Der Lexus LFA kehrt 2027 zurück, aber ohne V10-Motor
Der nächste Lexus-Supersportwagen wird vollelektrisch sein
Der ursprüngliche Lexus LFA tat sich einst beim Verkauf schwer, doch der vom V10 angetriebene Supersportwagen gewann mit der Zeit eine treue Fangemeinde und genießt unter Enthusiasten heute hohes Ansehen. In Deutschland wurden übrigens exakt 14 Exemplare des 560-PS-Supersportlers zwischen 2010 und 2012 neu zugelassen.
Der Name steht nun offenbar vor einer Wiederverwendung für ein völlig anderes Performance-Flaggschiff von Lexus. Und zwar eines, das komplett auf einen Verbrennungsmotor verzichten wird. Vorgestellt zunächst mit dem Electrified Sport Concept und später mit einem gleichnamigen Konzept, soll der nächste LFA bei seiner Markteinführung im kommenden Jahr vollelektrisch sein.
Bildergalerie: Lexus LFA EV Concept
Vor dem Marktstart zeigte sich am Wochenende ein getarnter Prototyp beim Goodwood Festival of Speed erstmals in der Öffentlichkeit. Dort trat er in prominenter Gesellschaft auf, gemeinsam mit dem Toyota GR GT und dem rein für die Rennstrecke ausgelegten GR GT3. Das hat einen guten Grund, denn der neue LFA wird in weiten Teilen auf diesen beiden Fahrzeugen basieren – allerdings ohne den 4,0-Liter-V8-Biturbo. Erwartet wird dieselbe aluminiumintensive Plattform, die auch Elektromotoren und ein Batteriepaket für den vollelektrischen Lexus aufnehmen kann.
Während Lexus zu den technischen Daten bislang schweigt, hat die Marke die Abmessungen des elektrischen Supersportwagens zumindest in Konzeptform bereits veröffentlicht. Mit einer Länge von 4.690 Millimeter und einer Breite von 2.040 Millimeter wird er deutlich größer ausfallen als der ursprüngliche LFA. Gleichzeitig liegt er mit nur 1.195 Millimetern Höhe wesentlich flacher auf der Straße. Trotz seines großzügigen Radstands von 2.725 Millimetern bietet er nur zwei Sitzplätze.
Das britische Magazin Autocar sprach in Goodwood mit Lexus und erfuhr dabei einige interessante Details zur Rückkehr des LFA. Der Designer des Konzepts, Shogo Kasamatsu, erklärte, das Styling sei entwickelt worden, um "die Botschaft auszudrücken und nicht unsere übergreifende Formensprache". Mit anderen Worten: Das Modell wird sich nicht vollständig an die aktuelle Lexus-Designsprache halten, etwas, das bereits an diesem getarnten Prototypen erkennbar ist. Auch die Serienversion soll sich nur wenig vom Konzept unterscheiden; laut Kasamatsu wird sie "fast" genauso aussehen.
Lexus ist sich der Risiken bewusst, dass sich der neue LFA schwer verkaufen könnte, da wohlhabende Käufer derzeit kein allzu großes Interesse an elektrischen Super- oder Hypercars zeigen. Einen ähnlichen Tenor gab es bereits vor ein paar Jahren, als Rimac-Chef Mate Rimac sagte, dass extrem vermögende Kunden eher einen Verbrenner-Antrieb und ein analogeres Fahrerlebnis bevorzugen.
Der Product General Manager des LFA, Yukihiro Yukita, räumte ein, dass die schwache Nachfrage in diesem Segment aktuell die "größte Herausforderung" für das Unternehmen darstellt. Trotz dieser Hürden bleibt die Serienversion auf Kurs für einen Marktstart 2027.
Lexus will Reize wie bei einem Verbrenner vermitteln
Während leistungsstarke Elektroautos im oberen Segment häufig versuchen, die Emotionen eines Verbrenners zu simulieren, will Lexus einen Schritt weitergehen und dem Fahrer das Gefühl geben, "mit einem Motor zu fahren". Der Plan besteht offenbar nicht darin, einfach einen künstlichen V10-Sound zu erzeugen und es dabei zu belassen, sondern vielmehr darin, "den Klang selbst neu zu gestalten". Was genau das bedeutet, ist unklar. Die Aussage deutet jedoch darauf hin, dass der neue LFA nicht völlig lautlos unterwegs sein wird.
Möglicherweise wird Lexus die Geräusche der Elektromotoren verstärken und mit Klangnuancen kombinieren, die vom frei saugenden 4,8-Liter-V10 inspiriert sind, den Yamaha für den ursprünglichen LFA mitentwickelt hat. So oder so macht Lexus deutlich, dass man nicht einfach den Sound eines Verbrenners imitieren will, um dem elektrischen Supersportwagen künstlich einen Benziner-Charakter zu verleihen.
Was den Namen betrifft, lohnt ein Blick zurück: Als das Konzept Ende vergangenen Jahres debütierte, erklärte Lexus: "LFA ist nicht an Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gebunden." Toyotas Luxusmarke hat also kein Problem damit, das Kürzel für ein Elektroauto wiederzuverwenden. Eines, das möglicherweise sogar mit einer Feststoffbatterie ausgestattet ist. Da diese seit Langem erwartete Batterietechnologie voraussichtlich eine deutlich höhere Energiedichte als konventionelle Lithium-Ionen-Batterien bietet, könnte der Supersportwagen ohne besonders großes Batteriepaket auskommen.
Entsprechend dürfte der LFA nicht übermäßig schwer werden. Allerdings wäre es unrealistisch, ein Leergewicht auch nur annähernd auf dem Niveau des Originals von 1.480 Kilogramm zu erwarten. Logisch erscheint vielmehr, dass er deutlich mehr wiegen wird als sein Vorgänger mit Verbrennungsmotor. Zur Einordnung: Toyota peilt für den GR GT ein Leergewicht von unter 1.750 Kilogramm an.
Lexus LFA EV Concept
So sehr es auch wie ein Sakrileg wirken mag, das LFA-Kürzel auf einen elektrischen Supersportwagen zu setzen, der einen hochdrehenden V10 ersetzt. Wir sind gespannt, woran Lexus hier gearbeitet hat. Feststoffbatterien könnten ein echter Wendepunkt sein, weil sie den mit Elektroautos verbundenen Gewichtsnachteil drastisch reduzieren könnten.
Auch die Preisgestaltung wird heikel sein, zumal die erste LFA-Generation selbst für ein exotisches Kleinserienmodell weithin als zu teuer galt. Sein Nachfolger steht vor einer schwierigen Aufgabe, nachdem ausgerechnet das prägende Alleinstellungsmerkmal entfällt: der V10. Sollte er am Ende mehr kosten als der GR GT, dürfte es schwer vorstellbar sein, dass sich viele Käufer für den Lexus statt für den Toyota mit Verbrennungsmotor entscheiden. Dennoch gilt: Auswahl schadet nie.
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