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Samurai-Schwert oder Sumo-Ringer?

Der neue Lexus GS F im Rennstreckentest

Samurai-Schwert oder Sumo-Ringer?

Max Friedhoff Max Friedhoff

Von: Max Friedhoff

7. Dez. 2015 um 15:41 Uhr

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Dass eine ausgeprägte Adipositas bei ,Sportwagen" im Jahre 2015 keine Seltenheit ist, sondern viel mehr die Norm, wird niemand verleugnen. Gewichtsangaben, die in Sieben-Meilen-Schritten auf die Zwei-Tonnen-Marke zustürmen, treiben jedem Sportwagen-Fan die Tränen in die Augen. Luxus-Limousinen werden mit viel Leistung und noch mehr elektronischen Helferlein für die Rennstrecke fit gemacht und die Autobahn-Vollgas-Geradeaus-Fraktion freut sich. Wir freuen uns nicht. Auch Lexus hat aus der schönen Limousine GS nun eine ,rennstreckentaugliche" Sport-Version geschaffen – den GS F. 1.865 Kilogramm treffen hier auf 477 PS. Manege frei für den Elefanten im Porzellanladen.

Der erste Kontakt
Schick ist er, keine Frage. Präzise Linien, klare Kanten, mutige Formen. Der GS F ist optisch ein gelungener Gegenentwurf zur fast schon biederen Konkurrenz von BMW oder Mercedes. Die Front wird vom gewaltigsten aller Kühlergrills im ,Diabolo"-Design vollkommen eingenommen. Der Name passt. Geschätzt sind 90 Prozent der Frontschürze durch wabenförmiges Gitter ersetzt worden. Dahinter sitzen Öl- und Wasserkühler und erfreuen sich der guten Luft. Die Scheinwerfer zu Schlitzen verengt, vermittelt der GS F ein Bild Ninja-typischer Gefährlichkeit. Die Seitenlinie erinnert an den kleinen Markenbruder IS. Hinter den vorderen Kotflügeln kann heiße Luft aus den Radhäusern ins Freie gelangen. Das Heck kann mit der exotischen Aura der Front nicht ganz mithalten, weiß aber auch Akzente zu setzen. Auffallend sind die trapezförmig ausgerichteten Auspuff-Endrohre und die LED-Rückleuchten im Haken-Design. Die Spoilerlippe aus Kohlefaser ist ein schmaler, sportlicher Gegenpol zur voluminösen Form des GS F.

Gemischte Gefühle im Innenraum
Wer sich in die Höhle des – dicken, sattgefressenen – Löwen traut, wird von einem fantastischen Innenraum umgeben. Ergonomisch geformte Sitze, edle Carbon-Oberflächen und Alcantara-Ablagen überzeugen vom ersten Moment an. Lediglich das Leder von Lenkrad und Schaltknauf scheint aus einer billigeren Charge zu stammen als das der Sitze. Schade, sollten doch gerade die Berührungspunkte zwischen Fahrer und Auto immer ein gutes Gefühl vermitteln. Die Sitzposition ist sportlich tief, das Lenkrad liegt gut in der Hand. Bevor es losgeht, versuchen wir noch etwas Zeit in die Navigations-Einheit zu investieren. Die enorm fummelige Bedienung über den übersensiblen, kleinen Joystick lässt uns aber schnell die Lust verlieren. Gut, dass wir heute keine Landstraßen-Route fahren müssen – die Rennstrecke ruft.

Pylonen-Parcours
Die ,Test Area" im rheinland-pfälzischen Mendig machte 2015 mit der erstmaligen Ausrichtung des Musik-Festivals ,Rock am Ring" Schlagzeilen. Aber auch die Möglichkeiten, ein Auto hier auf Herz und Nieren zu testen, ist gegeben. Zuerst steht ein Slalomparcours auf dem Programm. Unsere Instruktorin Isolde Holderied – zweifache Damen-Rallyeweltmeisterin – erklärt noch kurz die verschiedenen Fahr-Modi und Differenzial-Einstellungen. Der GS F verfügt über einen Drehregler, mit dem man zwischen vier Fahrmodi wählen kann: Eco, Normal, Sport und Sport+ – soweit so gut. Je nach Modus werden Parameter wie Gaspedalkennlinien, Lenkungs- und Fahrwerkseinstellungen und der Auspuffsound anders abgestimmt.

