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Der Feind im eigenen Bett
Im Test: Entpuppt sich der VW Jetta Hybrid als Sparwunder?

Roland Hildebrandt 
Von: Roland Hildebrandt
20. Feb. 2014 um 15:17 Uhr
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Ziemlich spät ist VW auf den Hybrid-Zug aufgesprungen: Seit 2010 gibt es den Touareg mit Elektro-Unterstützung, 2013 folgte der Jetta Hybrid. Nun werden sich Kenner der Marke fragen: Warum ausgerechnet der Jetta? Schließlich ist er in Deutschland eine Randerscheinung im VW-Programm. Gerade einmal 82 Jetta wurden im Januar 2014 neu zugelassen. Der Grund liegt mehrere tausend Kilometer weiter westlich. In den USA erfreuen sich Hybridfahrzeuge wie der unvermeidliche Toyota Prius großer Beliebtheit, weil Diesel-Pkw dort bislang kaum eine Rolle spielen. Gleichzeitig kommt das Stufenheck des Jetta dort wesentlich besser an als das Steilheck des Golf. Was lag daher näher, als für die Amis einen Jetta Hybrid zu bauen? Dennoch ist ein Test der Limousine auch hierzulande interessant. Ist er besser als der Prius? Und was spart er wirklich?
Aufgepeppter Altmeister
Beim ersten Kontakt mit unserem Testwagen deutet wenig auf den unkonventionellen Antrieb hin. Neu sind eine Kühlermaske mit blauen Zierleisten und einem Hybrid-Schriftzug, LED-Rückleuchten sowie speziell gestaltete Leichtmetallfelgen. Im Innenraum wird spürbar, dass der Jetta bereits ein wenig angestaubt ist: Ein kleiner Navi-Bildschirm in der Mittelkonsole und ein monochromes Display zwischen den Instrumenten ist Stand von gestern. Und noch eine Auffälligkeit: Statt des Drehzahlmessers gibt es ein so genanntes ,Powermeter". Hier wird angezeigt, dass der Wagen startklar ist (er rollt nämlich rein elektrisch los) und ob man sparsam unterwegs ist. Zusätzlich kann sich der Fahrer auf den Displays anzeigen lassen, wo gerade welche Kraft im Auto hinfließt.
Klotz im Kofferraum
Beim Platzangebot bleibt der Jetta ohne Fehl und Tadel. Gerade im Fond lässt es sich bequem aushalten. Doch um das zu erreichen, wird das Akkusystem samt Lithium-Ionen-Batterie hinter der Rückbank integriert. Die Folge: In den Kofferraum passen nur noch 374 statt der normalen 510 Liter. Verursacht wird das durch einen recht massiven Kasten, in dem die Technik steckt. Die hinteren Lehnen umklappen? Keine Chance. Massive Bügel schränken die Nutzbarkeit des Gepäckabteils zusätzlich ein.
Doppel-Herz
Unter dem Blech setzt VW beim Jetta Hybrid auf Leistung: Zu dem 1,4-Liter-TSI mit 150 PS gesellt sich ein E-Motor mit 20 Kilowatt Leistung. Beim kurzzeitigen ,Boosten" (übersetzt: richtig Stoff geben) stehen 125 Kilowatt respektive 170 PS bereit. Anders als etwa der Toyota Prius setzt der Jetta Hybrid nicht auf ein stufenloses CVT-Getriebe, sondern auf ein DSG mit sieben Gängen. Die Vorteile merkt man beim Fahren: Es sortiert die Gänge unauffällig, der Wechsel zwischen den Fahrmodi geschieht diskret. Schon auffälliger ist die grummelige Note des Benziners unter Last. Eher Geschmackssache ist die Federung, die wir als eine Spur zu straff empfinden.
Spielwiese Hybrid
Stichwort Fahrmodi: Was ist mit dem Jetta Hybrid alles möglich? Wie bereits erwähnt, fährt er meistens elektrisch los, aber schon nach kurzer Zeit schaltet sich der Benziner dazu. Theoretisch kann der VW bis zu zwei Kilometer mit maximal 70 km/h rein elektrisch fahren. Wohlgemerkt theoretisch: Zwar kann man ihn per Tastendruck in einen reinen E-Modus zwingen, doch selbst dann reicht es bestenfalls für kurze Spielstraßen. Clever: An der Ampel wird der Verbrennungsmotor nicht nur abgestellt, sondern auch vom Antriebsstrang getrennt. Bei Grün geht es zunächst mit Strom weiter, was den Spritverbrauch beim Anfahren senkt.
