Den immer strikteren Emissionsregularien kann sich selbst ein elitärer Autobauer wie Ferrari nicht entziehen. Da wird es zunehmend schwerer, Performance-Fahrzeuge mit reinem Verbrenner-Antrieb auf den Markt zu bringen. Sie sehen es ja an der aktuellen Modellpalette - die wird Schritt für Schritt hybridisiert. Das gilt auch für den 296 GTB. 

Vom 296 gibt es bereits eine GT3-Variante und jetzt kommt ein weiteres reinrassiges Rennpferd dazu. Es handelt sich um den neuen 296 Challenge. Der verzichtet als Rennauto auf den Elektromotor (man sollte sich vielleicht mal die Frage stellen, warum das so ist?!), weil besagte Emissionen in der Ferrari Challenge Trofeo Pirelli, wo das Auto ab 2024 antreten wird, natürlich niemanden interessieren. 

Die Ferrari Challenge hat inzwischen eine beeindruckende Historie vorzuweisen, geht nächstes Jahr bereits in ihre 32. Saison. Der 296 Challenge ist das neunte Modell für die Rennserie (angefangen hat alles mit dem 348 Challenge) und folgt auf den 488 Challenge Evo, der seit 2020 im Einsatz ist. 

Das Herz des 2024er 296 Challenge ist ein 3,0-Liter-Biturbo-V6, ganz ähnlich wie es schon beim 296 GT3 für die 2023er-Saison der Fall war. Es ist der erste Sechszylinder in einem Challenge-Auto. Die Entscheidung, den E-Motor rauszuwerfen fiel aus mehreren Gründen. Es ging um Gewicht, um Vermeidung von Komplexität und darum, dass der Challenge sowieso nie besonders untertourig gefahren wird, wo der E-Boost die meisten Vorteile bringt. 

An Leistung mangelt es trotzdem nicht. Ohne Straßenauto-Restriktionen konnten die Ingenieure nochmal mächtig aufdrehen. Das Ergebnis sind 700 PS und 740 Nm Drehmoment. Im Straßenauto leistet der V6 "nur" 663 PS, der Gesamt-Output ist aufgrund des E-Motors mit 830 PS allerdings wesentlich höher. Die Literleistung des Challenge von 234 PS ist laut Ferrari trotzdem Rekord im Segment. Geschaltet wird per 7-Gang-DCT.

Die neue CCM-R Plus-Bremse von Brembo mit verbessertem ABS soll vor allen Dingen langlebiger sein als bisher. Die Italiener sprechen von der dreifachen Lebensdauer der Scheiben und Belägen, die doppelt so lange halten wie bisher. 

Apropos: Bei der Vorstellung während des Finali Mondiali-Events in Mugello kam Ferrari-Testfahrer-Star Raffaele de Simone vor allem bei den neuen Pirelli-Pneus ins Schwärmen. Die 19-Zoll-Slicks sollen weit länger halten als bisher, auch wenn man extrem hart pusht. Das würde laut de Simone die Fahrer entlasten, weil sie nicht mehr wirklich strategisch auf Schonung des schwarzen Golds achten müssten.

Große Sprünge wurden auch bei der Aerodynamik des neuen Challenge-Racers erzielt. Bei 250 km/h wird das Auto mit 870 Kilo auf den Boden gepresst - eine Steigerung um 18 Prozent gegenüber dem 488 Challenge Evo. Die Kunden hätten sich vor allem mehr Stabilität an der Front gewünscht, heißt es aus Maranello.

Das hat man mit unter anderem einer schräg liegenden Anordnung der Kühler an der Front erreicht. Die heiße Luft der Kühler wird nach oben geleitet und tritt über eine Öffnung an der Fronthaube aus. Die GT3-basierte Lösung erhöht die Menge an Kühlluft und schließt den Unterboden des Autos, was hier den Downforce erhöht. 

Gegenüber dem 296 GTB-Straßenauto konnte man das Gewicht des Challenge um 140 auf 1.330 Kilo reduzieren. Neben der Enthybridisierung halfen die leichteren Bremsen und Sitze. Der 296 Challenge ist in Mugello zwei Sekunden schneller als sein Vorgänger. 

In Nordamerika starten die neuen Autos im April 2024, in Europa einen Monat später. Japan und UK müssen sich noch bis 2025 gedulden. Alles in allem kommen in den weltweiten Challenge-Serien etwa 150 dieser Autos zum Einsatz. 

 

Bildergalerie: Ferrari 296 Challenge