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Alfa Romeo Giulietta QV im Test: Der Familien-4C?

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Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

12. Jun. 2014 um 12:23 Uhr

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Vom Sportwagen träumen, aber etwas Praktisches kaufen: So war es immer schon, so wird es wohl immer bleiben. Auch bei Alfa Romeo ist es nicht anders. Schon in den 1960ern träumten Familienväter vom GT, griffen dann aber zur Giulia. Ein halbes Jahrhundert später lautet die Paarung 4C versus Giulietta, genauer gesagt Giulietta Quadrifoglio Verde, kurz QV.

Ein beinahe alter Bekannter
Ganz neu ist der 4,35 Meter lange Golf-Rivale mit dem namensgebenden Kleeblatt auf den Kotflügeln nicht. Bereits im Frühjahr 2011 lancierte Alfa die erste Giulietta QV. Parallel zu einem minimalen Lifting der Baureihe haben sich die Techniker noch einmal das Innenleben der Topversion vorgeknöpft. Statt der bisherigen 235 gibt es jetzt 240 PS.

Maßvolle Diät
240 PS in einem Alfa? Da war doch was? Richtig: Die stärkste Giulietta teilt sich nun den Antriebsstrang mit dem extremen Mittelmotor-Sportler 4C. Der Benzindirekteinspritzer mit 1.750 Kubikzentimeter Hubraum wird jetzt komplett aus Leichtmetall gefertigt, was 22 Kilogramm an Gewicht sparen soll. Das sind natürlich keine Unmengen, weil der Fünftürer nicht wie der 4C aus Carbon besteht. Hinzu kommt, dass das neue TCT-Doppelkupplungsgetriebe wieder neun Kilo draufschlägt. Macht unter dem Strich 13 Kilo weniger, was den Kohl nun wirklich nicht fett macht.

Stimmige Deko
Immerhin ist der italienische Kohl appetitlich angerichtet. Schon ohne Kleeblatt-Dekoration sticht die Giulietta aus der Menge heraus, im Fall der QV-Variante gibt es dunkle Akzente, 18-Zoll-Alus sowie eine rot lackierte Vierkolben-Bremsanlage mit 320 Millimeter großen Brembo-Scheiben.

Nicht immer hochwertig
Ein Raumwunder ist die Giulietta indes nicht, hinten reicht der Platz für lange Kerls so gerade eben aus. Vorne gibt es Leder-Alcantara-Sportsitze sowie ein griffiges Lederlenkrad mit Kontrastnähten und eine Alu-Pedalerie. So schön sich der Kranz des Volants auch anfasst, verdeckt er doch Teile des Tachos entscheidend. Und wo ich gerade am meckern bin: Der Kunststoff um die Tasten der Fensterheber und den TCT-Wählhebel wirkt einfach nur billig. Da ist noch Luft nach oben, Alfa! Ansonsten ist das Cockpit durchaus appetitlich eingerichtet, wenngleich Dinge wie die Klimaregler und Lenkstockhebel die Fiat-Herkunft gar nicht erst leugnen. Kommt aber in den besten Familien vor, fragen sie mal einen Bentley-Besitzer.

Durchgehend geöffnet
Wie schon bei der bisherigen Giulietta QV setzt Alfa auch künftig auf die gezielte Überschneidung der Ventilöffnungszeiten, ,Scavenging" genannt, um ein besseres Ansprechen des Turboladers zu erreichen. Tatsächlich arbeitet das Aggregat unter der Haube sehr elastisch und zieht schon aus niedrigen Drehzahlen mühelos an. Insgesamt 340 Newtonmeter erscheinen zwischen 2.000 und 4.000 Touren, 80 Prozent davon sind die Frühschicht bei 1.800 Umdrehungen. Zum Vergleich: Der VW Golf GTI Performance bietet 230 PS, 350 Newtonmeter bei 1.500 Touren und einen Sprint auf 100 km/h in 6,4 Sekunden. Hier hat der Alfa mit 6,6 Sekunden das Nachsehen, was aber eher ein Stammtisch-Problem sein dürfte.

