Jensens wiederbelebter Sportwagen debütiert mit fast 1.000 PS und Handschaltung
Vorerst ist er nur ein Prototyp, doch der Interceptor GTX gibt einen konkreten Ausblick auf Jensens künftige Straßenfahrzeuge
Jensen is back – und die Auferstandenen tastet sich alles andere als vorsichtig in die Sportwagenwelt zurück. Mit dem heutigen Debüt des Interceptor GTX macht die britische Marke einen großen Schritt in Richtung Comeback.
Der neue GTX ist ein Track Tool mit nahezu 1.000 PS, das einen Ausblick auf die Pläne des Unternehmens für eine neue Generation straßenzugelassener Modelle gibt. Kaufen kann man ihn noch nicht, der GTX ist eine Studie. Doch er zeigt klarer denn je, was Jensen vorhat.
Britisch geboren, amerikanisch geprägt
2026 Jensen Interceptor GTX mit 6,8-Liter-V8-Kompressormotor.
Jensen ist in Deutschland vielleicht kein Name, den jeder sofort einordnen kann, doch die Marke hat eine lange Geschichte. Der neue Interceptor GTX interpretiert dieses Erbe modern und kombiniert klassisch inspirierte Linien mit ziemlich brachialer Technik.
Unter der Haube arbeitet ein 6,8-Liter-Kompressor-V8 von General Motors – wobei dem Aggregat kaum gerecht wird, es einfach als GM-Motor zu bezeichnen. Weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Komponenten bleiben nach einer umfassenden Überarbeitung durch die Herrschaften von Late Model Engine aus Texas.
Das Ergebnis ist ein V8 mit CNC-gefrästen Zylinderköpfen, Titanventilen, einem vollständig geschmiedeten Kurbeltrieb und Motorsport-Komponenten, gesteuert von einer MoTeC-Motorsoftware. In der Standardkonfiguration leistet er 716 kW (973 PS). Jensen zufolge sind jedoch bis zu 895 kW (1.217 PS) und um die 1.500 Nm Drehmoment möglich.
Die Kraft gelangt über ein hinten montiertes sequenzielles Sechsganggetriebe von Samsonas Motorsport mit geradverzahnten Klauenzahnrädern an die Hinterachse. Eine Kardanwelle aus Carbon verbindet Motor und Transaxle, während ein Wavetrac-Differenzial die Leistung an die Hinterräder weitergibt.
Für die Verzögerung sorgt ein Bremsenpaket von AP Racing mit schwimmend gelagerten Stahlscheiben, untergebracht hinter eigens angefertigten 20-Zoll-Schmiederädern aus Aluminium mit Michelin-Pilot-Sport-Reifen. Außerdem setzt der GTX an beiden Achsen auf Doppelquerlenker sowie dreifach einstellbare Nitron-Dämpfer.
Funktional, aber keineswegs nüchtern
Innenraum des 2026 Jensen Interceptor GTX.
Der GTX steht auf einem Aluminiumchassis, das in Zusammenarbeit mit Avant Design entwickelt wurde. Und obwohl dieses Auto klar auf den Einsatz auf der Rennstrecke ausgerichtet ist, sollen laut Jensen rund 80 Prozent des Exterieurdesigns in die straßenzugelassenen Modelle übernommen werden.
Das bedeutet: Die schmalen horizontalen Leuchten, die großen Lufteinlässe, der integrierte Heckdiffusor und die offen sichtbaren Aerodynamikelemente sind mehr als reine Stilübungen. Der verstellbare Heckflügel etwa kann bis zu 350 kg Abtrieb erzeugen; Frontsplitter und glatter Unterboden komplettieren das Aerodynamikpaket. Vielleicht sollte man nochmal über die Front drüberbügeln und zusehen, dass der GTX nicht gar so sehr aussieht wie der letzte Chevy Camaro, oder was meinen Sie?
Innen ist der GTX so kompromisslos, wie es sein Äußeres erwarten lässt. Es gibt einen FIA-Sicherheitskäfig, Carbon-Schalensitze von Tillett mit Sechspunktgurten und einen Feuerlöscher. Ein MoTeC-Display übernimmt die Instrumentierung, während Alcantara-Bezüge und orangefarbene Nähte dem ansonsten renntauglichen Cockpit zumindest einen kleinen Hauch Luxus verleihen.
Wie geht es weiter?
Jensen Interceptor GT in 3/4-Heckansicht.
Der GTX soll erst der Anfang sein. Jensen wird das Auto nun Erprobungen unterziehen. Langfristig plant das Unternehmen darüber hinaus zwei Versionen des Interceptor: einen besonders leistungsstarken GTR und einen luxuriöser ausgerichteten GT. Anders als der GTX werden beide für den Straßenbetrieb ausgelegt sein und konventionellere Getriebe nutzen, darunter ein manuelles H-Schaltgetriebe und eine Automatik.
David Duerden, Managing Director von Jensen International, sagt dazu:
„Auch wenn dies nur der erste Schritt ist, gibt der GTX einen klaren Hinweis darauf, wohin wir uns bewegen, und markiert den Beginn einer spannenden neuen Ära für die Marke.“
Jensen hat noch nicht bekannt gegeben, wann die Produktion beginnen soll. Das Unternehmen erklärt lediglich, dass es im weiteren Verlauf der Entwicklung mit Kunden zusammenarbeiten werde. Damit bleiben viele Fragen offen: zum Preis, zu den Stückzahlen und dazu, wie viel von der extremen Performance des GTX tatsächlich in den Straßenautos ankommen wird.
Für den Moment ist der Interceptor GTX jedoch ein ziemlich überzeugender Weg für Jensen, zu zeigen, dass es die Marke mit ihrem Comeback ernst meint.
Motor1 meint: Der neue Interceptor GTX wirkt wie eine ernstzunehmende Maschine. Mit V8-Power und Handschaltung könnte er genau die Wiederbelebung sein, die der britische Hersteller braucht. Ob es dann wirklich auch zu einer Serienfertigung kommt, bleibt abzuwarten. Zu oft haben wir in den letzten Jahren vollmundige Ankündigungen vermeintlicher Comebacks gerade von britischen Traditionsmarken (erinnern Sie sich noch an den "serienreifen" TVR Griffith von 2017?) mitbekommen. Es bleibt spannend.
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