Zum Hauptinhalt springen

Westfalia Columbus Liner (2026): Dieser Campervan hat eine Dachlounge

Nicht mehr Schlafplätze stehen im Mittelpunkt, sondern das Erlebnis auf dem Dach

Westfalia Columbus Liner (2026)
Bild von: Westfalia

Wer glaubt, dass bei Campervans längst jede Dachvariante erfunden wurde, sollte sich den Westfalia Columbus Liner genauer ansehen. Denn während die meisten Aufstelldächer vor allem zusätzliche Schlafplätze schaffen sollen, geht Westfalia einen anderen Weg. Hier wird das Dach nicht versteckt oder nebenbei mitgedacht, sondern bewusst ins Zentrum gerückt.

Ganz neu ist die Idee nicht. Der BYD-Penthouse-Camper hatte bereits gezeigt, wie weit man das Thema treiben kann, bis hin zur Dachterrasse. Der Columbus Liner bleibt deutlich näher an der europäischen Denkweise, verfolgt aber eine ähnliche Grundidee: Das Dach ist nicht nur für die Nacht da. Gleichzeitig grenzt sich Westfalia klar von Konkurrenten wie dem Carado CV541 Pro oder Sunlight Cliff 540V Vanlife ab, bei denen das Aufstelldach den Schlafraum liefert.

Bildergalerie: Westfalia Columbus Liner (2026)

Klassische Aufstelldächer verschwinden tagsüber aus dem Nutzungsprofil. Man klappt sie abends auf – und morgens wieder zu. Beim Columbus Liner ist das Dach dagegen Teil des Wohnraums, es wird nicht nur mitgedacht, sondern aktiv genutzt. Vorgestellt wird der Columbus Liner erstmals auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Also genau dort, wo sich zeigt, ob das Konzept auch beim Publikum zündet.

Dass Westfalia so etwas ausprobiert, überrascht nicht wirklich. Die Marke hat schon öfter gezeigt, dass sie sich nicht strikt an die üblichen Ausbau-Logiken hält. Der Columbus Liner wirkt entsprechend weniger wie ein Ergänzung eines bekannten Grundrisses, sondern eher wie ein bewusst anderer Ansatz.

Bilder von: Westfalia
Bilder von: Westfalia

Basis ist der Fiat Ducato mit 6,36 Metern Länge. Also das bekannte Format für alle, die noch halbwegs alltagstauglich unterwegs sein wollen, ohne gleich bei der Parkplatzsuche verzweifeln zu müssen. Technisch bleibt damit vieles vertraut. Optisch allerdings nicht.

Denn was hier sofort auffällt, ist das Dach. Es wirkt nicht wie ein aufgesetztes Element, sondern fast wie ein zusätzliches Stockwerk. Deutlich präsenter als bei klassischen Aufstelldächern – und genau so gewollt. Man sieht dem Fahrzeug an, dass sich dort oben mehr abspielt als nur Schlafen.

Bild von: Westfalia

Während bei vielen Campervans das Dachbett tagsüber keine Rolle spielt, bleibt der obere Bereich hier ständig Teil des Raumgefühls. Große Öffnungen, viel Licht und die erhöhte Position sorgen dafür, dass man ihn tatsächlich nutzt. Westfalia nennt das „Sky Lounge“. Kann man so stehen lassen.

Wichtiger ist, was dahintersteckt: ein zusätzlicher Aufenthaltsbereich. Kein Ersatz für den unteren Wohnraum, sondern eine echte Ergänzung. Das funktioniert vor allem deshalb, weil der Rest des Fahrzeugs nicht vernachlässigt wird. Der Columbus Liner bleibt ein vollwertiger Campervan mit klassischem Aufbau. Vier Sitzplätze, vier Schlafplätze, also genau das, was viele in dieser Klasse erwarten.

Bilder von: Westfalia
Bilder von: Westfalia

Die Küche ist funktional ausgelegt: Kochfeld (optional auch Induktion), brauchbare Arbeitsfläche und ein 90-Liter-Kompressorkühlschrank. Dazu kommt ausreichend Stauraum, um auch längere Reisen ohne ständiges Umräumen zu überstehen. Keine Experimente, sondern solide umgesetzt.

