Nach einer Woche Vorbereitungszeit und vielen Runden erhielten die ganz frisch gegründeten A2RL-Teams die Chance auf das Event, auf das sie gewartet hatten: das erste Rennen in einem völlig neuen Extrem-Motorsport.

Im Vorfeld drehten die Teams mit ihren fahrerlosen Autos auf der Rennstrecke so viele Runden wie möglich, um ihre akribisch programmierten Einsen und Nullen auf den Wettbewerb vorzubereiten. Wenn man die Strecke im Auge behielt, sah (und hörte) man nicht selten fahrerlose Autos über die Hauptgerade von Yas Marina rasen, während jedes Team an seiner Technik für das Hauptrennen feilte.

Am großen Tag herrschte auf der Rennstrecke ein reges Treiben. Eine Fanzone mit Spielen, VR und rennsportlichen Austellungsstücken begrüßte mehr als 10.000 begeisterte Fans, die sich alle darauf freuten, ein Stück Geschichte zu erleben. Als die Vorfreude auf das Rennen immer größer wurde, waren die Tribünen auf der Start-/Zielgeraden voll mit begeisterten Rennbesuchern. Männer, Frauen, Kinder - egal wer, A2RL hieß Sie willkommen.

Als die Sonne unterging, sorgte der ehemalige F1-Pilot Daniil Kwjat für Unterhaltung, indem er in einem von ihm selbst gesteuerten, von A2RL bereitgestellten Super Formula-Auto von Dallara seine Runden drehte und anschließend zeigte, was Dallaras Supercar, der Stradale, auf der Strecke leisten kann. Beide kamen beim Publikum gut an.

Kvyat war nicht einfach nur da, um eine Solo-Session auf der Strecke zu genießen, sondern um an der ersten Veranstaltung des Abends teilzunehmen: Mensch gegen Maschine. Er trat gegen das A2RL-Heimteam TII Racing an, mit dem Ziel den Unterschied zwischen einem vom Menschen und einem von Computern angetriebenen Auto zu demonstrieren. Das Auto von TII ist der fortschrittlichste autonome Rennwagen auf dem Markt, der seit der Entstehung der Serie durch die ASPIRE Group entwickelt wurde.

Während er eine gute Show ablieferte, zeigte Kwjat, dass der Mensch im Moment noch die Oberhand über die Maschinen hat. Zumindest im Moment. Nach der Veranstaltung sagte Kwjat: "Das ist ein großer technischer Durchbruch. Es ist beeindruckend, diese Autos in einem beachtlichen Tempo herumfahren zu sehen. Es ist sehr wichtig, gemeinsam auf der Strecke zu sein. Auch wenn wir nur versucht haben, vorsichtig nebeneinander zu fahren, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Denn letztendlich ist es der Wettbewerb, der den Fortschritt vorantreibt."

Von da an war es Zeit für das Rennen. Von den acht Teams aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, China, Singapur, Deutschland, Ungarn, Italien und den USA qualifizierten sich die italienischen Teams PoliMOVE und Unimore sowie die deutschen Teams TUM und Constructor (die auch die Schweiz vertreten) für das Finale, ein Nachtrennen mit vier Autos. Nie zuvor sind mehr als zwei autonome Autos Rad an Rad auf der Strecke gefahren, und die Weltöffentlichkeit war gespannt, wer Geschichte schreiben und den ersten Platz belegen würde.

Die Autos hatten im Vorfeld des Rennens Rundenzeiten von rund zwei Minuten Länge vorgelegt. Obwohl ein Mensch im gleichen Auto die Runde schneller fahren kann, bewiesen die Qualifikanten, dass ein Auto autonom und (meistens) ohne Zwischenfälle um den Yas Marina Circuit fahren kann. In der ersten Hälfte des Rennens spielten die vier Teams miteinander - das Ziel der A2RL-Rennen ist es, dass sich die fahrerlosen Autos wie von Menschen gesteuerte Autos verhalten: Überholmanöver, Nervenkitzel und Unfälle sind schließlich das A und O.

Das Team PoliMOVE war auf dem besten Weg, als erstes die Zielflagge zu sehen. Nun, zumindest bis in der fünften Runde des Acht-Runden-Finales das Unglück seinen Lauf nahm. Der leuchtend grüne lackierte Wagen der Italiener kam zum Stehen und drehte sich dann in Richtung Mauer - zum Glück fuhr er nicht hinein.

Die Fahruntüchtigkeit von PoliMOVE führte zum Rennabbruch und alle Fahrzeuge kehrten für einen Neustart an die Box zurück, um die verbleibenden drei Runden zu absolvieren. Leider musste das PoliMOVE-Team aufgeben. Während ihrer Abwesenheit übernahmen die italienischen Kollegen von Unimore die Führung ... bis ihr Auto ein ähnliches Schicksal wie PoliMOVE erlitt und einfach stehen blieb.

Diesmal wurde das Rennen nicht unterbrochen, und das deutsche Team TUM stürmte mit einem Überholmanöver in der letzten Runde zum Sieg und sicherte sich den Anteil am 2,25-Millionen-Dollar-Preistopf sowie einen Platz in den Geschichtsbüchern als erster A2RL-Sieger überhaupt. Der zweite Platz ging an das ebenfalls deutsche Team Landsmann Constructor aus Bremen, während sich Unimore den dritten Platz sicherte.

Das Rennen verlief vielleicht nicht ganz nach Plan, aber eine Zeit lang fuhren vier Autos ohne Fahrer über den Yas Marina Circuit. Für den Anfang ist das eine solide Grundlage, auf der man aufbauen kann. Die Vorbereitungen für die Veranstaltung im Jahr 2025 haben bereits begonnen.