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Unterwegs im Donkervoort P24 RS: Nichts fühlt sich so lebendig an

600 PS, ein Fünfgang-Schaltgetriebe und 780 Kilo – der Niederländer liefert ein brutales Maß an roher Performance

Donkervoort P24 RS Testfahrt
Bild von: Donkervoort

Sie glauben alles über Autos zu wissen, die sich "direkt" oder "emotional" anfühlen. Sie glauben gar nicht, wie falsch Sie liegen. Denn das hier ist ein ganz anderes Level. Eine Lenkung, die lebt, spontane Gasannahme, ein so herrlich knackiger Gangwechsel, der einem das Grinsen ins Gesicht brennt …

Andere haben es versucht, doch nur wenige kommen an den Donkervoort P24 RS heran.

Das wildeste Auto aus den Niederlanden

Der P24 RS stammt aus den Niederlanden und ist das neueste Modell eines der glorreich unkonventionellsten Hersteller überhaupt. Schon die Eckdaten machen klar, dass es sich hier nicht um ernstzunehmendes Leichtgewicht handelt: 600 PS, 800 Nm Drehmoment, 0–100 km/h in 2,5 Sekunden, 0–200 km/h in 7,4 Sekunden, mehr als 290 km/h, 780 Kilo Trockengewicht, limitiert auf 150 Exemplare.

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bild von: Donkervoort

Ihn nur nach seinen Zahlen zu beurteilen, würde ihm allerdings nicht gerecht werden. Donkervoort baut seit fast 50 Jahren Autos. Wir haben uns im letzten Jahr die Manufaktur in Lelystad angesehen. Gegründet von Joop Donkervoort, begann alles mit einer Interpretation des Lotus Seven, die den niederländischen Zulassungsvorschriften entsprach. Von dort aus wurde das bekannte Rezept aus "leicht, Heckantrieb und maximaler Fahrspaß" konsequent bis ins Extreme weiterentwickelt.

Donkervoort fertigt seine Fahrzeuge in sehr kleinen Stückzahlen in Handarbeit, jedes einzelne nach Kundenwunsch. Die Werkshallen, die auf der eigenen Website als "Cathedral of Carbon, Temple of Turn-In, and House of Horsepower" beschrieben wird. Und ja, das passt.

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bilder von: Donkervoort
Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Fotos von: Donkervoort

Nach etwas Zeit mit dem P24 RS lässt sich sagen: Diese große Beschreibung ist vollkommen gerechtfertigt. Schon optisch ist der neueste "Donk" extrem. Als Weiterentwicklung des ohnehin schon markant gezeichneten Vorgängers F22 wirkt er spitzer, aggressiver und irgendwie auch reifer.

Auf Fotos bekommt man einen guten Eindruck von seinen Winkeln, den scharfen Details und all dem Drumherum, aber in natura wirkt er deutlich präsenter. Wie eine Mischung aus Batmobil und Machete zieht er Blicke und Kommentare auf sich, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Vor allem in grünem Carbon spielt das Licht eindrucksvoll mit den Flächen. Und das alles noch, bevor man ihn überhaupt startet.

Die Donkervoort-Formel: weniger Gewicht, mehr Wahnsinn

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bild von: Donkervoort

Ein Dreh am massiven Metallschlüssel, und der von Ford stammende 3,5-Liter-V6 erwacht grollend zum Leben. Die Entscheidung für einen Ford-Motor statt des bewährten 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbos von Audi, den die Marke zuvor nutzte, hatte gute Gründe: Audi verabschiedet sich von diesem legendären Triebwerk. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit den Vier Ringen an Bedingungen geknüpft. Am Motor darf man bis zu einem gewissen Grad arbeiten – aber eben nicht zu sehr.

Ford lässt deutlich mehr Spielraum, weshalb Donkervoort maßgeschneiderte Turbolader von Van Der Lees verbaut hat, um auf diese absurde Leistungszahl zu kommen. Ein Vierzylinder war als Option für die Zeit nach Audi im Gespräch, doch die Kunden fanden die Idee, Zylinder dazuzugewinnen statt zu verlieren, deutlich attraktiver. Wenn man bereits 300.000 Euro für den Einstieg aufruft, ist es vernünftig, auf die Kundschaft zu hören.

Sobald man unterwegs ist, fällt ein kleiner roter Schalter in der Mittelkonsole ins Auge. Er bietet drei Leistungsstufen: 400 PS für entspanntes Cruisen, 500 PS für eine engagiertere Fahrt und 600 PS für die volle Eskalation. Für die meisten Menschen dürften 400 PS bei praktisch keinem Gewicht mehr als genug sein – viele Hersteller sehen das bereits als Zielmarke.

Hier fühlt sich das durchaus ausreichend an, aber zugleich entsteht der Eindruck, dass der "Voort" eigentlich nur darauf wartet, richtig laufen zu dürfen – und dass ihn so wenig Leistung eher langweilt. Mit 500 PS wird die Sache deutlich ernster.

