Honda-Chef deutet bevorstehenden Nissan-Deal an
Es wird keine Fusion, sondern eine Zusammenarbeit bei mehreren Projekten
Honda und Nissan sorgten im Dezember 2024 für Schlagzeilen, als sie ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichneten, um eine Fusion zu prüfen. Bereits im Februar des darauffolgenden Jahres entschieden die beiden japanischen Marken jedoch, doch keine neue gemeinsame Holdinggesellschaft zu gründen. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache.
Warum scheiterte der Deal und was ist nun anders? Reuters berichtete damals, dass Honda statt der zunächst kommunizierten „Fusion unter Gleichen“ die Kontrolle übernehmen und Nissan zu einer Tochtergesellschaft machen wollte. Zudem scheiterte das Vorhaben, weil Honda tiefere Einschnitte bei Stellen sowie Werkschließungen vorantreiben wollte – was bei Nissan auf Widerstand stieß.
Obwohl die Fusionsgespräche nur wenige Monate nach der Ankündigung abrupt endeten, dauerte es nicht lange, bis Berichte über eine andere Form der Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen auftauchten. Nun hat Hondas CEO und Präsident bestätigt, dass ein Deal mit Nissan kurz vor dem Abschluss steht. Nikkei Asia zitiert Toshihiro Mibe, der Aktionären sagte, die Verhandlungen zwischen den beiden japanischen Marken seien „ziemlich weit fortgeschritten, mit einigen Punkten kurz vor einer Ankündigung“.
Konkrete Details zur Ausgestaltung der Partnerschaft nannte er nicht. Der Honda-Chef sagte lediglich, die Unternehmen würden „bei jedem Projekt in einer Win-win-Beziehung“ sein. Aus dieser Aussage lässt sich ableiten, dass es nicht um eine Fusion geht, sondern um Kooperationen in ausgewählten Geschäftsbereichen. Ob das gemeinsame Fahrzeugentwicklung, geteilte Produktionskapazitäten oder etwas anderes bedeutet, bleibt offen.
Honda-CEO und Präsident Toshihiro Mibe
Honda und Nissan könnten gemeinsam ECUs nutzen
Berichten zufolge arbeiten Honda, Nissan und Mitsubishi daran, elektronische Steuergeräte (ECUs) für Modelle der nächsten Generation zu standardisieren. Diese gemeinsamen ECUs sollen markenübergreifend in Fahrzeugen zum Einsatz kommen, die um 2030 herum auf den Markt kommen. Noch sind nicht alle Details final, erwartet wird der Einsatz der ECU jedoch in Hybrid- und Elektrofahrzeugen.
Auch Renault dürfte bei dem Deal ein Wörtchen mitreden, da der Konzern weiterhin 15 % der Stimmrechte an Nissan hält – nach 43 % im Jahr 2023. Die neuen Gespräche fallen in eine Phase, in der Nissan ein umfassendes Kostensenkungsprogramm umsetzt. Dazu gehören die Schließung von sieben Werken, das Aus für zwei Designstudios sowie der Abbau von rund 20.000 Stellen. Im Rahmen des Restrukturierungsplans RE:Nissan reduziert das Unternehmen zudem die Produktionskapazität von 3,5 Millionen auf 2,5 Millionen Einheiten.
Auch Honda befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, nachdem das Unternehmen den ersten Jahresverlust seiner Geschichte ausgewiesen hat. Zuletzt strich Honda mehrere EV-Projekte wegen Sorgen um die Nachfrage und hat zudem das Ziel aufgegeben, bis 2040 ausschließlich Elektroautos zu bauen. Stattdessen setzt man nun auf eine neue Hybrid-Generation – angeführt von einem keilförmigen Limousinen- und SUV-Duo, das für 2028 erwartet wird.
Nissan Frontier (Modelljahr 2027)
Motor1 meint: Vermutlich werden wir künftig noch häufiger von etablierten Autoherstellern und ihren Plänen hören, gemeinsam Projekte zu stemmen. Während China den Druck erhöht, stehen klassische Hersteller unter Zugzwang, Kosten zu senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gemeinsame Entwicklung reduziert nicht nur Ausgaben, sondern kann auch die Markteinführung neuer Fahrzeuge beschleunigen.
Honda und Nissan stehen beide unter Druck. Und auch wenn die Fusionsgespräche nicht zielführend waren, deutet immer mehr darauf hin, dass beide dennoch Schnittmengen finden und bei großen Projekten zusammenarbeiten werden.
Quelle: Nikkei Asia
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