Ist dieser Flieder-Urus von Larte schon Understatement?
Die Tuner sind bekannt für harte Kontraste und Pomp – dieser Lamborghini wirkt dagegen nahezu sanft
Understatement ist nicht so Lartes Ding. Mächtige Bodykits, üppige Lufteinlässe und auffällige, aber vor allem kontrastreiche Farbkombinationen zieren ihre umgebauten Boliden. Wenn wir beim aktuellen Projekt jedoch nicht die wilden Zeichnungen und Spoiler entdeckt hätten, wären wir fast ins Zweifeln gekommen, ob es sich tatsächlich um einen Larte handelt.
Denn der Lamborghini Urus Largenda kommt in einem gesetzten Fliederton daher – ohne jegliche Kontraste. Sicher, auffällig ist das immer noch, aber nicht so dermaßen "on the nose" wie bei vergleichbaren Projekten der Tuner. Schuld daran ist vor allem das komplett eingefärbte und nicht lackierte Carbon.
Bildergalerie: Larte Design Lamborghini Urus in Carbon-Flieder-Largenda
Das sogenannte Level-2-Programm von Larte richtet sich an Kunden, denen der reguläre Werkskonfigurator aus Sant'Agata Bolognese längst nicht mehr ausreicht. Die 15 neu entwickelten Außenbauteile des Bodykits bestehen zu 100 Prozent aus "Dry Carbon". Der Clou an der Sache: Der exakte Farbreferenzwert des Lacks wird direkt bei der Laminierung in das Gewebe eingearbeitet.
Da regulärer Lack auf der Oberfläche liegt und eingefärbtes Carbon das Licht aus der Tiefe bricht, ist das optische Matching eine kleine Wissenschaft für sich. Nach etlichen Testrunden hat der Tuner es geschafft, dass Frontschürze und Motorhaube bei Sonnenlicht, im Studio und bei typischem Schmuddelwetter den Farbton der restlichen Karosserie treffen. Zumindest sagt das die Pressemitteilung, auf den Fotos sieht das Carbon einen Tacken dunkler aus.
Das Flieder zieht sich über die vorderen Lufteinlässe, die Radläufe und die Seitenschweller über den Heckspoiler bis hinunter zum Heckdiffusor und den Auspuffblenden. Um den Wagen optisch nicht völlig abheben zu lassen und das visuelle Gewicht zu erden, bleiben lediglich die Felgen in einem dunklen Ton.
Leichtbau ohne Flex und Bohrer
Die Kohlefaser-Komponenten stammen aus Produktionsstätten, die auch Teile für Bugatti oder Porsche backen. Wer bei Carbon aber automatisch an massiven Leichtbau denkt, wird hier überrascht. Die neue Larte-Motorhaube bringt exakt neun Kilogramm auf die Waage – und ist damit bewusst kein Gramm leichter als das Lambo-Original, das ab Werk ohnehin schon aus Kohlefaser besteht.
Der Heckdiffusor knapst im Vergleich zur Serie immerhin rund ein Kilogramm ab. Flex und Bohrer können bei der Montage übrigens im Werkzeugschrank bleiben: Der Tuner nutzt die originalen Befestigungspunkte und verbaut alle Teile mit zertifiziertem Kleber sowie den passenden Schrauben.
Wer mit so einem Bodykit vorfährt, hat die Rennleitung meist schnell im Nacken. Doch der Largenda-Umbau hat tatsächlich Hand und Fuß. Larte hat für das Urus-Kit eine nationale Teiletypgenehmigung direkt vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in der Tasche. Zuvor hat die GTÜ in Stuttgart die Bauteile rigoros nach VdTÜV-Vorgaben geprüft – vom Splitterverhalten nach DIN-Norm bis hin zum Fußgängerschutz nach UN-Richtlinien.
Die Freigabe gilt für den Standard-Urus sowie die Versionen S und Performante. Einzige bauliche Einschränkung: Die fliederfarbene Heckschürze passt wegen der abweichenden Serienform nur ans Basismodell. Auf das gesamte Kit gibt es eine Garantie von 36 Monaten. Preise für den farbigen Exzess nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Larte fasst es passend zusammen: "Bei diesem Urus wollten wir, dass das Carbon aufhört, sich wie ein Akzent zu verhalten, und stattdessen wie ein Teil derselben Oberfläche wie der Lack wirkt." Dass man die harte Arbeit der offiziellen Zulassung gleich mitgemacht hat, passe ins Bild. Frei nach dem Tuning-Motto: "Design leads. Engineering finds the way."
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