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US-Strafzölle: Was bedeutet das für deutsche Autohersteller?

Wer hat wie viel im Jahr 2024 verkauft und wer produziert in den USA?

Mercedes-Benz in den USA
Bild von: Mercedes-Benz

US-Präsident Donald Trump hat eine neue Runde bei seinem Lieblingsthema Zölle eingeläutet. Und die Industrie reagiert bereits: VW stoppt Schiffe mit Autos für die USA, Ford will hingegen seine Autos in den USA verbilligen. Wir zeigen die Details und wo die deutschen Hersteller in den USA Autos bauen. Welche Auswirkungen haben die Maßnahmen von Trump?

Worum geht es überhaupt? 

Laut "Tagesschau" soll es neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten geben. Für viele Länder sollen je nach Handelsdefizit höhere Strafabgaben greifen. Auf Einfuhren aus der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen. Damit will Trump die Produktion in den USA ankurbeln. 

Bildergalerie: Werke deutscher Hersteller in den USA

Trump sprach von sogenannten reziproken, also wechselseitigen, Zöllen. Damit ist gemeint, dass die USA dort Zölle anheben, wo sie aktuell weniger verlangen als ihre Handelspartner, um angebliche Unwuchten auszugleichen. Die USA haben bereits vor Trumps gewaltiger Zollankündigung diverse Strafabgaben auf bestimmte Produkte verhängt, die weiter greifen. So sollen ab heute Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle in die USA importierten Autos gelten, für Autoteile soll diese Strafmaßnahme spätestens am 3. Mai greifen.

Was bedeutet das für die deutsche Autohersteller?

Abgesehen von Ford und Opel ist der Export in die USA seit Jahrzehnten ein wichtiges Standbein für deutsche Autobauer. Rund 16 Millionen Autos wurden 2024 in den USA neu zugelassen. Audi verkaufte dort im Jahr 2024 exakt 202.969 Fahrzeuge seiner "Markengruppe Progessive" aus Audi, Bentley und Lamborghini, ein Minus von 13,7 Prozent. BMW konnte um 0,5 Prozent zulegen und verzeichnete einen US-Absatz von 397.652 Fahrzeugen.

BMW in den USA

BMW in den USA

Bild von: BMW

Mercedes vermeldete 324.500 Fahrzeuge (plus 8 Prozent), VW 592.300 Fahrzeuge (plus 18,4 Prozent). Für Porsche ist der US-Markt eminent wichtig, dort kam man 2024 auf einen Absatz von 76.167 Fahrzeugen (plus einem Prozent), ein neuer Allzeit-Rekord. Gewiss: China ist auf den Gesamtabsatz der Hersteller bezogen noch wichtiger, aber die USA tragen auch ein gutes Stück zum Kuchen bei.

Wer produziert in den USA?

Seit den 1990er-Jahren hat Mercedes-Benz insgesamt mehr als sieben Milliarden Dollar in Alabama investiert. Davon flossen eine Milliarde Dollar in die Errichtung des Batteriewerks, in das Logistik Center und in die Flexibilisierung der Produktionslinien. Aktuell beschäftigt Mercedes-Benz U.S. International (MBUSI) rund 4.500 Mitarbeiter und sichert darüber hinaus rund 11.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern in der Region.

Seit 1997 sind rund vier Millionen Fahrzeuge im Werk in Tuscaloosa vom Band gerollt. Allein im Jahr 2021 waren es rund 260.000 SUVs. Rund zwei Drittel der Jahresproduktion gehen in den Export - damit ist MBUSI einer der größten Automobilexporteure der USA.

Luftaufnahme des Mercedes-Benz Werks Tuscaloosa, Alabama

Luftaufnahme des Mercedes-Benz Werks Tuscaloosa, Alabama

Bild von: Mercedes-Benz

Das BMW-Werk Spartanburg war 2024 erneut der größte Automobilexporteur nach Wert in den Vereinigten Staaten. Dies geht aus Daten hervor, die das US-Handelsministerium im Februar veröffentlicht hat. Das Werk Spartanburg exportierte knapp 225.000 BMW mit einem Exportwert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Seit 2014 exportierte das Werk in South Carolina über 2,7 Millionen BMW und damit knapp zwei Drittel der Gesamtproduktion – mit einem Exportwert von 104 Milliarden US-Dollar.

"Das Werk in Spartanburg ist seit über 30 Jahren ein wichtiger und heute der größte Standort in unserem Produktionsnetzwerk", erklärt Milan Nedeljković, Produktionsvorstand der BMW AG. "Der starke Exportanteil unseres Werks unterstreicht, welche Bedeutung Freihandel für die USA hat. Davon profitiert nicht nur unser Werk, sondern auch das starke Lieferantennetzwerk in der Region."

BMW Group Werk Spartanburg (USA). Luftaufnahme (Juni 2021)

BMW Group Werk Spartanburg (USA). Luftaufnahme (Juni 2021)

Bild von: BMW

Das Werk der Volkswagen Group of America, Chattanooga Operations LLC, befindet sich in Chattanooga, im US-Bundesstaat Tennessee, etwa 214 Kilometer südöstlich von Nashville. Als Volkswagens nordamerikanisches Zentrum für die Montage von Elektrofahrzeugen fertigt das Werk Chattanooga den vollelektrischen ID.4 und umfasst das hochmoderne Battery Engineering Lab. Im Werk werden außerdem der Atlas und der Atlas Cross Sport montiert.

