"Werden nicht überleben": Nissan will Autos schneller entwickeln
Der angeschlagene japanische Autohersteller verkürzt die Entwicklungszeiten drastisch – neue Modelle sollen schneller kommen.
Bei einem Treffen mit Zulieferern zu Beginn dieses Jahres sprach Toyotas damaliger CEO Koji Sato eine deutliche Warnung aus: "Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben. Ich möchte, dass sich alle dieses Krisenbewusstsein vergegenwärtigen. Derzeit kämpfen wir in der Automobilindustrie um unser blankes Überleben."
Wie sich zeigt, teilt der japanische Hersteller Nissan diese Einschätzung. Ein ranghoher Manager hat nun eine ähnliche Aussage getroffen – wenn auch aus einer anderen Perspektive.
Während Toyota mit der sogenannten "„Smart Standard Activity" die Anforderungen an Zuliefererspezifikationen im Wesentlichen senkt, um Kosten zu sparen, verkürzt Nissan die Entwicklungszeiten drastisch, um neue Modelle schneller auf den Markt zu bringen. Im Gespräch mit Automotive News betonte Kazuyuki Yamaguchi, Corporate Vice President Product Development No. 1 in der F&E-Abteilung, ebenfalls die Dringlichkeit eines radikalen Wandels – andernfalls drohe das Aus:
Rendering des Nissan Skyline 2027 von Motor1.com
"Wir müssen attraktive Produkte schneller auf den Markt bringen. Andernfalls werden wir nicht überleben. Das ist eine sehr einfache Botschaft.
[Die Produktentwicklung] war früher sehr demokratisch, aber auch sehr zeitaufwendig. Diesen Zeitluxus haben wir nicht mehr. Heute ist der Prozess klarer und schlanker, ohne ineffizientes Hin und Her. Der Zeitplan ist inzwischen deutlich kürzer."
Kürzere Entwicklungszeiten, weniger Modelle und Plattformen
Im Idealfall will Nissan das Tempo erreichen, das derzeit viele etablierte Autohersteller anstreben: die sogenannte "China Speed". Die Maßnahmen laufen bereits, um die Entwicklungszeit für ein komplett neues Modell von 52 auf 37 Monate oder sogar noch weniger zu senken. Verwandte Modelle sollen nicht mehr 50 Monate wie früher benötigen, sondern nur noch 30 Monate.
Unterstützt wird diese neue Strategie durch ein stärker optimiertes Teileportfolio. Nissan will die Zahl der Plattformen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts drastisch von 13 auf nur noch sieben reduzieren. Ein weiteres Ziel ist es, die Teilekomplexität um bis zu 70 Prozent zu senken und das Modellprogramm von 56 auf 45 Fahrzeuge zu verkleinern. Künftig sollen die Produkte in vier Kategorien gebündelt werden: Heartbeat, Core, Growth und Partner.
Rendering des Nissan Skyline 2027 von Motor1.com
Ein neuer Skyline steht kurz vor dem Debüt
Einige Neuheiten sollen sogar noch schneller kommen. Der Skyline der nächsten Generation, der in diesem Winter debütieren soll, wurde offenbar in lediglich 26 Monaten entwickelt. Die heckgetriebene Limousine ist das erste Modell, das nach dem neuen F&E-Ansatz entwickelt wurde, der die Vorlaufzeiten verkürzen und neue Fahrzeuge schneller auf den Markt bringen soll. In Japan wird das Modell als Nissan verkauft, für die USA ist ein Infiniti-Schwestermodell als möglicher Nachfolger des Q50 geplant.
Kurz nach dem Skyline/Q50-Duo soll auch der Xterra zurückkehren – als klassischer SUV mit Leiterrahmen zu einem Preis von unter 40.000 US-Dollar. Ein neuer GT-R mit Verbrennungsmotor ist offiziell in Arbeit, bis zur Markteinführung dürften jedoch noch viele Jahre vergehen. Gleiches gilt für den nächsten Z. Hier hat Nissan bereits bestätigt, dass er nicht vor 2030 kommen wird.
Teaser des Nissan Xterra 2028
Motor1-Fazit: Bei Nissan ist derzeit viel in Bewegung – und damit ist nicht nur eine Neuordnung des Produktportfolios mit schnelleren Modellanläufen gemeint. Das Unternehmen schließt sieben Werke und zwei Designstudios, baut 20.000 Stellen ab und senkt seine jährliche Produktionskapazität um eine Million Fahrzeuge. Außerdem verabschiedet sich Nissan von der Strategie, um jeden Preis auf Volumen zu setzen; CEO Ivan Espinosa räumte ein, dass dies ein Fehler gewesen sei.
Es ist selten, dass ein Autohersteller derart weitreichende Veränderungen auf einmal anstößt. Ob sich diese auszahlen, bleibt offen, denn die Ergebnisse von Nissans Umbau werden sich nicht über Nacht zeigen.
Quelle: Automotive News
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