Sport ohne Mord
Zum ausgewogenen Alfa-Eindruck tragen das gut ansprechende Doppelkupplungsgetriebe bei, ebenso das zwar straffe, aber nicht brutal harte Sportfahrwerk. Dafür gibt es keine Verstellmöglichkeiten, wohl aber für die Motorcharakteristik, die Schaltzeitpunkte, das Ansprechverhalten von ESP und ASR sowie die Lenkung. Möglich macht es das so genannte DNA-System. N steht für ,Natural", in diesem Fall das gemütliche Dahingleiten im Alltag. Hier wirkt die Lenkung zu unpräzise. Eine deutlich bessere Rückmeldung gibt es im Dynamic-Mode (D). Erst hier wird die Giulietta QV zum richtigen Glücks-Klee.

Alles nach vorne
Allzu forsch sollte man Kurven aber dann doch nicht durcheilen, schließlich bleibt der Alfa ein Fronttriebler, der im Extremfall hart untersteuert. Da nützt auch das elektronische Q2-System nicht, welches durch Bremseingriffe ein Sperrdifferential an der Vorderachse simuliert. Apropos Bremsen: Sie gehen ihrer Arbeit vorzüglich nach, etwas störend ist aber die schlechte Dosierbarkeit über das Pedal.

Wo bleibt die Stimmung?
Abgesehen von den systembedingten Nachteilen des Frontantriebs gibt es nur wenig, was man der Alfa Giulietta QV negativ ankreiden kann. Wichtigster Negativpunkt ist der Motorenklang. Er lässt sich am besten mit brummig-kernig umschreiben. Ab etwa 3.500 Umdrehungen wird die Maschine lebendig, es fehlt aber jener anregende Sound, wie ihn etwa früher die Alfa-Boxer hatten.

Preiswerter als der Platzhirsch
Zum Start bietet Alfa Romeo die Giulietta QV in einer so genannten ,Launch Edition" an. Sie umfasst 500 Exemplare mit diversen Kohlefaserelementen und speziellem Front- und Heckspoiler. Kostenpunkt: 39.950 Euro. Wem das zu viel des Guten ist, der kann zur Normalausführung greifen. Sie liegt bei 32.500 Euro. Serienmäßig sind neben den erwähnten 18-Zöllern und Sportsitzen auch eine Klimaautomatik sowie ein Infotainmentsystem mit Fünf-Zoll-Touchscreen. Zum Vergleich: Ein VW Golf GTI Performance kostet mit fünf Türen, DSG und ähnlicher Ausstattung ziemlich genau 2.000 Euro mehr.

Wertung

Preisliste

Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde

Grundpreis: 32.500 Euro

Modell Preis in Euro Launch Edition 39.950

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie (Doppelkupplung) CD-Radio Serie MP3 Serie Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Lederausstattung Serie (Alcantara-/Lederoptik)

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Turboaufladung  Zylinder 4  Ventile 4  Hubraum in ccm 1.742  Leistung in PS 240  Leistung in kW 177  bei U/min 2.000  Drehmoment in Nm 340  Antrieb Frontantrieb  Gänge 6  Getriebe Doppelkupplungsgetriebe  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.554  Spurweite hinten in mm 1.554  Radaufhängung vorn McPherson-Achse  Radaufhängung hinten Mehrlenker-Achse  Bremsen vorn Scheiben  Bremsen hinten Scheiben  Maße und Gewichte Länge in mm 4.351  Breite in mm 1.798  Höhe in mm 1.465  Radstand in mm 2.634  Leergewicht in kg 1.320  Kofferraumvolumen in Liter 350  Tankinhalt in Liter 60  Kraftstoffart Super  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 244  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,6  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,0  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,8  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,3  CO2-Emission in g/km 162  Schadstoffklasse Euro 6 

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