Segel setzen
Die erwähnte Trennung des TSI vom Antriebsstrang erfolgt auch bis zu 135 km/h, wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Das Stichwort lautet hier: Segeln. Geht der Fuß wieder zurück aufs Pedal, ist der Kraftschluß zwar merkbar, aber eleganter als im Prius. Vergessen wir zu guter Letzt nicht die Rekuperation, beim Druck aufs Bremspedal wird mehr oder weniger stark Energie in die 1,1 Kilowattstunden fassende Batterie zurückgespeist. Bereits nach einiger Zeit animiert der Blick auf das Powermeter, möglichst oft die Nadel in den ,Charge"-Bereich zu treiben oder im Eco-Modus zu fahren. Und auch wenn der Jetta Hybrid in 8,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und 210 Spitze erreicht: Ein Auto für Vollgas-Junkies ist er nicht.
Sparsam, aber kein Verbrauchswunder
Kommen wir nun zur Masterfrage: Was verbraucht der VW Jetta Hybrid tatsächlich? Wolfsburg preist einen Durchschnittswert von 4,1 Liter respektive 95 Gramm CO2. Schön für die Steuer, aber im echten Leben kaum realisierbar. Wie erreichten im Schnitt 5,6 Liter, was angesichts der gebotenen Leistung und des häufigen Fahrerwechsels immer noch sehr akzeptabel ist. Ganz nett, wäre da nicht die Preisgestaltung, mit der VW anscheinend den Jetta-Hybrid-Verkauf hierzulande unterbinden will. Los geht es bei 31.700 Euro inklusive Klimaautomatik und 15-Zoll-Alus. Die von uns getestete Topausstattung namens Highline bietet für 33.925 Euro zusätzlich Bi-Xenon-Licht, 17-Zöller und eine Sitzheizung vorne.
Heftig zugelangt
Da bleibt uns die Spucke weg, denn ein Toyota Prius kostet in Top-Ausstattung über 2.000 Euro weniger. Falls es ein VW-Modell mit viel Platz und Sparwillen sein soll, bieten sich der VW Golf Variant mit Erdgas und der BlueMotion-Spardiesel an. Letzteren gibt es allerdings nur mit manuellem Schaltgetriebe. Den finalen Tritt in den (europäischen) Abgrund bekommt der Jetta Hybrid schon bald aus dem eigenen Haus. Der brandneue Golf GTE mit Plug-in-Hybrid soll bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren und mit etwa 36.000 Euro nicht irrsinnig viel teurer sein. Der Feind liegt im eigenen Bett.
Wertung
-
★★★★★★★☆☆☆
Das Fahrerlebnis ist im VW Jetta Hybrid ohne Fehl und Tadel. Besonders die Kombination mit dem Sieben-Gang-DSG überzeugt mehr als der Antrieb im Toyota Prius mit CVT. Doch warum packt VW den Hybrid ausgerechnet in den Jetta und schränkt dann noch dessen Hauptkaufargument, den Kofferraum, spürbar ein? Absolut ins Abseits begibt sich die Limousine durch eine extravagante Preisgestaltung, die deutlich über 30.000 Euro beginnt. Dann lieber nach einem konventionellen Jetta für deutlich weniger Geld Ausschau halten und das Platzangebot genießen.
+ kultivierter Antrieb, geschmeidiges DSG, akzeptabler Verbrauch
- eingeschränkter Kofferraum, sehr hoher Preis -
Antrieb
85%
-
Fahrwerk
80%
-
Karosserie
70%
-
Kosten
60%
Preisliste
VW Jetta Hybrid Highline
Grundpreis: 33.925 Euro
Modell Preis in Euro Comfortline 31.700
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten 360 Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen) Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie (DSG) Bildschirmnavigation 335 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 910 Metalliclackierung 530 Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer) Tempomat 205 Lederausstattung 2.420 Xenonlicht Serie Kurvenlicht Serie Nebelscheinwerfer Serie
Sitzheizung vorne Serie elektronische Differenzialsperre XDS 205
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Turboaufladung plus Elektromotor Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.395 Leistung in PS 150 Leistung in kW 110 bei U/min 1.600 - 3.500 Drehmoment in Nm 250 Antrieb Frontantrieb Gänge 7 Getriebe Doppelkupplungsgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.535 Spurweite hinten in mm 1.538 Radaufhängung vorn McPherson-Achse Radaufhängung hinten Vierlenker-Achse Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 11,1 Räder, Reifen vorn 195/65 R 15 Räder, Reifen hinten 195/65 R 15 Lenkung elektromechanische Servolenkung Maße und Gewichte Länge in mm 4.644 Breite in mm 1.778 Höhe in mm 1.482 Radstand in mm 2.651 Leergewicht in kg 1.505 Zuladung in kg 590 Kofferraumvolumen in Liter 374 Dachlast in kg 75 Tankinhalt in Liter 45 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 210 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,6 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,1 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 4,4 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,9 Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 5,6 CO2-Emission in g/km 95 Schadstoffklasse Euro 6 Fixkosten Garantie 2 Jahre Weitere Informationen 1/moreName 20 kW/27 PS 2/moreName 125 kW/170 PS
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