Schwache Slalom-Performance
Viel interessanter ist der ,TVD"-Knopf. ,TVD" steht hierbei für ,Torque Vectoring Differential". Je nach Einstellung – Normal, Slalom oder Track – wird die Kraftverteilung an der Hinterachse mehr oder weniger sportlich geregelt. Anschließend rollen wir an den Start. In dem eng gesteckten Parcours fühlt sich der GS F nicht recht wohl. Die Lenkung wirkt weich und ohne gute Rückmeldung. Das Fahrwerk ist weder Fisch noch Fleisch, eigentlich zu weich für solche Spielereien. Der nächste Lauf wird im Fahrmodus ,Sport" und im TVD-Modus ,Slalom" gefahren. Der GS F ist wie ausgewechselt. Feedback in der Lenkung, eine gesunde Härte im Fahrwerk, so kommt man schon eher klar.

Ab auf den Rundkurs
Der nächste Tagesordnungspunkt heißt ,Handlingparcours" und erstreckt sich über Startbahn und Rollwege des Flugplatzes Mendig. Vollgasabschnitte und weite Kurven sollten eher das Revier des GS F sein. Wir gewöhnen uns in den ersten zwei, drei Kurven an den Kurs und schießen dann die lange Startbahn herunter. Der V8-Sauger brüllt los, dass es eine wahre Freude ist. 477 PS und 530 Newtonmeter sind zwar für den Koloss mit heutigen Maßstäben gemessen etwas wenig, aber das tut der Freude am Motor keinen Abbruch. Die Nadel des Drehzahlmessers galoppiert freudig auf die 8.000er-Marke zu. Bei 7.100 Umdrehungen liegt die volle Leistung an und mit einem Zug an der rechten Schaltwippe zimmert das Achtgang-Automatikgetriebe mit ,Speed-Shift"-Funktion den nächsten Gang rein.

Gewicht gegen den Spaß
Geradeaus kann er, der Dicke. Aber selbst nach der längsten Startbahn kommt einmal eine Kurve – klingt poetisch, ist aber so. Die 380-Millimeter-Bremsscheiben werden von den Sätteln in die Zange genommen und stauchen den GS F zusammen. Auf den ersten Blick wirkt die Bremse standhaft, zeigt nach mehreren schnellen Runden allerdings starke Ermüdungserscheinungen. Das Gewicht des großen Motors liegt auf der Vorderachse wie Obelix auf einem römischen Streitwagen. Die Reifen leiden und das Auto schiebt Richtung Kurvenausgang – leider mit dem falschen Fahrzeugende zuerst. Selbst provozierte Heckschwenks erstickt das recht restriktive ESP nach einer kurzen Bedenkzeit. So wird weder ein Powerslide ermöglicht, noch ein unbeholfenes Ausbrechen verhindert.

Abkühlphase
Wir rollen aus und parken den GS F wieder ein. Die Bremsen stinken, der Zahn der Rennstrecke hat sichtbar an der Standhaftigkeit genagt. Wir können nicht sagen, dass der GS F in irgendeiner Form ein schlechtes Auto wäre. Der Motor ist fantastisch, das Fahrwerk im täglichen Gebrauch mit Sicherheit äußerst komfortabel und die Innenraumqualität ist enorm hoch. Aber warum muss man aus jeder Luxus-Limousine mit starkem Motor ein ,track-taugliches" Auto machen? Wir verstehen es nicht. Auf dem Handlingparcours drehen die rund 1.200 Kilogramm des Toyota GT86 unaufhörlich ihre Runden. Hoffentlich gibt es bald wieder mehr echte Sportwagen.

Wertung

Preisliste

Lexus GS F

Grundpreis: 99.700 Euro

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation Serie CD-Radio Serie MP3 Serie Metalliclackierung Serie Leichtmetallfelgen Serie Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung Serie Xenonlicht Serie Kurvenlicht Serie Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner  Zylinder 8  Ventile 32  Hubraum in ccm 4.969  Leistung in PS 477  Leistung in kW 351  bei U/min 4.800-5.600  Drehmoment in Nm 530  Antrieb Heckantrieb  Gänge 8  Getriebe Automatikgetriebe  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.555  Spurweite hinten in mm 1.560  Radaufhängung vorn Doppelquerlenkerachse  Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse  Bremsen vorn Scheiben  Bremsen hinten Scheiben  Wendekreis in m 11,2  Räder, Reifen vorn 255/35 R19  Räder, Reifen hinten 275/35 R19  Lenkung elektrische Servolenkung  Maße und Gewichte Länge in mm 4.915  Breite in mm 1.845  Höhe in mm 1.440  Radstand in mm 2.850  Leergewicht in kg 1.865  Kofferraumvolumen in Liter 520  Tankinhalt in Liter 66  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 270  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,6  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,2  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 16,6  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,1  CO2-Emission in g/km 260  Schadstoffklasse Euro 6 

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