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bild von: Donkervoort

Schon die kleinste Bewegung am Gaspedal schickt das Drehmoment an die Hinterräder. Der Wagen stürmt mühelos nach vorn, während die Zahlen im digitalen Cockpit in atemberaubendem Tempo nach oben springen. Für die meisten Sterblichen wäre das bereits mehr als genug, um bis ans Lebensende zufrieden zu sein. Das ist etwa die halbe Leistung eines Bugatti Veyron – bei weniger als der halben Masse. Eigentlich müsste das reichen.

Tut es aber nicht. Es gibt keine vernünftige Welt, in der man die vollen 600 PS jemals "braucht". Spaß machen sie trotzdem gewaltig.

Die brutale Beschleunigung der niedrigeren Modi wirkt dann fast schon gewöhnlich. Hält man das Gaspedal länger als ein oder zwei Sekunden voll durchgetreten, verschwimmt die Welt; der Begrenzer kommt, der nächste Gang sitzt, und sofort steht der nächste Begrenzer an. Das ist brutal. Das ist absurd. Und wenn wir ehrlich sind, ist es eigentlich schon ein bisschen zu viel.

Umso dankbarer ist man für die Bremsen des P24 RS – klein wirken sie zwar, kräftig fühlen sie sich aber allemal an.

Ein Fahrerlebnis mit vollem Körpereinsatz

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bild von: Donkervoort

Doch das Auto ist mehr als eine Sammlung extremer Zahlen. Leistung zu haben ist schön und gut, aber wenn sie sich nur auf der Geraden nutzen lässt, kann man auch gleich in einem Tesla sitzen. Genau darum geht es Donkervoort nicht.

Das manuelle Fünfgang-Getriebe überzeugt mit kurzen Wegen und einer angenehm mechanischen Rastung, die bei jedem Schaltvorgang Freude macht. Es ist die Art Getriebe, mit der man sich beschäftigen muss, um das Beste herauszuholen – doch hat man es einmal verstanden, wird das Wechseln der Gänge beinahe süchtig machend.

Die Lenkung ist hier eine ganz eigene Erfahrung. Man erwartet nicht, dass ein Auto so schnell so direkt reagiert. Lenkt man in eine Kurve ein und gibt so viel Einschlag wie in einem "normalen" Auto, merkt man sofort: Der Donkervoort biegt stärker ein und baut mehr Grip auf, als man erwartet. Eine kleine geistige Neukalibrierung ist nötig. Danach fühlt sich die Lenkung fast jedes anderen Autos im Vergleich taub an. Dazu kommen die feinen Rückmeldungen aus dem Asphalt, die direkt in den Fingerspitzen ankommen.

Ganz ohne Unterstützung ist man dabei nicht unterwegs. Eine einstellbare Traktionskontrolle hält das Auto im Zaum, falls auf ein forsches "Pass auf, schau dir das an" eine allzu optimistische Demonstration folgen sollte, und auch das Fahrwerk lässt sich auf die jeweilige Strecke abstimmen. Dank des miserablen britischen Asphalts war die weichste Einstellung die beste Wahl – und selbst dann blieb das Auto eher auf der rumpeligen Seite.

Fazit: ab Werk komplett verrückt

Donkervoort P24 RS Testfahrt-Review
Bild von: Donkervoort

Das alles klingt ziemlich dramatisch, oder? Das liegt daran, dass es genau das ist. Dieses Auto ist nichts für Anfänger. Und auch nichts für Menschen, die sich leicht einschüchtern lassen.

Alles am P24 RS ist direkt, kommunikativ und reaktionsschnell. Ihn schnell zu fahren, ist körperliche Arbeit. Ja, es gibt Sicherheitsnetze – aber das heißt nicht, dass man ihn so mühelos bewegen kann wie einen Golf. Oder selbst wie einen 911 GT3.

Man findet schnell einen Zugang zu ihm, doch um ihn wirklich zu beherrschen, braucht es Jahre. Der P24 RS ist ein Auto, das beim Fahren vollen Einsatz verlangt. Für die Lenkung braucht es etwas Oberkörperkraft, das Getriebe verlangt nach entschlossenem Ziehen und Drücken, man ist ständig damit beschäftigt zu schauen, was man gerade eingeholt oder abgehängt hat – also praktisch alles und jeden. Das Fahrwerk spannt Muskeln an, von denen man nicht wusste, dass man sie besitzt.

Steigt man dann aus, braucht es erst einmal einen Moment Pause. Und kurz darauf schmerzt vor allem eines: die Sehnsucht nach der nächsten Runde. Dieses Ding ist eine Droge. Zum Glück eine legale.

Donkervoort P24 RS Technische Daten

Motor Turbocharged 3.5-Liter V6
Leistung 600 Horsepower / 590 Pound-Feet
Getriebeart Five-Speed Manual
Antrieb Rear-Wheel Drive
Beschleunigung 0-62 mph 2.5 Seconds
Höchstgeschwindigkeit 180+ Miles Per Hour
Leergewicht 1,720 Pounds (Dry)
Anzahl der Sitze 2
Basispreis €298,500 ($350,000)
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