Mitsubishi Eclipse Cross (2026) im Test: der bessere Scenic?
Was holen die Japaner auf der Renault-Basis heraus? Das Ergebnis überrascht durchaus ...
Die Allianz zwischen Renault und Mitsubishi schlägt neue Wege ein. Unter dem historisch aufgeladenen Namen Eclipse Cross schicken die Japaner ihr neuestes vollelektrisches SUV-Crossover ins Rennen. Wer genauer hinsieht, erkennt unter dem eigenständigen Blechkleid sofort die CMF-EV-Plattform des Renault Scénic E-Tech Electric. Wir haben das Topmodell mit der großen 87-kWh-Batterie im schnellen Alltags-Check auf Herz und Nieren geprüft.
Japanischer Design-Shield trifft auf französische Proportionen
Optisch gelingt den Designern zumindestens vorn ein echter Befreiungsschlag. Die Frontpartie trägt stolz das markante "Dynamic Shield"-Gesicht der Marke. Mit den scharf gezeichneten, aggressiven LED-Tagfahrlichtern und den mattchromen Applikationen steht der Eclipse Cross im Rückspiegel verdammt bullig da. In unserer Testwagen-Konfiguration in Himalaya-Weiß mit kontrastierendem schwarzen Dach wirkt das Crossover angenehm geduckt und hochwertig.
Am Heck hingegen verfliegt die optische Abgrenzung fast vollständig. Bis auf das Markenlogo und den Mitsubishi-Schriftzug bleibt die Ähnlichkeit zum Scénic unübersehbar. Trotzdem gilt: Das SUV ist im Alltag ein echter Hingucker, der sportlich wirkt, ohne prollig zu sein.
Im Innenraum setzt sich die feine Note fort. Schwarze Kunstledersitze treffen auf großflächige Alcantara-Einsätze an den Türen und dem Armaturenträger. Weiße Ziernähte und Kederleisten setzen edle Akzente. Doch bei der Ergonomie fordert die sportliche Optik ihren Tribut. Die vorderen Sitze lassen sich zwar elektrisch verstellen, es fehlt jedoch eine Neigungsverstellung für die Sitzfläche. Groß gewachsene Fahrer klagen schnell über in der Luft hängende Oberschenkel.
Sucht man nach der optimalen Position am Volant, verdeckt der Lenkradkranz prompt Teile der digitalen 12-Zoll-Instrumente. Wer das Lenkrad höher justiert, sitzt wiederum unnatürlich steil. Ein kleiner Wermutstropfen für ambitionierte Vielfahrer. Andererseits überzeugt das Layout der Instrumententafel mit einem eigenen, klaren Design, nicht so bunt wie das französische Original.
Das Platzangebot im Fond überzeugt ebenfalls dank des großzügigen Radstands von knapp 2,78 Metern. Selbst hinter einem 1,87 Meter großen Fahrer bleibt im Fond reichlich Kniefreiheit. Weil der Fahrzeugboden trotz der mächtigen Batterie im Keller flach ausfällt, reist es sich in der zweiten Reihe ausgesprochen komfortabel.
Der Kofferraum schluckt ordentliche 545 bis 1.670 Liter. Kritik erntet hier jedoch die sehr hohe Ladekante. Da Mitsubishi auf einen doppelten Ladeboden verzichtet, mutiert das Einladen von schwerem Gepäck zur echten Fitnessübung.
Straffes Fahrwerk, synthetische Lenkung
Unter der Haube verrichtet ein elektrisch erregter Synchronmotor an der Vorderachse seinen Dienst. Die gebotenen 160 kW (218 PS) und ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern reißen zwar keine Bäume aus, sorgen aber für einen sprintstarken Antritt. Aus dem Stand zoomt sich das immerhin 1.950 Kilogramm schwere SUV in ausreichenden 7,9 Sekunden auf Landstraßentempo. Bei 170 km/h schiebt die Elektronik dem Vorwärtsdrang einen Riegel vor. Vor allem im Sportmodus spricht das Fahrpedal angenehm direkt an.
