Mercedes Marco Polo wird zum Glamping-Van
Mehr Raum unterm Dach, smartere Technik und ein Ausbau direkt von Mercedes
Camping ist längst mehr als Klappstuhl und Kartuschenkocher. Viele wollen heute einen Van, der montags vor dem Büro genauso funktioniert wie freitagabends am See. Genau diese Rolle erfüllt der Marco Polo seit Jahren. Und genau dort setzt auch die bislang umfangreichste Überarbeitung der aktuellen Generation an.
Dass Mercedes seinen Premium-Camper weiter schärft, überrascht kaum. Erst vor wenigen Wochen hat der Marco Polo eine umfassende Modellpflege mit technischen und praktischen Neuerungen bekommen. Gleichzeitig steht mit dem neuen VLE bereits die nächste Van-Generation in den Startlöchern.
Bildergalerie: Mercedes Marco Polo (2026) und Marco Polo Horizon (2026)
Am Grundkonzept rüttelt Mercedes nicht. Mit 5,14 Metern Länge und knapp zwei Metern Höhe bleibt der Marco Polo voll alltagstauglich – inklusive Parkhaus und Waschanlage. Die Mischung aus Familienvan und Reisemobil bleibt damit seine größte Stärke. Ab dem 5. August 2026 ist er in Deutschland und weiteren europäischen Märkten bestellbar.
Die sichtbarste Änderung sitzt oben: Statt GFK gibt es ein Aufstelldach mit Aluminium-Doppelschale. Das sorgt für mehr Stabilität und bringt rund zehn Zentimeter zusätzliche Höhe im hinteren Bereich. Klingt nach wenig, macht im Alltag aber einen spürbaren Unterschied, etwa beim Umziehen oder an Regentagen. Das Dach öffnet optional elektrisch, später folgen Panoramaelemente im Faltenbalg sowie ein Glas-Schiebedach.
Im Innenraum bleibt die Küchenzeile das Herzstück: zweiflammiger Gaskocher, Spüle und 40-Liter-Kompressor-Kühlbox. Letztere arbeitet effizienter und benötigt laut Mercedes rund 25 Prozent weniger Energie. Dazu kommen überarbeitete Schubladen, ein besser nutzbarer Klapptisch und viele kleine Detailverbesserungen, die man vor allem auf längeren Trips zu schätzen weiß.
Geschlafen wird weiterhin auf zwei Ebenen. Oben wartet ein 2,05 Meter langes Dachbett mit Kaltschaummatratze und punktelastischen Federelementen. Unten verwandelt sich die elektrisch verstellbare Sitzbank per Knopfdruck in ein Doppelbett. Vier Schlafplätze bleiben, die zusätzliche Kopffreiheit im Dach sorgt für etwas mehr Bewegungsfreiheit, was gerade morgens ein Plus ist.
Neu gedacht ist auch das Licht. Eine umlaufende LED-Ambientebeleuchtung im Dachbereich ergänzt das bekannte Innenraumkonzept. Zusammen mit hellen Möbeln, verschiedenen Bodenoptiken und zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten wirkt der Marco Polo inzwischen eher wie ein kompaktes Apartment als wie ein klassischer Campingbus.
Dazu kommen magnetische Verdunkelungen im Cockpit, eine flexible Markise, zusätzliche Lichtquellen sowie zahlreiche Anschlüsse (USB, 12 Volt, 230 Volt). Gesteuert wird das Ganze weiterhin über das MBAC-System oder per Smartphone. Licht, Kühlbox, Heizung oder Aufstelldach lassen sich bequem vom Bett oder von außerhalb bedienen – der Marco Polo rückt damit noch näher ans rollende Smart Home.
Wichtig ist auch, was im Hintergrund passiert: Erstmals stammt der komplette Campingausbau aus dem eigenen Haus. Die V-Klasse wird weiterhin im spanischen Vitoria gebaut, der Ausbau erfolgt künftig in Ludwigsfelde. Mercedes verspricht sich davon kürzere Lieferzeiten, mehr Flexibilität und eine engere Qualitätskontrolle.
Im Programm bleibt auch der Marco Polo Horizon: Optisch ähnlich, aber anders gedacht. Statt vollwertigem Camper richtet er sich an Nutzer, die ihren Van primär im Alltag bewegen und nur gelegentlich unterwegs übernachten.
Mercedes Marco Polo Horizon
Im Innenraum bedeutet das: keine feste Küche, dafür mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Bis zu sieben Sitze sind möglich, das Aufstelldach mit Dachbett bleibt. Zusammen mit der umklappbaren Sitzbank entstehen bis zu vier Schlafplätze, was vollkommen ausreichend für spontane Trips ist.
Auch der Horizon profitiert vom neuen Aluminium-Dach, den überarbeiteten Lichtlösungen und optionalen Panorama-Elementen. Er übernimmt viele Komfort-Updates, ohne den kompletten Campingausbau mitzuschleppen.
Für viele dürfte genau das die spannendere Lösung sein. Wer den Van überwiegend als Familienauto nutzt und nur ab und zu Richtung Meer oder Berge fährt, wird die zusätzliche Variabilität häufiger nutzen als eine feste Küchenzeile. Der Horizon bleibt damit eine V-Klasse mit Camping-Option auf Abruf.
Unterm Strich bleibt es dabei: Mercedes erfindet den Marco Polo nicht neu, sondern verbessert ihn konsequent im Detail. Mehr Platz im Dach, effizientere Technik, durchdachtere Lösungen und ein Ausbau aus eigener Produktion ergeben ein stimmigeres Gesamtpaket. Eine große Revolution braucht es hier nicht.
Im Wettbewerb wird es trotzdem spannend. Schließlich wartet mit dem überarbeiteten VW California bereits der wohl größte Rivale, der Alltag und Camping miteinander verbindet. Wer günstiger einsteigen will, findet mit Panama River R10 oder Antilope Van Flex 5 interessante Alternativen auf Renault-Trafic-Basis. Einen völlig anderen Weg gehen dagegen der elektrische Ventje auf VW-T7-Basis und der ebenfalls vollelektrische Kia PV5 Camper mit Ausbau von VanTrack.
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