Volkswagen Werk Chattanooga (USA)

Volkswagen Werk Chattanooga (USA)

Bild von: Volkswagen

Audi hat kein eigenes Werk in den USA, allerdings wird der Q5 ausschließlich in Mexiko produziert. Außerdem setzt Audi weiter auf marktspezifische Regionalstrategien. Vor allem in den USA, dem zweitgrößten Automarkt der Welt, will Audi seine Marktposition stärken und plant die Einführung von zehn neuen Modellen sowie weiteren Produktaufwertungen bis Ende des kommenden Jahres. Der Audi Q6 e-tron ist bereits in den US-Markt eingeführt, 2025 folgt der A6 e-tron, zudem die neuen Generationen der Erfolgsmodelle Q5, A5 und A6 mit Verbrennungsmotoren.

Auch Porsche produziert nicht selbst in den USA, kann aber als eher hochpreisige Marke die neuen Zölle wohl noch am ehesten an die Kunden weitergeben.  

Ist man also fein raus?

Nein. Denn auch in den USA produzierte Autos sind auf Teile aus dem Ausland angewiesen, selbst der uramerikanische Ford F-150. Genau darauf zielen die sogenannten reziproken Zölle von Trump. Das beeinträchtigt Lieferketten aus den unmittelbaren Nachbarstaaten Kanada und Mexiko, aber auch aus Europa. Chinesische Hersteller sind auf dem US-Markt nicht aktiv, seitdem Trumps Vorgänger Biden bereits Strafzölle von 100 Prozent auf chinesische Elektroautos verhängt hatte. 

Hildegard Müller, Chefin des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA): "Dieser Protektionismus wird nur Verlierer produzieren. Vor allem betroffen sind Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA, bei denen sich die Auswirkungen der zusätzlichen Zölle über eine steigende Inflation sowie eine geringere Produktauswahl direkt bemerkbar machen werden. Zölle dieser Art reduzieren zudem den Innovationsdruck für US-Unternehmen und schwächen so mittelfristig deren internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die bisherige Zollpolitik des US-Präsidenten ist daher auch in weiten Teilen der US-Industrie auf deutliche Kritik gestoßen.

Die angekündigten Maßnahmen sind zudem eine massive Belastung und Herausforderung sowohl für die Unternehmen als auch die globalen Lieferketten der Automobilindustrie. Die Folgen der 25 Prozent-Zölle, die ab dem 3. April mindestens auf Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und bestimmte Autoteile erhoben werden, sind noch schwer einzuschätzen. Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen.

Fakt ist, dass gerade die deutsche Automobilindustrie mit ihren über 2.000 Standorten in den USA, in denen rund 138.000 Beschäftigte arbeiten, das beste Beispiel für eine bereits seit Jahrzehnten in den USA vorhandene und mit den US-Wertschöpfungsnetzwerken tief verwobene Produktion vor Ort ist.

BMW Group Werk Spartanburg. Montage BMW X3. Februar 2025

BMW Group Werk Spartanburg. Montage BMW X3. Februar 2025

Bild von: BMW

Aus der aktuellen Situation lassen sich auch grundsätzlich notwendige Handlungen für die EU ableiten. Beispielsweise muss die Geschwindigkeit und Entschlossenheit beim Abschluss von Freihandelsabkommen massiv erhöht werden. Mit möglichst vielen Regionen in der Welt müssen hier konkrete Ergebnisse erzielt werden. Die EU muss jetzt Verfechter für den freien und fairen globalen Handel sein."

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) ist zutiefst besorgt über die Auswirkungen der umfassenden Zölle, die gestern von Präsident Trump angekündigt wurden. Damit leiten die USA das Ende der auf Reduzierung von Protektionismus und Zugangshemmnissen basierenden globalen Handelsordnung ein.

"Die von US-Präsident Trump angekündigten Zölle sind Gift nicht nur für die global ausgerichtete Automobilwirtschaft, sondern für den gesamten Welthandel. Die Folgen werden auf allen Märkten spürbar sein. Die Zölle verteuern Importe in die USA, stellen Liefer- und Handelsketten auf den Kopf und schwächen den Konsum. Bezahlen müssen das zunächst vor allem die amerikanischen Verbraucher mit einem Anstieg der Inflation und einer Schwächung des Dollars", so VDIK-Präsidentin Imelda Labbé.

Was nun?

Noch ist eine konkrete Antwort der EU nicht bekannt. Nicht nur Hildegard Müller fordert die Forcierung von Freihandelsabkommen mit anderen Teilen der Welt. Passend dazu wurde vermeldet, dass die asiatischen Exportnationen China, Japan und Südkorea einem Bericht zufolge gemeinsam auf mögliche US-Zollerhöhungen reagieren wollen. Die drei Länder hätten sich darauf geeinigt, mit einer Zusammenarbeit ihre Lieferketten zu stärken, hieß es laut dem Nachrichtensender n-tv auf einem Social-Media-Account des chinesischen Staatssenders CCTV im Kurznachrichtendienst Weibo. 

Die deutschen Hersteller geben sich noch bedeckt. Hier befindet man sich in einer Zwickmühle: Eigentlich müsste man die Strafzölle über erhöhte Preise an die Endverbraucher weitergeben. Das können aber eigentlich nur Marken wie Ferrari (dort tut man es schon) oder Porsche, deren Kunden nicht preissensibel sind.

Auch die künftige Bundesregierung dürfte gefragt sein. Wir sind auf den ersten Besuch eines möglichen Bundeskanzler Merz bei Donald Trump gespannt ...