Großer Name am kleinen Auto: Der Audi S1 im Test

Ob Walter Röhrl oder Stig Blomqvist an so etwas gedacht haben, als sie in ihren S1 quattro über die Rallyepisten dieser Welt bügelten? Einen Kleinwagen mit Allradantrieb und 231 PS? Doch auch wenn die gusseisernen Fans aufheulen: Audi hat seinen neuen Kraftzwerg auf den Namen S1 getauft. Umso mehr interessiert uns die Frage: Kanonenkugel oder Platzpatrone?

Kleinserien-Ableger
Blenden wir also einmal die Ikonen der 1980er-Jahre aus und nähern uns dem S1 unvoreingenommen. Unverkennbar basiert er auf dem Audi A1, präsentiert sich in Details aber nachgeschärft. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die neuen, etwas eckigeren Scheinwerfer bekommen bald auch die anderen Modelle der Baureihe. Nicht aber die üppigen Lufteinlässe vorne und den schwarz lackierten Grill. Hinzu gesellen sich verchromte Außenspiegelgehäuse, hinten hauen vier Endrohre auf den Putz. Spätestens wenn wir jetzt auch noch die schwarze Blende am Heck und den mächtigen Dachspoiler (ihn gibt es im Paket für 1.250 Euro) erwähnen, wird es bei Audi-Fans klingeln. Da war doch schon einmal was? Richtig: 2011 brachte Audi den 256 PS starken und optisch ähnlichen A1 quattro in einer Kleinserie von 333 Exemplaren heraus. Er war das Vorbild für den alltagstauglicheren S1.

Fein, aber klein
Den zivilen Hintergedanken erkennt man schon daran, dass der S1 als Dreitürer wie auch als fünftüriger Sportback angeboten wird. Ganz ehrlich: Letzteren kann man sich schenken. Schon bei einem 1,85 Meter großen Fahrer ist das Platzangebot im Fond, höflich formuliert, sehr überschaubar. Verschärfend kommt hinzu, dass Audi in unserem Testwagen vorne Integralsitze samt einer farbigen Lehnenabdeckung verbaut, die den Beinraum nochmals einschränken. Sie sind Bestandteil eines 1.750 Euro teuren ,quattro-Interieur"-Pakets. Das Geld kann man sich sparen, ab Werk gibt es bereits gute S-Sportsitze. Überhaupt: das Platzangebot. Personen oberhalb der erwähnten 1,85 Meter Körpergröße sitzen im S1 wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein. Schlimm genug, dass sich die Vordersitze nicht genug absenken lassen, man muss das ganze Procedere auch noch manuell bewerkstelligen. Elektrische Sitzverstellung im Topmodell des A1? Nix da! Verstärkt wird das eingemauerte Gefühl durch die dunkle Tapezierung, hier lohnt sich der (aufpreisfreie) Griff zum grauen Dachhimmel. Immerhin: An der Kopffreiheit gibt es nichts auszusetzen. Schon eher am unverkleideten Türrahmen auf Höhe der A-Säule.

Im Zeichen des S
Nun gut, werden sie jetzt sagen, das ist eben kein Familienvan. Was soll man sich also aufregen, dass in den Kofferraum gerade einmal zwei kleinere Trolleykoffer passen. Es geht um den Fahrspaß, denn wie sagt Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg: ,Das S bedeutet Leistung". Wir widmen uns erstmal dem S wie Start. Bassig mit kehligem Unterton meldet sich der 231 PS starke Zweiliter-Turbo-Vierzylinder zu Wort, wobei er außen noch etwas mehr Alarm macht. Trotzdem fehlt es an charakteristischer Klangfarbe. So wie etwa ein Fünfzylinder. Es muss ja nicht das 450-PS-Tier aus dem Rallye-S1 sein. Der 2.0 TFSI ist hingegen wie Boris Becker: Immer präsent, aber auf Dauer farblos.

Tinte auf dem Füller
Was freilich nicht heißt, dass der S1 keinen Spaß macht. Schon der Schub ist beeindruckend: In 5,8 Sekunden geht es auf Tempo 100. Ergo sollte man die Hand gar nicht mehr von dem hübschen, aber optionalen Alu-Schaltknauf lassen. Die dazugehörenden sechs Gänge schnippen auf kurzem Weg ein, allerdings ist vor jedem Gang ein leichter Widerstand spürbar. Wer lieber ein DSG möchte: Pustekuchen, so etwas gibt es für den S1 nicht. Faszinierend ist hingegen weniger die pure Beschleunigung, sondern die Kraftentfaltung nach dem Motto: Was, wir sind schon im sechsten Gang? Ich dachte, es sei der Vierte.

