Der neue Audi S4 im Test

Der neue Audi A4 überzeugte bei seiner Einführung im Herbst 2015 mit konsequenter Weiterentwicklung und besonderen technologischen Details wie zum Beispiel dem ,Audi virtual cockpit". Nur bei den Motoren war bisher bei 252 PS Schluss. Das ändert sich nun, denn der neue Audi S4 steht bereits in den Startlöchern. Unter der Haube? Ein völlig neues Triebwerk. Wir sind den kommenden Sport-A4 gefahren.

Komplett neuer Motor
Die größte Änderung am S4 ist der neue Motor. Komplett überarbeitet bleiben nur Hub und Bohrung vom alten Kompressor-Aggregat übrig. Die Eckdaten der neuen Maschine: drei Liter Hubraum aus sechs Zylindern in V-Bauweise samt Turboaufladung. Der Zuwachs an Leistung und Drehmoment fällt mit 21 PS und 40 Newtonmeter zwar relativ moderat aus, die 354 PS und 500 Newtonmeter schieben den S4 allerdings in jeder Lebenslage sehr kraft- und druckvoll nach vorne. Konkret liegt das volle Drehmoment zwischen 1.370 und 4.500 Umdrehungen pro Minute an. Das Ergebnis: Den Standardsprint von null auf 100 meistert die S4-Limousine in 4,7 Sekunden. Der Wechsel von der Kompressor- zur Turboaufladung ist dabei einerseits Gewichts- aber vor allem auch Effizienzgründen geschuldet: Der neue Motor soll im Mittel nur noch 7,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Das sind 0,8 Liter weniger als noch beim Vorgänger mit Kompressor-Motor.

Innen kraftvoll, außen eher langweilig
Gibt man dem S4 ordentlich die Sporen und erfreut sich an dem Zusammenspiel von V6 und der schneller hoch- als runterschaltenden Achtgang-Tiptronic, belohnt der Antriebsstrang mit einem feinen Soundkonzert im Innenraum. Die Mischung aus einem Motorklang, der von einem hubraumstarken Aggregat zeugt und mit einer Portion Turbo-Zwitschern garniert ist, kommt allerdings leider nur im Cockpit so richtig rüber. Hier wurde an künstlichen Soundverstärkern nicht gespart. Und das, obwohl der S4 mit seinen vier Endrohren auch von außen etwas lauter sein dürfte. Und überhaupt: An den brutalen Klang des Fünfzylinders im RS 3 kommt der S4 nicht im Geringsten heran.

Ausbalanciert und gutmütig
Das Fahrverhalten des S4 bei sportlicher Gangart kann man getrost als ,narrensicher" beschreiben. Der serienmäßige Allradantrieb mit radselektiver Momentsteuerung verteilt die Antriebskräfte meistens zugunsten der Hinterachse, was den S4 kaum untersteuern lässt. Selbst wenn man etwas zu schnell in eine Kurve hineinfährt und die Vorderachse mit Lenken und Bremsen maximal belastet, zieht der Allradantrieb den S4 sehr präzise wieder gerade. Zum sehr sicheren Handling trägt auch das hervorragend austarierte Fahrwerk bei. Die Fünflenker-Aufhängungen mit adaptiven Dämpfern bieten eine große Spreizung bei Komfort und Sportlichkeit und machen den S4 bei jeder Fahrbahnbeschaffenheit zur richtigen Wahl. Federt der Audi im ,Comfort"-Modus noch etwas länger nach und schluckt selbst gröbere Wellen ohne zu murren herunter, geben die Dämpfer im ,Dynamic"-Modus kurze harte Stöße und damit ein gutes Feedback von der Straße zurück.

Optik etwas brav
Betrachtet man den S4 von außen, unterscheidet er sich nur in ein paar Details vom normalen A4. Zwar tragen Stoßfänger, Schweller und Lufteinlässe sportliche Akzente, richtig schlüssig wird der S4-Look aber nur am Heck. Dort wirkt der Diffusor-Ansatz mit den vier Endrohren im Vergleich zum restlichen Exterieur sogar schon etwas übertrieben. Aber in Zeiten, in denen selbst der Golf R vier Endrohre spazieren fährt, bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als die Lösung bei Audi zu akzeptieren, um das Eisdielen-Duell nicht zu verlieren. Ein Wort zum Gewicht: mit 1.705 Kilogramm ist der S4 zwar kein durchtrainierter Athlet, den Feierabend-Jogger unter dem Business-Smoking nimmt man ihm aber trotzdem gerne ab. Sehr positiv ist dabei vor allem die Diät, die Audi dem S4 seit der letzten Generation verordnet hat. Im Vergleich zum Vorgänger bringt der neue ganze 75 Kilogramm weniger auf die Waage.

