Verschleiß der hinteren Rollen auf. Falls Sie also noch das perfekte Weihnachtsgeschenk für Ihren Nachwuchs oder wohl eher für sich selbst suchen: Das verrückte Kart kostet 549 Euro. Ob man es tunen kann, haben wir noch nicht herausgefunden, eine XL-Version des Crazy Cart ist aber bereits in Arbeit.

Wertung

  • ★★★★★★★☆☆☆
  • Das Razor Crazy Cart macht mit seiner Driftfreudigkeit und dem gut anschiebenden Elektromotor richtig Laune. Besonders, wenn man sich mit Anderen auf abgesteckten Parcours misst. Dafür muss man sich allerdings ganz schön verbiegen. Auch die Betriebs- und Ladezeiten sind verbesserungswürdig. Dennoch ist der Fun-Racer – gerade für die eigenen Kinder – durchaus einen Blick wert.

    + schiebt gut an, geht gut quer, toller Partyspaß
    - Akku hält nur gut 30 Minuten, lange Ladezeit, Affen-ähnliche Sitzposition

  • Antrieb
    80%
  • Fahrwerk
    75%
  • Karosserie
    65%
  • Kosten
    90%


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