Beim Bad geht Westfalia einen Schritt weiter als viele Wettbewerber. Das neu entwickelte Liner-Bad kombiniert einen voll ausgestatteten Waschraum mit einer überraschend großzügigen Dusche in einem variablen Raumkonzept. Die Clesana-Trockentoilette lässt sich in ihrer Toilettengarage verstauen und das klappbare Waschbecken kann nach oben geschwenkt werden.

Bilder von: Westfalia
Bilder von: Westfalia

Übrig bleibt eine voll nutzbare Duschfläche, die deutlich mehr Bewegungsfreiheit bietet, als man in einem Kastenwagen dieser Größe erwarten würde. Ein Seitenfenster sorgt für Tageslicht und Belüftung und die indirekte LED-Beleuchtung nimmt dem Raum den Charakter einer Nasszelle. Hinzu kommen Ablagen, Spiegel und Stauraum, die im Alltag wichtiger sind als die Frage, ob irgendwo noch ein weiterer USB-Port leuchtet.

Geschlafen wird auf einer eigenen Ebene im Heck: Das King-Size-Bett ist deutlich größer als das, was man in vielen Kastenwagen findet und auf Dauerbetrieb ausgelegt. Dazu kommt der optionale Schlaf- und Aufenthaltsbereich im Dach. Im Vergleich zu typischen Aufstelldächern wirkt es dort oben deutlich luftiger – mit über 90 Zentimetern Kopffreiheit bei geschlossenem Dach und Fenstern auf beiden Seiten sowie im Aufstelldach, statt dem üblichen Box-Gefühl.

Bild von: Westfalia

Auch bei der Ausstattung zeigt sich, dass der Columbus Liner nicht als reines Wochenendfahrzeug gedacht ist. Eine Warmwasser-Dieselheizung mit zwei Heizzonen, der 90-Liter-Kompressorkühlschrank sowie Frisch- und Abwassertanks mit 95 beziehungsweise 100 Litern gehören zum Grundpaket. Wer länger autark stehen will, kann optionale Energiepakete mit bis zu 540 Ah Lithium-Batteriekapazität, Wechselrichter und Solarmodul ergänzen.

Technisch bleibt alles auf bekanntem Niveau. Der Columbus Liner setzt auf den Fiat Ducato mit den bekannten Dieselmotoren zwischen 140 und 180 PS sowie Schalt- oder Automatikgetriebe. Das sorgt dafür, dass sich das Fahrzeug auch auf längeren Strecken souverän bewegen lässt, ohne Experimente beim Basisfahrzeug zu machen.

Bilder von: Westfalia
Bilder von: Westfalia

Gerade in Europa dürfte genau diese Kombination interessant sein. Außen bleibt der Columbus Liner mit 6,36 Metern Länge und Ducato-Format kompakt genug für enge Straßen und Stellplätze, innen sorgt das Drei-Ebenen-Konzept mit Doppelboden und Sky Roof für ein Raumgefühl, das eher an größere Reisemobile erinnert. Nicht auf dem Niveau eines 8-Meter-Liners, aber deutlich über dem, was man in einem klassischen Kastenwagen erwartet.

Statt noch ein weiteres Bett ins Datenblatt zu schreiben, rückt Westfalia das Dach als eigenen Lebensraum in den Mittelpunkt. Natürlich hat das Konzept seinen Preis. Mit einem Einstiegspreis ab rund 83.900 Euro liegt der Columbus Liner klar über typischen Einstiegs-Campervans, aber noch unter vielen größeren Teilintegrierten oder Luxus-Linern. 

Bilder von: Westfalia
Bilder von: Westfalia

Damit steht der Columbus Liner gedanklich näher beim ungewöhnlichen BYD-Camper als bei klassischen Aufstelldach-Modellen, also eher Konzeptverwandtschaft als Technikvergleich. Die Dachkonstruktion wird nicht als notwendige Hülle verstanden, sondern als zusätzlicher Aufenthaltsraum, der im Alltag tatsächlich genutzt werden soll und über ein reines Bett hinausgeht.

Der Columbus Liner setzt diese Idee deutlich bodenständiger um: kein Showcar, keine ausfahrbare Penthouse-Etage, sondern ein serienreifer Campervan mit konsequent anders genutztem Dachbereich, der sich auf dem Caravan Salon 2026 erstmals dem Publikum zeigt.