Innenraum? Nichts zu meckern
Lässt man sich in die angemessen tief montierten Sportsitze mit gestepptem Leder und Massagefunktion fallen, empfängt einen das S4-Cockpit mit Audi-typischer Atmosphäre. Hohe Qualität wird mit einer geschmackvollen Material-Abstimmung vereint. Zierleisten und Umrandungen sind in glänzendem Carbon ausgeführt, was dem S4 im Cockpit einen Hauch Renn-Charakter verleiht. Der Start-Knopf ist gut zu erreichen und lässt schon beim Blick darauf Vorfreude auf das V6-Triebwerk aufkommen. Lediglich die viel zu kleinen Plastik-Schaltwippen wirken unglaublich billig und völlig fehl am Platz. Warum Audi ein Teil, das man quasi ständig in der Hand hat, und das so einen großen Anteil am Fahrgefühl hat nicht wenigstens aus Alu fertigt, ist mir ein Rätsel. Ein Störfaktor, der klein erscheint, aber immer wieder auffällt.

,Audi virtual cockpit" mit Sport-Anzeige
Beim ,Audi virtual cokpit" haben die Ingolstädter für den ,Dynamic"-Modus in die Trickkiste gegriffen und einen großen Drehzahlmesser mit Ganganzeige programmiert. Das Display zieht bei der sportlichen Kurvenhatz nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich und stellt nur die nötigsten Anzeigen bereit. Das Infotainment-System mit dem großen Display oben auf dem Armaturenbrett ist bereits aus dem Audi A4 bekannt und funktioniert auch im S4 perfekt. In der Mittelkonsole ist die ,Audi phone box" untergebracht, die sich beim Test nicht nur als perfekt angeordnete Ablage für das Smartphone herausstellt, sondern dieses auch per Induktion lädt und automatisch mit der Bordantenne verbindet.

Marktstart 2016
Der Audi S4 kommt als Limousine und Avant in der zweiten Jahreshälfte 2016 auf den Markt und wird ab 59.300 Euro kosten. Zum Vergleich: Der Jaguar XE mit Dreiliter-Kompressor-Motor und 340 PS startet bei 55.100 Euro und der Mercedes-AMG C 43 mit 367 PS geht bei 60.065 Euro los. Allerdings kommt lediglich die C-Klasse mit S4-ähnlichem Allradantrieb.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Audi S4 ist eine hervorragend ausbalancierte Sport-Limousine mit einem sehr feinen Motor. Wer einen guten Kompromiss zwischen Alltags-Touren und schnellen Feierabend-Fahrten sucht, sollte sich den Ingolstädter definitiv genauer anschauen.

    + sehr guter Motor, hervorragende Fahrwerks-Balance, fein abgestimmter Allrad-Antrieb, schicker Innenraum

    - etwas langweilige Optik, Sound wirkt recht künstlich, Schaltwippen passen qualitativ nicht zum restlichen Auto

  • Antrieb
    95%
  • Fahrwerk
    95%
  • Karosserie
    85%
  • Kosten
    90%

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Benziner 
Zylinder
Ventile 24 
Hubraum in ccm 2.995 
Leistung in PS 354 
Leistung in kW 260 
bei U/min 1.370 bis 4.500 
Drehmoment in Nm 500 
Antrieb Allrad 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.565 
Spurweite hinten in mm 1.546 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung 
Bremsen vorn Scheiben 
Bremsen hinten Scheiben 
Räder, Reifen vorn 245/40 R18 
Räder, Reifen hinten 245/40 R18 
Lenkung elektromechanische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.745 
Breite in mm 1.842 
Höhe in mm 1.404 
Radstand in mm 2.825 
Leergewicht in kg 1.705 
Kofferraumvolumen in Liter 480 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 965 
Tankinhalt in Liter 58 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,8 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,9 
CO2-Emission in g/km 166 
Schadstoffklasse Euro 6 


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