Pattex-Gefühle
Dazu passt die unerschütterliche Traktion des S1, denn Audi hat ihm einen Allradantrieb verpasst. Er verteilt die Kraft über eine an der Hinterachse platzierte hydraulische Lamellenkupplung, die Achslastverteilung beträgt 60:40. Das Ergebnis spürt man bei einem schnellen Ritt über den Rundkurs. Präzise lässt sich der S1 in die Kurve lenken, durch die man fast wie auf Schienen festgenagelt jagt. Wohlgemerkt fast, denn bei zu hohem Tempo schiebt der S1 nach außen, lässt sich aber auch ohne Röhrl-Talente wieder einfangen. Weniger berauschend ist das Fahrwerk: Selbst mit den normalen 17-Zöllern rollt der S1 sehr straff ab und reicht insbesondere Bodenwellen kaum gefiltert durch.

Kleinkram kostet
Kompromisse macht der Audi S1 auch beim Preis nicht: Mindestens 29.950 Euro werden zum Start im zweiten Quartal 2014 für die dreitürige Version aufgerufen, der S1 Sportback kostet 30.800 Euro. Damit ist das Ende der Fahnenstange selbstverständlich noch nicht erreicht. Markentypisch gibt es eine lange Palette von Extras. Zwar sind Xenon-Licht und eine Klimaautomatik serienmäßig, dafür kostet beinahe jede andere Kleinigkeit extra. Schon durch Parkpiepser hinten, einen Tempomat, den Alu-Schaltknauf und eine Sitzheizung vorne gehen die ersten 1.000 Euro flöten. Wir würden uns spontan für das knallige Viper-Grün entscheiden, was Erinnerungen an den Audi 80 GTE von 1975 weckt. Beim Verbrauch des S1 gibt sich Ulrich Hackenberg, selbst begeisterter Rennsportler, angenehm realistisch: Mit 7,0 Liter ist der Wagen im NEFZ-Zyklus angegeben, aber es sei ,schwierig, ihn dort zu halten, weil er so viel Spaß macht", gibt der oberste Audi-Techniker freimütig zu. War doch klar: Das S steht beim S1 für Spaß.

Wertung

  • ★★★★★★★★☆☆
  • Anders als etwa der Audi S3 macht der S1 keine Kompromisse. Er ist klein und hart, aber eben auch sauschnell und mit einer beeindruckenden Traktion gesegnet. Seine Daseinsberechtigung zieht der S1 aus der seltenen Kombination von Kleinwagen-Format plus viel Leistung und Allradantrieb. Hier muss sogar der in Kleinserie gebaute VW Polo R WRC passen. Interessant wird, wie Mini mit dem kommenden John Cooper Works kontert. Hier sind zwischen 220 und 240 PS im Gespräch. S wird spannend.

    + elastischer Motor, tolle Traktion, direkte Lenkung
    - enger Innenraum, kein DSG lieferbar, teure Extras

  • Antrieb
    95%
  • Fahrwerk
    75%
  • Karosserie
    70%
  • Kosten
    80%

Preisliste


Audi S1

Grundpreis: 29.950 Euro
Modell Preis in Euro
S1 Sportback 30.800
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 1.160
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 880 (Panorama-Glasdach)
Metalliclackierung 480
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer)
Tempomat 250
Lederausstattung 1.100
Xenonlicht Serie
Sitzheizung vorne 280
Einparkhilfe hinten 330
Aluminium-Schaltknauf 170
S-Sportfahrwerk inklusive schaltbarer Dämpfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Benziner mit Turboaufladung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.984 
Leistung in PS 231 
Leistung in kW 170 
bei U/min 1.600 - 3.000 
Drehmoment in Nm 370 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Kraftverteilung 60:40 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.474 
Spurweite hinten in mm 1.452 
Radaufhängung vorn McPherson-Achse 
Radaufhängung hinten Vierlenker-Achse 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Räder, Reifen vorn 215/40 R17 
Räder, Reifen hinten 215/40 R17 
Lenkung elektromechanische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.975 
Breite in mm 1.740 
Höhe in mm 1.417 
Radstand in mm 2.469 
Leergewicht in kg 1.315 
Kofferraumvolumen in Liter 210 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 860 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 45 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,8 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,9 
CO2-Emission in g/km 162 
Schadstoffklasse Euro 6 
Fixkosten
Garantie 2 Jahre 

Bildergalerie: Kleiner Knallfrosch