Beim Fahrwerk gehen die Japaner einen erfrischend unfranzösischen Weg. Die Abstimmung ist spürbar straff geraten. Auf schlechten Straßen und bei niedrigem Stadttempo neigt der Eclipse Cross zu einer gewissen Steifbeinigkeit. Er reicht Querfugen und Kanten recht ungeniert an die Insassen weiter. Erst mit steigendem Tempo fängt sich das System und liegt satt auf dem Asphalt.
Die Seitenneigung in schnellen Kurven bleibt trotz des hohen Gewichts überschaubar, auch wenn die rollwiderstandsoptimierten 20-Zoll-Reifen frühzeitig das Ende des Grips ankündigen. Ein echter Kurvenräuber wird der Japaner also nicht, das Sicherheitsgefühl stimmt jedoch zu jeder Zeit.
Die Lenkung hinterlässt dagegen gemischte Gefühle. Zwar lässt sie sich in drei Stufen konfigurieren, echtes Feedback von der Straße liefert sie aber in keiner Einstellung. Im Sport-Modus steigen lediglich die Bedienkräfte im Volant an, ohne dass die Präzision spürbar zunimmt. In langgezogenen Radien muss der Fahrer immer wieder leicht korrigieren.
Gewöhnungsbedürftig präsentiert sich auch der Tritt auf das Bremspedal. Dem mechanischen Stopper wohnt zu Beginn ein spürbarer Leerweg ohne Verzögerung inne, bevor die Bremsleistung plötzlich sehr abrupt einsetzt. Das sorgt im Stop-and-Go-Verkehr regelmäßig für unschöne Nickbewegungen der Passagiere. Das hervorragend abgestimmte One-Pedal-Driving in der Stadt tröstet darüber jedoch hinweg.
Hohe Alltags-Effizienz und der unschlagbare Garantie-Joker
Dass die technische Basis von Renault zu den effizientesten Plattformen auf dem Markt gehört, beweist der Eclipse Cross an der Zapfsäule – Verzeihung, an der Ladesäule. In der Stadt lässt sich der Japaner problemlos mit unter 15 kWh pro 100 Kilometer bewegen. Auf schnellen Autobahn-Etappen mit Richtgeschwindigkeit pendelt sich der Hunger bei absolut vertretbaren 23 bis 24 kWh ein.
Zusammen mit der üppigen 87-kWh-Batterie ergibt das eine reisetaugliche Praxisreichweite von deutlich über 450 Kilometern. Wer den Akku im Detail ausquetschen möchte, findet den umfassenden Lade- und Reichweitencheck im ausführlichen Schwesterartikel auf InsideEVs.de. Am 150-kW-Schnelllader vergehen im Idealfall knapp 30 Minuten für die Ladung von 25 auf 80 Prozent.
Preislich startet der Eclipse Cross mit dem großen Akku in der Ausstattung Diamant PLUS bei 47.990 Euro. Unser vollgepackter Testwagen in der Ausstattung Diamant TOP samt Luxury-Paket und Zweifarb-Lackierung schlägt mit stolzen 57.940 Euro zu Buche. Damit bewegt sich Mitsubishi auf Augenhöhe mit harten Konkurrenten wie dem VW ID.4 Pro (ab 48.900 Euro) oder dem Skoda Elroq 85 (ab 43.900 Euro).
Den entscheidenden Trumpf spielen die Japaner jedoch beim Service aus: Volle acht Jahre oder 160.000 Kilometer Herstellergarantie (inklusive der Antriebsbatterie) bieten ein extrem beruhigendes Sicherheitsnetz, bei dem die europäische Konkurrenz blass aussieht. Wer ein charakterstarkes, effizientes und rundum abgesichertes Elektro-SUV sucht, sollte den Eclipse Cross definitiv auf dem Zettel haben.
Den ausführlichen Test mit allen Daten, Fakten und Bildern finden Sie HIER auf InsideEVs.de.
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