Vergessene Studien: Pontiac Banshee XP-833 Concept (1964)
Das Serienmodell sollte zwischen Corvette und Camaro angesiedelt sein, stattdessen kam der Firebird
Es gibt Geschichten in der Automobilhistorie, die klingen wie ein packender Wirtschaftskrimi. Eine davon ist die des Pontiac Banshee XP-833 von 1964. Wenn man heute vor dem flachen, silbernen Coupé steht, fragt man sich unweigerlich: Warum durfte dieses Auto nie in Serie gehen?
Die Antwort liegt tief im Dickicht der Konzernpolitik von General Motors vergraben und ist eine der faszinierendsten "Was-wäre-wenn"-Erzählungen der US-Automobilgeschichte. Dahinter steckt kein Geringerer als John Z. DeLorean, der Mann, der später mit seinem eigenen Flügeltürer DMC-12 Weltruhm (und berüchtigte Schlagzeilen) erlangen sollte.
Bildergalerie: Pontiac Banshee XP-833 Concept (1964)
Doch Mitte der 60er-Jahre war DeLorean noch der geniale Kopf bei Pontiac. Zusammen mit Pete Estes wollte er das sportliche Image der Marke radikal schärfen. Sein Ziel: Ein kompakter, leichter Zweisitzer, der als günstigere, aber dennoch leistungsorientierte Alternative zwischen der Corvette und dem späteren Camaro platziert werden sollte.
Die "Corvette-Killer"-DNA
Das Projekt XP-833 war kein reines Showcar, sondern ein voll fahrfähiger Prototyp, der als indirekte Antwort auf die aufkeimende Pony-Car-Welle rund um den Ford Mustang verstanden wurde. DeLorean und sein Team setzten auf eine Fiberglas-Karosserie über einem massiv überarbeiteten Fahrwerk, das von der GM-A-Body-Architektur abgeleitet war. Mit einem ultrakurzen Radstand von nur 2.286 Millimeter (90 Zoll) und einem Leergewicht von knapp unter 1.000 Kilogramm war der Banshee ein echtes Leichtgewicht.
Pontiac Banshee Coupé Concept (1964)
Unter der endlos langen Motorhaube schlug ein für damalige US-Verhältnisse fast schon exotisches Herz: Ein 3,7-Liter-Reihensechszylinder mit obenliegender Nockenwelle (OHC-6). Während dieser Motor im Prototyp aus internen politischen Gründen auf etwa 155 bis 165 PS gedrosselt war, sah das Konzept bereits Ausbaustufen mit bis zu 215 PS vor. Parallel dazu entstand ein weißes Cabriolet-Pendant, das mit einem 5,3-Liter-V8 (326 cubic inches) und rund 250 PS zeigte, wie viel Dampf tatsächlich in der Plattform steckte.
Design-Vorbote der Legenden
Das Design, maßgeblich von Jack Humbert beeinflusst, war seiner Zeit weit voraus. Die fließende "Coke-Bottle"-Silhouette, die markant modellierten Kotflügel und die Klappscheinwerfer wirkten 1964 fast wie Science-Fiction. Wer genau hinsieht, erkennt: Hier wurde die Formensprache der Corvette C3 (Stingray), die erst 1968 debütierte, bereits Jahre im Voraus definiert.
Auch im Interieur bewies Pontiac Mut zur Innovation: Um Gewicht zu sparen und die Bauhöhe extrem flach zu halten, waren die Sitze fest mit der Karosserie verbunden. Statt den Sitz zu verschieben, ließen sich die Pedalerie und die Lenksäule verstellen – ein technischer Kniff, den man heute eher aus modernen Supersportwagen kennt.
Pontiac Banshee Coupé Concept (1964)
Das Veto aus der Teppich-Etage
Doch genau diese Brillanz wurde dem Banshee zum Verhängnis. Die GM-Oberen, allen voran die Verantwortlichen bei Chevrolet, bekamen kalte Füße. Man fürchtete, der günstigere Pontiac könnte der prestigeträchtigen Corvette die Show – und vor allem die Kunden – stehlen. Die Chevrolet-Spitze betrachtete den XP-833 als direkte Bedrohung für ihr Heiligtum.
Das Urteil aus der Konzernzentrale war vernichtend: Projekt gestoppt. Offiziell wurde Pontiac angewiesen, sich auf den Markt für Vier- und Fünfsitzer zu konzentrieren. Immerhin: Der Geist des Projekts floss später in den Firebird ein, doch der Traum vom reinen Zweisitzer war geplatzt.
Rettung in letzter Sekunde
Normalerweise enden solche Prototypen in der Schrottpresse. Dass wir den Banshee heute noch bewundern können, ist mutigen Mitarbeitern zu verdanken, die die Fahrzeuge buchstäblich in privaten Garagen versteckten, bis sie sie später offiziell erwerben konnten.
Heute ist der silberne Banshee XP-833 nicht nur ein millionenschweres Sammlerstück, sondern ein rollendes Monument für den Innovationsgeist von John DeLorean. Er bleibt der "Geist", der die Corvette-Entwickler noch lange in ihren Träumen verfolgt haben dürfte – als das beste Auto, das Pontiac nie bauen durfte.
Bildergalerie: Pontiac Banshee XP-833 Concept (1964)
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